
Selten ist ein Buch in den letzten Jahren mit solcher Verve
verrissen worden wie
Nicholson Bakers (mehr
hier) pazifistische Streitschrift "Human Smoke" (
Auszug), die die Berechtigung des alliierten Kriegs gegen die
Nazis in Frage stellt, durch die Gulag-
Historikerin Anne Applebaum. Es ist eine doppelte Polemik, einerseits gegen Bakers Buch, andererseits gegen das
Internet und einen ihrer Meinung nach hier grassierenden Unernst, der mit zusammengestoppeltem Wissen aus Google und Wikipedia
Verschwörungstheorien fabriziert. Und Baker ist Wikipedia-Fan, wie er jüngst in der
New York Review of Books unterstrich! Bakers Buch resümiert Applebaum so: "Man kann mit Bakers Argumentation nicht uneins sein, weil er keine hat. Er baut keine Beweisführung auf, er unterstellt und lässt den Leser raten, was. Meine beste Paraphrase seiner Ansichten geht so:
Churchill war ein Tyrann und Trinker. Die
Roosevelts waren Snobs und Antisemiten. Also waren sie nicht gut. Also war ihr sogenannter 'guter' Krieg reine Heuchelei. Also kämpften sie nur, weil sie Büttel des militärisch-industriellen Komplexes waren und und eine
blutrünstige Vorliebe für Flächenbombardements hatten..." Und so weiter...
Nun sieht es so aus, als würde
Barack Obama für die Demokraten ins Rennen gehen. Sicherlich gibt es heute weit
weniger Rassismus als noch vor fünfzig Jahren,
schreibt John B. Judis, aber es bleibt ein rassistisches Unterbewusstsein, das sich durch subtile soziologische Methoden ans Licht bringen lässt. Etwa
15 Prozent der Anhänger der Demokraten würden Obama nicht wählen, weil er schwarz ist, und die Frage ist in Judis' Artikel, ob und wie Obama dieses Hindernis überwinden kann. Die eher noch rassistischen Bevölkerungsteile findet Judis in der
weißen Working Class, aber nicht nur dort: "Die einzigen Gruppen, die keine rassischen Aversionen gegen Schwarze zeigten, waren Weiße mit Universitätsabschluss und natürlich Afro-Amerikaner. Die
Hispanics hatten fast so viele Vorurteile wie die Weißen, und dann gibt es da noch die als 'Andere' bezeichnete Gruppe, die
Asian-Americans einschließt und die noch ausgeprochenere Ressentiments hegt - einer der Gründe, warum Obama in Kalifornien so schlecht abschnitt." Laut Judis sollte Obama die Rassenfrage im Wahlkampf eher vermeiden und sich auf die Themen Irak-Krieg und Wirtschaft konzentrieren.
Die New Republic ist auch sonst in Form, diese Woche:
Cynthia Ozick schreibt einen großen Essay über
Lionel Trilling. Francesca Mari
erklärt, was "Cosmic Realism" ist. Gabriel Sherman
analysiert Murdochs Strategie für das
Wall Street Journal.