Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

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Magazinrundschau vom 08.01.2008 - Outlook India

Outlook India lässt Autorinnen und Autoren zurückblicken auf das Jahr 2007 und "ihre Indien-Geschichte" erzählen. Eine große Klage ist die Antwort der bangladeschischen Schriftstellerin Taslima Nasrin, die im Exil in Kalkutta lebte und nach Morddrohungen untertauchen musste: "Wo bin ich? Es wird mir gewiss keiner glauben, wenn ich sage: Ich habe keine Antwort auf diese scheinbar so einfache Frage, ich weiß es wirklich nicht. Und wenn mich jemand fragte, wie es mir geht, müsste ich wiederum antworten: Ich weiß es nicht. Ich bin wie eine lebende Tote: wie taub; des Genusses der Existenz und der Erfahrung beraubt; unfähig, mich jenseits der klaustrophobischen Grenzen meines Raumes zu bewegen. Tag und Nacht, Nacht und Tag. Ja, auf diese Weise habe ich bis jetzt überlebt. Der Alptraum hat nicht mit meiner Flucht aus Kalkutta begonnen; er dauert schon eine Weile. Wie ein langsamer und schleichender Tod, als nippte ich sanft an einer Tasse langsam wirkenden Gifts, das nach und nach all meine Geistesvermögen abtötet. Es ist eine Verschwörung, die mein Wesen, mein Sein tötet, die einst so tapfer, so sehr dem Scherz zugeneigt waren."

Hier ist die Übersicht der achtzehn Artikel, daneben noch Listen zu Buzzwords, zu interessanten Büchern und Filmen des vergangenen Jahres.

Magazinrundschau vom 11.12.2007 - Outlook India

Es gibt eine neue Art von Winterfestival, schreibt Ramachandra Guha, die inzwischen rituelle Heimkehr der NRIs, also der non resident indians zum Jahreswechsel. Sie werden angebetet wie Götter, zumindest einige von ihnen, denn "wer mit den Arabern im Golf lebt oder mit den Fijis im Südpazifik ist nicht qualifiziert, noch weniger diejenigen, die mit Leuten afrikanischer Herkunft in der Karibik leben. Angebetet werde nur die NRI, die mit Leuten zusammenleben, deren Pigmentierung nach einem tamilischen Wort wie Milch ist." Übrigens gibt es unter diesen NRIs drei Hauptgottheiten: "In Analogie zu Brahma, Vishnu und Siva haben wir Salman, den Schöpfer, Amartya den Erhalter und Sir Vidia, den Zerstörer."

Priyamvada Gopal, Autorin eines Buch über "Literary Radicalism in India" und Dozentin in Cambridge attackiert die Kommunistische Partei Indiens (und nebenbei ein von Noam Chomsky mit verfasstes Manifest, das die indische Linke zur Einheit auffordert) wegen ihrer heuchlerischen Position zur Verfolgung Taslima Nasrins in Bengalien: "Viele kommunistische Parteiführer äffen die Linie der Konservativen nach und sagen, dass Taslima frei ist, in Indien zu bleiben, wenn sie sich gut benimmt und aufhört 'religiöse Gefühle zu verletzen'. Aber Menschen, die von religiösen Orthodoxien unterdrückt werden wie Frauen und Dalits haben oft gar keine andere Wahl als auszusprechen wie diese Gefühle gegen sie mobilisiert werden."

Magazinrundschau vom 04.12.2007 - Outlook India

Die islamkritische-Autorin Taslima Nasrin, die bereits aus Bangladesch ins indische Kalkutta fliehen musste, wurde nun von einem radikalen muslimischen Mob durch halb Indien gejagt. Und die Offiziellen des Landes reichen sie weiter wie eine heiße Kartoffel. Vinod Mehta ist empört: "Wie sollen wir die Geschichte Taslima Nasrin lesen? Als einen Kommentar über den Zustand der indischen Demokratie? Über die Macht der Mullahs? Über eine manipulative Autorin, die eine solche Kontroverse nutzt, um ihre Bücher besser zu verkaufen? Gut möglich, dass alle Elemente in dieser Erzählung zusammenkommen. Für mich ist es jedoch der Bankrott der drei großen Parteien (der BJP, der kommunistischen und der Kongress-Partei), die sich selbst so ängstlich in Sicherheit bringen, dass einem schlecht wird. Ihr Verhalten als 'den-Schwarzen-Peter-Weiterreichen' zu bezeichnen, täte dieser manchmal sinnvollen politischen Taktik Unrecht. Es ist eine Farce, wie alle drei Parteien behaupten, sie hätten nie etwas anderes getan, als vehement die Redefreiheit zu verteidigen. Voltaire muss sich im Grabe umdrehen!"

In weiteren Artikeln zum Thema konstatiert Saba Naqvi Bhaumik: "Frevlerische Positionen sind in Indien generell nicht gut gelitten. Gerade in den letzten 15 Jahren ist dieses Land einzigartig humorlos geworden." Und Shuddhabrata Sengupta betrachtet die Lage der Muslime in Westbengalen, zu dem Kalkutta gehört.

Magazinrundschau vom 27.11.2007 - Outlook India

In Indien hat sich unter der Federführung der Save Indian Family Foundation (SIFF) eine Männerbewegung formiert, die sich gegen die Ausbeutung und Verfolgung durch Ex-Frauen und deren gierige Anwälten zur Wehr setzen will. Raghu Karnad glaubt durchaus, dass Männer in einzelnen Fällen durch die neuen Gesetze zur häuslichen Gewalt ungerecht behandelt wurden. Trotzdem ist Karnad die Bewegung nicht geheuer: "Mit pauschalen Äußerungen und chauvinistischen Reaktionen hat sich die SIFF von dem gemeinsamen Boden entfernt, den sie mit den Frauen-Aktivistinnen hätte teilen können. Ihre Bedenken sind nicht so verschieden: Zum Beispiel kommt es nur in zwei Prozent aller unter Paragraf 498A angezeigten Fällen zu einer Verurteilung. Das kann bedeuten, dass die meisten der angezeigten Personen unschuldig sind, aber es bedeutet auch, das die meisten Schuldigen gar nicht erst angezeigt werden. Was eine Bewegung zur Kooperation hätte sein können, um faire Gesetze zu entwerfen, hat zu einer fürchterlichen Rivalität geführt: Du bist entweder pro-Mann oder pro-Frau."

Weiteres: Shruti Ravindran besucht die Schauspielerin und Kochbuch-Kultautorin Madhur Jaffrey, von der zuletzt "The Ultimate Curry Bible" erschien (hier einige ihrer Rezepte). Der Autor C.P. Surendran legt sich mit dem Nationalheiligen Shah Rukh Khan an, dessen "Universum allein um sich selbst" kreise.

Magazinrundschau vom 20.11.2007 - Outlook India

Auf einem kurzen Streckenabschnitt in Southall im Westen Londons ereignen sich jährlich ein Drittel aller Selbstmorde auf den Bahnstrecken Großbritanniens. Die meisten Opfer sind Frauen - und zwar Sikhs aus dem Pandschab, erklärt Sanjay Sury: "Viele dieser Bräute aus dem Pandschab gelangen auf dem direkten Weg in die Hölle. Viele von denen, die sich umbringen, sind gebildet und kommen aus durchaus wohlhabenden Familien im Pandschab - eine der Frauen, die sich kürzlich in Southall vor den Zug warf, hatte einen Wirtschaftsabschluss. Genau darin scheint ein Teil des Problems zu liegen. 'Es ist ein Kulturschock', sagt [der Parlamentsabgeordnete für Southall Virender] Sharma. 'Die meisten dieser Mädchen aus dem Pandschab haben Uni-Abschlüsse. Ich habe Mädchen mit einem Master in Englisch, in Wirtschaft erlebt. Ihre Familien arrangieren Ehen mit Männern, die keine vergleichbare Ausbildung haben." Die Männer, an die diese jungen Frauen verheiratet werden, "sind meistens Händler, die oft ganz gut verdienen, aber keine große Erziehung haben. Den Gefallen, nach England geholt zu werden, müssen die Frauen üblicherweise mit häuslicher Sklaverei bezahlen, die manchmal gelockert wird, wenn sie schnell einen Sohn gebären."

Außerdem hat Outlook einen Schwerpunkt zum Thema Technik, in dem es etwa um die Konvergenztendenzen der neuesten Geräte, um Nanotechnologie und die Notwendigkeit einer grünen Revolution in Indien geht.
Stichwörter: England, Sklaverei, Kulturschock

Magazinrundschau vom 30.10.2007 - Outlook India

Nach der gewonnenen Wahl in Louisiana wird Bobby Jindal im Januar der erste indisch-amerikanische Gouverneur in der Geschichte der USA. In Indien ist man stolz auf ihn. Ashish Kumar Sen fragt sich allerdings, ob dafür wirklich so viel Grund besteht: "'Bobby ist ein konservativer Republikaner, anders als die große Mehrheit der indischstämmigen Amerikaner. Deshalb wird er hier mit sehr gemischten Gefühlen betrachtet, meint Toby Chaudhuri, Sprecher der IALI (der Indian American Leadership Initiative). 'Wenn man mal genauer hinschaut, wird es schwierig, ihn zu akzeptieren. Er hat gezeigt, dass indischstämmige Amerikaner viel erreichen können, aber er repräsentiert nicht unsere Gemeinschaft." Und diverse Konversionen nähren nicht gerade das Vertrauen: "Sein eigentlicher Vorname ist Piyush, den Namen Bobby hat er nach einer Figur in der Fernsehserie 'The Brady Bunch' angenommen. Sein Übertritt zum Katholizismus ist ein weiteres Beispiel für das, was Kritiker als cleveren Schachzug halten, der in erster Linie seinen politischen Ambitionen geschuldet war."

Magazinrundschau vom 09.10.2007 - Outlook India

Das sonst immer sehr kritische Politmagazin Outlook India ist wild entschlossen, mit diesem Heft sein zwölfjähriges Bestehen zu feiern. Und mit Feiern meinen die Macher der Zeitschrift auch wirklich Feiern: "Wir haben zwölf der größten Vorzüge und Leistungen Indiens im Jahr 2007 ausgewählt - von den Schulen mit dem besten Mittagessen zu den besten Regionalkrankenhäuser zur besten Verkaufsidee -, indem wir Experten und Spezialisten befragt haben... Wir kommen dann zu unseren zwölf besten Geschichte, den zwölf besten Cartoons, den zwölf besten Covern, den zwölf besten Bilder, den besten Leserbriefen etc. Vorhersehbar, das versprechen wir, ist daran wenig. Und es ist alles ohne alle Scheu bestens gelaunt, das 'andere Indien' kommt kaum vor. Ich entschuldige mich im vorhinein für die Auslassung, aber wir sind einfach in Champagnerlaune." Hier ist die Übersichtsseite mit den vielen Dutzend Gründen, auf Outlook und Indien stolz zu sein.
Stichwörter: Cartoons

Magazinrundschau vom 25.09.2007 - Outlook India

Die Schriftstellerin Arundhati Roy mischt sich in gewohnt scharfer Manier ein in einen Streit um Kritik am ehemaligen Verfassungsrichter YK. Sabharwal. Ihm wird vorgeworfen, zu Amtszeiten an einem Urteil beteiligt gewesen zu sein, das seine Söhne geschäftlich bevorteilt. Der eigentliche Skandal ist nun, dass der Zeitung, die darüber berichtet hat, der Prozess wegen Missachtung des Gerichts gemacht wurde. Roy meint dazu: "Da haben wir es jetzt mit einer ganz neuen Denkschule zur 'Missachtung des Gerichts' zu tun: Fiebernde Interpretationen eingebildeter Beleidigungen nicht namentlich genannter Richter. Hoppla! Wir sind im La-la-Land... Wenn die Regierung oder die Gerichte nichts unternehmen, den Skandal aufzuarbeiten, wird eine Gruppe von Anwälten und ehemaligen Richtern ein öffentliches Tribunal veranstalten und das ihnen vorgelegte Beweismaterial beurteilen. All das geschieht. Die Sache ist in der Welt - und es wurde Zeit."
Stichwörter: Roy, Arundhati, Der Prozess

Magazinrundschau vom 18.09.2007 - Outlook India

William Dalrymples Besprechung von V.S. Naipauls neuem Buch "A Writer's People" wird zu einem bitter enttäuschten Abgesang auf einen einstmals großen Autor: "Es ist schon eine Tragödie. Wie Philip Roth so eindrucksvoll gezeigt hat, muss das Alter nicht das Ende der Produktivität eines großen Schriftstellers bedeuten. Bescheidenheit, Energie und Ehrgeiz können noch den besten Autor dazu antreiben, nach immer größeren Leistungen zu streben. Naipaul dagegen ist als Autor tot: Je mehr er über seine Berufung schreibt, desto impotenter scheint seine Feder geworden zu sein. Keine Spur mehr der einstigen Weisheit, der Wärme, des Humors und vor allem des Mitgefühls in seiner Prosa. Alles was bleibt, ist die bittere und vertrocknete Hülse dieses einst so warmen und überraschenden Schriftstellers aus dem Dorf in der Nähe von Port of Spain."

Die Titelgeschichte widmet sich der indischen Haute Couture, Shefalee Vasudev fasst zusammen: "Ein bisschen Geschäft, viel Hype, einige furchtbare Kollektionen, einige wunderbare; eine Wiederbelebung indischer Textilien im Design, Manisha Arora und Anamika sind im nächsten Monat auf der Pariser Modewoche vertreten; ein wachsender lokaler Markt - und plötzlich ist das Glas der indischen Mode halb voll."

Magazinrundschau vom 04.09.2007 - Outlook India

Shruti Ravindran versucht die indische Obsession für das Aufstellen von verrückten Rekorden mit Psychologen zu erklären. Letztlich bleiben Fälle wie der von Harprakash Rishi aber unerklärliche Einzelphänomene. Er ließ sich alle Zähne ziehen, um 555 Strohhalme in den Mund zu bekommen. "Rishis schaffte es vor zwanzig Jahren zum ersten Mal ins Guinnes Buch, als er zwanzigtausend Kilometer auf einen Luna-Moped zurücklegte. Er hat seitdem eine ganze Reihe von Anträgen eingeschickt, von denen 47 noch nicht anerkannt sind. Darunter gibt es den Rekord für das schnellste Ketchup-Trinken, den längsten Domain-Namen, das längste Testament, das längste Non-Stop-Tragen eines Ziegels, die weiteste Curry/Pizza-Lieferung, den Verzehr der meisten Chilis innerhalb von drei Minuten, und die meisten leeren Seiten in einem veröffentlichten Buch. Seltsamerweise auch den größten Büstenhalter. Seine Begeisterung ist ansteckend. Sogar seine Frau, Bimla Rishi, hat einen Rekord für das kürzeste Testament, das aus zwei Worten in Hindi besteht, die 'Alles dem Sohn' bedeuten."

Nach den Bombenattentaten von Hyderabad mit 41 Toten bezweifelt Saikat Datta die Theorie der Regierung, die Terrorgruppen aus dem Ausland verantwortlich macht: "Niemand hier gibt sich der Illusion hin, dass es einige Bangladeshis waren, die Tage und Nächte damit zugebracht haben, die Ermordung von indischen Bürgern in Hyderabad zu planen. Die meisten Menschen glauben, dass die Ursachen für diesen entsetzlichen Akt in der Stadt selbst liegen. Sie halten ihn für vielfach verwoben mit der komplexen politischen Matrix von Hyderabad, besonders der Altstadt... Sie ist arm, rückständig, ohne auch nur die einfachsten Annehmlichkeiten und in Quartiere unterteilt, von denen einige ganz von Muslimen dominiert werden, andere eine gemischte Hindu-Muslim-Bevölkerung haben."

Weiteres: Shefalee Vasudev kann die Feministinnen beruhigen: Die Diskussion ist nicht zu Ende, sie wird nur unspektakulärer, dafür aber auf breiter Front weitergeführt. Besprochen wird die erste gemeinsame westlich-indische Kunstausstellung in Delhi, in der Francis Bacon und Lucian Freud neben Francis Newton Souza und Tyeb Mehta hängen.