Die britische Historikerin
Cathrine Merridale erklärt im
Interview mit dem
Tagesspiegel, warum
der Kreml - über den sie gerade ein Buch verfasst hat - immer auch die Veränderungen des russischen Staates verkörpert. Das gilt auch für das Russland
unter Putin, der seine ganz eigenen Machttechniken hat: "Gewiss kann man sehen, dass er keine scheue und bescheidene Persönlichkeit ist. Die Art, wie er vom Kreml Besitz ergriffen hat, ist sehr staatsmännisch. Er hat einen ausgeprägten Sinn für die Theatralik des Ortes,
das Blattgold, die großen Säle. Auch besitzt er einen tiefen Sinn für die Geschichte und ließ eine Menge historischer Statuen und Porträts aufstellen, um die Figuren hervorzuheben, mit denen er identifiziert werden möchte. Aber er ist ein gewandter Politiker. Was immer er tut, geschieht aus
unmittelbaren Motiven und nicht, weil die Geschichte ihm dies sagt."
In seiner fünften Kolumne zum
Ersten Weltkrieg erzählt Götz Aly in der
Berliner Zeitung, wie sich der
Antisemitismus unter den Soldaten breitmachte. Dies hatte zur Folge, dass die Oberste Heeresleitung am 1. November 1916 eine statistische Erhebung veranlasste, die sogenannte
Judenzählung in der Armee: "Den Hintergrund bildete der Antisemitismus in der Truppe. Der Soldat Jakob Wassermann empfand das boshafte, zugleich verdruckste Auftreten der einfachen Soldaten "auffallender und weitaus quälender" als den unverblümten Antisemitismus der Offiziere. Leo Löwenthal, später als Soziologe berühmt, berichtete vom Eisenbahn-Regiment in Hanau: "Da habe ich den dumpfen, antiintellektuellen
Antisemitismus der Arbeiter- und Bauernsöhne am eigenen Leib erfahren.""
Außerdem: die
taz bringt einen
Vorabdruck aus Uwe Radas neuer
Kulturgeschichte der Adria.