
Ruth Franklin mochte
Jonathan Franzens Roman
"Freiheit" überhaupt nicht, vor allem
stört sie sein
Begriff von Realismus. "Ist das wirklich alles, was wir von der Kunst erwarten? Besteht Realismus nur in der Niederschrift von Realität? Noch während ich mich über die vielen Lobeshymnen wundere, die Franzens geradezu übernatürliche Gabe preisen, uns zu zeigen, wie wir tatsächlich aussehen, traf mich der Solipsismus der Formulierungen - sind wir wirklich das wichtigste und interessanteste Thema? - und der Begrenztheit eines solchen ästhetischen Unternehmens. In 'The Mirror and the Lamp' ging der große Kritiker
M.
H.
Abrams vor vielen Jahren einem solchen geschrumpften Ideal nach. Er behauptete, dass zu Beginn der romantischen Periode eine fundamentale ästhetische Verschiebung stattgefunden habe, als Schriftsteller und Künstler von der Kunst nicht mehr das Leben widerspiegeln, sondern es mit der eigenen Vorstellungskraft erleuchten wollten. So gesehen ist es nicht die Aufgabe des Romans zu zeigen,
wie wir leben, er soll uns vielmehr helfen herauszufinden, wie wir leben
sollen - was genau die Form der Erhellung wäre, nach der so viele Charaktere in 'Freiheit' verlangen. Das ist der Punkt, an dem Franzen scheitert. Er ist
ganz Spiegel,
nicht Lampe."
Adam Kirsch hat nur eine Passage von
Jonathan Franzens "Freiheit" gelesen, die aber hat ihm
gereicht. Es geht um Jennas Vater, den
Paul Wolfowitz nachempfundenen, jüdischen Präsidenten eines neokonservativen Think Tanks, der in Anlehnung an
Leo Strauss die noble Lüge propagiert und als "
jüdischer Strippenzieher" gezeichnet ist: "Dass Franzen so unkritisch ein solches Bild reproduzieren kann, erinnert daran, wie hässlich und obsessiv der Antikriegsdiskurs mitunter wurde."
Sehr gelungen
findet Matt Zoller Seitz die Fortsetzung von
Oliver Stones Wall-Street-Film, "Money never Sleeps". Allerdings musste Stone dafür das Drama von der
Wall Street weg und in die Familie hinein verlegen, um nicht in die Falle des ersten Films zu tappen: Der "glorifizierte, was er bloßstellen wollte, und verwandelte 'Gier ist gut' von einer ironischen Klage zu einem Schlachtruf. Die alchemistische Transformation von einer warnenden Erzählung zu einem gern zitierten Blockbuster erinnert an ein berühmtes Zitat von
Francois Truffaut, das auch schon für Stones 'Platoon' galt: Es gibt
keine Antikriegsfilme, denn Krieg gehört zu den schönsten Kinospektakel überhaupt, und wenn man ihn auf die Leinwand bringt, ist er einfach aufregend."