
Natasha Wimmer
porträtiert den salvadorianischen Autor
Horacio Castellanos Moya, einen Freund Roberto Bolanos, der seine eigene Art hat, mit der grausamen Realität in Lateinamerika umzugehen. "Der Bürgerkrieg, der 1992 endete, formte Castellanos Moyas Leben und sein Schreiben, aber er scheint niemals seine Fantasie erobert zu haben. Obwohl die meisten seiner Romane (es sind jetzt neun) um den Krieg und seine Folgen kreisen - nie assimiliert oder romantisiert Castellanos Moya die
Kultur der Gewalt, nie verliert er sein geschärftes Bewusstsein für ihre Absonderlichkeit. Als Schriftsteller reagiert er zugleich hochsensibel und unsentimental darauf. In dem brillant lustigen und beunruhigenden Roman
'Senselessness', der auch der erste seiner Romane war, der ins Englische übersetzt wurde, ist der Erzähler ein Schriftsteller, der einen Job als Redakteur für einen 1100-seitigen Menschenrechtsbericht über ein
Massaker an Indianern während des Krieges in einem namenlosen lateinamerikanischen Land angenommen hat. Er ist gefangen von der
seltsamen Schönheit der Sprache, mit der die Opfer die Gewalt ihrer Angreifer beschreiben. Die Sätze, die er abschreibt, fließen ein in seine banale Beschreibung von Amtspolitik und fehlgeschlagenen Verführungen, bis langsam der Horror, den die Indianer beschreiben, in sein Bewusstsein dringt und einen milden Fall von Ängstlichkeit in
rasende Paranoia verwandeln."
Weiteres: In New York, Madrid und Rom fingen die
Taxifahrer jedesmal an zu jubeln, wenn
Jose Manuel Prieto auf die Frage, aus welchem Land er komme, "
Kuba" antwortete. Prieto, verstört von dieser Reaktion, antwortet ihnen mit einem
Essay: "Travels by Taxi: Reflections on Cuba" (
auf Deutsch bei Suhrkamp erschienen). Verleger und Parlament sollen endlich aufhören, dem Internet die Schuld am
Niedergang der Zeitungen zu geben (den haben die Zeitungen nämlich selbst verschuldet) und endlich über
geeignete Fördermittel nachdenken, die den Journalismus wieder revitalisieren kann,
meinen John Nichols und Robert W. McChesney. Besprochen werden
Christopher Caldwells Buch "Reflections on the Revolution in Europe: Immigration, Islam, and the West" (
Leseprobe) und eine englische
Ausgabe der Gedichte von
Rilke.