Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

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Magazinrundschau vom 28.08.2007 - Outlook India

Sagarika Ghose sieht die Lage der Frauenemanzipation in Indien sehr skeptisch, obwohl Indien erstmals seit sechzig Jahren eine Präsidentin hat: "Heute ist die Stärkung der Frauen ein Regierungsslogan, Teil aller Partei-Manifeste. Weil die indische Frauenbewegung nun eine offizielle Sache ist, muss die Gesellschaft nach ihrer eigenen Definition der Freiheit suchen. Für Millionen indischer Frauen, gelten dabei nicht talentierte Frauen wie [die hohe Polizei-Funktionärin] Kiran Bedi oder sogar eine professionelle Politikerin wie Pratibha Patil als Vorbild. Stattdessen orientierten sie sich an den heftig zurechtgemachten und juwelenbehängten, auf ihren Ehemann fixierten Glamour-Figuren der Seifenopern. Im städtischen Indien wird in allen Einkommensgruppen die individuelle Freiheit - im Unterschied zur kollektiven Freiheit der gleichen Chancen in Bildung und Arbeit - einfach als die Freiheit definiert, immerzu sexy zu sein. Die indische Frau ist so sexy und schön, dass sie vergessen hat, unabhängig zu sein."

Weitere Artikel: Amit Ranjan erinnert anlässlich seines zehnten Todestags an den weltberühmten Qawwali-Sänger Nusrat Fateh Ali Khan, der mehr Platten verkauft hat als Elvis (hier was zum Hören). Einen Nachruf gibt es auf einen einfachen Mann, der in jahrzehntelanger Handarbeit einen Weg durch einen Felsen schlug, der ihn einst zu einem Umweg zum nächstgelegenen Krankenhaus genötigt hatte, auf dem seine Frau dann starb.

Magazinrundschau vom 21.08.2007 - Outlook India

Saba Naqvi Bhaumik erzählt die Hintergründe eines Angriffs auf die Autorin Taslima Nasreen vor einigen Wochen in Hyderabad. Die Attacke folgte auf einen Artikel Nasreens in Outlook, in dem sie erklärte, warum sie nach Westbengalen gezogen ist, das einst eine Einheit mit ihrem Heimatland Bangladesch bildete: "Die Ursprünge der Angriffe auf Nasreen liegen nicht nur im Image der Autorin. Die Attacke hat auch ihren Hintergrund in der Politik von Hyderabad, einer der sich am schnellsten entwickelnden Städte. Hier zählen die Muslime schon wegen ihres hohen Bevölkerungsanteils von 43 Prozent. Ein Viertel davon lebt in der Altstadt. Dies ist das Territorium der muslimischen MIM-Partei (von der die Attacke auf Nasreen ausging, d.Red.) und wird wie ein Feudalstaat von der Owaisi-Familie gesteuert. Die Ursprünge der Familie liegen in der Razakar-Bewegung, die sich scharf gegen eine Vereinigung mit der indischen Union stellte."

Im Filmteil erzählt Namrat Joshi die Geschichte des Überraschungserfolgs der Saison. "Chak De India" ist ein Film ohne Tanz und Gesang, er handelt von armen Mädchen und einer unpopulär gewordenen Sportart: Hockey. Und SRK alias Shah Rukh Khan (hier eine deutsche Fan-Seite). Es gibt auch ein Interview mit dem Star.

Magazinrundschau vom 14.08.2007 - Outlook India

Outlook India feiert monothematisch Geburtstag - nämlich den sechzigsten des Landes nach der Befreiung aus britischer Kolonialherrschaft. Vinod Mehta zieht - ohne den Hinweis auf weiter bestehende Probleme zu vergessen - eine positive Bilanz der letzten Jahre: "In den vergangenen zehn Jahren haben Indiens vorsichtige Schritte in die schöne neue Welt der ökonomischen Reform und Globalisierung zu erfreulichen Ergebnissen geführt. Das ganze Gerede vom baldigen Status als 'ökonomische Supermacht' mag verfrüht und allzu pompös sein, aber der Schub für Selbstbewusstsein und Selbstachtung (am besten zusammengefasst im schrecklichen Slogan: 'Indien kann es') ist nicht zu leugnen. Für die Mittelschicht-Inder heißt das, dass sie mit erhobenem Kopf durch die Welt gehen könne, selbst wenn sie sich noch wie bibbernde boat people in die Schlangen internationaler Flughäfen einreihen müssen."

Eine Unzahl weiterer Artikel beleuchtet Geschichte und Gegenwart Indiens aus allen Richtungen. In einem Gastbeitrag betont die Sozialphilosophin Martha Nussbaum die Bedeutung von Bildung und Erziehung - und beklagt die Seelen- und Phantasielosigkeit in real existierenden indischen Bildungsinstitutionen. Khushwant Singh lässt die Geschichte in Englisch schreibender indischer Autoren Revue passieren. Ian Jack fragt, was Indien nach der Unabhängigkeit für England bedeutete. Es gibt eine kommentierte Liste mit sechzig Helden und eine mit elf Schurken. Ein Photoessay erinnert an unvergessene Liebesgeschichten. Nicht verschwiegen werden aber auch die Existenz von religiösem Fanatismus und seiner Opfer, von Sexsklaven und Gewalt.

Magazinrundschau vom 07.08.2007 - Outlook India

Shyam Benegal erweist Ingmar Bergman die letzte Ehre. "Bergman kreierte Traumlandschaften auf Zelluloid. Die Charaktere sind keine Fantasiegestalten, sie sind alle sehr real und verwurzelt, aber immer mit existenziellen Fragen beschäftigt. Er schätzte Luis Bunuel, Akira Kurosawa and Federico Fellini. In seiner Autobiografie 'Laterna Magica' schrieb Bergman, dass ein Film 'nicht ein Dokument, sondern ein Traum' sei. Er bewunderte Tarkowski, weil er fühlte, dass 'er sich natürlich in einem Raum voller Träume bewegt'. Bergman glaubte, dass er selbst nur ein paar Mal in diesen Raum 'hineingekrochen' sei. Von Antonioni hielt er nicht viel. Er meinte, dass Antonioni ebenfalls in diesen Raum der Träume hinein wollte, aber 'an seiner Langweiligkeit erstickte'."

Magazinrundschau vom 31.07.2007 - Outlook India

Mit zwei Abkürzungen muss sich abfinden, wer Outlook India in dieser Woche studieren will: SRK und BPO.

SRK ist hier bekannter. Es steht für Shah Rukh Khan, den ersten international berühmten Bollywood-Star, dessen Schmonzetten hierzulande auch in den Privatsendern laufen. Anupama Chopra hat eine laut Meghnad Desai lesenswerte Biografie über ihn vorgelegt. Indien schäme sich ja inzwischen nicht mal mehr seiner Cricketspieler, schreibt Desai, aber "SRK ist doch inzwischen unser Größter, der Mann der Globalisierungsära, als Indien zum New Kid on the Block wurde. Nachdem wir die Welt jahrhundertelang mit unserer moralischen Arroganz und dazugehöriger Inkompetenz nervten, sind wir Inder inzwischen eine Erfolgsgeschichte: bites, Bollywood und beauty queens."

Und was heißt BPO? "Business Process Outsourcing". Mit dieser schönen Tätigkeit stieg Indien in der Globalisierung jüngst auf. Outlook India bringt ein selbstkritisches Gespräch einiger Protagonisten, die sich fragen, ob Indien nun die zweite Phase schafft, die Entwicklung eigener Ideen nach der Übernahme von Tätigkeiten in einem bloßen Outsourcing-Prozess. "Wir brauchen einen starken Heimatmarkt, und den haben wir noch nicht", sagt Arjun Malhotra von der Firma Headstrong. "Aber da dieser Markt wächst, werden sich neue Gelegenheiten ergeben, und nach und nach können wir Produkte entwickeln, die vom indischen Markt aus exportierbar sind."

Magazinrundschau vom 10.07.2007 - Outlook India

Ramachandra Guha stellt fest, wie radikal sich Indiens Koordinatensystem gewandelt hat: "Der typische Nordinder betrachtete den typischen Südinder als klein, stämmig, dunkel, weibisch - und Vegetarier. Aber heute stimmen die einst so stolzen Nordinder mit den Füßen ab und ziehen in den Süden. Sie kommen, um Codes in Bangalores Software-Firmen zu schreiben und auf den Baustellen von Hyderabad zu schuften, auf den Kaffeeplantagen von Coorg zu arbeiten oder als Laufburschen in der Filmindustrie von Chennai (Madras). Jetzt lautet unter Panjabis und Bihars das Stereotyp vom Südinder, dass er intelligent und aufgeschlossen ist, hart arbeitet und Unternehmergeist besitzt. Und er kann sehr oft eine sie sein. Am allerwichtigsten ist, dass sie dir einen Job geben kann, wenn du fleißig bist und dich gut benimmst."

Weiteres: S.N. Balagangadhara überlegt, was Europa von Indien lernen kann. So genau weiß er es auch nicht, ist sich aber sicher, dass es mehr ist als nur Yoga, Karma und vedische Astrologie.

Magazinrundschau vom 03.07.2007 - Outlook India

Priyamvada Gopal, Professorin für "postcolonial studies" in Cambridge, wirft Salman Rushdie vor, nur noch den Islamismus, aber nicht mehr den Westen zu kritisieren: "Als gäbe es nicht auch jüdische Fundamentalisten, die die gleichen Dinge hassen - und außerdem noch die Existenz der Palästinenser! Ist Amerika wirklich ein leuchtendes Beispiel für ein politisches Vielparteiensystem und eine verantwortliche Regierung? Rushdie erwähnt auf seiner Liste der 'wichtigen Dinge' eine 'gerechtere Verteilung der Ressourcen', aber er betont doch das 'Küssen an öffentlichen Plätzen, Schinkenbrötchen und topaktuelle Mode' - Dinge, die vor allem den Glitterati der Metropolen am Herzen liegen." (Diese Dinge liegen auch den Höhlenbewohner der Metropolen sehr am Herzen, wie eine spontane Umfrage in der Perlentaucherredaktion ergab.)

Magazinrundschau vom 26.06.2007 - Outlook India

Wer sich über die Hindu-Presse informieren will, muss Sevanti Ninans kompetente Studie "Headlines from the Heartland" lesen", rät Ram Sharan Joshi. Einige indische Besonderheiten aber bekommen seiner Meinung nach doch zu wenig Aufmerksamkeit. "Die Anwendung von Habermas' Konzept der Öffentlichkeit stößt in Indiens vielfältiger und unregelmäßig entwickelter Gesellschaft an ihre Grenzen. Indiens postkoloniale agrarische Gesellschaft unterscheidet sich grundlegend von einer liberalen entwickelten Gesellschaft im Westen. Der grundsätzliche Klassencharakter der Hindu-Pressebarone war merkantil-kapitalistisch. Die Entwicklung vom merkantilen zum industriellen Kapitalismus und der Wechsel zur digitalen Drucktechnologie hat nicht unbedingt eine Veränderung der sozialen und beruflichen Beziehung zwischen hinduistischen Pressebaronen und muslimischen Gesellschaftern verursacht. Außerdem ist der jahrhundertealte Kastencharakter der Hindu-Presse ziemlich intakt. Eigentümer, Herausgeber, Redaktionsleiter haben unweigerlich einen Vaishya, Brahmin, Kayasth oder anderen 'Upper Caste'-Hintergrund. Das beeinträchtigt die demokratische Funktionsweise der Hindu-Presse."

Magazinrundschau vom 12.06.2007 - Outlook India

Neena Gopal besucht eine shakespeareanische Königsfamilie, die Bhuttos, einst allmächtig in Pakistan, die jetzt in Dubai im Exil leben. Benazir Bhutto, so erfährt man, spielt mit dem Gedanken, nach Pakistan zurückzukehren und sich zur Wahl zu stellen. Vor allem aber tritt in dem Gespräch erstmals ihr 18-jähriger Sohn Bilawal vor die Medien, dem eine große Zukunft bestimmt zu sein scheint: "Bilawal gesteht sein 'Heimweh', trotz verblichener Erinnerungen an die andauernden Morddrohungen gegen die Familie, die seine Großmutter Nusrat krank machten, eine einst unzähmbare Frau, die heute an Alzheimer leidet, was die Familie auf Stockschläge zurückgführt, die sei bei Demonstrationen gegen Zia-ul-Haq einstecken musste."

Sehr hübsch Haideep Mazumdars reich illustrierter Artikel über die legendäre Reiselust der Bengalen, die keine touristische Attraktion Indiens unbesucht lassen: "Ausgestattet mit Schals und Regenschirmen, um jedwedem Wetter zu trotzen, mit Stimmen, die sich vor Aufregung überschlagen, sieht man sie schlicht überall."

In allen Einzelheiten aufgerollt wird ein Skandal um Bollywood-Superstar Amitabh Bachchan, der Dokumente fälschen lassen wollte um Grundbesitz erwerben zu dürfen. Die eigentliche Überraschung dabei ist, dass das aufgeflogen ist. Und der hochverehrte greise Khushwant Singh beruhigt sein Publikum in einer komischen Kolumne über die Diagnose fürs Blut im Stuhl, das ihn schon innerliche Nachrufe auf sich selbst schreiben ließ: Es ist nicht Krebs, aber es war auch nicht rote Beete.

Magazinrundschau vom 22.05.2007 - Outlook India

Aktivisten der nationalistischen Hindu-Partei BJP stürmten eine Ausstellung des Kunststudenten Chandramohan Srimantula an der Universität von Baroda, berichtet Raghu Karnad. "Sie behaupteten, dass seine künstlerische Darstellung religiöser Bilder mit expliziten Details obszön sei und ihre religiösen Gefühle verletze. Herbeigerufene Polizisten verhafteten den Studenten, der angeklagt wurde, den Frieden und die gemeinschaftliche Harmonie zu stören. Er verbrachte vier Tage im Gefängnis, bevor der Richter beschloss, dass seine Absichten weder bösartig sind noch der öffentliche Frieden gefährdet wurde. Srimantula wurde freigelassen. Studenten und Dozenten der Kunstfakultät, veranstalteten aus Protest gegen die Verhaftung eine Ausstellung mit indischen Erotika, die wiederum von BJP Aktivisten gestört wurde, die Studenten und Dozenten beleidigten. Der Vizekanzler der Universität Manoj Soni verlangte daraufhin vom Dekan Shivaji Panikkar die Entfernung der Ausstellungsstücke. Panikkar lehnte ab, weshalb ihn Soni kurz darauf suspendierte und mit Hilfe seiner Kollegen und BJP-Aktivisten die Objekte entfernte und die Fakultät schloss." Darauf hin erinnerten Protestierende in zehn Städten die Hindu-Nationalisten daran, dass erotische Darstellungen ein Teil der Hindu-Kultur sind.
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