
Shiraz Maher
erzählt die Geschichte des
Anjem Choudary, der nach jahrzehntelangem prominenten Wirken in schlimmsten islamistischen Organisationen nun endlich von einem britischen Gericht wegen Führens einer Terrororganisation zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. "Als '
bekanntester islamischer Extremist Großbritanniens' war er eine Art Anti-Celebrity. Fast zwei Jahrzehnte lang war er regelmäßig auf unseren Kanälen zu sehen. Nach fast jedem Terroranschlag erschien er, um eine unsensible, empörende oder anderweitig irritierende Botschaft zu verbreiten." Maher konzentriert sich in seinem Artikel mehr auf Choudarys Geschichte selbst, als auf die britischen Institutionen und eine Öffentlichkeit, die ihn gewähren ließen und möglich machten. Eine Episode aus der frühen Zeit seines Wirkens zeigt,
welchen Freiraum er und seine Mitstreiter hatten. Damals war er noch an der Seite des ebenso prominenten Omar Bakri Muhammad. Man wollte 1993 im Wembley-Stadion eine Art großes
Islamisten-Event veranstalten, zu dem man auch hoffte,
Osama bin Laden einladen zu können. Das Wembley-Stadion machte allerdings so teure Sicherheitsauflagen, dass das Festival nicht zu organisieren war. "Für Bakri und Choudary spielte das alles keine Rolle. Die abgesagte Veranstaltung hatte bereits genau das erreicht, was sie wollten - Aufmerksamkeit für ihre Sache auf globaler Ebene. Bemerkenswert ist jedoch, dass es die Wembley-Arena war, die die Absage der Veranstaltung erzwang,
nicht die Behörden. Als der damalige Außenminister Malcolm Rifkind zu der Konferenz befragt wurde, stellte er lapidar fest: 'Leute, die Konferenzen abhalten wollen, brauchen natürlich keine Erlaubnis der Regierung einzuholen.' Diese scheinbare Gleichgültigkeit verärgerte Verbündete im Ausland, die glaubten, dass das Vereinigte Königreich gegenüber dem islamistischen Extremismus absichtlich einen
weichen Ansatz wählte. Der britische Staat schien zu kalkulieren, dass wir zu Hause sicher seien, solange diese Welle reaktionärer Wut ins Ausland gelenkt würde."
In der Titelgeschichte des
New Statesman fragt sich Madeleine Davies, wie damit umgegangen werden soll, dass sich auf der einen Seite immer weniger Menschen als Christen bezeichnen, auf der anderen aber Personen wie Elon Musk und Jordan Peterson eine Art
Kulturchristentum hochhalten. Vorschläge bietet der Schriftsteller
Tom Holland, dessen Buch
"Dominion" in England für Furore gesorgt hat: "Sein Vorschlag für die Church of England ist, dass sie die
'seltsame' Natur des Glauben betonen sollte. Er kritisiert die Führung dafür, das nicht zu tun. 'Anstatt mit der Stimme der Prophezeiung zu sprechen, anstatt trauernden und ängstlichen Menschen zu erklären, wie die Toten in das Licht des ewigen Lebens schweben, anstatt Wunder und Geheimnisse zu verkünden, die nur sie verkündet, scheint sich die Kirchenführung entschlossen, wie ein
mittleres Management aufzutreten,' schrieb er während der frühen Wochen der Corona-Pandemie. Die Kirche sei 'zu erfolgreich', meinte er. Die Gaben des Christentums an die Kultur, verankert im Glauben an die Gleichheit aller, Bildung, Gesundheits- und Sozialfürsorge, würden nicht mehr als solche anerkannt. 'Die Zukunft der Kirchen liegt darin, die Menschen daran zu erinnern, woher diese Ideen kommen', behauptet Holland. 'Sie kommen daher, an verrückte Dinge zu glauben, daran, dass es einen Gott gibt, der alle Menschen gleichwertig geschaffen hat, der ihnen ihre Würde gegeben hat, weil sie als Abbild Gottes geschaffen wurden. (…) Es sind, objektiv, aus einer rationalen Perspektive,
verrückte Dinge. Aber ihre Verrücktheit ist genau der Grund, warum sie so machtvoll sind.'"