Magazinrundschau - Archiv

Vanity Fair

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Magazinrundschau vom 17.09.2019 - Vanity Fair

Aatish Taseer porträtiert den früheren Cricket-Star und Playboy und amtierenden pakistanischen Premier Imran Khan und benennt dessen Herausforderungen: "Wenn Khans Person fasziniert, dann weil er so gut die Moral und die kulturelle Schizophrenie seiner Gesellschaft reflektiert. Wie die Evangelikalen in den USA, bei denen ein politisierter Glaube ein schwieriges Verhältnis zur Moderne und zur Versuchung offenbart, sind Khans Widersprüche nicht zufällig, sondern der Schlüssel zu seiner Person - und vielleicht zu Pakistan. Wie andere Populisten auch weiß Khan viel besser, gegen was er ist, als wofür er steht. Sein Hass auf die Elite, zu der er selbst zählt, ist die Kraft hinter seiner Politik. Er kritisiert Reformer wie Atatürk und Reza Pahlavi für ihren Irrglauben, 'ihre Länder durch äußere Westernisierung voranzubringen'. Khan mag Recht haben, wenn er eine Moderne kritisiert, die so nichtssagend ist, das sie als synonym gilt für die Insignien westlicher Kultur. Aber er trägt selbst mit Schuld daran, den Westen auf Freizügigkeit und Materialismus zu reduzieren. Wenn es um die Erfolge des Westens geht, Demokratie und Sozialstaat, so rechnet Khan sie der Geschichte des Islam zu. 'Demokratische Prinzipien gehörten während des goldenen Zeitalters des Islams zur islamischen Gesellschaft dazu', erklärt er … Im Juli bei seinem Treffen mit Trump in Washington landete Khan einen Coup. Die Dynamik der beiden Narzisstem war elektrisch. Trump nannte den Gast einen 'großen Führer' und bot an, als Mediator in Sachen Kaschmir zu agieren. Das führte zu Protesten in Indien, zur Aufhebung von Kaschmirs Autonomie und zu indischen Truppenbewegungen in der Region. Die größte Herausforderung in Khans Amtszeit ist allerdings, ob er sein Land aus der ökonomischen Krise steuern kann. Während seine Regierung sich anschickt, einen 6-Milliarden-Rettungspaket des Weltwährungsfonds anzunehmen, einer Organisation von der Khan nichts erbetteln wollte, dreht sich alles um die massive Inflation täglicher Güter wie Benzin, Zucker, Butter."
Stichwörter: Pakistan, Khan, Imran

Magazinrundschau vom 06.08.2019 - Vanity Fair

Saudische Bürger, die den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman kritisieren, leben gefährlich. Nicht nur im eigenen Land, auch im Ausland, wie man spätestens seit dem Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul weiß. Ayman M. Mohyeldin hat recherchiert und eine ganze Anzahl von Vorfällen zusammengetragen, bei denen saudische Bürger im Ausland entführt wurden. "Durch Interviews auf drei Kontinenten mit mehr als dreißig Personen - Aktivisten, nationalen Sicherheitsexperten, Verwandten der Verschleppten und Regierungsbeamten aus den USA, Europa und dem Nahen Osten - bekommen wir ein klareres Bild davon, inwieweit saudische Behörden Landsleute inhaftiert, gewaltsam nach Saudi-Arabien verschleppt und sogar ermordet haben, die es wagen, gegen die Politik des Königreichs zu protestieren oder das Bild der Nation irgendwie zu missachten. Auf diesen Seiten finden sich die Geschichten von acht kürzlich entführten Personen - und von vier anderen, denen es gelungen ist, sich der Gefangennahme zu entziehen -, die Teil eines systematischen Programms sind, das weit über die Ermordung von Jamal Khashoggi hinausgeht. Die saudische Kampagne ist rücksichtslos und unerbittlich. Und sie hat mehr Ähnlichkeiten mit den Codes eines Verbrechersyndikats als mit denen eines traditionellen, modernen Verbündeten der Vereinigten Staaten von Amerika."

Durga Chew-Bose zeichnet ein sehr schönes Porträt von Kristen Stewart, die nicht nur demnächst als einer von "Charlies Angels" und als Jean Seberg in dem gleichnamigen Politthriller von Benedict Andrews zu sehen sein wird, sondern mit der Verfilmung von Lidia Yuknawitschs Buch "The Chronology of Water" auch ihr Debüt als Filmregisseurin geben wird. "Die Art, wie Yuknavitch über einen Körper spricht, und die Schande, ihn zu haben", erklärt Stewart ihr Interesse an dem Buch. "Die Art, wie sie wirklich schmutzig, peinlich, seltsam, ekelhaft, ein Mädchen ist. Es ist eine Coming-of-Age-Geschichte, wie ich sie noch nicht gesehen habe. Ich wuchs mit 'American Pie' auf, diesen Typen, die in ihren Socken wichsten, als wäre es das Normalste der Welt, und es war urkomisch. Stell dir vor, ein Mädchen kommt - es ist wie, ja was?, so beängstigend und bizarr."

Außerdem: May Jeong geht der Frage nach, warum Fan BingBing - Chinas größter Filmstar, mit so viel Followern auf Weibo wie die KP - kürzlich ein Jahr wie vom Erdboden verschwunden war (man hatte sie wegen Steuerhinterziehung unter Hausarrest gestellt). Und Keziah Weir besucht Miuccia Prada.

Magazinrundschau vom 12.03.2019 - Vanity Fair

Karan Mahajan erzählt in einer großen Reportage, wie Ajay, Atul und Rajesh Gupta, drei märchenhaft reiche indische Brüder, Südafrika korrumpierten, was für den Reporter auch ein kleines persönliches Problem darstellte, weil Minenarbeiter ihn für einen der Brüder halten. Ausgangspunkt der Geschichte ist ein riesiger Skandal, der 2016 öffentlich wurde: "Ein Regierungsbeamter bezeugte, dass die Guptas ihm die Position des Finanzministers angeboten hätten; die drei Brüder, so stellte sich heraus, hatten praktisch die Kontrolle über den Staatsapparat übernommen. Es ist bis heute eine der kühnsten und lukrativsten Betrügereien des Jahrhunderts. Aufgrund ihrer engen Beziehungen zu Präsident Jacob Zuma und mit Hilfe führender internationaler Unternehmen wie KPMG, McKinsey und SAP haben die Guptas möglicherweise die Staatskasse von bis zu 7 Milliarden Dollar aufgebraucht. Zuma musste zurücktreten. McKinsey bot eine außergewöhnliche öffentliche Entschuldigung für seine Rolle in dem Skandal an. Die Guptas flohen nach Dubai. Und die Mine, die die Brüder in einem korrupten Geschäft erworben hatten, das von der Regierung vermittelt und finanziert wurde, geriet in Konkurs. ... Es war ein moderner Coup d'état, der mit Bestechung statt mit Kugeln betrieben wurde. Er zeigte, wie ein ganzes Land von ausländischen Einflüsse gesteuert werden kann, ohne dass ein einziger Schuss fällt - vor allem, wenn dieses Land von einem spaltenden Präsidenten regiert wird, der darin geschult ist, rassische Ressentiments zu schüren, bereit ist, seine eigenen Geheimdienstchefs zu feuern, um seine Geschäftsinteressen zu schützen, und der bereit ist, seine gewählte Position zu nutzen, um sich mit widerwärtigen Investoren zu bereichern."

Simon van Zuylen-Wood befasst sich  mit dem Kampf, den Facebook gegen Trolle und Rassisten führt. "Eine Ironie der Bemühungen, die Plattform zu säubern, liegt darin, dass es sich um ein dem Format inhärentes Problem handelt. Wenn Facebook eine wohlwollende Regierung sein will, warum konzentriert es sich dann auf Polizeiarbeit? Sollte es nicht auch Anreize für gutes Verhalten geben? Im November veröffentlichte Facebook eine Studie von Matt Katsaros und drei Wissenschaftlern, die dieser Frage nachgeht. FB-User, die Nacktbilder oder Hassreden posten, erhalten eine kurze, automatisierte Nachricht, die sie über die Regelverletzung und die Löschung ihrer Inhalte informiert. Katsaros und seine Co-Autoren befragten fast 55.000 Benutzer, die diese Nachricht erhalten hatten. Zweiundfünfzig Prozent fühlten sich nicht fair behandelt, während 57 Prozent sagten, es sei unwahrscheinlich, dass Facebook ihre Perspektive verstehe. Bei denen, die sich fair behandelt fühlten, verringerte sich die Wahrscheinlichkeit erneuter Verstöße. Facebook sollte sich weniger auf die Bestrafung konzentrieren als auf ein System der Verfahrensgerechtigkeit, das die User respektieren und dem sie vertrauen können." Ein schöner Ansatz, aber auch ein bisschen scheinheilig, denn van Zuylen-Wood weiß sicher auch, dass "Verfahrensgerechtigkeit" immer subjektiv ist.
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Magazinrundschau vom 02.04.2019 - Vanity Fair

Das Verschwinden der (nach einiger Zeit wieder aufgetauchten) chinesischen Schauspielerin Fan Bingbing sorgte vergangenes Jahr für einiges Aufsehen: Steuerhinterziehung lautete der offenbar auch begründbare Vorwurf der Behörden, die damit demonstrierten, dass sie auch vor der größten und beliebtesten Ikone des chinesischen Unterhaltungskinos nicht zurückschrecken. In einer großen Reportage verortet May Jeong den Vorfall vor dem Hintergrund des raketenhaften Aufstiegs der chinesischen Filmindustrie in den letzten Jahren, die kurz davor steht, die amerikanische zu überholen, und im Vergleich mit den USA noch um einiges star-fixierter ist - mit der Folge, dass Schauspieler astronomische Summen nicht nur fordern können, sondern auch tatsächlich bezahlt bekommen. "In den Jahren, in denen es der chinesischen Filmindustrie gestattet war, unreguliert zu wachsen, wurde es unter den Stars gang und gäbe, Verträge zu fälschen, um Steuern auf ihre riesigen Honorare zu umgehen. Hierin liegt der Grund, warum Fans plötzlicher Fall dem Rest der Branche die Haare zu Berge stehen ließ. 'Der Betrieb reagierte durchaus überrascht', sagt Produzent Kewi. 'Fan Bingbing tat einfach nur, was üblich war', drückt es David Unger, Gong Lis Manager, unverblümter aus. 'Der große Fehler bestand darin, dass sie sich erwischen ließ.' Bei Fans Verschwinden und der anschließenden Razzia waren höhere Mächte im Spiel: Nach Jahren des Wachstums im zweistelligen Bereich bremst die chinesische Wirtschaft ab. Zwar behauptet die Regierung, das Wirtschaftsvolumen sei im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent gewachsen - die niedrigste Rate seit über einem Jahrzehnt. Doch Beobachter verorten das Wachstum eher bei zwei Prozent. Während die Verbraucher zurückhaltender konsumieren und die Investitionen aus dem Ausland inmitten eines Handelskriegs steil abfallen, versucht die Regierung die Wirtschaftskraft wieder unter staatliche Kontrolle zu bringen. Viele in China sagen vorher, dass es wohl nicht mehr lange dauern dürfte, bis der Steuerskandal auch auf andere Bereiche übergreift. Was mit Fan geschehen ist, war allenfalls ein 'erster Einschnitt', erklärt Aex Zhang, geschäftsführender Direktor von Zhengfu Pictures."

Weiteres: Yohana Desta erzählt die Entstehungsgeschichte von Michel Gondrys "Eternal Sunshine of the Spotless Mind". Kenzie Bryant fühlt dem Verhältnis zwischen Donald Trump und der Fox-News-Moderatorin Jeanine Pirro auf den Zahn.

Magazinrundschau vom 17.07.2018 - Vanity Fair

Das World Wide Web ist bekanntlich nicht "das Internet", sondern setzt lediglich darauf auf. Dass es so prosperieren konnte, liegt daran, dass Tim Berners-Lee, der in den frühen 90ern die Grundlagen für das WWW schuf, für die Nutzung desselben nicht etwa Rechnungen stellte, sondern es der Menschheit zur freien Nutzung überließ - was die Kritiker der angeblichen "Gratismentalität" im Netz gern ignorieren. Zufrieden ist Berners-Lee mit jüngsten Entwicklungen im WWW allerdings gar nicht, wie er Katrina Brooker verrät: Die Zentralisierung durch die großen Player steht dem Grundgedanken des WWW, das als dezentraler, offener und anschlussfähiger Ort des Wissens- und Informationsaustausches konzipiert war, zusehends entgegen. Weshalb Berners-Lee derzeit an Solid arbeitet, einer Plattform, die diesen Gedanken in die Zukunft retten will: "Zwar ist die Solid-Technologie bis auf weiteres noch zu neu, um den Massen zur Verfügung gestellt zu werden. Doch die Vision dahinter, sofern sie sich als praktikabel erweist, könnte die derzeitigen Machtdynamiken des Web von Grund auf ändern. Das System sieht vor, Nutzern eine Plattform zur Verfügung zu stellen, auf der sie den Zugriff auf die Daten und die Inhalte, die sie im Netz generieren, kontrollieren können. So können die Nutzer einstellen, wie die Daten genutzt werden - anders etwa als Facebook oder Google, die damit machen, was sie wollen. Der Code und die Technologie stehen allen offen - jeder mit Internetzugang kann dem Chat beitreten und beim Programmieren helfen. 'Alle paar Tage schließt sich jemand an. Einige von ihnen haben von Solids Versprechungen gehört und wollen die Welt umkrempeln', sagt er."

Außerdem hat sich Lisa Robinson mit Kendrick Lamar getroffen. Sonia Saraiya befasst sich mit "Sex and the City" und dem langsamen Dahinsiechen der romantischen Komödie.

Magazinrundschau vom 19.09.2017 - Vanity Fair

Mit Denis Villeneuves "Blade Runner 2049" kommt demnächst ein Sequel von Ridley Scotts lange schlecht beleumundetem, auf VHS schließlich zum Kultklassiker avancierten Science-Fiction-Film "Blade Runner" von 1982 in die Kinos. Ein Anlass für Michael Schulmann, auf die anstrengende und zermürbende Produktion des Originals, einer sehr freien Adaption eines Romans von Philip K. Dick, zurückzublicken. Unter anderem geht es um die Frage, ob die von Harrison Ford gespielte Figur des Replikantenjägers Deckard - eine Amerikanisierung von Descartes - selbst ein künstlicher Mensch ist. Ridley Scott flirtete bereits frühzeitig mit der Idee (und bekräftigt sie heute in Audiokommentaren), Harrison Ford hingegen war dagegen: "'Ich war der Ansicht, dass das Publikum jemanden auf der Leinwand braucht, mit dem es sich auf menschliche Weise emotional verbunden fühlen kann', sagt der Schauspieler. Sie waren in eine Zwickmühle geraten. Doch auf einmal begann Scott damit, visuelle Hinweise in den Film zu bugsieren, die nahelegten, dass Deckard kein Mensch war - und das, ohne es seinem Star zu sagen. In der Mitte des Films träumt Deckard im Alkoholrausch von einem Einhorn, das durch einen Wald galoppiert. In der letzten Szene hinterlässt ihm Gaff, ein weiterer Replikantenjäger, ein Origami-Einhorn vor der Wohnungstür - ein Zeichen dafür, dass seine innersten Gedanken tatsächlich implantiert gewesen sind. Als sie die Szene drehten, roch Ford den Braten und schrie: 'Herrgottnochmal, ich habe doch gesagt, dass ich kein Replikant bin!'"

Dazu passend: Für GQ hat sich Chris Heath mit Harrison Ford, der berüchtigt dafür ist, sich in Interviews von seiner mürrischsten Seite zu zeigen, für eine ausführliche Home Story getroffen. In "Blade Runner 2049" spielt seine alte Figur ebenfalls eine Rolle - die Hauptrolle hat jedoch Ryan Gosling, der auf dem Set zu spüren bekam, dass der 75-jährige Schauspieler noch immer ziemlich gut zuschlagen kann. "'Sein Gesicht hätte einfach nicht dort sein sollen, wo es war', sagt Ford dazu. 'Sein Job bestand darin, außerhalb meiner Reichweite zu sein. Mein Job war es, sicherzustellen, dass der Fausthieb durchgezogen wurde. Aber wir waren in Bewegung und die Kamera bewegte sich auch, ich musste also den Kamerawinkel mitbedenken, damit der Hieb auch gut aussah. Wissen Sie, ich habe über hundert Mal zugeschlagen - und ihn nur einmal getroffen.' ... 'Er erzählte mir später, dass Sie ihn danach mit einer Flasche Scotch in der Garderobe besucht haben.' - 'Das tat ich.' - '... und ihm ein Glas einschenkten und mit dem Rest der Flasche wieder verschwanden.' - 'Und? Was zur Hölle - hat er ernsthaft erwartet, dass ich ihm die ganze Flache überlasse? Wissen Sie, ich war eigentlich davon ausgegangen, dass ein Drink die Sache aus der Welt schaffen würde. Das reichte ja wohl auch.'"

Magazinrundschau vom 15.08.2017 - Vanity Fair

Vorab: Ohrwurm gefällig? Sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt:



Anlässlich der (zumindest von jener Generation, die in den späten 80ern und frühen 90ern als primäre Zielgruppe vor den Fernsehern saß) mit Spannung erwarteten Neuauflage der Disney-Cartoonserie "Duck Tales" befasst sich Darryn King mit Entstehung und Erfolgsgeschichte des Titelsongs aus dem Original von 1987. Der "Woohoo"-Song hat sich jedenfalls weltweit tief in die Synapsen des akustischen Gedächtnis eingebrannt und ist in der Youtube-Kultur zum vielfach zitierten, modifzierten, gewürdigten und parodierten Mem geworden. Komponist Mark Mueller "staunt immer wieder darüber, wie weitverbreitet seine Arbeit ist. 'Wenn die Leute erfahren, was für einem Beruf ich nachgehe, fragen sie mich immer, ob sie einen meiner Songs kennen. Manchmal ist es so, dass sie meine Pophits nicht kennen.' (Mueller war beispielsweise an Jennifer Paiges Nummer-Eins-Hit "Crush" aus dem Jahr 1998 beteiligt) 'Aber es spielt fast keine Rolle, wohin ich gehe: Die Leute kennen Duck Tales. Die Reichweite ist völlig unfassbar.' Jeff Pescetto, der Sänger des Stücks, sagt: 'Gerade erst vor kurzem spielte ich mit meiner Band in einem Club. Ein paar Typen aus England traten an mich heran und meinten, wir haben deine Stimme gehört und es war uns sofort klar, dass du der Typ bist, der 'Duck Tales' singt. Die waren völlig aufgeregt, mich zu treffen. Ich konnte es nicht glauben, dass sie meine Stimme erkannt haben.' 'Duck Tales' lief in mehr als 100 Ländern in 25 verschiedenen Sprachen. Es war die erste amerikanische Cartoonserie, die nach Ende des Kalten Kriegs in der Sowjetunion lief. In Ungarn bezeichnet man diejenigen, die in den früheren bis mittleren Achtzigern geboren wurden, als 'Duck-Tales-Generation' (Kacsamesék generáció)."

Für das auf dem Disney-Bezahlsender XD ausgestrahlte Re-Boot hat man den Song neu eingespielt:


Magazinrundschau vom 01.08.2017 - Vanity Fair

New York Times und Washington Post überbieten sich seit Donald Trumps Einzug ins Weiße Haus mit journalistischen Coups. Auf zwanzig Seiten stilisiert James Warren die alte Rivalität zwischen den beiden zum letzten großen Zeitungskrieg, an anderer Stelle vergleicht er die Chefredakteure Dean Baquet und Marty Baron eigentlich treffender mit den Weltkriegsgenerälen Patton und Montgomery, die sich den berühmten Wettlauf um die Einnahme von Messina lieferten. Klar wird, dass es beiden Zeitungen ohne Trump viel schlechter ginge, und dass ihre Rivalität nur in Washington ausgetragen werden kann, weil die Washington Post kaum noch andere Korrespondenten hat: "Um es in den Worten Elisabeth Bumillers zu sagen: Ihr Arbeitsleben ist heute intensiver als nach dem 11. September, als sie aus dem Weißen Haus und aus Afghanistan berichtete. Sie leitet heute das Washingtoner Büro der New York Times. 'Es gibt eine neue Unerbittlichkeit', sagt sie. Es gibt den Kampf um die Schlagzeilen, das unablässige Verlangen der Kabelanbieter nach 'Breaking News' und natürlich das Verhalten des Präsidenten selbst: die provozierenden und empörenden Tweets, die Angriffe auf die Presse und die Fülle von falschen Behauptungen, die die Sunday Times am 25. Juni auf einer ganzen Seite unter dem Titel 'Trumps Lügen' auflistete." Die Frage ist nur, ob sie damit etwas bewegen, so Warren: "Man hatte gehofft, dass die ganze Menge an deprimierenden Stories im letzten Jahr etwas bewirken würden. Trumps Umfragewerte waren zwar laut Gallup zuletzt mit 38 Prozent erbärmlich niedrig, aber unter seinen Anhängern sind sie kaum gefallen."

Auch sonst leidet New York Times, erzählt Joe Pompeo in einer zweiten Geschichte. Dabei kann sie auf 130.000 neue Abonnenten blicken. Doch die Redakteure sind müde: Nach Jahren der Umstrukturierung und Schrumpfung soll jetzt auch noch die redaktionsübergreifende Korrektur abgeschafft werden.

Magazinrundschau vom 25.07.2017 - Vanity Fair

Spionieren und krumm spielen können die Russen viel besser als die Amerikaner; konnten sie schon immer, stöhnt ein fast verzweifelter Peter Savodnik. Trump und seine Leute kapieren das nicht, aber fast alle amerikanischen Regierungen vor ihnen wussten es. Der Grund, meint Savodnik, ist der Glaube der Amerikaner, sie könnten die Welt verbessern. Das macht sie zu Optimisten. "Donald Trump, der erste amerikanische Präsident, der unseren Idealismus jemals ganz aufgegeben und erklärt hat, es gehe nur noch um den besten Deal und darum, nicht von Iranern oder Demokraten übers Ohr gehauen zu werden, hat uns nicht sicherer oder stärker gemacht. Denn unsere Ideale sind keine Fantasien, wie wir die Welt gerne hätten, sondern machtvolle Puffer gegen feindliche Kräfte, Agenten, Eindringlinge. Diese Ideale definieren uns. So lange wir sie haben, wissen wir, wer wir sind, und wer wir nicht sind. Man stelle sich die acht (oder zehn oder 200 Leute) im Konferenzraum des Trump-Towers letztes Jahr vor, wie sie vordergründig mit den Russen über Adoptionen reden und glauben, sie würden tun, was nötig ist, um die Clinton-Maschine zu schlagen oder den Sumpf trocken zu legen; sie wären hart und würden die Regeln der anderen brechen, weil "so Politik ist!" - ignorant wie immer gegenüber der Tiefe ihrer Ignoranz. Sie haben natürlich, gewollt oder nicht, die Russen mit einem Brückenkopf versorgt. Das ist keine Übertreibung. Die Russen werden es eine Übertreibung nennen, aber wir sollten uns nicht verschaukeln lassen. Das ist Desinformation. Und darin sind sie besser als wir."

Magazinrundschau vom 18.07.2017 - Vanity Fair

Auch wenn der deutsche Verleihtitel "Babyspeck und Fleischklößchen" es kaum vermuten lässt: Mit der 1979 entstandenen Komödie - Originaltitel: "Meatballs" - schrieben Regisseur Ivan Reitman und sein Team Filmgeschichte. Nicht nur hatte Bill Murray, bis dahin ein aufstrebender TV-Komiker, darin seine erste große Kinohauptrolle, sondern es handelte sich auch um eine der ersten US-Adolszenz-Komödien aus dem Umfeld der Sendung "Saturday Night Live", die das Genre bis heute bestimmen. Nicht zuletzt gelang es dem Film, der von einigen Wochen Sommerurlaub im Jugendcamp handelt, einen ganz bestimmten Moment in der Adoleszenz zahlreicher US-Jugendlicher prägnant einzufangen. Vanity Fair bringt dazu eine große Oral History, in der zahlreiche der damals Beteiligten zu Wort kommen. Bill Murray ist natürlich nicht dabei - damals wie heute gehört es zu seinen Markenzeichen, sich zu zieren und zu entziehen. "Ich erinnere mich, wie famos er am ersten Tag war, an dem er zu den Dreharbeiten auftauchte", erinnert sich Reitman. "Ich drückt eihm das Skript in die Hände - ich glaube, er las es damals zum ersten Mal. Er blätterte es durch, sagte bloß: 'Eh' und warf er es mit theatralischer Geste in den nächsten Abfalleimer. Da fährt einem schon ein bisschen der Schreck in die Knochen, wenn ein Schauspieler das macht,  unmittelbar vor der ersten Szene, die du mit ihm drehen willst." Schlechte Stimmung herrschte dennoch nicht bei den Dreharbeiten, wie den Erinnerungen des Schauspielers Russ Banham zu entnehmen ist: "Wir waren alle in unseren Zwanzigern und es war die Jahreszeit der ausschlagenden Triebe, sagen wir es mal so. Da ging so einiges. Wir sind heute alle in unseren 60ern, haben Familie und Kinder, einige sogar schon Enkel, also werde ich ganz gewiss nicht alles erzählen. Aber ich hatte schon auf die eine oder andere Weise mit gewissen weiblichen Mitgliedern des Casts zu tun, wir alle. Auch Bill. Die Frauen strahlten, sie waren witzig, talentiert und hatten alle Lust auf eine gute Zeit - den Männern ging es nicht anders. Wir waren alle ziemlich eng miteinander - das kommt im Film schon sehr authentisch rüber."