Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 17.04.2007 - New York Times

Im Magazin der New York Times erklärt David Rieff, wie die Banlieues den französischen Wahlkampf bestimmen und warum Nicolas Sarkozy für Intellektuelle wie Pascal Bruckner der Mann der Stunde ist: "Er entlarvt Frankreichs Sonderrolle als 'Narzissmus des Scheiterns'." Seine größte Schwäche sei seine Hitzköpfigkeit, meint Bruckner. "Das ist diese Supercop-Seite an ihm, seine Neigung zum Konflikt, die ihn daran hindert, die Ruhe zu bewahren. Er hat so viel Energie, dass es manchmal scheint, er würde gleich explodieren. Wissen Sie, wenn er spricht, bewegen sich sogar seine Beine."

Wie finden die USA zu ihrem Groove zurück als "Leuchtfeuer des Fortschritts und der Hoffnung"? Thomas L. Friedman fordert einen "grünen New Deal": "Wer meint, wir werden mit unseren Umweltproblemen fertig, ohne dass es weht tut, ist ein Dummkopf oder Schwindler ... Der Klimawandel und der Krieg ums Öl werden unser Leben und das unserer Kinder so beeinträchtigen, wie einst der Kommunismus. Ein neuer Präsident hätte den Menschen klar zu machen, dass 'grün' keinen Rückschritt bedeutet, sondern eine Fülle neuer Möglichkeiten durch eine komplette neue Industrie. Es geht darum, die besten Köpfe aus den Finanzmärkten abzuziehen und auf Innovationen anzusetzen, die den Amerikanischen Traum bewahren helfen und die Träume von Millliarden anderer Menschen ermöglichen, ohne den Planeten zu ruinieren."

Und: Im Interview mit Deborah Solomon verrät der Autor Mohsin Hamid ("The Reluctant Fundamentalist"), wieviel Camus in seinem Bestseller steckt.

Einer Warnung gleicht, was Joel Agee in der Book Review über Elfriede Jelineks Roman "Gier" zu sagen hat. Von Unterhaltung oder Spannung keine Spur, meint er. Nichts läge Jelinek ferner, als eine Geschichte zu erzählen: "Ihr Metier ist die soziale Zergliederung. Nicht am lebenden Objekt, denn keine ihrer Figuren ist genug bei Bewusstsein, sich selbst oder den Leser zu überraschen ... Stattdessen findet man die rein rhetorische Existenz einer Sprache im Dienst von Spott und Missbilligung." Ergiebiger findet Agee das Buch als "ironische Umkehrung" eines pitoresken Österreich: "Ein künstlicher See, in dessen algenverseuchtem Wasser weder Enten noch Kinder schwimmen und wo zwei Männer passenderweise eine Mädchenleiche finden."

Weitere Artikel: Lucy Ellmann hält Henning Mankells neuen Roman "Depths" für reine Papierverschwendung. Dave Itzkoff stellt japanische, russische und serbische Science-Fiction vor (hier). Und Ken Kalfus sieht in Vladimir Sorokins Roman "Ljod. Das Eis" (Auszug) keine Satire, sondern eine schwer verdauliche antihumanistische Vision ohne historische Bezüge.

Magazinrundschau vom 10.04.2007 - New York Times

Im New York Times Magazine beschreibt Russell Shorto Papst Benedikt XVI. als eine Art intellektuelle Circe, die linke Theologen wie Hans Küng, säkulare Professoren wie Jürgen Habermas oder Senator Pera oder Protestanten wie Angela Merkel gleichermaßen umgarnt. Als antireligiöse Strömung ist ihnen allen der Säkularismus so unheimlich wie ihnen der Versuch Benedikts, Vernunft und Glaube zu vereinen, sympathisch ist. Das größte Problem des Papstes ist jedoch er selbst, so Shorto. Denn als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre habe Ratzinger die von vielen Gläubigen als unzeitgemäß und verlogen empfundene Unangreifbarkeit der Katholischen Kirche als Institution jahrelang verteidigt. "Trotz der weichgespülten Reden des Papstes könnte es gerade Joseph Ratzingers eigene Arbeit in den letzten Jahrzehnten sein, die Strenge, mit der er die Kirche beschützt und bewahrt hat, die die Europäer daran hindert, an ihre Wurzeln anzuknüpfen. 'Denken Sie an die Theologen, die in den vergangenen Jahrzehnten zum Schweigen gebracht wurden', sagt Vater Reese, der ehemalige Redakteur des jesuitischen Magazins America. 'Die Unterdrückung von Diskussion und Debatte. Wie manche Streitfragen zum Litmustest für Orthodoxie und Loyalität wurden. All das macht es für Benedikt sehr schwierig, seine Absichten durchzusetzen.'"

Magazinrundschau vom 03.04.2007 - New York Times

Angeleitet vom politischen Berater und medialen Zeremonienmeister Barack Obamas, David Axelrod, macht sich Ben Wallace-Wells im Magazin der New York Times ein Bild von dem farbigen US-Präsidentschaftskandidaten und lernt die Feinheiten der politischen Meinungsbildung kennen: "Für einen Wahlwerbespot wählte Axelrod eine zögerliche Ferneinstellung von Obama, wie er eine sonnige Straße in Süd-Illinois entlang geht, seinen langen Arm um die Schultern eines älteren, kleinen weißen Farmers gelegt. Das Video soll Obamas Gesprächsbereitschaft vermitteln, seine interkulturelle Kompetenz ... Der Zuschauer erfährt nur wenig über den Politiker Obama (außer dass er für den Wechsel stehen könnte), gibt ihm jedoch das Gefühl, die Person zu kennen ... Axelrod setzt darauf, dass die symbolische Bedeutung der Ethnien im Wandel begriffen ist. Eine der Kampagne zugrunde liegende Botschaft lautet: Afroamerikanische Kandidaten können die Zukunft repräsentieren."

Außerdem: Ann Hulbert überlegt, wie eine westlich orientierte Bildungsreform die Volksrepublik China umkrempeln könnte. Und im Interview mit Deborah Solomon erklärt der Neurowissenschaftler und Pulitzerpreisträger Douglas Hofstadter ("Gödel, Escher, Bach") künstliche Intelligenz für überbewertet.

Mit der historischen Genauigkeit und der Koranauslegung in Tariq Ramadans Mohammed-Biografie "In the Footsteps of the Prophet" will sich Stephanie Giry in der Book Review lieber nicht aufhalten. Wichtiger erscheint ihr, dass das Buch die umstrittenen politischen Ansichten seines Autors in ein versöhnliches Licht taucht: "Ramadan wörtlich zu nehmen, könnte zu jener Übereinkunft führen, die die Multikulturalisten in den Niederlanden und Frankreichs säkulares Establishment mit ihrer wachsenden muslimischen Bevölkerung zu erreichen versuchen. Seine universalistische, apolitische Sicht des Islams könnte die Lösung sozialer Reibungen befördern."

Weitere Artikel: In einem Essay spürt Jeremy McCarter der, wie er findet, verkannten dramatischen Kunst Thornton Wilders nach. Mitchell Cohen ist der Ansicht, John R. Bowens Abhandlung über Frankreichs Probleme mit dem kulturellen Pluralismus (Auszug "Why the French Don't Like Headscarves") biete keine Lösungen an. Und Nicholas Fox Weber preist Carolyn Browns Buch über Merce Cunningham und John Cage (Auszug "Chance and Circumstance") als echtes Insider-Porträt.

Magazinrundschau vom 27.03.2007 - New York Times

In einem spannenden Text im Magazin der New York Times untersucht der Journalist und Pulitzerpreisträger Max Frankel ("High Noon in the Cold War") den hochgradig sensiblen Handel mit Staatsgeheimnissen anhand des Falls des ehemaligen Cheney-Vertrauten Lewis Libby, der gerade des Meineids überführt wurde (mehr hier). Für die meisten sogenannten Top-Secret-Angelegenheiten, meint Frankel, gibt es eine simple Abmachung zwischen Regierung und Presse: "Die Regierung versteckt, was sie kann, und beruft sich dabei so lange es geht auf äußere Notwendigkeiten. Die Presse veröffentlicht, was sie kann, und argumentiert mit dem Recht auf Information. Bei diesem Spiel gewinnt mal die eine, mal die andere Seite. Jede kämpft mit den ihr zur Verfügung stehenden Waffen. Verliert die Regierung ein Geheimnis, passt sie sich der neuen Realität an. Verliert die Presse, gibt sie einfach die (Falsch-)Informationen raus, die sie hat ... Diese etwas heiklen Bedingungen haben lange dafür gesorgt, die sensibelsten Informationen zu schützen und diejenigen publik zu machen, die die Öffentlichkeit zu wissen verdient."

Erica Wagner erkundet derweil in der Book Review die Auswirkung mobiler Kommunikation auf die Weltliteratur: "Man denke an all die Geschichten, die auf dem einfachen Umstand beruhen, dass X nicht weiß, wo Y sich aufhält und keine Möglichkeit hat, es herauszufinden. Die Odyssee. Mit dem Handy wird sie zu einer Langversion von "Schatz, ich bin im Zug, soll ich etwas einkaufen?" ... Heute dagegen muss sich ein Autor richtig anstrengen, die Unerreichbarkeit einer Figur zu erklären ... Sei's ein umgeknickter Funkmast oder ein leerer Akku - etwas muss passieren, wenn Stille sein soll."

Weitere Artikel: Clive James erzählt viel über Leni Riefenstahl, nur leider gar nichts über die beiden Biografien, die er vorstellen wollte (Auszug Jürgen Trimborns "Leni Riefenstahl"). Jacob Heilbrunn findet Andrew Cockburns Argumente zu Aufstieg und Fall des Donald Rumsfeld überzeugend (Auszug "Rumsfeld"). Alex Kuczynski bespricht Hanne Blanks "gut recherchierte" Geschichte der Jungfräulichkeit (Auszug "Virgin"). Und Rachel Donadio besucht den New Yorker Buchkunsthändler Glenn Horowitz und seine Preziosen.

Magazinrundschau vom 20.03.2007 - New York Times

Groß und von "ätzender Komik" nennt James Poniewozik Joshua Ferris' Debütroman "Then We Came to the End" (Auszug), der den Alltag in einer Chicagoer Werbeagentur während der Dotcom-Krise schildert. Nicht satirisch, meint Poniewozik, sondern mittels exakter Beobachtung der "Pavlowschen Anziehungskraft von gratis Bagels" oder der "Trostlosigkeit eines am Schreibtisch verzehrten hartgekochten Eis" und mit ausgeprägtem Sinn für die Paranoia der Angestellten: "Dass der Bürokoordinator weiß, welches Mobiliar in welches Büro gehört, lässt die Angestellten fürchten, ihre - in einem komplizierten Wettstreit um die Hinterlassenschaften gefeuerter, einst besser gestellter Kollegen - errungenen Stühle könnten ihnen zum Verhängnis werden. Der Stuhl wird zum Symbol alles Hassens- und Begehrenswerten am Job, Statussymbol und Erinnerung daran, dass einem 'sein' Büro nicht wirklich gehört".

Weitere Artikel: James Campbell findet Adam Sismans Doppelbiografie über Wordsworth und Coleridge ("The Friendship") faszinierend. Bob Shacochis entdeckt in Jonathan Rabans Zukunftsroman "Surveillance" (Auszug) die Wahrheit.

Im Magazin der New York Times führt Ben Neihart den Nachweis literarischer DNA anhand des Schriftstellers Joe Hill, der mit "Heart-ShapedBox" einen Bestseller gelandet hat und dessen Vater Stephen King heißt. Aufmacher des Magazins ist ein Artikel über weibliche Soldaten im Irak.

Magazinrundschau vom 13.03.2007 - New York Times

Intelligent, schön und "einfach schrecklich" findet Geoffrey Wheatcroft die Winifred Wagner, die Brigitte Hamann in ihrer Biografie porträtiert. Sogar Wieland war ein Nazi, stellt er fest. Und noch eine Kleinigkeit verstört ihn: In den letzten Jahren habe Deutschland (vor allem Günter Grass und Jörg Friedrich) angefangen, die eigenen Opfer zu beklagen. "Diese Leiden waren real. Erinnern wir uns, was Emil Praetorius an seinen Freund Thomas Mann schrieb: 'Kein Deutscher hat heute das Recht, sich zu beklagen ... Unter den vielen fragwürdigen deutschen Posen, ist Selbstmitleid die erbärmlichste.' Es ist fair zu vermuten, dass nur wenige Leser die Lektüre von Hamanns Buch mit viel Sympathie für Grass oder Friedrich beenden werden. Andererseits, wenn das Dritte Reich uns etwas gelehrt hat, dann dass es Wahnsinn ist, 'Rassen' oder Nationen zu generalisieren. Von Geburt war Winifred Wagner eine Landsmännin von Winston Churchill (und, in aller Bescheidenheit, auch von mir). Wohin führt uns das?"

David Orr nimmt einen kürzlich im New Yorker erschienenen Artikel der Dichterin Dana Goodyear über die Chicago Poetry Foundation zum Anlass, gegen die Lyrik-Redaktion des New Yorker (zu der auch Goodyear gehört) zu polemisieren: "Erstens druckt der New Yorker meist schlechte Gedichte von exzellenten Lyrikern, weil er große Autoren bringen muss, diese aber selten den Geschmack des New Yorker-Lesers bedienen (auch schreiben sie selten, was in der Welt der Lyrik als typisches New Yorker-Gedicht bekannt ist, diese epiphanische 'Wasser-und-Licht-Lyrik'). Tolle Autoren, die sich in einem Stil versuchen, der nicht zu ihnen passt ... Das zweite Problem ist die bekannte Affinität zu den Schöpfungen der eigenen Mitarbeiter ... Seit 2000 ist von Goodyear mehr im New Yorker erschienen als von Czeslaw Milosz, Jorie Graham, Derek Walcott, Wislawa Szymborska, Kay Ryan und jedem lebenden US-Dichter, außer W. S. Merwin. Sogar mit Sylvia Plath ist sie gleichauf."

Ferner: In ihren Essays und Reden ("At the Same Time") erscheint Pankaj Mishra Susan Sontag als europäische Traditionalistin. Und John Schwartz erscheint Brian Selznicks Kinderbuch "The Invention of Hugo Cabret" als ein "Stummfilm auf Papier".

Magazinrundschau vom 06.03.2007 - New York Times

Ian Buruma bespricht Ayaan Hirsi Alis Autobiografie Lebensgeschichte "Mein Leben, meine Freiheit". Ihre Islamkritik findet er ja wichtig, ihre Perspektive auf den Westen jedoch zu idealistisch: "Eine Karikatur an Freude und Sonnenschein, der Hirsi Ali nicht einzelne Orte, wie Somalia oder Saudi Arabien, gegenüberstellt, sondern die ganze muslimische Welt. Daher auch ihre Wut, wenn die Bewohner dieses Paradieses ihr Glück nicht zu schützen wissen. Europäer, die mehr Respekt für den Islam fordern, sind mindestens 'dumm'. Hirsi Alis heilige Mission ist es, 'solche Leute zur Besinnung' zu bringen und uns zu überzeugen, dass den Anschlägen vom 11. September 'der Kern des Islam' zugrunde liegt." Buruma findet, diese Einstellung biete "nicht die beste Perspektive" für ein Zusammenleben mit den Muslimen in Europa.

Ben Schott verteidigt sein persönliches Recht auf Büchermisshandlung. Solange es sich nicht um blinde Zerstörungswut handelt, meint er, steckt dahinter meist ein um so größerer Bibliophiler: "Eselsohr oben markiert den aktuellen Seitenstand, Eselsohr unten eine Seite, auf die sich zurückzukommen lohnt; die Spitze der Faltung zeigt auf den entsprechenden Abschnitt ... Menschen, die stets ein Lesezeichen zur Hand haben, waren mir schon immer verdächtig."

Ferner: Russel Banks hält Milan Kunderas Abhandlungen über den Roman (Auszug "The Curtain") für einen eleganten Mix aus Analyse und Anekdotischem. Und Edmund White gibt jungen Homosexuellen den seltsamen Rat, die "Notizbücher" von Tennessee Williams zu lesen, um die Bedeutung der Liberalisierung zu verstehen.

Das New York Times Magazine fragt: Warum glauben wir? Es antwortet Robin Marantz Henig, die erst einmal die aktuellen Diskussionen um polemische Atheisten wie den Evolutionstheoretiker Richard Dawkins vorstellt. Die eigentlich interessante Frage, findet sie, ist aber eine andere: "Im Lärm um die Neo-Atheisten droht eine ruhiger geführte und potenziell erhellendere Debatte unterzugehen. Sie findet nicht zwischen Wissenschaft und Religion, sondern innerhalb der Wissenschaft selbst statt, genauer gesagt, zwischen Wissenschaftlern, die sich aus Perspektive der Evolutionsgeschichte mit der Religion befassen. Diese Forscher sind sich tendenziell in einem Punkt einig: dass der Glaube ein Ergebnis der Hirnarchitektur ist, die sich in der Frühzeit der Menschheitsgeschihte entwickelte. Worüber sie streiten ist die Frage, warum sich diese Tendenz zum Glauben entwickelte - ob es daran lag, dass der Glaube selbst von adaptivem Nutzen war oder einfach ein Nebenprodukt der Evolution, eine bloße Folge einer anderen Anpassung in der Evolution des menschlichen Hirns."

Weitere Artikel: Alexandra Jacobs schreibt über ein neues Genre auf dem Zeitschriftenmarkt: Die Universitäts-Sex-Zeitschrift. Darcy Frey versucht zu erklären, warum "Arcade Fire" eine so großartige Indie-Band sind.

Magazinrundschau vom 27.02.2007 - New York Times

Nach dem Vorabdruck im Magazin der New York Times vor einigen Wochen, erklärt William Boyd in der Sunday Book Review nun das elementar Verstörende an den Erinnerungen des 26-jährigen Ishmael Beah an seine Zeit als Kindersoldat in Sierra Leone (Auszug "A Long Way Gone"): "Der Schrecken wird zwar registriert, doch seine Unbestimmtheit und Allgemeinheit verhindern, dass er Teil einer persönlichen Geschichte wird. Tatsächlich machen Beahs Zeit in der Armee und seine Berichte von Kampfhandlungen nur einen kleinen Teil des Buches aus. Und wer könnte ihm das verübeln? Der Blutrausch eines mit Drogen vollgepumpten Jugendlichen mit Sturmgewehr würde die Beschreibungskunst eines James Joyce erfordern ... Die vermittelte Erfahrung ist erschreckend, doch der Schauder entsteht durch unsere Fantasie und nicht durch diese Rohform ihrer Beschreibung. Beah zeigt uns eine Ansicht der Hölle, die eines Hieronymus Bosch würdig wäre, aber in den Grundfarben, etwa so, wie sie ein naiver Maler abbilden würde."

Weitere Artikel: William Grimes erinnert an den russischen Philosophen und Schriftsteller Alexander Herzen und dessen lesenswerte Autobiografie "Erlebtes und Gedachtes". Und Walter Kirn findet David Mamets Breitseite gegen die Filmindustrie ("Bambi vs. Godzilla") irgendwie unglaubwürdig: Immerhin ernährt Hollywood den Mann.

Das Magazin der New York Times widmet dem Künstler Jeff Wall ein langes Porträt. Und Steven Lee Myers fragt: Wer kommt nach Putin?

Magazinrundschau vom 20.02.2007 - New York Times

Als "frisches Modell" zum Verständnis der breiten Unterstützung Hitlers in Deutschland stellt Dagmar Herzog die englische Ausgabe von Götz Alys auch bei uns viel diskutiertem Buch "Hitlers Volksstaat" ("Hitler?s Beneficiaries") vor. Ein Modell mit Fehlern allerdings: "Alys Verdienst ist es zu zeigen, dass weder der Zweite Weltkrieg noch das Stillhalten der deutschen Bevölkerung ohne die Enteignung der Juden so lange hätte andauern können. Aber Zusammenhang ist nicht gleich Ursache und das Aufzeigen von Zusammenhängen kein Beweis für eine Motivation. Der Historiker Jonathan Petropoulos schrieb: 'Die Nazis waren nicht nur die berüchtigsten Mörder der Geschichte, sondern auch die größten Diebe.' Aly beweist, dass Raub und Mord in vielen Fällen Hand in Hand gingen. Dass der Holocaust mit unerhörter Habgier verbunden war, darf aber nicht dazu verleiten, ihn auf die Gier allein zurückzuführen."

Weitere Artikel: Jane Stern blättert interessiert in den bunten Memoiren des Porno-Stars Ron Jeremy ("The Hardest (Working) Man in Showbiz"). Sophie Harrison erscheint Paul Austers neuer Roman "Travels in the Scriptorium" wie ein Lehrbuch in Creative Writing. Und Rachel Donadio erinnert an den jüngst verstorbenen CIA-Mann, Watergate-Strippenzieher und Autor Hemingwayesker Groschenromane, E. Howard Hunt.

Magazinrundschau vom 13.02.2007 - New York Times

Am 21. Juli erscheint "Harry Potter and the Deathly Hallows". Wer's nicht abwarten kann, liest "What Will Happen in Harry Potter 7" (Auszug) oder besucht die Website der jugendlichen Autoren, denen Lee Siegel in der New York Times Book Review eine nicht ungefährliche Hingabe an den Stoff attestiert: "Zu Rowlings Ankündigung, Buch 7 werde das letzte sein, schreiben sie: 'Solange wir unsere Fantasie haben, wird Harry Potter niemals sterben.' Solche Menschen verletzen sich nicht selten an Windmühlenflügeln. Vielleicht hat Rowling ja die dunklen Machenschaften in Hogwarts verstärkt und es immer mehr von einem Ort der Zuflucht zu einem des Unfriedens gemacht, um ihren Fans eine Lektion zu erteilen, indem sie ihr Universum sich selbst auflösen lässt, bevor sie es tut. Seht her, könnte das heißen, so sieht die Welt in Wirklichkeit aus."

Weitere Artikel: Allison Glock hält Charlie LeDuffs Soziologie des durchschnittlichen amerikanischen Mannes für zu durchschnittlich männlich. Und Marilyn Stasio bespricht neue Krimis von Ariana Franklin, John Cardinal und S. J. Rozan.