Magazinrundschau - Archiv

The New Statesman

191 Presseschau-Absätze - Seite 2 von 20

Magazinrundschau vom 04.02.2025 - New Statesman

Will Dunn stellt einen Vergleich an zwischen Bill Gates und Ren Zhengfei, den Gründer des Telekommunikationsausrüsters Huawei. Beides Menschen, die es nach oben geschafft haben - bei denkbar unterschiedlichen Ausgangssituationen: "Um ein erfolgreicher Unternehmer zu werden, bedarf es einer außergewöhnlichen Risikobereitschaft. Eine Möglichkeit, diese zu erlangen, besteht darin, mit ihr geboren zu werden - genug Wohlstand zu besitzen, sodass Misserfolge keine echten Konsequenzen hat. Auf diesem Modell beruhen die frühen Karrieren Donald Trumps und Elon Musks, und es gab Bill Gates - dessen Urgroßvater eine der größten Banken Seattles gründete - das Selbstvertrauen und die Sicherheit, Microsoft zu etablieren. Der andere Weg besteht darin, so wenig zu haben, dass die Welt ohnehin mit deinem Scheitern rechnet; es könnte die Dinge kaum noch schlimmer machen. Unter solchen Bedingungen gründete Ren Zhengfei Huawei, ein Unternehmen, das zum weltweit größten Anbieter von Telekommunikationsausrüstung werden sollte. Trotz ihrer sehr unterschiedlichen Hintergründe sind Gates und Ren beide Produkte der Systeme, die sie umgaben. Gates wuchs im Nachkriegsamerika auf, einem Land, das seiner Meinung nach für seine Generation neu aufgebaut wurde - und speziell für diejenigen seiner Generation, die mit seiner Kombination aus Intellekt, Neugier und Gier ausgerüstet sind. Ren wurde in einer kommunistischen Diktatur geboren, in der er Pragmatismus und politisches Geschick erlernte."

Magazinrundschau vom 27.01.2025 - New Statesman

Francisco Garcia besucht ein serbisches Dorf, das sich, inzwischen im Rahmen einer nationalen Protestbewegung, gegen den Plan eines internationalen Konzerns wehrt, in der Gegend Lithium abzubauen. Lithiumbatterien, die unter anderem in E-Autos eingebaut werden, sind ein zentrales Element des Wandels hin zu einer vermeintlich grüneren Wirtschaft. Die ökologischen Folgeschäden von Lithium-Minen allerdings sind ein nicht nur in Serbien ungelöstes Problem: "Es ist für viele Serben - ganz zu schweigen von Ghanaern, Bolivianern, Portugiesen oder Menschen anderer Nationen, die den zweifelhaften Segen bedeutender Lithiumvorkommen kennengelernt haben -  äußerst schwierig, die Unternehmensrhetorik über die zentrale Rolle dieser Substanz in der bevorstehenden großen globalen grünen Wende mit der weitaus unmittelbareren, lokalen Umweltzerstörung, die der Abbau mit sich bringen wird, in Einklang zu bringen. Aktivisten und Experten, mit denen ich in Serbien und sprach, sagten mir oft, dass es so etwas wie nachhaltigen Bergbau einfach nicht gibt. 'Das ist ein Oxymoron', sagte mir Stevan Filipović. 'Lithium an sich ist nicht grün, es kann nicht grün sein, wegen der Chemikalien, die man verwenden muss, um es zu extrahieren, und der Menge an Wasser, die man für diesen Prozess benötigt.' Das Jadar-Projekt soll eine Lebensdauer von 40 Jahren haben. Wenn dieser der Zeitraum, den (das Unternehmen) Rio Tinto als profitabel betrachtet, vorbei ist, was passiert dann? Wenn die Erde und das umliegende Land bis zur Unkenntlichkeit vernarbt sind und kaum Hoffnung auf eine Rückkehr zur Landwirtschaft besteht? Eine zufriedenstellende Antwort gibt es bisher nicht. 'Seien wir ehrlich', sagte Marija Alimpić zu mir, 'Bergbau ist die zerstörerischste menschliche Aktivität auf diesem Planeten. Man kann ihn nicht 'grün' betreiben.'"
Stichwörter: Lithium, Serbien, Bergbau

Magazinrundschau vom 07.01.2025 - New Statesman

Phil Tinline beschäftigt sich mit der Britannien-Obsession der amerikanischen Rechten. Die üblichen Verdächtigen um Gestalten wie Ted Cruz und Elon Musk schimpfen auf den vermeintlichen totalitären Nanny State jenseits des Ozeans und beschwören gar einen kommenden innerbritischen Bürgerkrieg herauf. Man könnte sich fast über derartigen Unsinn amüsieren, meint Tinline, würde derartige Rhetorik in seiner Heimat nicht auf fruchtbaren Boden stoßen: "Mit Abstand die krasseste Manifestation des Phänomens in unserer politischen Landschaft war ein blutrünstiger Wahlwerbeclip der Konservativen Susan Hall, die für das Londoner Bürgermeisteramt kandidiert. Sie spielte auf Statistiken zu Drogen- und Messerkriminalität an und nahm die Einführung der Ultra Low Emissions Zone (ULEZ) zum Anlass, die 'Sadiq-tatur' der Hauptstadt anzuprangern. 'In den Tiefen dieser engen Gassen', grollte eine Stimme im Hintergrund, 'patrouillieren Trupps von ULEZ-Vollstreckern, gekleidet in Schwarz, mit maskierten Gesichtern, die Gemeinden im Auftrag ihres Labour-Bürgermeister-Overlords terrorisieren, der eine Steuer auf das Autofahren eingeführt hat, um Menschen dazu zu zwingen, in ihren Häusern zu bleiben oder unter die Erde zu gehen. Es gibt mehrere Hinweise auf die intellektuelle Herkunft des Videos. Zum Beispiel die Erzählweise im Stil eines Hollywood-Trailers. Dann die Szene, in der Fahrgäste aus einer U-Bahn-Station fliehen, begleitet von der Aussage: 'Im Chaos suchen die Menschen verzweifelt nach Rettung' - sie musste entfernt werden, als sich herausstellte, dass es sich tatsächlich um Aufnahmen der Penn Station in Manhattan handelt. Die ganze Inszenierung basierte auf einer Idee, die auch in Tweets über die Unruhen zu finden war: dass Britannien mit seinen 'engen Gassen' in eine Tyrannei abdriftet, die nach amerikanischen Vorgaben definiert wird."

Magazinrundschau vom 17.12.2024 - New Statesman

Die Aufarbeitung der Schrecken des Assad-Regimes in Syrien steht erst ganz am Anfang. Cian Ward berichtet über die verzweifelten Versuche, zumindest die Toten, die in den berüchtigten Foltergefängnissen starben, zu identifizieren. Angehörige haben sich zu den Gefängnissen aufgemacht, auf der Suche nach Spuren der Vermissten. "Mitten im Chaos eilen die weißen Gestalten eines überarbeiteten Krankenhausteams umher. Maskiert, mit Kapuzen und in Schutzanzügen gehüllt, kämpfen sie darum, Ordnung in die Anarchie zu bringen. Ihre Aufgabe ist es, die Opfer zu kategorisieren und zu identifizieren, in der Hoffnung, den Familien endlich Frieden zu verschaffen. 'Wir nehmen ihren Zahnabdruck und überprüfen dann sekundäre Merkmale wie Tattoos oder Operationsnarben', erklärt Dr. Yasser Al Kassem, der stellvertretende Leiter der forensischen Abteilung des Krankenhauses. 'Diese Informationen werden protokolliert und verarbeitet. Suchende Familien werden gebeten, ein ähnliches Formular auszufüllen, um zu sehen, ob es Übereinstimmungen bei solchen Merkmalen gibt ... Außerdem bitten wir die Familien um ein Foto ihres Angehörigen, vorzugsweise mit einem klaren Lächeln, da es uns die Identifizierung erleichtert.' Dieses Identifizierungsverfahren wird angewandt, weil die Opfer aufgrund ihrer verwesenden Haut, die ihre Wangen strafft, ausschauen, als würden sie grinsen. Das Team gibt sein Bestes, um die Leichen zu konservieren, scheint jedoch den Wettlauf gegen die Zeit zu verlieren. 'Wir tun unser Möglichstes', sagt Al Kassem, 'aber wir haben nicht genug Kapazitäten. Die Verwesung hat bei vielen bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht, was auf Misshandlung hindeutet; es ist offensichtlich, dass sie vor ihrem Tod nicht ausreichend ernährt wurden.'"

Magazinrundschau vom 10.12.2024 - New Statesman

Anders als die erste Wahl Donald Trumps zum Präsidenten ist die zweite weniger ein politisches als ein soziales Erdbeben, argumentiert Christopher Caldwell - und sieht das Ende der Wokeness-Ära heraufziehen. Letztlich geht es, ist Caldwell überzeugt, um einen Generationenwechsel. Als Beispiel führt er unter anderem Trumps erfolgreiches Werben um Wähler unter Podcast-Hörern und Fans der Mixed-Martial-Arts-Liga UFC mithilfe von Statements an, die Transaktivisten kritisieren: "In diesem jüngeren Amerika kann ein vage 'gangsta'-artiger Politiker in einer Diskussion über Menschenrechte glaubwürdiger wirken als die linke Anwältin Harris. Es liegt nicht daran, dass UFC-Zuschauer Transaktivismus politisch ablehnen - auch wenn die meisten von ihnen das wahrscheinlich tun. Es liegt vielmehr daran, dass die woke Vision der Vereinigten Staaten - in der eine Monokultur heterosexueller weißer Männer ihre 'Privilegien' über alle anderen ausspielt - nicht mit ihrer Lebensrealität übereinstimmt. In den letzten drei Jahren waren 51 Prozent der in den USA geborenen Babys nicht-hispanische Weiße. Selbst wenn es so etwas wie 'weiße Privilegien' gibt, sind sie ein Problem, das der demografische Wandel wahrscheinlich lösen wird. Trump gewann 21 Prozent der Stimmen schwarzer Männer - das Doppelte seines vorherigen Anteils und das beste Ergebnis eines Republikaners seit 1972. Trotz all der akademischen Diskussionen war die Wahl 2024 die am wenigsten ethnisch polarisierte der Post-Bürgerrechtsära. Es gibt gute historische Analogien dafür, wo sich die Vereinigten Staaten jetzt befinden. Die Wahl Franklin Roosevelts im Jahr 1932 war der Moment, als die damaligen europäischen 'ethnischen' Einwanderer endlich ihre Präsenz an den Urnen bemerkbar machten und in 'gewöhnliche' Amerikaner umgewandelt wurden. Für eine erstaunlich lange Zeit hatten sich die Amerikaner - mit wenigen Ausnahmen - für eine Ansammlung von Übersee-Engländern gehalten. Diese Ausnahmen wurden 1932 zur Mehrheit. Vielleicht war 2024 die Wahl, in der die nächste Welle von Einwanderern - Lateinamerikaner, Asiaten und andere - diesen Prozess beginnt."
Stichwörter: Trump, Donald, Woke, Wokeness

Magazinrundschau vom 08.10.2024 - New Statesman

Fintan O'Toole unterhält sich mit der irischen Schriftstellerin Sally Rooney über deren neues Buch "Intermezzo". Es geht um Sex, Trauer, das Patriarchat, die Romanform - und um Religion, ein Thema, das Rooney gerade deshalb interessiert, weil es in der modernen Welt (zumindest in dem Teil, in dem sie selbst lebt) immer mehr an den Rand gedrängt wird: "Mich interessiert, dass die Religion und der Glaube innerhalb weniger Generationen fast vollständig aus der Menschenheitsgeschichte zu verschwinden scheinen. Das ist beispiellos und stellt einen faszinierenden, rapiden kulturellen Wandel dar, mit dem wir institutionell nicht Schritt gehalten haben. Philosophisch und kulturell ist ein großer Teil der schriftlichen Überlieferung, die wir erben, im religiösen Glauben verwurzelt, und wir eignen uns diese Texte nun aus einer ganz anderen kulturellen Perspektive an. In meiner demografischen Gruppe ist religiöser Glaube selten, und ich denke, das spiegelt sich allgemein in den Statistiken wider. Wie und warum ist das passiert? Wie sind wir in diese Situation geraten? Ich bin interessiert an der Art von Abwesenheit, die dadurch geschaffen wurde - in Bezug auf dieses reiche textuelle Erbe, dem manchmal das zu fehlen scheint, was in unserer Tradition vielleicht das zentrale Merkmal war, nämlich Christus, oder allgemeiner, Gott. Diese Figur ist verschwunden, und so vieles, was sich um sie gruppierte, ist jetzt um eine Abwesenheit oder ein Vakuum herum angeordnet."

Wie es im Nahen Osten weitergehen könnte, darüber denkt Robert D. Kaplan nach. Die Hamas hat - allen militärischen Erfolgen Israels zum Trotz - erst mal gewonnen, weil die Palästinensische Frage plötzlich wieder debattiert wird, auch gezwungenermaßen in den arabischen Ländern, die davon eigentlich die Nase voll hatten. "Da Israelis und Palästinenser zum Konflikt verdammt sind, besteht die einzige Möglichkeit für Israel, einen strategischen Sieg zu erringen, in einem innenpolitischen Wandel im Iran, der zum Zusammenbruch des radikalen klerikalen Regimes und dessen Ersetzung durch einen schwächeren, weniger aggressiven, weniger ehrgeizigen und nach innen gerichteten iranischen Staat führt. Diese Aussicht ist nicht aus der Luft gegriffen. Das Regime wird von einer überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung gehasst und befindet sich in einem verkalkten, spät-sowjetischen Zustand. Massenproteste sind zu einem festen Bestandteil seiner Politik geworden, zuletzt in den Jahren 2022 und 2023 wegen des obligatorischen Tragens des Hidschabs. Nichts in der Geopolitik ist von Dauer. Viele haben einst den Fehler gemacht, das System des Schahs für ewig zu halten; man sollte diesen Fehler nicht wiederholen. Der Zusammenbruch des Schahs war ein weltgeschichtliches Ereignis; der Zusammenbruch des klerikalen Systems in Teheran könnte es auch sein."

Magazinrundschau vom 10.09.2024 - New Statesman

Schon jetzt sieht sich Keir Starmers Labour-Regierung mit schlechten Umfragewerten und Anfeindungen von Seiten der Presse konfrontiert. Andrew Marr zeichnet die aktuelle Problemlage nach. Er hegt weiterhin Hoffnung für Starmers Reformprojekt, stellt aber klar, dass die Aufgabe auch weiterhin keine leichte ist: "Britische Wähler erwarten nach wie vor einen umfassenden, modernen und spendablen Wohlfahrtsstaat; eine Nationalen Gesundheitsversorgung (NHS), die in der Lage ist, auf die Herausforderungen eine alternden Bevölkerung zu reagieren; ein modernes und inklusives Bildungssystem, das auf eine sich schnell verändernde Wirtschaft ausgerichtet ist; und ein Sozialsystem, das Kinder vor Verelendung schützt. Und zu allem Überfluss wollen wir nun auch noch eine moderne nationale Verteidigungsstrategie für gefährliche Zeiten. Jahrelange rücksichtslose Kürzungen der Staatsausgaben durch die Regierungen haben uns zu dem Punkt gebracht, an dem wir uns nun befinden. (...) Umfragen von Ipsos im Sommer ergaben, dass die Wähler sehr wohl wissen, dass man ohne Bezahlung keine wirksamen öffentlichen Dienstleistungen erhalten kann. ... Zwei von fünf Befragten sprachen sich dafür aus, die Ausgaben für öffentliche Dienstleistungen zu erhöhen, auch wenn sie dafür mehr Steuern zahlen müssten. Hier liegt ein versteckter Vorteil für Labour: Immer mehr Menschen verstehen, was zu tun ist, wenn sie sich umschauen. Das drängendste Problem für die Schatzkanzlerin Rachel Reeves stellt jedoch nicht die Wirtschaftsleistung dar, sondern die Struktur des Staates. Mit anderen Worten: It's not the economy, stupid. Vielmehr geht es darum, dass die Erwartungen an die materielle Bedürfnisse des täglichen Lebens brutal zerstört wurden; es geht um das minderwertige, schlecht funktionierende und zerfallende gesellschaftliche Gefüge. Das 'schwarze Loch' ist real. Dieser soziale Verfall ist um uns herum deutlich sichtbar. Wir können ihn sehen und riechen. Er hat seinen Ort auf den Straßen, nicht auf den Finanzmärkten."

Magazinrundschau vom 27.08.2024 - New Statesman

Shiraz Maher erzählt die Geschichte des Anjem Choudary, der nach jahrzehntelangem prominenten Wirken in schlimmsten islamistischen Organisationen nun endlich von einem britischen Gericht wegen Führens einer Terrororganisation zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. "Als 'bekanntester islamischer Extremist Großbritanniens' war er eine Art Anti-Celebrity. Fast zwei Jahrzehnte lang war er regelmäßig auf unseren Kanälen zu sehen. Nach fast jedem Terroranschlag erschien er, um eine unsensible, empörende oder anderweitig irritierende Botschaft zu verbreiten." Maher konzentriert sich in seinem Artikel mehr auf Choudarys Geschichte selbst, als auf die britischen Institutionen und eine Öffentlichkeit, die ihn gewähren ließen und möglich machten. Eine Episode aus der frühen Zeit seines Wirkens zeigt, welchen Freiraum er und seine Mitstreiter hatten. Damals war er noch an der Seite des ebenso prominenten Omar Bakri Muhammad. Man wollte 1993 im Wembley-Stadion eine Art großes Islamisten-Event veranstalten, zu dem man auch hoffte, Osama bin Laden einladen zu können. Das Wembley-Stadion machte allerdings so teure Sicherheitsauflagen, dass das Festival nicht zu organisieren war. "Für Bakri und Choudary spielte das alles keine Rolle. Die abgesagte Veranstaltung hatte bereits genau das erreicht, was sie wollten - Aufmerksamkeit für ihre Sache auf globaler Ebene. Bemerkenswert ist jedoch, dass es die Wembley-Arena war, die die Absage der Veranstaltung erzwang, nicht die Behörden. Als der damalige Außenminister Malcolm Rifkind zu der Konferenz befragt wurde, stellte er lapidar fest: 'Leute, die Konferenzen abhalten wollen, brauchen natürlich keine Erlaubnis der Regierung einzuholen.' Diese scheinbare Gleichgültigkeit verärgerte Verbündete im Ausland, die glaubten, dass das Vereinigte Königreich gegenüber dem islamistischen Extremismus absichtlich einen weichen Ansatz wählte. Der britische Staat schien zu kalkulieren, dass wir zu Hause sicher seien, solange diese Welle reaktionärer Wut ins Ausland gelenkt würde."

In der Titelgeschichte des New Statesman fragt sich Madeleine Davies, wie damit umgegangen werden soll, dass sich auf der einen Seite immer weniger Menschen als Christen bezeichnen, auf der anderen aber Personen wie Elon Musk und Jordan Peterson eine Art Kulturchristentum hochhalten. Vorschläge bietet der Schriftsteller Tom Holland, dessen Buch "Dominion" in England für Furore gesorgt hat: "Sein Vorschlag für die Church of England ist, dass sie die 'seltsame' Natur des Glauben betonen sollte. Er kritisiert die Führung dafür, das nicht zu tun. 'Anstatt mit der Stimme der Prophezeiung zu sprechen, anstatt trauernden und ängstlichen Menschen zu erklären, wie die Toten in das Licht des ewigen Lebens schweben, anstatt Wunder und Geheimnisse zu verkünden, die nur sie verkündet, scheint sich die Kirchenführung entschlossen, wie ein mittleres Management aufzutreten,' schrieb er während der frühen Wochen der Corona-Pandemie. Die Kirche sei 'zu erfolgreich', meinte er. Die Gaben des Christentums an die Kultur, verankert im Glauben an die Gleichheit aller, Bildung, Gesundheits- und Sozialfürsorge, würden nicht mehr als solche anerkannt. 'Die Zukunft der Kirchen liegt darin, die Menschen daran zu erinnern, woher diese Ideen kommen', behauptet Holland. 'Sie kommen daher, an verrückte Dinge zu glauben, daran, dass es einen Gott gibt, der alle Menschen gleichwertig geschaffen hat, der ihnen ihre Würde gegeben hat, weil sie als Abbild Gottes geschaffen wurden. (…) Es sind, objektiv, aus einer rationalen Perspektive, verrückte Dinge. Aber ihre Verrücktheit ist genau der Grund, warum sie so machtvoll sind.'"

Magazinrundschau vom 03.09.2024 - New Statesman

Sohrab Ahmari erkennt im Wahlkampf von Donald Trump eine Identitätskrise. Die populistischen, teilweise dem neoliberalen Mainstream der Republikaner radikal entgegengesetzten Forderungen, die lange einen Grundstein seiner Popularität bildeten, spielen in seinen öffentlichen Äußerungen kaum noch eine Rolle: "Ist der Trumpismus noch ein Aufstand gegen Eliten und den amerikanischen Status quo in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts? Oder fügt sich die Bewegung in vertraute konservative Muster, die 'kommunistische' Phantome bekämpft, sich mit mächtigen Segmenten des amerikanischen Kapitals verbündet und einen post-neoliberalen Trend aufgibt, der erstmals von Trump selbst im Jahr 2016 angekündigt wurde? Die Beweise häufen sich zugunsten der zweiten Annahme: Der Trumpismus 2.0 ist eher konservativ als radikal oder populistisch. Das deutlichste Zeichen dafür ist die Entscheidung, Kamala Harris als 'Kommunistin' darzustellen, weil sie versprochen hat, gegen die Preistreiberei der Unternehmen in der Lebensmittelindustrie vorzugehen. Unabhängig von den Vorzügen ihres Vorschlags steht die Tatsache, dass selbst einige der konservativsten Bundesstaaten Gesetze gegen Preistreiberei eingeführt haben. Richard Nixon, Trumps spiritueller Vorgänger bei den Republikanern, führte umfangreiche Preiskontrollen ein. Solche Maßnahmen als 'kommunistisch' zu charakterisieren, erinnert an die dümmste, langweiligste Version der Post-Reagan-Rechten - an eine Nikki-Haley-Kampagne. Und es fühlt sich an wie eine Abkehr von allem, was Trump für die Wähler der Arbeiter- und unteren Mittelschicht bei seinem Wahlsieg attraktiv machte. Was ist mit dem Trump passiert, der Unternehmenschefs kritisierte und vorschlug, dass der Staat sich um die einfachen Menschen kümmern sollte, selbst wenn das bedeutete, die heiligen Marktorthodoxien der Republikaner zu verletzen?" Warum aber hat Trump seine Strategie gewechselt? Schuld trägt laut Ahmari die finanzielle Abhängigkeit seiner Kampagne von Tech-Größen wie Elon Musk.

Magazinrundschau vom 06.08.2024 - New Statesman

Wie Lily Lynch berichtet, ist die amerikanische Tech-Branche in politischer Hinsicht gespaltener denn je. Hatten in Silicon Valley früher die Demokraten die Überhand, sind inzwischen viele Tech-Unternehmer ins Trump-Lager gewechselt. Ein Grund dafür: Trump macht sich für eine weitgehende Deregulierung der KI- und Krypto-Märkte stark, während Biden und vermutlich auf Kamala Harris für eine stärker interventionistische Politik stehen. Manche haben noch radikalere Visionen: "Bedenken hinsichtlich KI, Kryptowährungen und Steuern sind sicherlich die Hauptgründe für die (Tech-)Unterstützung von Trump, aber es gibt inzwischen andere, wildere Ideen, die ebenfalls mit im Spiel sind. Tech-Barone aus dem Silicon Valley haben begonnen, mit neuen Formen des Staatswesens zu experimentieren. Der Unternehmer und Investor Balaji Srinivasan, der während Trumps Amtszeit als Kandidat für die Leitung der Food and Drug Administration gehandelt wurde, schrieb ein Buch mit dem Titel 'The Network State: How to Start a New Country' (2022), in dem er über die Möglichkeit nachdenkt, neue Länder zu schaffen, die frei von den liberalen Pathologien sind, die seiner Meinung nach Städte wie San Francisco prägen. Srinivasans 'Network State' würde darauf basieren, dass Online-Gemeinschaften von der 'Cloud'-Welt in die materielle Welt erweitert werden: Mit anderen Worten, neue Staaten würden online gegründet werden, in Gemeinschaften, die nach gemeinsamen Interessen und Werten geformt sind, und schließlich offline gehen, indem sie über Crowdfunding Territorien erwerben, in denen sie ein libertäres Xanadu schaffen. Die Idee mag nach Science-Fiction klingen, aber es gibt bereits experimentelle Gemeinschaften, die in Betrieb sind; die am weitesten fortgeschrittene unter ihnen ist das von Thiel unterstützte Prospera auf der Insel Roatán vor der Küste von Honduras. Das Gebiet umfasst bereits einen 18-Loch-Golfplatz, ein Bitcoin Education Center und eine experimentelle Biotech-Klinik."