Magazinrundschau - Archiv

The New Republic

168 Presseschau-Absätze - Seite 13 von 17

Magazinrundschau vom 04.08.2009 - New Republic

Andrew Rice rollt in einer ellenlangen Reportage den sehr verwickelten Fall des in den USA lehrenden Ruanders Leopold Munyakazi auf, dem vorgeworfen wird, am Völkermord gegen die Tutsi beteiligt gewesen zu sein. Der Fall scheint nicht ganz eindeutig, die neue NBC-Produktion "The Wanted" führt die Anklage. Auch Rice hat den mit einer Tutsi verheirateten Munyakazi getroffen: "Munyakazi sagt, er sei mit seiner Familie vor den Angreifern geflohen, die sein Haus plünderten. Die Familie versteckte sich für einige Tage in einer Kirche, bis Munyakazi Hilfe von einem Freund organisieren konnte, der General Augustin Ndindiliyimana, einen höheren Militär, kannte. Der General arrangierte einen sicheren Konvoi, der Munyakazis Familie in seinem Heimatdorf nahe Gitarama absetzte. Die ruandische Anklage gegen Munyakazi sieht die Ereignisse in einem anderen Licht. Sie behauptet, dass Ndindiliyimana, gegen den gerade das UN-Kriegsverbrecher-Tribunal verhandelt, Munyakazi nach Gitarama geschickt hat, um dort die Bewohner zu mobilisieren. In den verschiedenen Dokumenten, die die Anklage vorgelegt hat, wurden die Anschuldigungen gegen Munyakazi immer schwerwiegender und ausgefeilter - was seinen Verteidigern suspekt ist -, aber der Kern der Geschichte ist, dass der Professor zusammen mit dem Bürgermeister die anderen zum Völkermord aufstachelte."
Stichwörter: Kriegsverbrechen

Magazinrundschau vom 30.06.2009 - New Republic

Hooman Majd, Autor eines Buchs über Achmadinedschad, erzählt von dem Wahlkampf Mussawis (dessen Vergangenheit er nicht idealisiert) - und vom Erkenntnisprozess, den er und Millionen seiner Landsleute nach den Wahlen durchmachten: "Es dauerte vielleicht einen Tag, dann fiel es mir und all den anderen betrogenen Iranern wie Schuppen von den Augen: Natürlich hätten sie niemals irgendjemand anders als Achmadinedschad gewinnen lassen. Darum war sein Wahlkampf so blutleer, darum schien er so wenig über die Terraingewinne der Gegenkandidaten besorgt. Dies war nie vorher geschehen. Die Wahlen im Iran waren immer einigermaßen korrekt. Genau dreißig Jahre sind seit der Revolution vergangen. Die Leute waren nicht wütend über Achmadinedschads Wahlsieg. Sie sind wütend, weil das letzte, was ihnen blieb - das letzte Spurenelement von Demokratie - jetzt bedeutungslos ist."

Außerdem verweist Abbas Milani (mehr hier) auf die politisch-religiösen Wurzeln der Demokratiebewegung, und Eli Lake erzählt, "was unsere Spione nicht wissen".

Magazinrundschau vom 16.06.2009 - New Republic

Scharfsinnig, -züngig und insgesamt nicht sehr freundlich schreibt Martin Peretz, Chefredakteur des New Republic, über Barack Obamas Kairoer Rede (Wortlaut und Video). Dabei hat er auch einige Grundprinzipien von Obamas rhetorischer Kunst dingfest gemacht: "Zwei große, aber gegensätzliche Geschichten über das selbe Problem, die auf ihn und seine olympische Gabe für das Aufspüren einer Gemeinsamkeit warten: Das ist Obamas Lieblingsdramaturgie. Er sieht sich selbst als eine Art nie dagewesenen Schiedsrichter für widerstreitende Geschichtsversionen und Philosophien. Gerne sieht er sich als jemanden, der sehen kann, was andere nicht sehen, und darum müssen sie zu ihm kommen, wenn sie in Frieden und sinnvoll leben wollen."

Fulminant ist Mark Mazowers Besprechung einiger neuer Bücher über den türkischen Genozid an den Armeniern: Immer mehr junge türkische Autoren und Journalisten wenden sich dem Thema zu, stellt er fest, und lobt Fethiye Cetins Buch (mehr hier) über ihre Großmutter: "Es verwebt zwei Geschichten - die der Großmutter, einer frommen muslimischen Frau, die ihr ganzes Leben in einer kleinen anatolischen Stadt zubrachte, und ihre eigene Geschichte, ihre Entdeckung des Geheimnisses der Großmutter. Dieses Geheimnis war, dass ihr wahrer Name nicht Seher war, sondern Heranus Gadaryan - sie war nicht als Muslimin geboren worden, sie war ein armenisches Mädchen, das von einem türkischen Gendarm gerettet und als seine eigene Tochter aufgezogen worden war."

Magazinrundschau vom 02.06.2009 - New Republic

Es ist kein guter Artikel, aber mit so frenetischem Abscheu geschrieben, dass man ihn doch zu Ende liest. Isaac Chotiner zeichnet - unter der Überschrift "The Puffington Host" - den Weg Ariana Huffingtons nach, die ihre ersten Bücher noch unter dem Namen Stassinopoulos schrieb und zuerst durch reaktionäre Statements gegen den Feminismus auffiel. "Es braucht halt eine bestimmte Art der Intelligenz um zu wissen, wann man gegen den Strom schwimmt und wann man auf der Welle surft." Eines aber habe sie immer getrieben: der Hass auf die Presse. Dann kommt die übliche Kulturkampfprosa zu ihrem Blog Huffington Post: "Einige harte Fragen müssen doch gestellt werden über die machtvollen digitalen Usurpatoren. Denn die Blogosphäre und die Nachrichtenaggregatoren, die den Cyberspace dominieren, sind völlig abhängig - wie Parasiten - von jenen Institutionen, deren Bankrott sie bewirken."

Außerdem: Michael Kinsley ist nicht zufrieden mit dem neuen Konzept für Newsweek. Anne Applebaum bespricht das Buch "Spies - The Rise and Fall of the KGB in America" (Auszug) von einem Kollektiv von drei Autoren. Und Peter Green liest eine Neuübersetzung (Auszug) von Gedichten C.P. Cavafys durch Daniel Mendelsohn.

Magazinrundschau vom 26.05.2009 - New Republic

Sehr beschwingt schreibt Michael Lewis über eine monumentale Warren-Buffett-Biografie von Alice Schroeder, die er sich gern noch dicker als die fast tausend Seiten wünscht, die sie hat. Es liegt daran, schreibt er, dass Buffett so ehrlich ist. Nun hat jemand zugehört und all die Zitate treu notiert, was Buffett offensichtlich durchaus Schmerzen bereitet hat. "Schlimmer noch, sie ist eine Frau! Buffett hat immer schon mit viel Glück attraktive und intelligente Frauen in sein Leben integriert. Schroeder beschreibt sie, ohne zu erwähnen, wie perfekt sie in dieses Muster passt. Diese Frauen hatten immer das Bedürfnis, ihre Mann zu schützen und die eigenen Bedürfnisse unterzuordnen - bis jetzt. Buffett hätte es besser wissen sollen: Traue nie einem Autor. Vor allem nicht, wenn sie so gut ist..."
Stichwörter: Lewis, Michael

Magazinrundschau vom 12.05.2009 - New Republic

Es war nicht ohne, diese Ausgabe mit ausgewählten Briefen Samuel Becketts zusammenzustellen, erzählt John Banville. Denn nach Becketts Wunsch sollte sie nur Briefe beinhalten sollten, die sich auf seine Arbeit beziehen - was im Leser Banville einige Frustration auslöst. Doch sklavisch haben sich die Herausgeber offenbar auch nicht an Becketts Anweisungen gehalten. So zitiert Banville aus einem Brief, den Beckett nach dem Tod seines Vaters 1933 an Thomas McGreevy schrieb: "Er war sechzig, aber wieviel jünger schien und war er. Er witzelte und fluchte über die Ärzte, solange er atmen konnte. Er lag im Bett ... und schwor feierlich, dass er keinen Handschlag mehr arbeiten würde, wenn es ihm besser geht. Er würde auf den höchsten Punkt der [Halbinsel] Howth fahren, sich in den Farn legen und furzen. Seine letzten Worte waren 'kämpfen kämpfen kämpfen' und 'Was für ein Morgen'. All die kleinen Dinge kommen zurück - memoire de l'escalier. Ich kann nicht über ihn schreiben".

Außerdem: Istvan Deak würdigt in seiner Besprechung von Philipp Freiherr von Boeselagers Erinnerungen die Männer des 20. Juli, hätte aber auch einige Fragen an den Autor. Adam Kirsch macht in einer Besprechung einer englischen Anthologie klassischer chinesischer Gedichte auf faszinierende Art deutlich, warum Nichtkenntnis manchmal genauso gut sein kann wie Kenntnis des Hintergrunds.

Magazinrundschau vom 17.02.2009 - New Republic

Paul Starr von der Princeton University analysiert in einem faktenreichen und im Ton angenehm sachlichen Artikel von epischer Länge die niederschmetternde Situation der Zeitungen in den USA. Um es gleich vorwegzunehmen: einen Lösungsvorschlag hat er nicht. Und doch "ist dies nicht die Zeit für Internettriumphalismus", schreibt er. Denn das Internet könnte statt eine breiter informierte allgemeine Öffentlichkeit auch eine Zwei-Klassen-Informationsgesellschaft herausbilden. Schon das Kabelfernsehen habe diesen Trend eingeleitet. "Wie [Markus] Prior uns in seinem Buch 'Post-Broadcast Democracy' erinnert, hatten die drei großen Fernsehsender in den frühen Jahrzehnten des Fernsehens bis in die 70er hinein eine praktisch gefangene Zuschauerschaft, weil sie die Abendnachrichten alle zur selben Zeit brachten. Obwohl viele Menschen nach der Arbeit vielleicht lieber ein Unterhaltungsprogramm gesehen hätten, haben sie die Nachrichten mit Walter Cronkite oder Chet Huntley und David Brinkley gesehen und etwas über Politik und Weltereignisse gelernt. Als Kabel- und Satellitenfernsehen entwickelt wurden, konnten die Zuschauer wählen. Laut Prior floh eine große Gruppe, etwa drei von zehn Zuschauern, von den Nachrichten zu Unterhaltungsprogrammen, während eine kleinere Gruppe, vielleicht einer von zehn, anfing, mehr Nachrichten und politische Dieskussionen zu verfolgen, weil sie jetzt Zugang zu Fox News, CNN und MSNBC hatten. Im Ergebnis, das zeigen Priors Zahlen, führte das zu einer steigenden Ungleichheit in politischem Wissen zwischen den Nachrichten-Drop-outs und den Nachrichten Junkies."

Außerdem: Joe Mathews beklagt den journalistischen Niedergang der Los Angeles Times. Und Gabriel Sherman stellt das Nachrichtenmagazin Politico vor, das in der kurzen Zeit seines Bestehens die großen Zeitungen ins Schwitzen gebracht hat.

Magazinrundschau vom 18.11.2008 - New Republic

Distanziert, aber doch irgendwie beeindruckt blickt Noam Schreiber auf Obamas Truppe, die sich durch Eigenwilligkeit auszeichnet. Da ist der künftige Bürochef Rahm Emanuel, "einer der unberechenbarsten und gottlosesten Menschen", die je im Kongress saßen. Da ist der "berühmt undisziplinierte" Vizepräsident Joe Biden. Da sind Obamas Wahlkampfmanager David Axelrod und David Plouffe, beide bekannt dafür, sich bei Bedarf "sehr klar" ausdrücken zu können. Für Noam Schreiber zeigt das "eine Seite von Obama, die oft übersehen wird: Er mag seine Vertrauten eigenwillig und direkt. Dank seiner Sensibilität eines Autors betrachtet er solche Menschen mit anthropologischer Neugierde. Soll niemand vergessen, dass er als seinen Pastor Jeremiah Wright gewählt hat, einen Mann, der was dramatisches Flair angeht Laurence Olivier das Wasser reichen kann. Einer der vertrautesten Helfer dieser Tage ist der deftige Südstaatler Robert Gibbs ... Gibbs ist bekannt für seine Unverblümheit gegenüber seinem Boss. Eines Tages, zu Beginn von Obamas Amtszeit im Senat, kam Obama zu Gibbs und fragte ihn, wer der Präsident Tansanias sei. 'Wen zur Hölle interessiert das', gab Gibbs laut dem Obama-Biografen David Mendell zurück. Obama fing an zu lachen."

Adam Kirsch nimmt Slavoj Zizek auseinander. Das ganze Gerede über Gewalt sei nicht so gemeint? Quatsch. Alles nur Ironie? Doppelquatsch. Zizek ist so links, dass er inzwischen bei den Faschisten angekommen ist, meint Kirsch. Den slowenischen Philosophen schert das einen feuchten Kehricht. Kirsch zitiert ihn (pdf, Seite 29): "Um klar und brutal zum Ende zu kommen, es gibt eine Lektion, die man aus Hermann Görings Antwort in den frühen Vierzigern lernen muss, als er von einem fanatischen Nazi gefragt wurde, warum er einen bekannten Juden vor der Deportation bewahrt habe: 'In dieser Stadt entscheide ich, wer ein Jude ist!' ... In dieser Stadt entscheiden wir, was links ist. Lasst uns also die liberalen Klagen über 'Widersprüchlichkeit' einfach ignorieren."

Magazinrundschau vom 16.09.2008 - New Republic

Auf eine paradoxe Weise ist die Bush-Regierung sogar an den kaltschnäuzigen Reaktionen vieler angeblicher Linksliberaler auf die russische Strafaktion gegen Georgien schuld, findet David Greenberg in der New Republic. Sie verteidigten mit Blick auf Russland einen kruden Machtrealismus, der ihren hehren Prinzipien sonst doch widerspreche. Und so schafft man es auch noch, dieses Versagen auf Bushs Konto zu verbuchen: "In der Vorbereitungszeit des Irak-Kriegs kidnappte die Bush-Regierung das liberale Vokabular von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten. Dann führte sie diese Rhetorik ad absurdum, indem sie der UNO eine Nase drehte, bürgerliche Freiheiten daheim einschränkte und Verdächtigte folterte. Aus Scham angesichts dieser Taten im Namen ihrer Grundwerte wandten sich die Liberalen nicht nur gegen Bush sondern gegen diese Grundwerte selbst. Sie überließen sie den Neocons und entfernten sich so weit sie konnten von jedem außenpolitischen Idealismus."
Stichwörter: Georgien, Irak, UNO, Folter, Idealismus

Magazinrundschau vom 26.08.2008 - New Republic

Der Ökonom Joseph Stiglitz versucht, die Schäden der Hypothekenkrise für die amerikanische Wirtschaft abzuschätzen: "Wenn die Große Depression unser Vertrauen in die Makroökonomie unterminiert hat (die Fähigkeit, Vollbeschäftigung, Preisstabilität und nachhaltiges Wachstum herzustellen), dann wird nun unser Vertrauen in die Mikroökonomie zerstört (die Fähigkeit von Märkten und Firmen, Arbeit und Kapital effizient zu verteilen). Ressourcen wurden falsch bemessen und Risiken so falsch gemanagt, dass der private Sektor zur Regierung gerannt kommen musste, um zu verhindern, dass das ganze System zusammenbricht. Bundeshilfen mitberechnet, schätze ich, dass sich die Kluft zwischen dem, was unsere Wirtschaft hätte produzieren können, wenn wir tatsächlich in Geschäfte investiert hätten statt in Hypotheken für Leute, die sich ihre Häuser nicht leisten konnten, und dem, was wir in der Phase der Abschwächung erwirtschaften werden, auf 1,5 Billionen Dollar belaufen wird."

Der israelische Historiker Benny Morris empfiehlt Andrew G. Bostoms - vielleicht etwas unorganisierte - Geschichte des islamischen Antisemitismus "The Legacy of Islamic Antisemitism", die den Finger auf die Wunde lege: Dem Islam sei Judenfeindschaft von Anbeginn eigen: "Es begann mit dem Koran - oder eher, mit der Begegnung von Mohammed, dem Propheten der neuen Religion, und den jüdischen Stämmen im Hedschas, dem Gebiet des westlichen Arabiens, zu dem auch Mekka und Medina gehören, in dem der Islam um das Jahr 620 herum entstand. Die Juden lehnten, wenig überraschend, den neuen Glauben und seinen Propheten ab; und wenn man dem Koran glauben darf, dann waren sie verächtlich und sarkastisch (Religionen können Humor auf ihre Kosten nie gut verkraften). Tatsächlich behauptet der Koran, dass die Juden geradezu feindlich waren und sogar versuchten, den Propheten zu vergiften. Mohammed selbst hatte bereits zuvor die Ermordung prominenter jüdischer Gegner angeordnet, viele andere zum Übertritt gezwungen oder vertrieben, Hunderte wurden abgeschlachtet und ihre Frauen und Kinder in die Sklaverei gegeben."