
Der Essayist
László F.
Földényi spricht im Interview über Auswirkungen der Postmoderne und die heutige ungarische Wirklichkeit: "Mit der Postmoderne trat eine
unglaubliche Nivellierung ein. An Universitäten schreiben Literaturstudenten über die idiotischsten Romane Hausarbeiten, weil ihnen weisgemacht wurde, dass alles gleich wichtig sei. Diese Nivellierung ist eine der Erscheinung der Globalisierung. Auch in der Kultur wurde alles stromlinienförmig: die Bücher, die Gemälde, die Filme. (...) Irgendein zivilisatorisch-ökonomischer Zwang ließ das Genre des
Festivalfilms und die
Literatur der Buchmessen entstehen. Auf der Frankfurter Buchmesse machen die armen Schriftsteller den Eindruck, als würden sie mit einer unsichtbaren Peitsche getrieben. Bei den Lesungen gibt es nach den zur Verfügung stehenden dreißig Minuten
keine Gnade, sie müssen die Bühne verlassen, weil der Nächste kommt. Wie auf dem Sklavenmarkt." Über das
Leben im heutigen Ungarn sagt er: "Mein Problem ist, dass ich nicht aufhören kann zu beobachten, was ich unter normalen Umständen nicht beobachten müsste. In dieser Hinsicht lebe ich
ein Doppelleben: ich bin Teil von etwas, mit innerem Ekel, Abneigung oder Wut, doch zugleich betrachte ich das Ganze auch von Außen und habe eine Meinung darüber. Doch all das kann die in mir existierenden elementaren Empfindungen, die beinahe körperlichen Symptome, nicht aufheben (...) Das bringt die gegenwärtige ungarische Situation bei jedem hervor, du kannst dich nicht entziehen, obwohl du dich permanent entziehen möchtest. (...)Nicht nur verfolgt uns das System, auch wir selbst sind mit unseren Reaktionen und Erregungen
Teil des Systems. Auch ich bin schwer deformiert. Das ist die Situation, ich hasse denjenigen, der mir gegenüber steht, und gleichzeitig fange ich unbemerkt an ihm zu ähneln. Ich fühle mich
mental unhygienisch."