Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

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Magazinrundschau vom 15.05.2007 - Outlook India

Jairam Ramesh empfiehlt Ramachandra Guhas Summe und Synthese "India after Gandhi" (Auszug), ein tausendseitiges, aufwändig gestaltetes Geschichtswerk, das pünktlich zum 60. Jahrestag des unabhängigen Indien erscheint. Vor allem lobt er die narrative Kraft des Autors, der bereits eine "bahnbrechende Geschichte des Cricket" ("A Corner of a Foreign Field", Rezension) vorlegte: "Es hat andere Bücher gegeben, die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft des unabhängigen Indien getrennt voneinander behandelten, aber es gibt kaum etwas Vergleichbares zu Guhas Herangehensweise, die all diese Bereiche in eine große Erzählung integriert. Vor acht Jahren hat er dieses Glücksspiel begonnen. Es hat sich ganz klar gelohnt, und obwohl sein Terrain ausgesprochen politisch ist, gelingt Guha eine Synthese."

In einem jährlichen dem Bollywood-Kino gewidmeten Dossier stellt Outlook India eine bedenkliche Tendenz zum patriotischen Kino fest. Der bekannte Autor Mukul Kesavan lässt im Aufmacher-Essay 60 Jahre kinematischen Patriotismus Revue passieren. Neena Gopal schreibt über den Fall des großen alten Mannes der indischen Malerei, Husain, der heute freiwillig im Exil in Dubai lebt, weil er als Muslim freizügige Gemälde hinduistischer Gottheiten malte und hierfür von Hindu-Extremisten attackiert wird.

Magazinrundschau vom 08.05.2007 - Outlook India

Unter Pakistans Frauen geht die Angst um, berichtet Mariana Baabar. "Gerade erst gestern fuhr Tahera Abdullah die schicke Margalla Road in Islamabad entlang, das Fenster heruntergekurbelt, damit sie die Abendluft genießen konnte. Das silberne Haar der Entwicklungshelferin zeigt jedem, dass sie über 50 ist. Als Tahera an einer Ampel hielt, sprach sie ein Achtjähriger an: ob sie nicht wisse, dass der Islam von ihr verlange, dass sie ihren Kopf bedeckt. Tahera kurbelte sofort das Fenster hoch. 'Wie diskutiert man mit einem Achtjährigen', fragt sie. Aber die Begegnung mit Pakistans religiösem Extremismus, zugleich einschüchternd und kindisch, hat Tahera veranlasst, künftig lieber schwitzend mit geschlossenen Fenstern zu fahren. 'Wir Frauen fühlen uns heute immer bedrohter', sagt sie. Die Straßen von Islamabad sind gefährlich für Frauen, sie verlangen von ihnen zu sein, was sie nicht sind, was sie nie waren. Der Beraterin Sara Javeed wurde das bewusst, als sie sich kürzlich im Auto eine Zigarette anzündete. 'Ich drückte sie schnell wieder aus. Ich will nicht, dass Fremde mich fragen, warum ich rauche. Das ist neu für mich', sagt sie traurig."

Warum darf ich nicht in Westbengalen leben, fragt verzweifelt die bangladeschische Autorin Taslima Nasreen, die ihr eigenes Land seit zwölf Jahren nicht mehr betreten darf, jahrelang in Europa lebte und sich nun schon seit längerem um ein unbegrenztes Aufenthaltsrecht in Indien bewirbt. "Ist das wirklich zuviel verlangt? Ich nehme niemandem den Job weg. Ich möchte nur das Leben eines Schriftstellers leben. Als Autor sehne ich mich nach meiner Sprache, ich sehne mich danach, mit Menschen aus meiner Kultur zusammenzuleben - ist das so ungerechtfertigt? Westeuropa hat mein Leben gerettet, ich hoffe, dass Indien mich als Schriftstellerin retten wird." Und sie erinnert noch einmal daran, warum sie nicht mehr nach Bangladesch zurück darf: Nicht weil sie gestohlen, betrogen oder gemordet hat. Sondern weil sie gegen die Diskriminierung der Frauen durch den Islam protestiert hat.

Magazinrundschau vom 01.05.2007 - Outlook India

Die Herausgeberin der indischen Marie Claire, Shefalee Vasudev, kritisiert ein Urteil des obersten Gerichtshofs, wonach sexuelle Verweigerung in der Ehe künftig als "mentale Grausamkeit" und damit als Scheidungsgrund gilt: "Wer keinen Sex will, muss also einen triftigen physischen Grund haben. Der impulsivste und vielleicht komplexeste Teil einer Ehe erhält eine Verfassung ... Allerdings erkennt das gleiche Gesetz weder Mangel an Zuneigung, Selbst- oder Eifersucht noch Verschiedenheit an Temperament, Charakter oder Meinung als Scheidungsgrund an." Die schöne neue Sensibilisierung der Gerichte in Sachen Scheidung und, paradoxerweise, ehelicher sexueller Nötigung, findet Vasudev, schießt damit übers Ziel hinaus.

Weiteres: Als Aufmacher zum 60. Geburtstag der Nation am 15. August dient ein Auszug aus Ramachandra Guhas Buch "India After Gandhi", das die Geschichte der weltgrößten Demokratie erzählt. In einem anderen Beitrag fordert der indische Premier Manmohan Singh "religöse Harmonie" statt bloße Toleranz. Und Pavan K. Varma feiert von Khushwant Singh übersetzte Urdu-Dichtungen.

Magazinrundschau vom 17.04.2007 - Outlook India

Im indischen Wochenmagazin beklagt Markandey Katju den Mangel an guter, das heißt "aktiver realistischer" indischer Literatur: "Wie bei Dickens und Shaw in England, bei Rousseau und Voltaire in Frankreich sollte Literatur die Menschen bewegen, ihre Lebensumstände zu verbessern und für eine Welt ohne Unrecht einzutreten ... Im Zeitalter der Wissenschaft hat der Mensch sein soziales Schicksal selbst in der Hand; Kunst und Literatur sollten ihm dabei helfen. In Ländern wie Indien, wo sehr viele Menschen unter schrecklichen Bedingungen leben, bedeutet Kunst um der Kunst willen Eskapismus."

Tabish Khair hat die Art Literatur schon gefunden. In Mohsin Hamids Roman "The Reluctant Fundamentalist", schreibt er, erhalte der Fundamentalismus eine nuancenreiche Stimme: "Die Andersartigkeit des religiösen Terroristen scheint nicht erzählbar, außer als das absolut Böse, archaische Dummheit oder jugendliche Verblendung ... Der Roman ist eine glorreiche Ausnahme. Sein Erfolg beruht auf Sympathie, gedanklicher Tiefe und Hamids Geschick. Sein Erzähler ist eine mit Bedacht entworfene Figur, nicht irgendein Fundamentalist, sondern ein 1A-Princeton-Absolvent aus guter Familie."

Außerdem: Das Titeldossier versammelt "25 Menschen, die es nie in die Riege der Mächtigen schaffen werden", weil sie sich, wie C. Rammanohar Reddy, Herausgeber des Debatten-Magazins Economic and Political Weekly, lieber fürs Gemeinwohl engagieren. Und Namrata Joshi lobt Steven Soderberghs "The Good German" für sein Film-noir-Feeling, findet aber, dass Clooney nicht Bogart ist.

Magazinrundschau vom 10.04.2007 - Outlook India

Glaubt man Outlook India, dann ist Khushwant Singh zumindest innerhalb Indiens der berühmteste Schriftsteller des Landes. Seine Kolumne "With Malice towards One and All" (hier das einzige Exemplar, das wir beim Googeln fanden) wird in mehreren indischen Zeitungen in allen möglichen Sprachen nachgedruckt. Er ist mit seinen 92 Jahren aktiver denn je, schreibt Sheela Reddy in einem ausführlichen Porträt. "Er hat etwas, dessen sich kein anderer Schriftsteller rühmen kann: Eine treue Leserschaft im weniger gebildeten Publikum. Eines Abends zum Beispiel betritt Singh bei einem seiner seltenen Spaziergänge zum Khan Market in Delhi einen Fleischerladen, der seine Neugier erregte. Sofort standen die Schlachter auf, ehrerbietig, die Messer pausierten auf ihren Holzblöcken, während Indiens ältester und berühmtester Autor einige Koranverse an den Kachelwänden studierte. 'Wir lesen Sie jede Woche in den Urdu-Zeitungen', bringt einer schüchtern hervor." Nützlicherweise wird dem Artikel noch eine Liste von Leuten beigestellt, die er liebt, und die er hasst.

Außerdem bringt Outlook India eine Besprechung von Gita Aravamudams Buch über die immer noch grassierende Praxis der Abtreibung weiblicher Embryonen: "Disappearing Daughters - The Tragedy of Female Foeticide".
Stichwörter: Abtreibung, Delhi

Magazinrundschau vom 27.03.2007 - Outlook India

Man muss Ayaan Hirsi Alis politische Ansichten nicht teilen, um von ihr beeindruckt zu sein, stellt Taslima Nasrin nach der Lektüre von Hirsi Alis Autobiografie "Mein Leben, meine Freiheit" fest. Nasrin erkennt in dem Buch vor allem die Erfolgsgeschichte einer Frau: "Ayaan ist ein Symbol für Mut, nicht nur für muslimische Frauen, sondern für alle Frauen, egal zu welcher Religion oder Kultur sie gehören. Sie hat ihren Platz in einer Männerwelt erobert - sie ist überall, obwohl sie von nirgendwo kam... Dass eine fromme Frau zur Atheistin wurde, bewegt mich nicht so sehr wie die Tatsache, dass eine verletzliche, abhängige, fragile, geschlagene und bedrohte Frau zu einer der einflussreichsten Personen in der Welt geworden ist. Das Leben einer jeden Frau ist weitaus vielschichtiger als die meisten sich vorstellen. Und wenn es eine Schwäche des Westens ist, sich mit einfachen Antworten zu begnügen, so weiß Ayaan, ihren Nutzen daraus zu schlagen."

Außerdem: Im Interview spricht die Pulitzerpreisträgerin Jhumpa Lahiri über Mira Nairs Verfilmung ihres Romans "The Namesake". Und Namrata Joshi äußert sich respektvoll über den Film, zieht die Lektüre aber trotzdem vor.

Magazinrundschau vom 27.02.2007 - Outlook India

In einem leidenschaftlichen Essay (vorgetragen anlässlich der Verleihung der Sahitya Akademy Awards für indischsprachige Literatur) verteidigt die Schriftstellerin Nayantara Sahgal ("Mistaken Identitiy") die Regionalliteraturen gegen die Vormacht der Literatur der indischen Diaspora: "Wir sollten uns nicht von einer Globalisierung vereinnahmen lassen, die einigen Privilegierten erlaubt, ihre Identität zu wahren, und anderen die ihre nimmt. Welchen Effekt die Heimat auf das Erzählen hat, sehen wir an unserer eigenen Literatur, die von Region zu Region nicht nur sprachlich variiert, weil die Fantasie ebenso auf Geschichte und Psychologie eines Ortes basiert wie auf individueller Erfahrung ... Kaste, Korruption, religiöser Fundamentalismus, Computer, die sexuelle Revolution: Wem könnte das mehr bedeuten, als dem, der davon betroffen ist? Die Schlacht für eine neue Welt schlägt jeder auf seinem eigenen Platz. Sie in Worte zu fassen, ist ein Teil dieser Schlacht."

Außerdem: Namrata Joshi führt durch die Ausstellung "The Word is Sacred - Sacred is the Word", die Werke indischer Schriftkunst zeigt und 2006 auf der Frankfurter Buchmesse zu sehen war. Und Lloyd Rudolph hält Tushar A. Gandhis Verschwörungstheorie zur Ermordung seines Urgroßvaters ("Let's Kill Gandhi!") für unglaubwürdig.

Magazinrundschau vom 30.01.2007 - Outlook India

Überraschung auf dem 2. Literaturfestival von Jaipur: Das Publikum sammelt die Autogramme seiner Lieblingsautoren nicht länger auf losen Zetteln, Widmungen kommen jetzt in die eigens dafür angeschafften Bücher! Sheela Reddy weiß noch mehr Staunenswertes zu berichten: "Salman Rushdie, mit der Presse noch immer auf Kriegsfuß, wirkt allmählich wie ein altersweiser Patriarch. Zu den Fans ist er fast freundlich. Bei den Jungen blüht er auf - ob Abiturienten ihn zum Thema Fundamentalismus befragen oder er Ratschläge an unerfahrene Leser erteilt. Noch bemerkenswerter die stille Geste, mit der er über Rangunterschiede hinwegsieht ... Manchmal verlässt er die ihn belagernde Menge, um ein paar Worte mit einem jungen Autor zu wechseln."

Außerdem: Das Titeldossier (hier, hier und hier) befasst sich mit der zunehmenden Stigmatisierung von Rauchern in Indien. Meenakshi Reddy Madhavan berichtet über den florierenden Komparsentourismus mit "weißen" Urlaubern. Und im Interview spricht die britische Verhaltensforscherin Jane Goodall über die "dunkle Seite" von Schimpansen.

Magazinrundschau vom 23.01.2007 - Outlook India

Sanjay Suri hat nicht allzu viel Mitgefühl für die Bollywood-Schauspielerin Shilpa Shetty, die in der britischen Fernsehsendung "Celebrity Big Brother" unter anderem von einer gewissen Jade Goody mit rassistischen Sprüchen belegt worden war. Shilpa habe sich nach der Devise "friss Dreck, mach Geld" zur Teilnahme an der Show entschlossen. Und was den Rassismus angeht, sollten die Inder cool bleiben, findet Suri und resümiert mit dem ganzen Selbstbewusstsein einer aufstrebenden Supermacht: "Diese Show ist nicht Indiens Problem oder das Problem irgendeines Inders. Es ist Britanniens Problem. Haben Sie kein Mitleid mit Shilpa, sondern mit den armen weißen Briten, denn Leute wie Jade gibt es massenhaft ihn ihrem Land."

Außerdem: In der Titelstory berichtet Saikat Datta über den Einfall der Russenmafia in Goa. Sanjaya Baru empfiehlt das Indien-Buch "Inhaling the Mahatma" des australischen Korrespondenten Christopher Kremmer. Madhu Jain wünscht sich einen Folgeband zu Yashodhara Dalmias Aufriss der indischen und pakistanischen Gegenwartskunst ("Memory, Metaphor, Mutations"). Und im Interview äußert die britische Kolumnistin Yasmin Alibhai-Brown ihren Zorn über Blairs Irak-Politik.

Magazinrundschau vom 16.01.2007 - Outlook India

Die Burka soll brennen! Mit deutlichen Worten fordert die Schriftstellerin Taslima Nasrin den Aufstand gegen den im Koran verordneten Schleierzwang und die Unterdrückung der Frau: "Die Burka meiner Mutter erinnerte mich an die mit einem Netz verhangene Speisekammer im Haus meiner Großmutter. Die Absicht ist hier wie da die gleiche: Das Fleisch sicher zu verwahren... Warum müssen sich Frauen verschleiern? Weil sie Sexobjekte sind. Es erregt Männer, sie zu sehen. Warum sollen Frauen für die sexuellen Probleme der Männer bestraft werden? Frauen haben auch sexuelle Bedürfnisse. Aber Männer müssen sich nicht bedecken. In keiner von Männern formulierten Religion wird Frauen eine eigenständige Existenz zugebilligt, als Menschen mit eigenen Wünschen und Meinungen. Doch der Verschleierungszwang demütigt nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Als würden sich alle Männer lüstern auf eine unverschleierte Frau stürzen. Verlieren sie ihren Verstand, nur weil sie eine Frau ohne Burqa sehen?"

Weitere Artikel: Chander Suta Dogra berichtet über die befriedende Wirkung indisch-pakistanischer Theaterproduktionen. Und Khushwant Singh hält die Lebensgeschichte Gandhis ("Mohandas"), erzählt von seinem Enkel Rajmohan Gandhi, für ein beglückendes Ereignis.
Stichwörter: Burka, Mutter, Nasrin, Taslima