Nicht Elend und Verzweiflung, sondern Langeweile und Ärger über die Lügen und Bevormundung waren die Stimmungen, die das Leben in der DDR prägten,
erinnert sich der frühere Bürgerrechtler
Jens Reich in der
Welt. Weil die Welt nach Westen abgeriegelt war, wandte er sich notgedrungen nach Osten, in die Sowjetunion, die Tschechoslowakei, nach Polen und Ungarn: "Die Familie durfte auch mitfahren, und so tauchten wir in die
fremde Welt ein, erlernten Sprache und Kultur, die Kinder gingen in die russische Schule, wir schlossen zum Teil bis heute dauernde intensive Freundschaften. Wir gehören zu der Minderheit von Deutschen in unserer Generation, die
sehr stark osteuropäisch geprägt ist. Immer wieder wird mir das heute bewusst, wenn neue Freunde und Bekannte von ihrer Zeit zum Beispiel in Berkeley oder Pune erzählen, während wir von Wologda oder Novorossijsk berichten können."
Auch in den
Niederlanden wurde der Fall der Mauer gefeiert,
erzählt der Historiker Jacco Pekelder in der
taz. Nur über die Rolle Deutschlands war man besorgt: "Die Niederlande sind traditionellerweise ein antikommunistisches Land. Wir sind halt eine alte Handelsnation und können mit einem System wenig anfangen, das nicht auf freiem Handel basiert, sondern auf
Vorschriften, Vorausberechnungen und Plänen. Für solche Vorgaben sind wir zu pragmatisch und zu freiheitsliebend. Aber wir waren auch verunsichert... Nun aber war die Zukunft der Nato unklar, und es war auch unklar, ob es dem wiedervereinigten Deutschland gelingen würde, sich
in Europa zu integrieren."
Wolfgang Rindfleisch hat eine Dokumentation über
Sascha Anderson gedreht, dessen IM-Tätigkeit nach dem Mauerfall für solche Debatten sorgte. Im Gespräch mit Matthias Dell im
Freitag sagt er: "Das klärt nichts mehr. Die ganze Staatssicherheitsgeschichte hätte man nur
unter den Verhältnissen der DDR klären können, die Bevölkerung hätte das noch tun müssen. Jetzt wird das nur noch benutzt. Insofern zeigt der Film einen Kampf gegen Windmühlen."