
Neben Paris und Los Angeles, kandidiert Budapest für die Austragung der XXXIII.
Olympischen Sommerspiele. Gegenwärtig sammelt eine frisch gegründete, olympiakritische Organisation Unterschriften für eine
Volksentscheidung über die Austragung in Budapest. Regierung und Medien ignorierten den Protest, bis ein Gericht jetzt die Unterschriftensammlung genehmigte. Seit einer Woche werden nun die Gründer der Organisation in den regierungsnahen Medien angegriffen. Ein führender Publizist bezeichnete die Unterzeichner in einer Fernsehsendung als "
Landesverräter". András Hont von
HVG verteidigt die Unterschriftensammler: "Eigentlich möchte ich, dass mein Land ein "
cooles,
trendy,
sexy und
fancy"
Weltereignis, wie die Olympischen Spiele ausrichtet. (...) Eines, das die Gesellschaft wirklich bewegt und nicht nur monumentale, doch schnell verwesende Mahnmale aus Beton herstellt. Dafür gibt es jedoch keine Chance. Nicht nur, weil die Zuständigen
klebrige Finger haben, sondern auch weil ihr Geschmack fragwürdig ist und damit würden die Olympischen Spiele unsere derzeitigen
entsetzlichen kulturellen Zustände wohl konservieren, ökonomisch würden sie das Land in eine aussichtslose Lage bringen. Und so will ich das Ganze halt doch nicht. (...) Aber es kann ernsthaft gefragt werden, welches Verhalten einem in seiner Bedeutung ausgedehnten Begriff wie '
Landesverrat' am ehesten entspricht: Eines, das zur Abwehr eines angenommenen Schadens arbeitet und Risiken eingeht, oder die Unterstützung einer Politik, die mit einem Federstrich unsere besten Denker und Künstler aus der Nation tilgt, die Anerkennung unserer besten Schriftsteller verweigert, NGOs als ausländische Agenten bezeichnet und ganzen Generationen den Zugang zu grundlegendem Wissen versperrt, dafür aber
niveaulose Kneipenraufer füttert und auszeichnet."