
Pünktlich zur Rentree bekommt Frankreich seinen
Plagiatsskandal und unter Verdacht steht der Literaturkritiker und journalistische Tausendsassa
Joseph Mace-Scaron. Er spricht von "Leihgaben" und Intertextualität. Emmanuelle Anizon
sieht darin eher gängige
Praxis im Journalismus. Statt selbst zu recherchieren und zu schreiben, bedient sich jeder nach Herzenslust an einem riesigen
Textbuffett aus Pressemittleiungen und Klappentexten: "Der Journalismus ist zu einer einzigen
riesigen Plagiatsmaschine geworden. Das Fernsehen kopiert die Printmedien, die wiederum vom Internet abschreiben... und umgekehrt, ohne das auch nur irgendjemand wüsste, wer die eigentliche Quelle ist."
Noch vor der "Jasminrevolution" und dem Sturz des Diktators Ben Ali, brachte die tunesische
Regisseurin Nadia El Fani im Sommer 2010 mit ihrer Kamera einen gewagten Vorschlag unter die Menschen - die Einführung des
Laizismus. Mathilde Blottiere
präsentiert den daraus entstandenen Dokumentarfilm "Laicite inch'Allah", den die Filmemacherin anhand dreier Ausschnitte kommentiert. In den kleinen alltäglichen Begegnungen, die sie dokumentiert, ohne ihre Kamera zu verstecken, setzt die Filmemacherin auf Konfrontation: "Als ich das Thema Ramadan anspreche, stelle ich fest, dass der Taxifahrer gut reagiert. Ich schalte die Kamera ein und sage ihm, dass ich
Atheistin bin. In Tunesien ist das eine
subversives Bekenntnis, aber als Filmemacherin bin ich zu dieser Provokation bereit. Ich bin dazu da um der Gesellschaft den Kopf zu streicheln, sondern um sie
gegen den Strich zu bürsten und neue Ideen voran zu bringen."
Jeremie Couston
porträtiert die britische Schauspielerin und frühere Athletin Tilda Swinton, die in ihrem
kreativen Langstreckenlauf meist ihrem Instinkt gefolgt sei: "Ich bin mir nicht sicher, ob ich Karriere gemacht habe, aber ich habe ein Leben."