
Das
New York Times Magazine hat ein
faszinierendes Dossier zur
Lage der Frauen in Entwicklungsländern zusammengestellt. Kernstück ist ein
raumgreifender Artikel von Nicholas D. Kristof und Sheryl WuDunn (eigentlich ein Auszug aus einem kommenden Buch), die trotz allen Elends von der These ausgehen: "Frauen und Mädchen sind nicht das Problem, sondern
die Lösung." Das Elend hat
Amartya Sen vor zwanzig Jahren zuerst beziffert: Durch Abtreibung, Babymord und Vernachlässigung sind der Welt in den letzten Jahrzehnten
60 bis 100 Millionen Frauen abhanden gekommen. Auch an die Adresse Obamas und
Hillary Clintons (
Interview) sagen Kristof und WuDunn, dass eine Entwicklungspolitik, die nicht bei den Frauen ansetzt, verschwendet ist. Die Gründe dafür sind häufig recht konkret: "Warum konzentrieren sich
Mikrokreditorganisationen auf Frauen? Und warum profitieren alle davon, wenn Frauen in die Arbeitswelt eintreten und Schecks nach Hause schicken? Ein Grund liegt in dem dreckigen kleinen Geheimnis der globalen Armut: Die schlimmsten Leiden werden oft nicht durch Armut ausgelöst, sondern durch unkluge Art,
das Geld auszugeben - vor allem seitens der Männer. Erstaunlich häufig sind wir Müttern begegnet, deren Kind an Malaria gestorben war, weil ein fünf Dollar teures
Moskitonetz fehlte. Die Mutter sagte, dass sie sich kein Netz leisten konnte und meint das auch, aber dann treffen wir ihren Mann in der
Bar. Er geht drei Abende die Woche dorthin und gibt pro Woche fünf Dollar aus."
Tina Rosenberg
nuanciert den Glauben, dass Frauen, wenn sie, etwa durch Mikrokredite, zu Wohlstand kommen, automatisch
ihren Töchtern helfen - im Gegenteil: Gerade in
reichen Regionen Indiens fehlen Mädchen. Der Grund ist einfach: "Wohlhabende Familien sind
kleiner, die einzelne Geburt wird wichtiger. In Familien mit sieben Kindern ist die Geburt eines Mädchens eine Enttäuschung, in einer Familie mit zwei oder drei Kindern eine
Tragödie." Darum werden Mädchen häufig abgetrieben. Ohne Veränderung der von der westlichen Linken neuerdings so geschätzten "Kulturen", so Rosenberg, wird's also nicht gehen.