Magazinrundschau - Archiv

Vanity Fair

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Magazinrundschau vom 28.07.2020 - Vanity Fair

In Deutschland sind wir ja - zumindest bislang - um die allerschlimmsten Härten der Corona-Pandemie herumgekommen. Deutlich anders wird einem, wenn man Josh Sanburns bedrückende Reportage über amerikanische Bestatter liest. Von den Belastungen des medizinischen Personals war in den ersten Monaten ja immer wieder die Rede, aber wie Bestatter in den Pandemie-Hotspots mit den Leichenstapeln, überlaufenden Lagerhallen und abzuwimmelnden Familien, die ihre Toten beerdigen wollen, umgehen - davon las man bislang bemerkenswert wenig. "Viele Hospitale begannen damit, große Kühltrucks heranzuschaffen, die allerdings über kein Regalsystem verfügten. Bevor die Beleuchtung installiert wurde, mussten die Bestatter Frankie und Jose ihre Telefone als Taschenlampen verwenden, um Leichen in den dunklen Anhängern zu identifizieren. Manchmal dauerte es bis zu 20 Minuten, um die richtige Leiche zu finden, da die ID-Karte sich gelöst hatte und sie die Leiche anhand der Informationen, die am Gelenk oder am Zeh angebracht waren, identifizieren mussten. Ob sie sich bei einer Leiche mit Covid-19 anstecken konnten, wussten sie damals nicht, also trugen sie die ganze Zeit über komplette Schutzanzüge. Von allen Leichenhallen, in die sie kamen, war die des Brookdale University Hospitals mit die verstörendste. Am 3. April nahm Frankie in einem Anhänger des Hospitals ein Video auf. Ein Mann liegt außerhalb der Leichentasche. Andere liegen  gestapelt übereinander. Humanitäres Chaos. 'Gleich wenn man die Tür öffnete, lagen da stapelweise Leichen. Man musste drüber klettern, um in den Truck zu kommen', erzählt mir Frankie. 'Diese Leichensäcke sind sehr günstig. Wenn man den Reißverschluss öffnet, entsteht ein Riss. Arme und Beine hingen raus. Ein Typ lag nackt außerhalb des Sacks.' Schließlich fanden sie die Frau, nach der sie Ausschau hielten. Sie lag gleich vorne, unter einer anderen Leiche, mit dem Gesicht nach unten. Auf der Rückseite des Leichensacks sah Frankie Fußabdrücke."

Magazinrundschau vom 21.04.2020 - Vanity Fair

Jack Dorsey ist stinkreich und pflegt seltsame Gesundheitsrituale. Er ist außerdem Mitbegründer von Twitter. Einer dieser Typen also, die mächtiger sind als Präsidenten und alle Zeitungen dieser Welt. Aber auch dieses Leben ist nicht ungetrübt, Dorsey ist jetzt ein richtig großer Hai auf den Fersen, erzählt Nick Bilton: Jesse Cohn vom Hedge Fund Elliot Managment. Der erwarb Twitter-Anteile im Wert von einer Milliarde Dollar und kündigte dann an, dass man Veränderungen in der Firmenleitung erwarte, damit Twitter mehr Geld mache. Dorsey und sein Umfeld nahmen das zunächst nicht ernst: Ohne ihn wäre Twitter schnell man Ende, glaubte man. "Doch für manche ist das eine altmodische Ansicht, ein Aberglaube aus dem Silicon Valley. In den Augen von Elliott scheitert Twitter gerade weil Dorsey dort ist. Angeführt wurde der Antrag, ihn rauszuschmeißen, von Jesse Cohn, der kürzlich von William D. Cohan in einem Profil als eine tausendjährige Version von Gordon Gekko beschrieben wurde. Cohn hat einen Ruf in Situationen wie dieser. Er hat unter zahllosen anderen Unternehmen die Verdrängung der CEOs von Athenahealth und eBay durchgesetzt und einen blutigen Sport daraus gemacht, schwache CEOs bei unterbewerteten Unternehmen aufzuspüren, sich in ihre Vorstände zu drängen und so lange auf Veränderungen zu drängen, bis er seinen Willen durchsetzen konnte, wobei seine Firma Hunderte von Millionen Dollar verdiente. Ein langjähriger Beobachter von Cohn beschrieb ihn als 'einen verdammten Killer', der alles tue, was nötig sei. In der Vergangenheit hat Elliott bei früheren Coups extreme Taktiken angewandt, darunter die Beauftragung privater Ermittler, um schmutzige Geheimnisse bei den Vorstandsmitgliedern aufzuspüren."

Magazinrundschau vom 31.03.2020 - Vanity Fair

Jesse Hyde erzählt in einer Reportage von Jane de Oliveira, einer Lehrerin, die der Sem Terra, der Bewegung der Landarbeiter ohne Boden in Brasilien half, Land zu besetzen, dass seinerseits illegal von der stinkreichen Familie Babinski besetzt worden war. Vor Gericht hatten die Landlosen mehrfach verloren, als sie jedoch erneut Boden besetzten, heuerten die Babinskis Polizisten an, die das Problem für immer erledigten. "Wie viele Landarbeiter der Sem Terra hatte Oliveira jahrzehntelang zugesehen, wie der Regenwald stetig verschwand. Die Farm Santa Lucia liegt mehr als 1.500 Meilen von Rio de Janeiro entfernt in einem abgelegenen und gesetzlosen Gebiet etwa 30 Meilen westlich der BR 155, einer Autobahn, die durch den einstmals dichten, üppigen Dschungel führt. In den 1990er Jahren war Oliveira als alleinerziehende Mutter Anfang 20 in die Region gezogen und fand Arbeit als Lehrerin in der nahe gelegenen Gemeinde Xinguara, der traditionellen Heimat der Kayapo- und Parakana-Stämme. Das Gebiet befand sich in einem schrecklichen Wandel. Eine neue Eisenbahnlinie war durch 550 Meilen Regenwald im Norden gebaut worden, und Landspekulanten waren in die Region gekommen, um das Amazonasgebiet abzuholzen. Einheimische Bauern wurden ihres Landes beraubt, mit vorgehaltener Waffe vertrieben oder gefesselt und gezwungen zuzusehen, wie ihre Hütten verbrannt wurden. Wohlhabende Landbesitzer benutzten riesige Dreschmaschinen und teure Düngemittel für den Sojaanbau, die sie auf für China bestimmte Schiffe luden, während Kleinbauern den Boden mit Holzpflügen bestellten und die angebauten Bohnen und Yucca aßen. Die Zahl der Rinder in der Region stieg von 22.500 auf 2,2 Millionen - die größte Rinderherde des Landes. Heute sind fast 20 Prozent des Regenwaldes in der Region zerstört, und die obersten zwei Prozent der brasilianischen Landbesitzer besitzen mehr Land als die Fläche von England, Frankreich, Deutschland und Spanien zusammen. Oliveira kam in die Region, als die landlosen Arbeiter gerade anfingen, sich zu wehren. Bis 1997, ermutigt durch einen Regierungsbeschluss zur Umverteilung von Millionen Hektar ungenutzten Ackerlandes, hatten 350.000 Familien in ganz Brasilien legal Land erhalten, indem sie 1.300 Lager auf brachliegenden Grundstücken errichteten. Als die Sem Terra jedoch einen ähnlichen Ansatz im Amazonasgebiet versuchten, stießen sie auf den hartnäckigen Widerstand wohlhabender Landbesitzer - und der Polizei und der Richter, die sie schützen. Im Jahr 2017, dem Jahr, in dem Oliveira die Besetzung von Santa Lucia anführte, gab es in Brasilien mehr Morde wegen Landstreitigkeiten als in jedem anderen Land."
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Magazinrundschau vom 17.09.2019 - Vanity Fair

Aatish Taseer porträtiert den früheren Cricket-Star und Playboy und amtierenden pakistanischen Premier Imran Khan und benennt dessen Herausforderungen: "Wenn Khans Person fasziniert, dann weil er so gut die Moral und die kulturelle Schizophrenie seiner Gesellschaft reflektiert. Wie die Evangelikalen in den USA, bei denen ein politisierter Glaube ein schwieriges Verhältnis zur Moderne und zur Versuchung offenbart, sind Khans Widersprüche nicht zufällig, sondern der Schlüssel zu seiner Person - und vielleicht zu Pakistan. Wie andere Populisten auch weiß Khan viel besser, gegen was er ist, als wofür er steht. Sein Hass auf die Elite, zu der er selbst zählt, ist die Kraft hinter seiner Politik. Er kritisiert Reformer wie Atatürk und Reza Pahlavi für ihren Irrglauben, 'ihre Länder durch äußere Westernisierung voranzubringen'. Khan mag Recht haben, wenn er eine Moderne kritisiert, die so nichtssagend ist, das sie als synonym gilt für die Insignien westlicher Kultur. Aber er trägt selbst mit Schuld daran, den Westen auf Freizügigkeit und Materialismus zu reduzieren. Wenn es um die Erfolge des Westens geht, Demokratie und Sozialstaat, so rechnet Khan sie der Geschichte des Islam zu. 'Demokratische Prinzipien gehörten während des goldenen Zeitalters des Islams zur islamischen Gesellschaft dazu', erklärt er … Im Juli bei seinem Treffen mit Trump in Washington landete Khan einen Coup. Die Dynamik der beiden Narzisstem war elektrisch. Trump nannte den Gast einen 'großen Führer' und bot an, als Mediator in Sachen Kaschmir zu agieren. Das führte zu Protesten in Indien, zur Aufhebung von Kaschmirs Autonomie und zu indischen Truppenbewegungen in der Region. Die größte Herausforderung in Khans Amtszeit ist allerdings, ob er sein Land aus der ökonomischen Krise steuern kann. Während seine Regierung sich anschickt, einen 6-Milliarden-Rettungspaket des Weltwährungsfonds anzunehmen, einer Organisation von der Khan nichts erbetteln wollte, dreht sich alles um die massive Inflation täglicher Güter wie Benzin, Zucker, Butter."
Stichwörter: Pakistan, Khan, Imran, Kaschmir

Magazinrundschau vom 06.08.2019 - Vanity Fair

Saudische Bürger, die den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman kritisieren, leben gefährlich. Nicht nur im eigenen Land, auch im Ausland, wie man spätestens seit dem Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul weiß. Ayman M. Mohyeldin hat recherchiert und eine ganze Anzahl von Vorfällen zusammengetragen, bei denen saudische Bürger im Ausland entführt wurden. "Durch Interviews auf drei Kontinenten mit mehr als dreißig Personen - Aktivisten, nationalen Sicherheitsexperten, Verwandten der Verschleppten und Regierungsbeamten aus den USA, Europa und dem Nahen Osten - bekommen wir ein klareres Bild davon, inwieweit saudische Behörden Landsleute inhaftiert, gewaltsam nach Saudi-Arabien verschleppt und sogar ermordet haben, die es wagen, gegen die Politik des Königreichs zu protestieren oder das Bild der Nation irgendwie zu missachten. Auf diesen Seiten finden sich die Geschichten von acht kürzlich entführten Personen - und von vier anderen, denen es gelungen ist, sich der Gefangennahme zu entziehen -, die Teil eines systematischen Programms sind, das weit über die Ermordung von Jamal Khashoggi hinausgeht. Die saudische Kampagne ist rücksichtslos und unerbittlich. Und sie hat mehr Ähnlichkeiten mit den Codes eines Verbrechersyndikats als mit denen eines traditionellen, modernen Verbündeten der Vereinigten Staaten von Amerika."

Durga Chew-Bose zeichnet ein sehr schönes Porträt von Kristen Stewart, die nicht nur demnächst als einer von "Charlies Angels" und als Jean Seberg in dem gleichnamigen Politthriller von Benedict Andrews zu sehen sein wird, sondern mit der Verfilmung von Lidia Yuknawitschs Buch "The Chronology of Water" auch ihr Debüt als Filmregisseurin geben wird. "Die Art, wie Yuknavitch über einen Körper spricht, und die Schande, ihn zu haben", erklärt Stewart ihr Interesse an dem Buch. "Die Art, wie sie wirklich schmutzig, peinlich, seltsam, ekelhaft, ein Mädchen ist. Es ist eine Coming-of-Age-Geschichte, wie ich sie noch nicht gesehen habe. Ich wuchs mit 'American Pie' auf, diesen Typen, die in ihren Socken wichsten, als wäre es das Normalste der Welt, und es war urkomisch. Stell dir vor, ein Mädchen kommt - es ist wie, ja was?, so beängstigend und bizarr."

Außerdem: May Jeong geht der Frage nach, warum Fan BingBing - Chinas größter Filmstar, mit so viel Followern auf Weibo wie die KP - kürzlich ein Jahr wie vom Erdboden verschwunden war (man hatte sie wegen Steuerhinterziehung unter Hausarrest gestellt). Und Keziah Weir besucht Miuccia Prada.

Magazinrundschau vom 12.03.2019 - Vanity Fair

Karan Mahajan erzählt in einer großen Reportage, wie Ajay, Atul und Rajesh Gupta, drei märchenhaft reiche indische Brüder, Südafrika korrumpierten, was für den Reporter auch ein kleines persönliches Problem darstellte, weil Minenarbeiter ihn für einen der Brüder halten. Ausgangspunkt der Geschichte ist ein riesiger Skandal, der 2016 öffentlich wurde: "Ein Regierungsbeamter bezeugte, dass die Guptas ihm die Position des Finanzministers angeboten hätten; die drei Brüder, so stellte sich heraus, hatten praktisch die Kontrolle über den Staatsapparat übernommen. Es ist bis heute eine der kühnsten und lukrativsten Betrügereien des Jahrhunderts. Aufgrund ihrer engen Beziehungen zu Präsident Jacob Zuma und mit Hilfe führender internationaler Unternehmen wie KPMG, McKinsey und SAP haben die Guptas möglicherweise die Staatskasse von bis zu 7 Milliarden Dollar aufgebraucht. Zuma musste zurücktreten. McKinsey bot eine außergewöhnliche öffentliche Entschuldigung für seine Rolle in dem Skandal an. Die Guptas flohen nach Dubai. Und die Mine, die die Brüder in einem korrupten Geschäft erworben hatten, das von der Regierung vermittelt und finanziert wurde, geriet in Konkurs. ... Es war ein moderner Coup d'état, der mit Bestechung statt mit Kugeln betrieben wurde. Er zeigte, wie ein ganzes Land von ausländischen Einflüsse gesteuert werden kann, ohne dass ein einziger Schuss fällt - vor allem, wenn dieses Land von einem spaltenden Präsidenten regiert wird, der darin geschult ist, rassische Ressentiments zu schüren, bereit ist, seine eigenen Geheimdienstchefs zu feuern, um seine Geschäftsinteressen zu schützen, und der bereit ist, seine gewählte Position zu nutzen, um sich mit widerwärtigen Investoren zu bereichern."

Simon van Zuylen-Wood befasst sich  mit dem Kampf, den Facebook gegen Trolle und Rassisten führt. "Eine Ironie der Bemühungen, die Plattform zu säubern, liegt darin, dass es sich um ein dem Format inhärentes Problem handelt. Wenn Facebook eine wohlwollende Regierung sein will, warum konzentriert es sich dann auf Polizeiarbeit? Sollte es nicht auch Anreize für gutes Verhalten geben? Im November veröffentlichte Facebook eine Studie von Matt Katsaros und drei Wissenschaftlern, die dieser Frage nachgeht. FB-User, die Nacktbilder oder Hassreden posten, erhalten eine kurze, automatisierte Nachricht, die sie über die Regelverletzung und die Löschung ihrer Inhalte informiert. Katsaros und seine Co-Autoren befragten fast 55.000 Benutzer, die diese Nachricht erhalten hatten. Zweiundfünfzig Prozent fühlten sich nicht fair behandelt, während 57 Prozent sagten, es sei unwahrscheinlich, dass Facebook ihre Perspektive verstehe. Bei denen, die sich fair behandelt fühlten, verringerte sich die Wahrscheinlichkeit erneuter Verstöße. Facebook sollte sich weniger auf die Bestrafung konzentrieren als auf ein System der Verfahrensgerechtigkeit, das die User respektieren und dem sie vertrauen können." Ein schöner Ansatz, aber auch ein bisschen scheinheilig, denn van Zuylen-Wood weiß sicher auch, dass "Verfahrensgerechtigkeit" immer subjektiv ist.

Magazinrundschau vom 02.04.2019 - Vanity Fair

Das Verschwinden der (nach einiger Zeit wieder aufgetauchten) chinesischen Schauspielerin Fan Bingbing sorgte vergangenes Jahr für einiges Aufsehen: Steuerhinterziehung lautete der offenbar auch begründbare Vorwurf der Behörden, die damit demonstrierten, dass sie auch vor der größten und beliebtesten Ikone des chinesischen Unterhaltungskinos nicht zurückschrecken. In einer großen Reportage verortet May Jeong den Vorfall vor dem Hintergrund des raketenhaften Aufstiegs der chinesischen Filmindustrie in den letzten Jahren, die kurz davor steht, die amerikanische zu überholen, und im Vergleich mit den USA noch um einiges star-fixierter ist - mit der Folge, dass Schauspieler astronomische Summen nicht nur fordern können, sondern auch tatsächlich bezahlt bekommen. "In den Jahren, in denen es der chinesischen Filmindustrie gestattet war, unreguliert zu wachsen, wurde es unter den Stars gang und gäbe, Verträge zu fälschen, um Steuern auf ihre riesigen Honorare zu umgehen. Hierin liegt der Grund, warum Fans plötzlicher Fall dem Rest der Branche die Haare zu Berge stehen ließ. 'Der Betrieb reagierte durchaus überrascht', sagt Produzent Kewi. 'Fan Bingbing tat einfach nur, was üblich war', drückt es David Unger, Gong Lis Manager, unverblümter aus. 'Der große Fehler bestand darin, dass sie sich erwischen ließ.' Bei Fans Verschwinden und der anschließenden Razzia waren höhere Mächte im Spiel: Nach Jahren des Wachstums im zweistelligen Bereich bremst die chinesische Wirtschaft ab. Zwar behauptet die Regierung, das Wirtschaftsvolumen sei im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent gewachsen - die niedrigste Rate seit über einem Jahrzehnt. Doch Beobachter verorten das Wachstum eher bei zwei Prozent. Während die Verbraucher zurückhaltender konsumieren und die Investitionen aus dem Ausland inmitten eines Handelskriegs steil abfallen, versucht die Regierung die Wirtschaftskraft wieder unter staatliche Kontrolle zu bringen. Viele in China sagen vorher, dass es wohl nicht mehr lange dauern dürfte, bis der Steuerskandal auch auf andere Bereiche übergreift. Was mit Fan geschehen ist, war allenfalls ein 'erster Einschnitt', erklärt Aex Zhang, geschäftsführender Direktor von Zhengfu Pictures."

Weiteres: Yohana Desta erzählt die Entstehungsgeschichte von Michel Gondrys "Eternal Sunshine of the Spotless Mind". Kenzie Bryant fühlt dem Verhältnis zwischen Donald Trump und der Fox-News-Moderatorin Jeanine Pirro auf den Zahn.

Magazinrundschau vom 17.07.2018 - Vanity Fair

Das World Wide Web ist bekanntlich nicht "das Internet", sondern setzt lediglich darauf auf. Dass es so prosperieren konnte, liegt daran, dass Tim Berners-Lee, der in den frühen 90ern die Grundlagen für das WWW schuf, für die Nutzung desselben nicht etwa Rechnungen stellte, sondern es der Menschheit zur freien Nutzung überließ - was die Kritiker der angeblichen "Gratismentalität" im Netz gern ignorieren. Zufrieden ist Berners-Lee mit jüngsten Entwicklungen im WWW allerdings gar nicht, wie er Katrina Brooker verrät: Die Zentralisierung durch die großen Player steht dem Grundgedanken des WWW, das als dezentraler, offener und anschlussfähiger Ort des Wissens- und Informationsaustausches konzipiert war, zusehends entgegen. Weshalb Berners-Lee derzeit an Solid arbeitet, einer Plattform, die diesen Gedanken in die Zukunft retten will: "Zwar ist die Solid-Technologie bis auf weiteres noch zu neu, um den Massen zur Verfügung gestellt zu werden. Doch die Vision dahinter, sofern sie sich als praktikabel erweist, könnte die derzeitigen Machtdynamiken des Web von Grund auf ändern. Das System sieht vor, Nutzern eine Plattform zur Verfügung zu stellen, auf der sie den Zugriff auf die Daten und die Inhalte, die sie im Netz generieren, kontrollieren können. So können die Nutzer einstellen, wie die Daten genutzt werden - anders etwa als Facebook oder Google, die damit machen, was sie wollen. Der Code und die Technologie stehen allen offen - jeder mit Internetzugang kann dem Chat beitreten und beim Programmieren helfen. 'Alle paar Tage schließt sich jemand an. Einige von ihnen haben von Solids Versprechungen gehört und wollen die Welt umkrempeln', sagt er."

Außerdem hat sich Lisa Robinson mit Kendrick Lamar getroffen. Sonia Saraiya befasst sich mit "Sex and the City" und dem langsamen Dahinsiechen der romantischen Komödie.

Magazinrundschau vom 19.09.2017 - Vanity Fair

Mit Denis Villeneuves "Blade Runner 2049" kommt demnächst ein Sequel von Ridley Scotts lange schlecht beleumundetem, auf VHS schließlich zum Kultklassiker avancierten Science-Fiction-Film "Blade Runner" von 1982 in die Kinos. Ein Anlass für Michael Schulmann, auf die anstrengende und zermürbende Produktion des Originals, einer sehr freien Adaption eines Romans von Philip K. Dick, zurückzublicken. Unter anderem geht es um die Frage, ob die von Harrison Ford gespielte Figur des Replikantenjägers Deckard - eine Amerikanisierung von Descartes - selbst ein künstlicher Mensch ist. Ridley Scott flirtete bereits frühzeitig mit der Idee (und bekräftigt sie heute in Audiokommentaren), Harrison Ford hingegen war dagegen: "'Ich war der Ansicht, dass das Publikum jemanden auf der Leinwand braucht, mit dem es sich auf menschliche Weise emotional verbunden fühlen kann', sagt der Schauspieler. Sie waren in eine Zwickmühle geraten. Doch auf einmal begann Scott damit, visuelle Hinweise in den Film zu bugsieren, die nahelegten, dass Deckard kein Mensch war - und das, ohne es seinem Star zu sagen. In der Mitte des Films träumt Deckard im Alkoholrausch von einem Einhorn, das durch einen Wald galoppiert. In der letzten Szene hinterlässt ihm Gaff, ein weiterer Replikantenjäger, ein Origami-Einhorn vor der Wohnungstür - ein Zeichen dafür, dass seine innersten Gedanken tatsächlich implantiert gewesen sind. Als sie die Szene drehten, roch Ford den Braten und schrie: 'Herrgottnochmal, ich habe doch gesagt, dass ich kein Replikant bin!'"

Dazu passend: Für GQ hat sich Chris Heath mit Harrison Ford, der berüchtigt dafür ist, sich in Interviews von seiner mürrischsten Seite zu zeigen, für eine ausführliche Home Story getroffen. In "Blade Runner 2049" spielt seine alte Figur ebenfalls eine Rolle - die Hauptrolle hat jedoch Ryan Gosling, der auf dem Set zu spüren bekam, dass der 75-jährige Schauspieler noch immer ziemlich gut zuschlagen kann. "'Sein Gesicht hätte einfach nicht dort sein sollen, wo es war', sagt Ford dazu. 'Sein Job bestand darin, außerhalb meiner Reichweite zu sein. Mein Job war es, sicherzustellen, dass der Fausthieb durchgezogen wurde. Aber wir waren in Bewegung und die Kamera bewegte sich auch, ich musste also den Kamerawinkel mitbedenken, damit der Hieb auch gut aussah. Wissen Sie, ich habe über hundert Mal zugeschlagen - und ihn nur einmal getroffen.' ... 'Er erzählte mir später, dass Sie ihn danach mit einer Flasche Scotch in der Garderobe besucht haben.' - 'Das tat ich.' - '... und ihm ein Glas einschenkten und mit dem Rest der Flasche wieder verschwanden.' - 'Und? Was zur Hölle - hat er ernsthaft erwartet, dass ich ihm die ganze Flache überlasse? Wissen Sie, ich war eigentlich davon ausgegangen, dass ein Drink die Sache aus der Welt schaffen würde. Das reichte ja wohl auch.'"

Magazinrundschau vom 15.08.2017 - Vanity Fair

Vorab: Ohrwurm gefällig? Sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt:



Anlässlich der (zumindest von jener Generation, die in den späten 80ern und frühen 90ern als primäre Zielgruppe vor den Fernsehern saß) mit Spannung erwarteten Neuauflage der Disney-Cartoonserie "Duck Tales" befasst sich Darryn King mit Entstehung und Erfolgsgeschichte des Titelsongs aus dem Original von 1987. Der "Woohoo"-Song hat sich jedenfalls weltweit tief in die Synapsen des akustischen Gedächtnis eingebrannt und ist in der Youtube-Kultur zum vielfach zitierten, modifzierten, gewürdigten und parodierten Mem geworden. Komponist Mark Mueller "staunt immer wieder darüber, wie weitverbreitet seine Arbeit ist. 'Wenn die Leute erfahren, was für einem Beruf ich nachgehe, fragen sie mich immer, ob sie einen meiner Songs kennen. Manchmal ist es so, dass sie meine Pophits nicht kennen.' (Mueller war beispielsweise an Jennifer Paiges Nummer-Eins-Hit "Crush" aus dem Jahr 1998 beteiligt) 'Aber es spielt fast keine Rolle, wohin ich gehe: Die Leute kennen Duck Tales. Die Reichweite ist völlig unfassbar.' Jeff Pescetto, der Sänger des Stücks, sagt: 'Gerade erst vor kurzem spielte ich mit meiner Band in einem Club. Ein paar Typen aus England traten an mich heran und meinten, wir haben deine Stimme gehört und es war uns sofort klar, dass du der Typ bist, der 'Duck Tales' singt. Die waren völlig aufgeregt, mich zu treffen. Ich konnte es nicht glauben, dass sie meine Stimme erkannt haben.' 'Duck Tales' lief in mehr als 100 Ländern in 25 verschiedenen Sprachen. Es war die erste amerikanische Cartoonserie, die nach Ende des Kalten Kriegs in der Sowjetunion lief. In Ungarn bezeichnet man diejenigen, die in den früheren bis mittleren Achtzigern geboren wurden, als 'Duck-Tales-Generation' (Kacsamesék generáció)."

Für das auf dem Disney-Bezahlsender XD ausgestrahlte Re-Boot hat man den Song neu eingespielt: