Magazinrundschau - Archiv

Vanity Fair

106 Presseschau-Absätze - Seite 4 von 11

Magazinrundschau vom 21.04.2015 - Vanity Fair

Vanity Fair bringt einen umfangreichen, sehr lesenswerten Auszug aus Josh Karps neuem Buch, das sich ausschließlich mit Orson Welles letztem, Ruine gebliebenem Film "The Other Side of the Wind" beschäftigt, eine Satire auf "New Hollywood", über einen Regisseur namens Hannaford, der aus Europa zurückkehrt, um einen letzten großen Film zu drehen. Bei einer Hollywood-Zeremonie zu Ehren von Welles versuchte der Regisseur mit einigen Szenen aus dem Film letztmals Finanzmittel einzuholen: "Die präsentierte Szene findet in einem Vorführsaal statt, in dem einer von Hannafords Mitarbeitern sich darum bemüht, den unvollendeten Film des Regisseurs (für den er, genau wie Welles, eine letzte Kapitalspritze benötigt) an einen hübschen, jungen Studioboss, der auf Robert Evans basiert, zu verkaufen - was die ganze Sache ziemlich unbequem machte. Noch schlimmer wurde es, als sich herausstellte, dass Hannafords Film keinen Dialog und keine Story hatte, und nichts anderes darstellt als ein wunderschön gefilmtes Desaster, das nicht einmal der Verkäufer erklären konnte. ... Welles behauptete zwar, im Anschluss ein Angebot erhalten zu haben, dass die Produktionsgesellschaft Astrophore es jedoch in Erwartung anderer - besserer - Angebote abgelehnt habe. Bogdanovich aber kann sich an kein Studio und keinen Produzenten erinnern, der Welles Geld zur Fertigstellung seines Films über einen Regisseur, der zur Fertigstellung seines Films Geld sucht, geben wollte. "Das war die bittere Ironie des Ganzen ", sagt er, "sie applaudierten wie blöde, aber keiner rückte auch nur einen Cent heraus.""

Magazinrundschau vom 07.04.2015 - Vanity Fair

Mark Bowden porträtiert die absolut faszinierende Anwältin Judy Clarke, die nach dem Unabomber Ted Kaczynski, christlichen Fanatikern und rechtsextremen Terroristen jetzt auch den Bostoner Attentäter Dschochar Zarnajew verteidigt - um ihm die Todesstrafe zu ersparen. "Clarke verteidigt Leute, die nicht verteidigt werden wollen und die eigentlich keine Chance haben, die also nicht nur sichere Kandidaten für die Todesstrafe sind, sondern ihr auch in manchen Fällen bereitwillig entgegengehen. Einen Fall nach dem anderen hält sie, egal mit welchen Mitteln, den Gang in die Todeszelle auf. Clarke arbeitet nicht mit Aufsehen erregender Rhetorik im Gerichtssaal oder vernichtenden Plädoyers, sondern Fall für Fall, Sieg für Sieg. Das ist ihr Kampf. Wenn der Staat nicht über diese Angeklagten die Todesstrafe verhängen kann, wie dann überhaupt? 2014 wurden in den USA 35 Hinrichtungen vollstreckt, für Verbrechen, die jede Form menschlicher Grausamkeit umfassen - wenige waren so mutwillig und ungeheuerlich wie die von Clarkes Klienten." Ihren Standpunkt erklärt Bowden so: "In ihren wenigen öffentlichen Kommentaren in den Magazinen von Washington und Lee University, wo sie unterrichtet, schrieb Clarke, dass niemand nach 'dem schlechtesten Augenblick oder dem schlechtesten Tag' in seinem Leben definiert werden darf."

Außerdem online: die Titelgeschichte über Robin Wright und ihre Rolle als Claire Underwood in der Serie "House of Cards".

Magazinrundschau vom 04.11.2014 - Vanity Fair

Bruce Handy erzählt die Geschichte der berühmten Pariser Buchhandlung Shakespeare and Company, die George Whitman nach dem Zweiten Weltkrieg gründete - nachdem Sylvia Beach ihren in den 20ern gegründeten gleichnamigen Buchladen nach der Befreiung von Paris nicht wieder eröffnet hatte. Heute leitet den Buchladen Whitmans Tochter Sylvia - direkt ins 21. Jahrhundert, aber immer noch mit dem Flair seiner Gründerzeit. Das überträgt sich immer noch auf die "Fuchsschwänze" wie George die jungen Autoren genannt hatte, die einige Monate in der Buchhandlung leben und arbeiten durften, lernt Handy bei einem Pfannkuchenfrühstück in Georges altem Apartement: "Die Fuchsschwänze waren alles, was man sich von einer Gruppe junger aufstrebender Autoren erhofft: ernst, witzig, kosmopolitisch, neugierig, reflektiert, albern, leidenschaftlich. Und anders als die meisten ihrer Kollegen in New York stritten sie immer noch über Bücher, nicht über das Neueste auf Netflix."

Außerdem: Sam Kashners Porträt von (oder eigentlich eine Hymne auf) Jennifer Lawrence.

Magazinrundschau vom 11.11.2014 - Vanity Fair

Eigentlich ist nicht viel neu in Keith Gessens Geschichte der Auseinandersetzungen zwischen Amazon und den Verlagen, aber er erzählt sie so ausführlich und lesbar, dass sie dereinst zum Standardtext über diese wichtige Episode in der Geschichte des Buchs werden könnte. Er ist mit beiden Seiten nicht mild, und er hält am Ende den Sieg Amazons nicht für ausgemacht. Wegen zweier großer Akteure: Apple, das wesentlich mehr Ipads und Iphones verkauft hat als Amazon Kindles, und ein Konzern, dessen Herren in der deutschen Provinz sitzen. "Die Fusion von Penguin und Random House könnte ein Haus schaffen, das stark genug ist, um Amazon zu schlagen: Ihnen kann auch ein Kartellverfahren der amerikanischen Regierung nichts anhaben. Da sie schon vereint sind, können sie nicht beschuldigt werden, Absprachen zu treffen. Diese neue Firma ist nicht nur größer als jedes der anderen vier großen Verlagshäuser der "Big Five", es ist fast so groß wie alle vier zusammen."

In einer weiteren Geschichte bringen die beiden Van-Gogh-Biografen Steven Naifeh und Gregory White Smith neue Belege für ihre Vermutung, dass Vincent van Gogh ermordet worden sei.

Magazinrundschau vom 23.09.2014 - Vanity Fair

Jeffrey E. Stern verfolgt den Weg des Ebola-Virus in Guinea und lernt dabei eine bittere Lektion: Gerade die prompte internationale Hilfe säte Misstrauen und so trug zur Verbreitung des Virus bei. Einheimische behaupteten, "die Ausländer steckten hinter der Epidemie. Diese Logik folgte einem Muster: Das Virus war nie zuvor in Guinea aufgetaucht. Dann kamen die weißen Leute und in diesem Moment begann das Gerede von "Ebola". Die Ausländer waren so schnell gekommen, dass sie praktisch ihre eigene Botschaft überholten: Lastwagen voller Ausländer in gelben Raumanzügen fuhren durch Dörfer und sammelten Menschen für die Isolierstation ein, bevor diese überhaupt begriffen hatten, warum Isolation nötig war. ... Die Dörfler begannen zu flüstern: Sie stehlen unsere Organe, sie stehlen unsere Gliedmaßen."
Stichwörter: Ebola, Guinea, Epidemien, Epidemie

Magazinrundschau vom 26.08.2014 - Vanity Fair

James Harkin, der selbst als Journalist in Syrien gearbeitet hat, erzählt sehr anschaulich, wie gefährlich die Existenz dort für Journalisten ist - auch und vor allem, weil westliche Geiseln in Syrien zu einer Währung für die Rebellengruppen, aber auch für das Regime geworden sind. Und die Journalisten sind sehr schlecht geschützt: "Seit 2012 haben sich die meisten westlichen Medien aus der Berichterstattung über das Land zurückgezogen. Stattdessen kam ein schlecht ausgerüsteter, lachhaft bezahlter, komplett unversicherter Tross von Freelance-Journalisten mit kaum mehr als einem Notebook und einem Mobiltelefon. Manche waren verrückte Narzissten, die meisten aber seriöse Reporter." Harkin hat den Artikel vor James Foleys Ermordung geschrieben (er ist aus der Mai-Nummer von Vanity Fair). Er kannte Foley und geht ausführlich auf die Umstände seiner Entführung ein.

In der aktuellen Ausgabe erzählt William Stadiem die Geschichte der Madame Claude, die in den Fünfzigern zur prominentesten Bordellbesitzerin Frankreichs aufstieg. Angefangen hatte sie als kleine Bibelverkäuferin - oder auch nicht. Vielleicht hatte sie auch als Straßennutte gearbeitet, oder war als Jüdin in Auschwitz interniert gewesen - je nachdem, wen man fragt. Egal, in den fünfziger Jahre konnten ihre Kunden unter den schönsten Mädchen in Paris wählen. Dabei waren die Preise so moderat, dass sogar Journalisten wie Jean-Pierre de Lucovich (Paris Match) oder Taki Theodoracopulos (Spectator) Madame Claude besuchten: "Für de Lucovich, den Banker, Taki und zahllose andere wurde Claude zu einer Gewohnheit. "Jeden Tag waren andere Mädchen da, aus der ganzen Welt, mehr Ausländerinnen als Französinnen", erzählt de Lucovich. "Es gab immer eine Überraschung und vieles war wie in Belle de Jour. Très bien au lit, war Claudes charakteristische Anpreisung. Und bedenken Sie, auch wenn dies Frankreich war, informeller Sex war noch nicht üblich. Nette Mädchen machten es nicht.""

Magazinrundschau vom 04.04.2014 - Vanity Fair

Leben und Sterben in Amerika - so lautet die Überschrift zu dieser atmosphärischen Reportage in Vanity Fair und nichts könnte passender sein. Nancy Sales und Jonas Karlsson erzählen von einer handvoll junger iranischer Rockmusiker, die nach Amerika kamen um zwei Dinge zu tun: Musik machen und Party feiern. Am Ende schoss einer von ihnen mit einer halbautomatischen Schnellfeuerwaffe auf die anderen und tötete drei Menschen: "Seit dem Tag der Schießerei, als der Polizeichef Ray Kelly sie als das Ergebnis "einer Auseinandersetzung ... über Geld" beschrieb, hat die New Yorker Polizei über die Waffe nur mitgeteilt, dass sie erstmals legal 2006 in einem nun geschlossenen Waffenladen in New York gekauft wurde. Iraner, die die Opfer kennen, sind perplex, wie ihren Freunden die Freiheit, die sie in Amerika gesucht hatten, durch einen Schützen genommen wurde. Wie konnte Ali Akbar Rafie - arbeitslos, arm und Immigrant mit einem abgelaufenen Visum - ein Sturmgewehr in die Hand bekommen, fragen sie. "Man hört solche Geschichten nicht im Iran, dass Leute verrückt werden und ihre Freunde oder Familie in die Luft jagen", sagt der Autor Hooman Majd. Die Eltern von Ali Eskandarian sprachen den Eltern der anderen Opfer auf der Facebookseite ihres Sohnes ihr Beileid aus. "An Ali Rafie", schrieben sie, "wir verzeihen dir vom Grunde unseres Herzens.""

Außerdem: William Langewiesche schickt eine Reportage über die nahe London ansässige G4S, die größte Privatarmee der Welt und mit 620.000 Angestellten der drittgrößte private Arbeitgeber der Welt (nach Walmart und Foxconn).

Magazinrundschau vom 12.11.2013 - Vanity Fair

Alex Shoumatoff begibt sich zusammen mit Sebastio Salgado für eine große Reportage zu den Awa, einem verschwindend kleinen Volk am Amazonas, zu dem es erst seit 1989 Kontakt gibt und das durch Holzfäller seine Lebensgrundlagen zu verlieren droht, bevor es überhaupt verstanden werden kann. Dies hat er gelernt: "Auch unter nahen Verwandten werden hier viele Ehen geschlossen, es ist ja sonst niemand da zum Heiraten. Und da es mehr Männer als Frauen gibt, haben einige Frauen mehrere Männer - Polyandrie, ein seltenes Ehe-Arrangement, das vor allem aus Tibet bekannt ist. Aber einige Männer haben auch mehrere Frauen, es gibt also auch Polygynie. Überhaupt scheint viel Flexibilität dabei zu herrschen, wer mit wem schläft. Tatsächlich geht niemand davon aus, dass eine Awa-Frau von einem einzigen Mann schwanger wird - sie soll mit mehreren Männern Sex haben, in der Regel mit dreien. Reproduktion ist eine kollektive, kumulative Anstrengung, und alle Männer die mit einer Frau schlafen, sind die Väter ihres Kindes: plurale Vaterschaft."
Stichwörter: Tibet, Vaterschaft, Heirat, Amazonas

Magazinrundschau vom 19.11.2013 - Vanity Fair

Michael Joseph Gross glaubt nicht an eine "schwule Lobby" im Vatikan, wohl aber daran, dass es eine Menge schwuler Priester gibt - etwa 20 bis 60 Prozent schätzt er. Fröhlich trägt er allen Klatsch weiter, den er aufgeschnappt hat (zum Beispiel über "La Maledetta"), aber stellt auch klar: "Der Vatikan hütet seine Geheimnisse so streng, dass die NSA dagegen wie ein Haufen schludriger Trunkenbolde aussieht. Doch Dutzende Interviews mit gegenwärtigen und früheren schwulen Priestern, schwulen Mönchen, alten Vatikanjournalisten, italienischen Aristokraten und schwulen Männern in Sportclubs, Bars, Nachtclubs, Sexclubs und Restaurants legen nahe, dass die saftigen Geschichten, so spannend sie auch sein mögen, nur einen Teil der schwulen Wirklichkeit im klerikalen Leben Roms ausmachen. Schwul zu sein, ist im Vatikan keine Garantie für einen Aufstieg, kein Zeichen von Dazugehörigkeit und keine Kurzform für erotische Intrige. Vor allem ist es eine Verurteilung zur Isolation. Schwule im Vatikan sind Geschöpfe einer mörderischen Bürokratie, deren dogmatische Weltsicht ihre eigene Existenz leugnet oder verleumdet."

Magazinrundschau vom 13.08.2013 - Vanity Fair

Vanity Fair porträtiert den großen Moderedakteur André Leon Talley, der mit seiner Größe und Körperfülle, die er gern in gigantische farbenprächtige Capes hüllt, und seiner Vorliebe, über antiquierte Künste wie das Handschuhtragen zu plaudern, leicht wie eine etwas lächerliche Figur aus der Vergangenheit wirken kann. Aber das anzunehmen, wäre ein wirklich grober Fehler, meint Vanessa Grigoriadis: "Für Topdesigner ist Talley vielleicht die wichtigste Verbindung zur Vergangenheit. 'André ist einer der letzten großen Moderedakteure mit einem unglaublichen Wissen über die Geschichte der Mode. Er kann durch alles, was man tut, bis zur originalen Reverenz hindurchsehen und erraten, was auf meiner Inspirationstafel stand', sagt Tom Ford. 'Mein Gott, wenn er in der ersten Reihe sitzt, zu wissen, dass er versteht, was man tut, was man versucht in Popkultur zu übersetzen - dafür arbeitet man als Modedesigner.'"

Außerdem: Michael Lewis erzählt die Geschichte des ehemaligen Goldman-Sachs-Programmierers Sergei Aleinikow, der zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil er angeblich Computercode gestohlen haben sollte.