Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 15.05.2007 - New York Times

Im Magazin der New York Times erklärt Clive Thompson die Vorstellung vom zurückgezogen werkelnden Künstler für überholt. Der zeitgemäße Musiker etwa stelle seine Arbeiten zur Diskussion oder gemeinschaftlichen Vollendung längst schon ins Netz: "Dieser Online-Trend könnte Darwinistischen Druck erzeugen hin zu einer neuen Spezies - dem Künstler 2.0 - und das Ende des Künstlers als einer sensiblen unangepassten und scheuen Seele bedeuten ... Es könnte sich aber auch einfach um einen natürlichen Wendepunkt handeln, und die nächste Generation von Künstlern, die 'sensiblen' eingeschlossen, finden die Allgegenwart ihrer Fans dann völlig normal. Die psychologische Denkweise kippt bei den unter Zwanzigjährigen bereits in diese Richtung ... Es ist aber auch wahr, dass gerade die Einsiedler im Internet aufblühen, weil es ein Ort der Selbstentfaltung und Selbsterfindung sein kann."

Außerdem: Nir Rosen fragt nach der Verantwortung der USA für den größten Flüchtlingsstrom in Nahost seit 1948. Im Interview mit Deborah Solomon spricht die Dichterin und Pulitzerpreisträgerin Natasha Trethewey über historische Amnesie. Und der israelische Romancier David Grossman beschwört in einem Vortrag beim PEN-Festival in New York die einende Kraft des Schreibens: "Schreibend vermag ich die Leiden meines Feindes nachzuempfinden und seine berechtigten Ansprüche anzuerkennen, ohne auch nur ein Stück meiner Identität zu verlieren."

Und in der Sunday Book Review: Mit großer Spannung hat Michael Kinsley Christopher Hitchens Buch über Religion erwartet. Welche Volte würde der ideologische Überraschungskünstler diesmals schlagen? Seine Konversion zum Katholizismus bekanntegeben? Den Islam umarmen? Oder die Kirche von England verteidigen? Nun, Hitchens Buch heißt "God is not Great" und Kinsley ist wirklich überrascht: "Mit enormem Brio und großem Witz, aber auch echtem Zorn führt er einen Generalangriff gegen sämtliche Aspekte von Religion. Manchmal benutzt er nicht das Wort 'Religion', sondern spricht von 'Gottesanbetung'." (Hier das erste Kapitel)

Besprochen wird unter anderem auch John Stubbs John-Donne-Biografie "The Reformed Soul", die Donnes Weg "vom lustvollen katholischen Poeten zum leidenschaftlicher anglikanischen Prediger" bechreibt.

Magazinrundschau vom 01.05.2007 - New York Times

Im Magazin der New York Times stellt Jon Mooallem die erfolgreiche Fetisch-Seite Kink.com vor, staunend über das Selbstbewusstsein der Online-Pornoindustrie: Für die meisten Angestellten ist das eine Karriere wie jede andere auch. "Später am Nachmittag, während wir darauf warteten, dass Wild Bill geknebelt würde, erzählte mir Cohen, dass eine überproportionale Anzahl von Kink-Angestellten, er selbst eingeschlossen, an der University of Califonia in Santa Cruz studiert hätten. 'Das ist lustig', sagte er, denn er habe das Gefühl gehabt, die Fakultät sei sehr in einer siebziger Jahre mäßigen Antiporno-Haltung verhaftet. Eine andere, die gerade in Santa Cruz ihren Abschluss gemacht hatte, hörte unsere Unterhaltung und widersprach. Die zwei debattierten. Cohen erklärte ihr, dass seine Professoren alle zuviel Andrea Dworkin gelesen hätten. 'Alles dort ist eine einzige marxistisch-feministische Analyse', sagte er geringschätzig."

James Traub ist tief eingetaucht in die Welt der Muslimbrüder, die in Ägypten eine echte Opposition zu Mubarak darstellen. Auf religiösem Gebiet findet er sie moderat, auf politischem vernünftig (solange es nicht um Israel geht). Alles in allem "könnten die Muslimbrüder - trotz ihrer rhetorischen Unterstützung der Hamas - genaud die Art von moderatem Islamkörper sein, den die (amerikanische) Regierung angeblich sucht."

Magazinrundschau vom 24.04.2007 - New York Times

Nach Outlook India äußert sich nun auch die New York Times sehr wohlwollend über Mohsin Hamids Roman "The Reluctant Fundamentalist", in dem ein in Princeton ausgebildeter Pakistani einem unbestimmten Gegenüber seine Weltsicht vor bzw. nach dem 11. September 2001 erklärt. Karen Olsson sieht das Besondere in der mehrschichtigen Figurenkonzeption des zwischen seiner Zu- und Abneigung gegenüber den USA schwankenden Erzählers: "Der Titel scheint ironisch gemeint und führt zu der Frage, ob jeder muslimische Kritiker der USA als Fundamentalist gelten kann oder ob die Bezeichnung nicht doch besser auf die Vertreter der kapitalistischen amerikanischen Oberschicht passt. Allerdings ist der Roman interessanter als solche Erwägungen: Der Fundamentalist und potentielle Attentäter scheint nämlich auf beiden Seiten des Tisches zu sitzen."

Weiteres: Liesl Schillinger empfiehlt die geheimen Tagebücher des New Yorker Society-Kolumnisten Leo Lerman mit dem vielverheißenden Titel "The Grand Surprise". Rachel Donadio befragt britische und amerikanische Historiker zu den abenteuerlichen Recherchebedingungen in Putins Russland und stellt fest: Die Staatsarchive waren schon einmal leichter zugänglich.

Magazinrundschau vom 17.04.2007 - New York Times

Im Magazin der New York Times erklärt David Rieff, wie die Banlieues den französischen Wahlkampf bestimmen und warum Nicolas Sarkozy für Intellektuelle wie Pascal Bruckner der Mann der Stunde ist: "Er entlarvt Frankreichs Sonderrolle als 'Narzissmus des Scheiterns'." Seine größte Schwäche sei seine Hitzköpfigkeit, meint Bruckner. "Das ist diese Supercop-Seite an ihm, seine Neigung zum Konflikt, die ihn daran hindert, die Ruhe zu bewahren. Er hat so viel Energie, dass es manchmal scheint, er würde gleich explodieren. Wissen Sie, wenn er spricht, bewegen sich sogar seine Beine."

Wie finden die USA zu ihrem Groove zurück als "Leuchtfeuer des Fortschritts und der Hoffnung"? Thomas L. Friedman fordert einen "grünen New Deal": "Wer meint, wir werden mit unseren Umweltproblemen fertig, ohne dass es weht tut, ist ein Dummkopf oder Schwindler ... Der Klimawandel und der Krieg ums Öl werden unser Leben und das unserer Kinder so beeinträchtigen, wie einst der Kommunismus. Ein neuer Präsident hätte den Menschen klar zu machen, dass 'grün' keinen Rückschritt bedeutet, sondern eine Fülle neuer Möglichkeiten durch eine komplette neue Industrie. Es geht darum, die besten Köpfe aus den Finanzmärkten abzuziehen und auf Innovationen anzusetzen, die den Amerikanischen Traum bewahren helfen und die Träume von Millliarden anderer Menschen ermöglichen, ohne den Planeten zu ruinieren."

Und: Im Interview mit Deborah Solomon verrät der Autor Mohsin Hamid ("The Reluctant Fundamentalist"), wieviel Camus in seinem Bestseller steckt.

Einer Warnung gleicht, was Joel Agee in der Book Review über Elfriede Jelineks Roman "Gier" zu sagen hat. Von Unterhaltung oder Spannung keine Spur, meint er. Nichts läge Jelinek ferner, als eine Geschichte zu erzählen: "Ihr Metier ist die soziale Zergliederung. Nicht am lebenden Objekt, denn keine ihrer Figuren ist genug bei Bewusstsein, sich selbst oder den Leser zu überraschen ... Stattdessen findet man die rein rhetorische Existenz einer Sprache im Dienst von Spott und Missbilligung." Ergiebiger findet Agee das Buch als "ironische Umkehrung" eines pitoresken Österreich: "Ein künstlicher See, in dessen algenverseuchtem Wasser weder Enten noch Kinder schwimmen und wo zwei Männer passenderweise eine Mädchenleiche finden."

Weitere Artikel: Lucy Ellmann hält Henning Mankells neuen Roman "Depths" für reine Papierverschwendung. Dave Itzkoff stellt japanische, russische und serbische Science-Fiction vor (hier). Und Ken Kalfus sieht in Vladimir Sorokins Roman "Ljod. Das Eis" (Auszug) keine Satire, sondern eine schwer verdauliche antihumanistische Vision ohne historische Bezüge.

Magazinrundschau vom 10.04.2007 - New York Times

Im New York Times Magazine beschreibt Russell Shorto Papst Benedikt XVI. als eine Art intellektuelle Circe, die linke Theologen wie Hans Küng, säkulare Professoren wie Jürgen Habermas oder Senator Pera oder Protestanten wie Angela Merkel gleichermaßen umgarnt. Als antireligiöse Strömung ist ihnen allen der Säkularismus so unheimlich wie ihnen der Versuch Benedikts, Vernunft und Glaube zu vereinen, sympathisch ist. Das größte Problem des Papstes ist jedoch er selbst, so Shorto. Denn als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre habe Ratzinger die von vielen Gläubigen als unzeitgemäß und verlogen empfundene Unangreifbarkeit der Katholischen Kirche als Institution jahrelang verteidigt. "Trotz der weichgespülten Reden des Papstes könnte es gerade Joseph Ratzingers eigene Arbeit in den letzten Jahrzehnten sein, die Strenge, mit der er die Kirche beschützt und bewahrt hat, die die Europäer daran hindert, an ihre Wurzeln anzuknüpfen. 'Denken Sie an die Theologen, die in den vergangenen Jahrzehnten zum Schweigen gebracht wurden', sagt Vater Reese, der ehemalige Redakteur des jesuitischen Magazins America. 'Die Unterdrückung von Diskussion und Debatte. Wie manche Streitfragen zum Litmustest für Orthodoxie und Loyalität wurden. All das macht es für Benedikt sehr schwierig, seine Absichten durchzusetzen.'"

Magazinrundschau vom 03.04.2007 - New York Times

Angeleitet vom politischen Berater und medialen Zeremonienmeister Barack Obamas, David Axelrod, macht sich Ben Wallace-Wells im Magazin der New York Times ein Bild von dem farbigen US-Präsidentschaftskandidaten und lernt die Feinheiten der politischen Meinungsbildung kennen: "Für einen Wahlwerbespot wählte Axelrod eine zögerliche Ferneinstellung von Obama, wie er eine sonnige Straße in Süd-Illinois entlang geht, seinen langen Arm um die Schultern eines älteren, kleinen weißen Farmers gelegt. Das Video soll Obamas Gesprächsbereitschaft vermitteln, seine interkulturelle Kompetenz ... Der Zuschauer erfährt nur wenig über den Politiker Obama (außer dass er für den Wechsel stehen könnte), gibt ihm jedoch das Gefühl, die Person zu kennen ... Axelrod setzt darauf, dass die symbolische Bedeutung der Ethnien im Wandel begriffen ist. Eine der Kampagne zugrunde liegende Botschaft lautet: Afroamerikanische Kandidaten können die Zukunft repräsentieren."

Außerdem: Ann Hulbert überlegt, wie eine westlich orientierte Bildungsreform die Volksrepublik China umkrempeln könnte. Und im Interview mit Deborah Solomon erklärt der Neurowissenschaftler und Pulitzerpreisträger Douglas Hofstadter ("Gödel, Escher, Bach") künstliche Intelligenz für überbewertet.

Mit der historischen Genauigkeit und der Koranauslegung in Tariq Ramadans Mohammed-Biografie "In the Footsteps of the Prophet" will sich Stephanie Giry in der Book Review lieber nicht aufhalten. Wichtiger erscheint ihr, dass das Buch die umstrittenen politischen Ansichten seines Autors in ein versöhnliches Licht taucht: "Ramadan wörtlich zu nehmen, könnte zu jener Übereinkunft führen, die die Multikulturalisten in den Niederlanden und Frankreichs säkulares Establishment mit ihrer wachsenden muslimischen Bevölkerung zu erreichen versuchen. Seine universalistische, apolitische Sicht des Islams könnte die Lösung sozialer Reibungen befördern."

Weitere Artikel: In einem Essay spürt Jeremy McCarter der, wie er findet, verkannten dramatischen Kunst Thornton Wilders nach. Mitchell Cohen ist der Ansicht, John R. Bowens Abhandlung über Frankreichs Probleme mit dem kulturellen Pluralismus (Auszug "Why the French Don't Like Headscarves") biete keine Lösungen an. Und Nicholas Fox Weber preist Carolyn Browns Buch über Merce Cunningham und John Cage (Auszug "Chance and Circumstance") als echtes Insider-Porträt.

Magazinrundschau vom 27.03.2007 - New York Times

In einem spannenden Text im Magazin der New York Times untersucht der Journalist und Pulitzerpreisträger Max Frankel ("High Noon in the Cold War") den hochgradig sensiblen Handel mit Staatsgeheimnissen anhand des Falls des ehemaligen Cheney-Vertrauten Lewis Libby, der gerade des Meineids überführt wurde (mehr hier). Für die meisten sogenannten Top-Secret-Angelegenheiten, meint Frankel, gibt es eine simple Abmachung zwischen Regierung und Presse: "Die Regierung versteckt, was sie kann, und beruft sich dabei so lange es geht auf äußere Notwendigkeiten. Die Presse veröffentlicht, was sie kann, und argumentiert mit dem Recht auf Information. Bei diesem Spiel gewinnt mal die eine, mal die andere Seite. Jede kämpft mit den ihr zur Verfügung stehenden Waffen. Verliert die Regierung ein Geheimnis, passt sie sich der neuen Realität an. Verliert die Presse, gibt sie einfach die (Falsch-)Informationen raus, die sie hat ... Diese etwas heiklen Bedingungen haben lange dafür gesorgt, die sensibelsten Informationen zu schützen und diejenigen publik zu machen, die die Öffentlichkeit zu wissen verdient."

Erica Wagner erkundet derweil in der Book Review die Auswirkung mobiler Kommunikation auf die Weltliteratur: "Man denke an all die Geschichten, die auf dem einfachen Umstand beruhen, dass X nicht weiß, wo Y sich aufhält und keine Möglichkeit hat, es herauszufinden. Die Odyssee. Mit dem Handy wird sie zu einer Langversion von "Schatz, ich bin im Zug, soll ich etwas einkaufen?" ... Heute dagegen muss sich ein Autor richtig anstrengen, die Unerreichbarkeit einer Figur zu erklären ... Sei's ein umgeknickter Funkmast oder ein leerer Akku - etwas muss passieren, wenn Stille sein soll."

Weitere Artikel: Clive James erzählt viel über Leni Riefenstahl, nur leider gar nichts über die beiden Biografien, die er vorstellen wollte (Auszug Jürgen Trimborns "Leni Riefenstahl"). Jacob Heilbrunn findet Andrew Cockburns Argumente zu Aufstieg und Fall des Donald Rumsfeld überzeugend (Auszug "Rumsfeld"). Alex Kuczynski bespricht Hanne Blanks "gut recherchierte" Geschichte der Jungfräulichkeit (Auszug "Virgin"). Und Rachel Donadio besucht den New Yorker Buchkunsthändler Glenn Horowitz und seine Preziosen.

Magazinrundschau vom 20.03.2007 - New York Times

Groß und von "ätzender Komik" nennt James Poniewozik Joshua Ferris' Debütroman "Then We Came to the End" (Auszug), der den Alltag in einer Chicagoer Werbeagentur während der Dotcom-Krise schildert. Nicht satirisch, meint Poniewozik, sondern mittels exakter Beobachtung der "Pavlowschen Anziehungskraft von gratis Bagels" oder der "Trostlosigkeit eines am Schreibtisch verzehrten hartgekochten Eis" und mit ausgeprägtem Sinn für die Paranoia der Angestellten: "Dass der Bürokoordinator weiß, welches Mobiliar in welches Büro gehört, lässt die Angestellten fürchten, ihre - in einem komplizierten Wettstreit um die Hinterlassenschaften gefeuerter, einst besser gestellter Kollegen - errungenen Stühle könnten ihnen zum Verhängnis werden. Der Stuhl wird zum Symbol alles Hassens- und Begehrenswerten am Job, Statussymbol und Erinnerung daran, dass einem 'sein' Büro nicht wirklich gehört".

Weitere Artikel: James Campbell findet Adam Sismans Doppelbiografie über Wordsworth und Coleridge ("The Friendship") faszinierend. Bob Shacochis entdeckt in Jonathan Rabans Zukunftsroman "Surveillance" (Auszug) die Wahrheit.

Im Magazin der New York Times führt Ben Neihart den Nachweis literarischer DNA anhand des Schriftstellers Joe Hill, der mit "Heart-ShapedBox" einen Bestseller gelandet hat und dessen Vater Stephen King heißt. Aufmacher des Magazins ist ein Artikel über weibliche Soldaten im Irak.

Magazinrundschau vom 13.03.2007 - New York Times

Intelligent, schön und "einfach schrecklich" findet Geoffrey Wheatcroft die Winifred Wagner, die Brigitte Hamann in ihrer Biografie porträtiert. Sogar Wieland war ein Nazi, stellt er fest. Und noch eine Kleinigkeit verstört ihn: In den letzten Jahren habe Deutschland (vor allem Günter Grass und Jörg Friedrich) angefangen, die eigenen Opfer zu beklagen. "Diese Leiden waren real. Erinnern wir uns, was Emil Praetorius an seinen Freund Thomas Mann schrieb: 'Kein Deutscher hat heute das Recht, sich zu beklagen ... Unter den vielen fragwürdigen deutschen Posen, ist Selbstmitleid die erbärmlichste.' Es ist fair zu vermuten, dass nur wenige Leser die Lektüre von Hamanns Buch mit viel Sympathie für Grass oder Friedrich beenden werden. Andererseits, wenn das Dritte Reich uns etwas gelehrt hat, dann dass es Wahnsinn ist, 'Rassen' oder Nationen zu generalisieren. Von Geburt war Winifred Wagner eine Landsmännin von Winston Churchill (und, in aller Bescheidenheit, auch von mir). Wohin führt uns das?"

David Orr nimmt einen kürzlich im New Yorker erschienenen Artikel der Dichterin Dana Goodyear über die Chicago Poetry Foundation zum Anlass, gegen die Lyrik-Redaktion des New Yorker (zu der auch Goodyear gehört) zu polemisieren: "Erstens druckt der New Yorker meist schlechte Gedichte von exzellenten Lyrikern, weil er große Autoren bringen muss, diese aber selten den Geschmack des New Yorker-Lesers bedienen (auch schreiben sie selten, was in der Welt der Lyrik als typisches New Yorker-Gedicht bekannt ist, diese epiphanische 'Wasser-und-Licht-Lyrik'). Tolle Autoren, die sich in einem Stil versuchen, der nicht zu ihnen passt ... Das zweite Problem ist die bekannte Affinität zu den Schöpfungen der eigenen Mitarbeiter ... Seit 2000 ist von Goodyear mehr im New Yorker erschienen als von Czeslaw Milosz, Jorie Graham, Derek Walcott, Wislawa Szymborska, Kay Ryan und jedem lebenden US-Dichter, außer W. S. Merwin. Sogar mit Sylvia Plath ist sie gleichauf."

Ferner: In ihren Essays und Reden ("At the Same Time") erscheint Pankaj Mishra Susan Sontag als europäische Traditionalistin. Und John Schwartz erscheint Brian Selznicks Kinderbuch "The Invention of Hugo Cabret" als ein "Stummfilm auf Papier".

Magazinrundschau vom 06.03.2007 - New York Times

Ian Buruma bespricht Ayaan Hirsi Alis Autobiografie Lebensgeschichte "Mein Leben, meine Freiheit". Ihre Islamkritik findet er ja wichtig, ihre Perspektive auf den Westen jedoch zu idealistisch: "Eine Karikatur an Freude und Sonnenschein, der Hirsi Ali nicht einzelne Orte, wie Somalia oder Saudi Arabien, gegenüberstellt, sondern die ganze muslimische Welt. Daher auch ihre Wut, wenn die Bewohner dieses Paradieses ihr Glück nicht zu schützen wissen. Europäer, die mehr Respekt für den Islam fordern, sind mindestens 'dumm'. Hirsi Alis heilige Mission ist es, 'solche Leute zur Besinnung' zu bringen und uns zu überzeugen, dass den Anschlägen vom 11. September 'der Kern des Islam' zugrunde liegt." Buruma findet, diese Einstellung biete "nicht die beste Perspektive" für ein Zusammenleben mit den Muslimen in Europa.

Ben Schott verteidigt sein persönliches Recht auf Büchermisshandlung. Solange es sich nicht um blinde Zerstörungswut handelt, meint er, steckt dahinter meist ein um so größerer Bibliophiler: "Eselsohr oben markiert den aktuellen Seitenstand, Eselsohr unten eine Seite, auf die sich zurückzukommen lohnt; die Spitze der Faltung zeigt auf den entsprechenden Abschnitt ... Menschen, die stets ein Lesezeichen zur Hand haben, waren mir schon immer verdächtig."

Ferner: Russel Banks hält Milan Kunderas Abhandlungen über den Roman (Auszug "The Curtain") für einen eleganten Mix aus Analyse und Anekdotischem. Und Edmund White gibt jungen Homosexuellen den seltsamen Rat, die "Notizbücher" von Tennessee Williams zu lesen, um die Bedeutung der Liberalisierung zu verstehen.

Das New York Times Magazine fragt: Warum glauben wir? Es antwortet Robin Marantz Henig, die erst einmal die aktuellen Diskussionen um polemische Atheisten wie den Evolutionstheoretiker Richard Dawkins vorstellt. Die eigentlich interessante Frage, findet sie, ist aber eine andere: "Im Lärm um die Neo-Atheisten droht eine ruhiger geführte und potenziell erhellendere Debatte unterzugehen. Sie findet nicht zwischen Wissenschaft und Religion, sondern innerhalb der Wissenschaft selbst statt, genauer gesagt, zwischen Wissenschaftlern, die sich aus Perspektive der Evolutionsgeschichte mit der Religion befassen. Diese Forscher sind sich tendenziell in einem Punkt einig: dass der Glaube ein Ergebnis der Hirnarchitektur ist, die sich in der Frühzeit der Menschheitsgeschihte entwickelte. Worüber sie streiten ist die Frage, warum sich diese Tendenz zum Glauben entwickelte - ob es daran lag, dass der Glaube selbst von adaptivem Nutzen war oder einfach ein Nebenprodukt der Evolution, eine bloße Folge einer anderen Anpassung in der Evolution des menschlichen Hirns."

Weitere Artikel: Alexandra Jacobs schreibt über ein neues Genre auf dem Zeitschriftenmarkt: Die Universitäts-Sex-Zeitschrift. Darcy Frey versucht zu erklären, warum "Arcade Fire" eine so großartige Indie-Band sind.