Magazinrundschau - Archiv

The New Statesman

191 Presseschau-Absätze - Seite 19 von 20

Magazinrundschau vom 19.06.2007 - New Statesman

Der Wahnsinn hat begonnen, bemerkt Andrew Stephen angesichts all der geplanten Enthüllungsbücher über Hillary Clinton. "Warum bricht diese riesige Hysterie aus über eine Wahl, die erst im November nächstes Jahr stattfindet? Ich bin überzeugt, dass die Antwort in der Tatsache begründet ist, das eine Frau sich anschickt, die 218-jährige männliche Vorherrschaft im machtvollsten Job der Welt zu brechen. Das hat riesige Wellen von unbewusstem Sexismus bei Amerikas politischen Kommentatoren ausgelöst, von denen die allermeisten Männer sind. Eine Frau will die Macht und die männliche Herrlichkeit des US-Präsidentenamtes? Was erlaubt sich diese lächerliche kleine Machiavellibraut denn eigentlich?"

Magazinrundschau vom 12.06.2007 - New Statesman

Für ihre Titelgeschichte "Wie weit wird er gehen?" berichtet Bridget Kendall aus dem Inneren des zusehends autoritären Russland unter Präsident Putin: "In der Welt der russischen Politik haben viele Russen nicht Angst vor zu wenig Demokratie, sondern vor zu viel. Deshalb fordern manche, wie ich feststellen musste, eine dritte Amtsperiode für Putin. Nicht weil sie ihn bewundern - im Privaten sagen einem viele, dass er und seine Spießgesellen nicht weniger korrupt und arrogant sind als ihre kommunistischen Vorgänger -, sondern weil sie der Idee der Demokratie und dem Westen, der so dringlich danach verlangt, misstrauen. Deshalb fürchten sie auch den Ausgang der Wahlen im nächsten Jahr. Die Erfahrung der letzten Zeit hat sie gelehrt, dass Veränderung gewöhnlich Verschlechterung bedeutet und deshalb vermieden werden sollte."

Weitere Artikel: Christopher Bray geht anlässlich einer Ausstellung in der Tate Modern dem Verhältnis Salvador Dalis zum Kino nach. Stephen Johnson zieht zum 150. Geburtstag des Künstlers das Bild Edward Elgars als Komponist des britischen Imperialismus in Zweifel.

Magazinrundschau vom 22.05.2007 - New Statesman

Roger Boyes warnt vor den wachsenden Einfluss, den Moskau auf die osteuropäischen Staaten zu nehmen versucht. Immer unverblümter mische es sich in Angelegenheiten von Weißrussland, der Ukraine, der baltischen Staaten oder Rumänien ein: "Die EU muss viel direkter in die Angelegenheiten ihrer Grenzstaaten eingreifen, denn wenn es gegen Moskau geht, ist es besser, eine halbherzige Politik zu haben als gar keine. Wenn die EU kein Programm, kein Ziel für ihre Nachbarschaft hat, wird sie ihr Interesse für das, was vor sich geht, vollständig verlieren. Moldawier und Ukrainer werden wenig mehr sein als Zahlen in der Einwanderungsstatistik, ganzen Gesellschaften wird erlaubt abzudriften. Wir können es uns nicht leisten, nur zuzusehen. Zwei der Länder mit einem Problem, Estland und Rumänien, sind EU-Mitglieder. Öl und Gas aus Russland fließen durch Grenzländer, von denen die meisten in Moskau hoch verschuldet sind. Man kann sich nicht jedesmal auf den Rücken legen, wenn Putin einen neuen Kalten Krieg androht. Wir erlauben Russland zu oft, die EU-Agenda für zu viele Angelegenheiten zu bestimmen."

Magazinrundschau vom 15.05.2007 - New Statesman

Stephen Armstrong freut sich über die wachsende Zahl "militanter Kunden", die es sich zum Ziel gesetzt haben, schlechten Service zu vergelten. Die Initiative "More Trains Less Strain" hat etwa im Januar erfolgreich zum Fahrpreis-Streik bei einem Bahnunternehmen augerufen: "Die Gruppe überredete 2.000 Passagiere, auf der gesamten Fahrt von Bath nach Bristol gefälschte Tickets vorzuzeigen. Auf jedem Ticket stand in leuchtenden Buchstaben 'Fahrpreis-Streik', als Bahn-Logo 'Worst Great Western' und als Route 'Zur Hölle und zurück'. Die Reisenden, die ein solche Fake-Ticket zeigten, wurden durchgewinkt, das Personal zeigte den Streikenden in Bristol sogar, wie sie die Schranken passieren konnten. In den vergangenen zwölf Monaten haben mindestens zehn verschiedene Konsumentengruppen von Energieversorgern, Banken, Kreditkarten-Unternehmen, inkompetenten Behörden oder Software-Providern Geld zurückgehalten oder -gefordert. 'Das Problem ist, dass die Regierung in den letzten zwanzig Jahren rechtlich schlechten Service und die aggressive Missachtung ihrer Kunden sanktioniert hat, indem sie die Bildung großer Monopole zuließ und sich dann weigerte, deren Verhalten zu regulieren', sagt Gareth Coombs vom Cambridge Strategy Centre."

Magazinrundschau vom 08.05.2007 - New Statesman

Der New Statesman resümiert in mehreren Artikel die Amtszeit von Tony Blair. Für Suzanne Moore steht am Ende eine zersplitterte Gesellschaft, die nicht mehr weiß, wer sie als Öffentlichkeit ist. "Unser Misstrauen in die Institutionen hat sich verstärkt. Ja, wir alle wissen, welche Riesensummen das Gesundheitssystem frisst. Aber die meisten von uns machen die Erfahrung eine brillanten Notversorgung und erbärmlicher Nachsorge. Unsere Schulen, selbst wenn sie von verrückten Millionären finanziert werden, unterliegen endlosem Planen, Testen und Druck ausüben auf kleine Kinder. Mit Lernen hat das nichts zu tun. Der Schaden, den das Irakdesaster bei Labour und unseren Idealen von humanitärer Intervention und Demokratie hinterlassen hat, muss auf diesen Seiten nicht erläutert werden. Ich würde schlicht sagen, das die katastrophalen Nachwirkungen des Kriegs gegen den Terror mit vielen anderen kulturellen Trends ineinandergreifen und eine nationale Stimmung von Misstrauen und Unsicherheit geschaffen haben. Traue nur dir selbst. Daher dominieren auch die Beichtstühle, Dinge, die das Gefühl ansprechen, die Blogger, das Persönliche. Wenn wir nur für uns selbst sprechen können, dann sprechen wir nur von uns selbst. Wir sind jetzt Unternehmer, verkaufen unsere unique personalities, ständig um uns selbst kreisend."

Magazinrundschau vom 01.05.2007 - New Statesman

Die Titelgeschichte ist Pakistan gewidmet, wo militante Islamisten immer mehr Zulauf erhalten. Ziauddin Sardar berichtet von einer neuen Generation Taliban, die inzwischen immer mehr Landesteile beherrsche. "Die neue Generation von Militanten ist pakistanisch; sie sind eine Antwort auf die amerikanische Invasion in Afghanistan und eine Revolte gegen die amerikafreundliche Politik der pakistanischen Regierung. Die meisten von ihnen sind arbeitslos, nicht alle in Maddrassen geschult. Sie werden von jungen Mullahs angeführt, die sich - anders als die ursprünglichen Taliban - mit moderner Technologie und Medien auskennen. Und sie sind von verschiedenen indigenen Stammesnationalismen beeinflusst, wobei sie die Stammesgesetze hochhalten, die das soziale Leben in Pakistans ländlichen Regionen beherrschen."

Außerdem: die Autorin Kamila Shamsie versucht sich einen Reim auf die Fundamentalistinnen zu machen, die in Pakistan angeblich unmoralische Personen entführt und bedroht haben. William Dalrymple stellt eine Stiftung pakistanischer Geschäftsleute vor, The Citizens Foundation, die Pakistans Kinder mit einer guten und sekularen Ausbildung versehen will. Der Journalist Brian Cathcart zählt das populäre Genre der Nachrufe zu den größten Errungenschaften des britischen Journalismus. "Nachrufe in Zeitungen erleben ein goldenes Zeitalter. Für alle, die verdienstvoll oder irgendwie interessant sind, war es nie lohnender, zu sterben.

Magazinrundschau vom 30.05.2006 - New Statesman

Afrika wird die Fußballweltmeisterschaft nie gewinnen, unkt David Runciman. Dass derzeit drei afrikanische Mannschaften mit dabei sind, ist ein Resultat der global agierenden Talentehändler, die trotz der katastrophalen politischen Situation in Togo, Ghana oder der Elfenbeinküste Fußballer finden. "Einige Spieler des Teams der Elfenbeinküste (Didier Drogba von Chelsea eingeschlossen) haben ihre Ausbildung in Frankreich erhalten, und von denjenigen, die zu Hause geblieben sind, stammen viele aus der Jugendakademie des früheren Profis Jean-Marc Guillou, die eigens eingerichtet wurde, um die Elfenbeinküste nach ungeschliffenen Talenten abzusuchen, sie in hochmodernen Instituten zu trainieren und sie dann in Clubs in Frankreich und anderswo zu exportieren. Die Glücklichen, besonders diejenigen, die die Aufmerksamkeit von Trainern wie Arsene Wenger und Jose Mourinho wecken, kann das aus dem Nichts in das Zentrum der Sportwelt katapultieren, wo sie Zugang zu unvorstellbarem Reichtum haben (Ghanas Michael Essien verdient mehr als 55.000 Pfund in der Woche und repräsentiert ein Land mit einem jährlichen Durchschnitsslohn von 300 Pfund).

Magazinrundschau vom 28.02.2006 - New Statesman

Der chinesische Künstler Song Dong baut Städte aus Keksen. Bisher hat er sich eher an der imperialen Zeit orientiert, sein neuestes Projekt ist gegenwärtiger, berichtet William Sidelsky. "Das alte Viertel ist schon fast fertig, die modernen Sektionen sind noch mitten in der Konstruktion. Einige einsame Blöcke ragen wie Jenga-Türme (Wikipedia) vom Tisch empor, dessen Oberfläche komplett mit umgedrehten Ryvitas bedeckt ist. Das Projekt wird gesponsert von McVities (die zum Keksimperium United Biscuits gehören) - eine kleine Enttäuschung, da die Auswahl nicht wirklich erstklassig ist. Ich erkenne Digestives, HobNobs und Rich Tea, außerdem verschiedene Sorten Waffeln, die sich besonders für Wolkenkratzer eignen. Offensichtlich hält Dong jedoch wenig von seinen Materialien. 'Chinesische Kekse sind bunter', sagt er. 'Besser für schönere Gebäude'." Song Dongs Kunstwerke (Beispiel) wurden von den Besuchern bisher meist relativ schnell aufgegessen.

Magazinrundschau vom 07.02.2006 - New Statesman

Als Statistin in einer Henry-James-Verfilmung hat die Autorin Siri Hustvedt die so angenehme wie bewusstseinsverändernde Wirkung eines Korsetts erfahren. Auch den Reifrock und den an den Hüften wattierten Unterrock weiß sie nun zu schätzen. "In einem Reifrock kann niemand den Boden schrubben. Die Frau, die ihn trägt, signalisiert, dass sie den lieben langen Tag niemals in die Knie geht. Mit ihm kann man Blumen arrangieren, eine Teetasse heben, ein Buch lesen oder seinen Bediensteten Aufgaben zuweisen. Der Reifrock war ein Zeichen von Klasse, seine Einschränkungen bedeuteten Luxus. Wie die überlangen Fingernägel der chinesischen Aristokraten zeigt er: 'Ich arbeite nicht für Geld.'"

Magazinrundschau vom 13.09.2005 - New Statesman

Wegen ihres tiefverwurzelten Glaubens an das selbstverantwortliche Individuum konnten die USA gar nicht angemessen auf die Katastrophe von New Orleans reagieren, schreibt Andrew Stephen. "Katrina zeigte die Zerbrechlichkeit der USA und ihrer Überzeugung, dass eine starke kollektive Führung oder Institutionen, wie sie die europäischen Geselllschaften zu schätzen gelernt haben, überflüssig sind." Der inkompetente FEMA-Chef Michael Brown ist da nur ein Symptom. "So wurde die Antwort der mächtigen US-Regierung auf Katrina einem Trottel überlassen, wegen dessen guter Beziehungen, bestimmt nicht aufgrund irgendwelcher Führungsqualitäten. Das vorherrschende Ethos ist ja, dass die Regierung unwichtig ist und Amateuren überlassen werden kann, Amateuren wie Bush eben."