
Lucasta Miller
stellt die englische Dichterin
Letitia Elizabeth Landon vor, die unter ihren Initialen L.E.L. umstrittene Gedichte schrieb, in einem Zeitraum - 1820, 1830 - der genau
zwischen Romantikern und Viktorianern lag: "Die Revolutionszeit der 1790er Jahre hatte eine relativ offene Haltung zur
freien Liebe gezeigt. Die Viktorianer, die ihnen folgten, würden unkonventionelle sexuelle Beziehungen in tiefer Verleugnung begraben. Aber die Ära des Zeitalters dazwischen - L.E.L.s Ära - war geprägt von einer seltsamen Kultur der
bewussten Heuchelei. Letitia Landon selbst hat es in einem ihrer funkelndsten späteren Gedichte geschrieben: 'Niemand unter uns wagt zu sagen / Was niemand hören will.' Die Dichter, die die Geschichte als Romantiker heiliggesprochen hat, waren dabei vergessen zu werden.
Keats war gestorben,
Shelley und Byron waren im Exil in Italien und zu Hause unter Beschuss als sexuelle Verführer. Der Hofdichter Robert Southey bezeichnete sie als 'die
Satanische Schule' und erklärte sie zu einer Gefahr für die Gesellschaft. Der Verleger von Shelley's 'Queen Mab', einem transzendentalen Lobgesang auf die freie Liebe, war nach einer Anklage durch die
Society for the Suppression of Vice (Gesellschaft zur Unterdrückung des Lasters) verhaftet worden. Die Stimme Letitia Landons, die als L.E.L. kreiert worden war, war eine Antwort auf diesen labilen kulturellen Kontext und auf ihre persönliche Situation als
Geliebte eines verheirateten Mannes. Einige Leser zu dieser Zeit stellten sich vor, dass die 'Lady im Teenageralter' ein unschuldiges junges Mädchen sei. Aber andere griffen ihre versteckten Anspielungen auf die Poesie der 'Satanischen Schule' auf und interpretierten ihre hübschen Blumenmetaphern als Bekenntnis, dass sie selbst eine 'gefallene Frau' war. Sie wurde eine
Meisterin der manipulativen Doppelzüngigkeit und der Mehrdeutigkeit. Ihr Ich war war ich das ultimativ glitschige Subjekt, die Lücken so aussagekräftig wie ihre tatsächlichen Worte."