Magazinrundschau - Archiv

Vanity Fair

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Magazinrundschau vom 18.07.2017 - Vanity Fair

Auch wenn der deutsche Verleihtitel "Babyspeck und Fleischklößchen" es kaum vermuten lässt: Mit der 1979 entstandenen Komödie - Originaltitel: "Meatballs" - schrieben Regisseur Ivan Reitman und sein Team Filmgeschichte. Nicht nur hatte Bill Murray, bis dahin ein aufstrebender TV-Komiker, darin seine erste große Kinohauptrolle, sondern es handelte sich auch um eine der ersten US-Adolszenz-Komödien aus dem Umfeld der Sendung "Saturday Night Live", die das Genre bis heute bestimmen. Nicht zuletzt gelang es dem Film, der von einigen Wochen Sommerurlaub im Jugendcamp handelt, einen ganz bestimmten Moment in der Adoleszenz zahlreicher US-Jugendlicher prägnant einzufangen. Vanity Fair bringt dazu eine große Oral History, in der zahlreiche der damals Beteiligten zu Wort kommen. Bill Murray ist natürlich nicht dabei - damals wie heute gehört es zu seinen Markenzeichen, sich zu zieren und zu entziehen. "Ich erinnere mich, wie famos er am ersten Tag war, an dem er zu den Dreharbeiten auftauchte", erinnert sich Reitman. "Ich drückt eihm das Skript in die Hände - ich glaube, er las es damals zum ersten Mal. Er blätterte es durch, sagte bloß: 'Eh' und warf er es mit theatralischer Geste in den nächsten Abfalleimer. Da fährt einem schon ein bisschen der Schreck in die Knochen, wenn ein Schauspieler das macht,  unmittelbar vor der ersten Szene, die du mit ihm drehen willst." Schlechte Stimmung herrschte dennoch nicht bei den Dreharbeiten, wie den Erinnerungen des Schauspielers Russ Banham zu entnehmen ist: "Wir waren alle in unseren Zwanzigern und es war die Jahreszeit der ausschlagenden Triebe, sagen wir es mal so. Da ging so einiges. Wir sind heute alle in unseren 60ern, haben Familie und Kinder, einige sogar schon Enkel, also werde ich ganz gewiss nicht alles erzählen. Aber ich hatte schon auf die eine oder andere Weise mit gewissen weiblichen Mitgliedern des Casts zu tun, wir alle. Auch Bill. Die Frauen strahlten, sie waren witzig, talentiert und hatten alle Lust auf eine gute Zeit - den Männern ging es nicht anders. Wir waren alle ziemlich eng miteinander - das kommt im Film schon sehr authentisch rüber."

Magazinrundschau vom 21.03.2017 - Vanity Fair

Die unverhältnismäßige Polizeigewalt gegen Schwarze muss aufhören, meint Chris Hayes. Amerika zerfalle heute in zwei Welten - die Nation, in der das Recht herrscht, und die Kolonie, in der um jeden Preis Ordnung herrschen muss. Wer nun glaubt, das sei alles ein Problem der Schwarzen, der irre: "Die Kolonie ist hauptsächlich braun und schwarz, aber in der Folge von Finanzkrise, Deindustrialisierung und Lohnstagnation wurden die Kontrollsysteme der Kolonie über immer größere Teile des Amerikas der weißen Arbeiterklasse ausgedehnt. Würde man jeden afroamerikanischen und Latino-Gefangenen aus den Gefängnissen entlassen, hätten die Vereinigten Staaten immer noch eines der am stärksten bevölkerten Gefängnissysteme der Welt. Und diese weißen Gefangenen setzen sich aus einer dramatisch hohen Anzahl von Armen und Ungelernten zusammen. Seit 2008 waren fast 15 Prozent der weißen Highschool-Abbrecher im Alter zwischen 20 und 34 im Gefängnis. Bei den weißen Collegeabsolventen lag die Quote bei unter einem Prozent. Das macht die Aufrechterhaltung der Teilung zwischen Kolonie und Nation so heimtückisch: die fortwährende Drohung, dass die Werkzeuge, die in der Kolonie geschliffen wurden, gegen die Nation eingesetzt werden, dass Tyrannei und Gewalt, die an der Peripherie geduldet werden, am Ende den Kern infiltrieren."

Das Metropolitan Museum in New York hat seinen Direktor Thomas Campbell gefeuert, der offenbar alles falsch machte, was man sich nur vorstellen kann, wie William Cohan zusammenträgt: Campbell behandelte seine Mitarbeiter schlecht, belästigte Frauen und setzte die Digitalisierung in Sand, obwohl die zuständige Abteilung am Ende mehr Mitarbeiter beschäftigte als alle anderen Abteilungen zusammen. Die bedeutendste Kulturinstitution der Menschheit verlor den Anschluss. Besonders verübelt wurde Campbell allerdings, dass er sich mit einer Großschenkung von Leonard und Ronald Lauder dazu drängen ließ, jetzt auch auf moderne Kunst zu setzen, als wäre nicht das Museum of Modern Art gleich nebenan. Und was Berliner Museumsmanager aufhorchen lassen sollte: "Beobachter hielten es auch für falsch, dass das Met sich darauf einließ, einen eigenen Flügel für Lauders Kubisten-Sammlung zu bauen. Robert Storr, Professor an der Yale School of Art und lange Zeit Kurator am Moma, hält es für eine Sache das Prinzips. 'Es ist eine Sache, eine solche Sammlung anzunehmen. Eine andere ist es, für die geschenkten Schätze die Räumlichkeiten erweitern zu müssen. Es macht eine bedeutende Museumsammlung aus, dass sie eben keine Kapellen für eine Kunstrichtung oder für einzelne Sammlungen errichtet.' Als noch problematischer erwies sich Cambells Entscheidung, das Projekt zu lancieren, bevor er überhaupt die nötigen 600 Millionen Dollar beisammen hatte. Denn das Geld floss nur spärlich. Der Vorstand unterstützte das Vorhaben nur zögerlich. Angeblich waren nur die beiden Blackstone-Partner, Tony James und Tom Hill, dafür und spendeten jeweils zehn Millionen Dollar - aber selbst das ließ den Großteil der Summe offen. Im Januar musste das Museum die peinliche Ankündigung machen, dass der neue Flügel auf unbestimmte Zeit verschoben werde."

Magazinrundschau vom 08.11.2016 - Vanity Fair

Wäre Hollywood nicht zum Kaugummiautomaten verkommen und noch böser Komödien fähig - das wäre der Stoff. Alle Political correctness müsste man allerdings fahren lassen. David Margolick erzählt die Schlacht zwischen Peter Thiel und Nick Denton als einen Zickenkrieg zweier ultralibertärer Homosexueller, die einander in tiefem Hass und tiefer Ähnlichkeit verbunden sind. Während Thiel bekanntlich für Trump Wahlkampf macht, bekennt Denton - natürlich auch aus Dandyismus - seine Bewunderung für den Demagogen Breitbart und den Pressezar Murdoch. Dennoch zählt Denton wohl eher zur modischen New Yorker Linken mit ihrem Nippesregal queerer und ethnischer Identitäten - und Margolicks Artikel ist eher ein Porträt Dentons als Thiels. Denton ist der Verlierer, Thiel hat ihn und sein Klatschblog Gawker in Grund und Boden geklagt - aber er bleibt zmindest nach außen hin gelassen: "'Interessant und furchteinflößend', so beschreibt Denton Thiel. Dennoch beharrt Denton darauf, dass seine Differenzen mit Thiel eher philosophischer als persönlicher Natur seien und über ihre Personen hinausweisen. Sie spiegelten eine Schlacht zwischen zwei Grupppen wider, sagt er, den Kontrollfreaks aus Silicon Valley und den freibeuterischen Bloggern, die durch ihre Technologie losgelassen wurden - und zwei Begriffe von Freiheit: der eine glaubt, man sei nur frei, wenn man auch öffentlich ganz man selbst sei. Der andere hält sich nur dann für frei, wenn man sich schützt, vor allem vor Gawkern - deutsch: Gaffern."

Magazinrundschau vom 13.09.2016 - Vanity Fair

Zu den Aufsehen erregendsten Bruchlandungen im Silicon Valley zählt die Geschichte von Elizabeth Holmes' Theranos, einem Start-up, das versprach, mit neuen Technologien zur Blutanalyse den medizinischen Fortschritt befeuern zu können. Theranos stieg zu einem der heißesten Silicon-Valley-Unternehmen auf und konnte über 700 Millionen Dollar Startkapital einsammeln - bis eine Reportage des Wall Street Journal im vergangenen Herbst den Beweis erbrachte, dass es ein einziger Schwindel war. Woran lag es, dass ein Unternehmen mit windigen Versprechungen so viel Risikokapital bündeln konnte? Nick Bilton hat aufgeschrieben, wie das Spiel funktioniert: "Die Risikokapitalanleger (bei denen es sich meist um weiße Männer handelt) sind sich nicht wirklich sicher, was sie eigentlich tun - schließlich ist es unmöglich, das nächste große Ding mit absoluter Sicherheit vorherzusagen. Also setzen sie ein wenig Geld auf jede Firma, die ihren ausreiched Hoffnung bietet, den großen Treffer zu landen. Die Unternehmer (ebenfalls fast immer weiße Männer) befassen sich mit viel bedeutungslosem Zeug, zum Beispiel Code, der Frozen Yogurt zügiger zu liefern imstande ist oder Apps, die es Dir gestatten, Deinen Freunden ein 'Yo!' (und nur ein 'Yo!') zukommen zu lassen. Die Unternehmer blasen ihre Versuche dann auf, indem sie behaupten, dass ihre Erfindung die Welt ändern könnte, was die Risikokapitalanleger beruhigt, denn die können sich dann einreden, dass sie ja nicht nur des Geldes wegen investieren. Und dies wiederum übt großen Reiz auf den Tech-Journalismus aus (ebenfalls fast ausschließlich weiße Männer), der das das Spielchen gerne mitspielt..."

Außerdem mutmaßt William D. Cohan darüber, ob Arianna Huffington die Huffington Post auch deshalb verlassen hat, weil sie ihre Freund- und Seilschaften im Newsroom gegenüber ihren Journalisten ein wenig zu drakonisch in Schutz nahm. Und William Langewiesche porträtiert einen Hacker in den Frontlinien des DarkWeb.

Magazinrundschau vom 07.06.2016 - Vanity Fair

Ständige Führungsspitzenwechsel, keine klar ersichtliche Unternehmensstrategie, eine von Turbulenzen gekennzeichnete Unternehmenskultur im Innern, dazu seit Jahren stagnierende Nutzerzahlen und fallende Aktienkurse - das Bild, das Nick Bilton von Twitter als permanent krisengeschüttelter Plattform zeichnet, könnte kaum schlechter ausfallen. Den Karren aus dem Dreck ziehen soll nun ein alter Bekannter: Twitter-Mitbegründer Jack Dorsey, vor einigen Jahren in einer Phase interner Streitigkeiten geschasst, wurde im vergangenen Oktober zurück an die Spitze geholt. Bescheiden sind seine Pläne nicht: Er ziele darauf, "dass die Leute morgens als erstes Twitter genauso selbstverständlich checken wie sie sich fragen, ob sie heute wohl einen Regenschirm brauchen. Auf die Frage, wie er das erreichen will, antwortet Dorsey, dass er jenen Bereich, in dem das Unternehmen am besten sei, beträchtlich ausbauen wolle, schließlich sei Twitter jene Plattform, die man in erster Linie dafür nutze, um seine Meinung zu einem Live-Event zu posten. ... Als ich mich vor kurzem mit einigen hochrangigen Vorstandsmitgliedern traf, schien es stets dieselbe Nachfrage zu sein, die sie unvorbereitet traf. Wie lautet Plan B, fragte ich, wenn Dorsey keine Trendwende herbeiführt? 'Es gibt keinen Plan B', sagten sie, 'Wir haben nur diesen.' Die Lösung aller Probleme liegt in dem Wort 'live', wiederholten sie allesamt im Einklang mit Dorsey. 'Wir wissen jetzt, was die Leute davon abhält, Twitter zu nutzen, und was nicht', erklärt Dorsey und kündigt diverse neue Features an, darunter Live-Videos der Spiele der N.F.L., die die Zuschauer dann kommentieren können. Damit soll die Nutzerzahl steigen und der Live-Aspekt in den Mittelpunkt gerückt werden. Twitter setzte einiges auf dieses verhältnismäßig simple Vorhaben."

Außerdem: Lisa Birnbach erklärt anhand einiger Beispiele, warum reine Mädchenschulen wieder angesagt sind. William Stadien porträtiert die 99-jährige Olivia de Havilland, letzte noch lebende Schauspielerin der "Vom Winde verweht"-Ära. Antonio Garcia Martinez erklärt, wie Mark Zuckerberg seinerzeit GooglePlus den Garaus machte. Bruce Handy porträtiert Covergirl und Komikerin Amy Schumer.

Magazinrundschau vom 22.03.2016 - Vanity Fair

Es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn man sich in Hollywood noch nicht um die Rechte an der Geschichte zankte, deren Details Mark Seal in einer großen Vanity-Fair-Reportage ausbreitet: Es geht um den großen Einbruch im Londoner Diamantenviertel Hatton Garden im vergangenen April, der die Medien des Landes eine ganze Weile mit genüsslich ausgebreiteten Thesen zum Ablauf des Verbrechens beschäftigte. Schon sah man das Einbruchsgewerbe zum verloren geglaubten Glamour vergangener Dekaden zurückgekehrt, als noch agile Gentlemendiebe mit listigen Manövern zur Kasse baten. Doch die Überraschung folgte auf dem Fuße, als die Delinquenten (bis auf einen, dessen Identität bislang unbekannt geblieben ist) dingfest gemacht wurden: "Wie sich herausstellte, ging der Hatton Garden Bruch auf das Konto einer bunt zusammengewürfelten Gruppe betagter Krimineller, die das letzte Überbleibsel des 'traditionellen britischen Ganoventums' darstellen, wie es Polizeichef Spindler ausgedrückt hat. Die meisten von ihnen waren jenseits der 60 und 70, stammen also eher aus der Zeit des Films 'Das Glück kam über Nacht' als aus der James-Bond-Ära. 'Abhauen? Geh, die können ja kaum laufen', schrieb Danny Jones aus dem Gefängnis an Sky-News-Reporter Martin Brunt. 'Einer hat Krebs - der ist 76. Ein anderer hat es mit dem Herz, 68. Noch ein anderer, 75, hat seinen Namen vergessen. Ein 60jähriger mit zwei neuen Hüften und Knien. Morbus Crohn. Mehr sage ich nicht. Es ist lachhaft.' Und doch haben sie dem Alter, physischen Einschränkungen, Alarmanlagen und sogar Scotland Yard eins ausgewischt, um sich ihren Weg durch Wände aus Beton und massivem Stahl zu bahnen für einen Preis, der jetzt auf mehr als 20 Millionen Dollar geschätzt wird - von denen mindestens noch 15 Millionen vermisst werden."

Magazinrundschau vom 29.09.2015 - Vanity Fair

Die zwei Milliarden Dollar, die Mark Zuckerberg im vergangenen Jahr für das Virtual-Reality-System Oculus Rift hingelegt hat, haben für enormes Aufsehen gesorgt. Max Chafkin beleuchtet nun in aller Ausführlichkeit die Hintergründe dieses Deals, der im kommenden Jahr ein markttaugliches Produkt vorweisen will. Um Spiele und Gaming, wie man vielleicht glauben könnte und wovon auch OR-Investor Brendan Iribe ausgegangen war, geht es Zuckerberg dabei nur am Rande: Er wolle nicht bloß die über eine Millarde zählenden Facebook-Nutzer vernetzen, sondern am liebsten gleich die ganze Welt, sagt er. "Facebook hatte die Gelegenheit verpasst, bei den Smartphones den Ton anzugeben, die sich just in dem Moment durchsetzten, als Zuckerberg in seinem Zimmer auf Harvard am Hacken war. Virtual Reality, hat er beschlossen, wird einen ähnlichen Siegesmoment erleben. "Diese großen Computerplattformen kommen etwa alle zehn Jahre", sagt er, "es ist Zeit, mit der Arbeit an der nächsten zu beginnen. ... Zuckerberg glaubt, dass Oculus - und dessen Konkurrenten - in immer kleineren Headsets kommen werden, bis wir alle VR-Brillen tragen, die auch dazu in der Lage sind, virtuelle Objekte nach außen zu projizieren. "Das wird in der Zukunft ziemlich aufregend sein, wenn man etwa sagt, "Hey, lass uns Schach spielen", sagt er, schnippt mit den Fingern und deutet auf einen Kaffeetisch aus der Mitte des letzten Jahrhunderts in seinem Büro, "Hier ist das Schachbrett.""

Weiteres: Sarah Ellison arbeitet die Ereignisse rund um die in einer Rolling-Stone-Reportage publik gemachte, aber nur vorgetäuschte Gruppenvergewaltigung einer Studentin an der Universität Virginia auf. Und halb Hollywood erinnert sich an den vergangenes Jahr gestorbenen Regisseur Mike Nichols. Dave Eggers porträtiert den Verleger Sonny Mehta.

Magazinrundschau vom 11.08.2015 - Vanity Fair

Wenn man Nancy Jo Sales" Reportage aus dem New Yorker Twen-Milieu Glauben schenken darf, befinden wir uns inmitten einer die zwischenmenschlichen Beziehungen endgültig zersetzenden, technologisch induzierten Zeitenwende. Nicht etwa die NSA oder die Datensilos der großen IT-Konzerne sind daran schuld - sondern der Online-Dating-Hype rund um Apps wie Tinder, OkCupid und andere, die die Anberaumung einvernehmlichen Geschlechtsverkehrs so leicht machen wie eine Online-Buchbestellung. Die angebliche Folge daraus: Grenzenloser Narzissmus, maximale Bindungsunfähigkeit, ja sogar Bindungs-Desinteresse. Das hat Folgen, erklärt ihr Psychologieprofessor David Buss: ""Apps wie Tinder und OkCupid erwecken den Eindruck, dass es da draußen Tausende oder Millionen potenzieller Paarungspartner gibt", sagt Buss, "Ein Aspekt dabei ist, wie das auf die männliche Psyche wirkt. Gibt es ein Überangebot, oder auch nur ein angenommenes Überangebot an Frauen, neigt das männliche Paarungsverhalten eher zu kurzfristigen Bindungen. Ehen werden instabil. Scheidungen nehmen zu. ... Männer treiben diesen Wandel voran, Frauen müssen sich dem anpassen, um sich überhaupt paaren zu können." Nun, einen Moment mal. "Kurzfristige Paarungsstrategien" scheinen auch für viele Frauen gut zu funktionieren; einige von ihnen wünschen ebenso keine verbindlichen Beziehungen, insbesondere jene in ihren 20ern, die sich auf Ausbildung und Karriere konzentrieren."

Magazinrundschau vom 04.08.2015 - Vanity Fair

Richard Lawson fühlt sich alt und verunsichert auf der Videosoiel-Convention VidCon. Hier findet man die Social-Media-Millionäre, niedlich aussehende Teenager, die fluffige Videos über ihr Leben drehen und dabei Produkte wie Pickelcreme oder Nagellack anpreisen. Dafür haben sie echte erwachsene Manager und Geschäftsleute im Hintergrund. Nicht, dass ihre Fans - zumeist noch jüngere Teenager - das stören würde, lernt Lawson: "Junge Millenials (oder die Generation Z, ein Ausdruck, den ich an diesem Wochenende oft gehört habe), scheint Schleichwerbung nicht sehr zu stören. Big-Frame-CEO Steve Raymond erklärt: "Man sieht 13- bis 24-jährige Kids, die kein Problem haben mit der Tatsache, dass diese Leute Geld verdienen und von Werbetreibenden bezahlt werden. Solange sie diese Produkte nicht abstoßend finden und der Inhalt nicht in ihren Augen brennt, klappt das." Ausverkauf ist heute offenbar einfach kein Grund zur Besorgnis mehr, solange die Werbung mit "Authentizität" verkauft wird, ein allgegenwärtiges Schlagwort auf der VidCon. Niemand scheint so recht erklären zu können, was genau Authentizität ist, aber jeder schien sie zu erkennen, wenn er sie sah."

Magazinrundschau vom 12.05.2015 - Vanity Fair

Eine interessante Beobachtung macht Sebastian Junger in der Vanity Fair: Zwar sinkt die Zahl der amerikanischen Soldaten, die bei kriegerischen Auseinandersetzungen direkt in Kampfeshandlungen verwickelt werden, von Krieg zu Krieg enorm. Doch gleichzeitig nimmt die Zahl der Veteranen, die zu Hause unter posttraumatischen Belastungsstörungen leiden, von Krieg zu Krieg rapide zu. Seine These: Die Soldaten erleben in ihren Platoons und in Momenten größter Gefahr eine Form von sozialem Aufgehoben-Sein, die die moderne Gesellschaft im von Vereinzelungen und losen Bündnissen geprägtem Alltag nicht bietet. Auch deshalb sehnen sich viele Veteranen nach dem Krieg zurück. "Die meisten hochentwickelten Primaten, inklusive der Menschen, sind enorm gesellige Wesen und die Zahl der Beispiele von Individuen, die ganz auf sich allein gestellt überleben, ist gering. Ein moderner Soldat, der aus dem Kampf nach Hause zurückkehrt, lässt eine enorm dicht verstrickte Situation, auf die sich die Menschheit hin entwickelt hat, hinter sich und kehrt in eine Gesellschaft zurück, in der die meisten Menschen außer Haus arbeiten, Kinder von Fremden erzogen werden, Familien von den Gemeinden isoliert sind, der persönliche Verdienst vom kollektiven Interesse entkoppelt ist und die Leute alleine oder neben einem Lebensgefährten schlafen. Selbst wenn er oder sie in eine Familie zurückkehrt, entspricht dies nicht der Zugehörigkeit zu einer riesigen, selbstversorgenden Gruppe, die nahezu alles kollektiv erlebt und miteinander teilt. Wie auch immer die technologischen Fortschritte - und sie grenzen wirklich an ein Wunder - aussehen mögen, könnte es durchaus sein, dass der individuelle Lebenswandel, der aus ihnen erwächst, den menschlichen Geist zutiefst angreift."