
Unter
Pakistans Frauen geht die Angst um,
berichtet Mariana Baabar. "Gerade erst gestern fuhr Tahera Abdullah die schicke Margalla Road in Islamabad entlang, das
Fenster heruntergekurbelt, damit sie die Abendluft genießen konnte. Das silberne Haar der Entwicklungshelferin zeigt jedem, dass sie über 50 ist. Als Tahera an einer Ampel hielt, sprach sie ein
Achtjähriger an: ob sie nicht wisse, dass der Islam von ihr verlange, dass sie ihren Kopf bedeckt. Tahera kurbelte sofort das Fenster hoch. 'Wie diskutiert man mit einem Achtjährigen', fragt sie. Aber die Begegnung mit Pakistans religiösem Extremismus, zugleich einschüchternd und kindisch, hat Tahera veranlasst, künftig lieber schwitzend mit geschlossenen Fenstern zu fahren. 'Wir Frauen fühlen uns heute immer bedrohter', sagt sie. Die Straßen von Islamabad sind gefährlich für Frauen, sie verlangen von ihnen zu sein, was sie nicht sind, was sie nie waren. Der Beraterin Sara Javeed wurde das bewusst, als sie sich kürzlich im Auto eine
Zigarette anzündete. 'Ich drückte sie schnell wieder aus. Ich will nicht, dass Fremde mich fragen, warum ich rauche. Das ist neu für mich', sagt sie traurig."
Warum darf ich nicht in
Westbengalen leben,
fragt verzweifelt die bangladeschische Autorin
Taslima Nasreen, die ihr eigenes Land seit zwölf Jahren nicht mehr betreten darf, jahrelang in Europa lebte und sich nun schon seit längerem um ein unbegrenztes Aufenthaltsrecht in
Indien bewirbt. "Ist das wirklich zuviel verlangt? Ich nehme niemandem den Job weg. Ich möchte nur das
Leben eines Schriftstellers leben. Als Autor sehne ich mich nach meiner Sprache, ich sehne mich danach, mit Menschen aus meiner Kultur zusammenzuleben - ist das so ungerechtfertigt? Westeuropa hat mein Leben gerettet, ich hoffe, dass Indien mich als Schriftstellerin retten wird." Und sie erinnert noch einmal daran, warum sie nicht mehr nach
Bangladesch zurück darf: Nicht weil sie gestohlen, betrogen oder gemordet hat. Sondern weil sie gegen die Diskriminierung der Frauen durch den Islam protestiert hat.