
Am 04. Juni 1918 wurde im französischen
Trianon nahe Versailles der Friedensvertrag unterschrieben, nach dem Ungarn ein Drittel seiner Bevölkerung und zwei Drittel seines Territoriums verlor. Die gelenkte Erinnerung an Trianon, verbunden mit der Duldung von revisionistischen Forderungen sind Elemente der offiziellen Erinnerungsnarrative als
Identitätspolitik. Der bildende
Künstler Szabolcs KissPál arbeitet seit 2010 an einer Trilogie, welche durch unterschiedliche Formen und Mittel auf die nationalistische Wende und die damit verbundenen Erinnerungsnarrative in Ungarn kritisch-ironisch reflektiert. Vor kurzem ist ein Buch von KissPál erschienen (Von den künstlichen Bergen zu den politischen Religionen). Im Gespräch mit Magyar Narancs
erklärt der KÜnstler und Hochschuldozent (MKE, Budapest) den Hintergrund seiner Ausstellung: "Ich wollte dieses
'Pseudomuseum' so aufbauen, dass es eine echte Museumsatmosphäre hat: die Menschen sollten nicht laut kichernd durch die Ausstellung gehen, sie sollten vielmehr einem museumsgerechten, historischen Narrativ folgen. (…) Meine künstlerische Strategie ist die
Gegenfiktionalisierung: ich greife fiktionale Elemente auf, um den fiktionalen Charakter von historischen Narrativen zu enttarnen. (…) Bereits 2012 wollte ich die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit auf die Idee und den historischen Hintergrund der illiberalen Demokratie lenken. Ich hielt Ungarn für ein Laboratorium, wo der Versuch einer
erschreckenden Identitätskonstruktion im Gange war. Deshalb schrieb ich die Begleittexte so, dass das Phänomen kulturell übersetzbar ist. Mein Ziel ist es, eine europäische Geschichte durch eine ungarische Fallstudie zu erzählen." (Hier noch ein kurzes
Interview mit KissPal auf Deutsch in der
Kreiszeitung.)