
In einem wunderbar
subtilen Stück philologischer Gelehrsamkeit geht Altmeister Frank Kermode (Jahrgang 1919) dem "Schauder" - gemeint ist ein Schauder des Angerührtseins - bei
T.
S.
Eliot nach. Den fand der britische Dichter Dante wie bei Baudelaire: "Eliot bestand streng darauf, dass Gedichte
stets als Ganzes behandelt werden müssen: 'Dantes Gedicht ist ein Ganzes ... man muss zuletzt alles verstehen, um irgendetwas zu verstehen.' Das ist eine Doktrin, die er von Baudelaire gelernt haben könnte, der sie auf 'Die Blumen des Bösen' anwendete: 'Je repete qu'un livre doit etre juge dans son ensemble.' ... Die Absätze, die Eliot in seiner Deutung jedoch auswählt, die Zeilen, die den Schauder auslösen, werden offenkundig herausgelöst und ihre Auswahl ist durch ihren Beitrag zu einer Erfahrung religiöser Verzweiflung gerechtfertigt, aber auch durch ihre technische Raffinesse, die
im je besonderen Fall studiert werden muss und durch den leisen Schauder der Entdeckung, den sie beim Leser auslöst, belohnt werden kann."
Jeremy Harding
schildert in einem umfassenden, fast schon buchartigen Essay die Anfälligkeit der britischen sowie der weltweiten
Nahrungsmittelversorgung, aber auch die massiven Probleme, die die aktuellen Produktions- und Konsumgewohnheiten hervorbringen. Darunter die Ausbeutung, auf der sie beruhen: "Dann ist da die Situation der 1,1 Milliarden Agrararbeiter: Mehr als die Hälfte von ihnen besitzen weder Land noch Maschinen und leben in einem Zustand der
Semi-Sklaverei. Inzwischen werden die Arbeitsbedingungen dieser neuen globalen Unterschicht auch als ökonomisches Problem erkannt: Die weltweite Nahrungsmittelproduktion nimmt ab, weil die unhaltbaren Zustände die Arbeitskraft schwächen und immer mehr Menschen in die Städte treiben."
Weitere Artikel: In einer recht scharfen Abrechnung
beschreibt David Bromwich, wie sich
Barack Obama, der als Gegner des Establishments antrat, längst zu dessen bestem Mann entwickelt hat. In einer gründlichen und sehr US-kritischen Analyse
erklärt Gareth Pierce, warum die USA noch immer bei weitem
nicht Rechtsstaat genug sind, um eine Auslieferung von Terroristen dorthin zu rechtfertigen. Peter Campbell
bespricht die
Ron-Arad-Ausstellung im
Barbican und Jenny Diskis
liest ein
Buch, in dem die rechte Kolumnistin
Melanie Phillips alles, was ihr liberal und links vorkommt, als Macht des Irrationalen und Bösen verdamm.