In der
FAZ wehrt sich der Historiker
Heinrich August Winkler gegen alle Versuche, die
Hauptschuld der Deutschen am Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Frage zu stellen, wie es Christopher Clark, Herfried Münkler in ihren Büchern und zuletzt Jens Jessen
in der Zeit taten. Man weiß schließlich, wo das am Ende hinführt, wirft er Jessen vor: Zu einer Relativierung der deutschen Schuld am Zweiten Weltkrieg! "Der "Epochenbruch von 1933" erscheint bei Jessen als ein Ereignis
ohne deutsche Vorgeschichte, als eine Art politischer Urknall. So verrätselt und verinselt er die Zeit des Nationalsozialismus und nähert sich schließlich jener apologetischen Position, der der Wirtschaftswissenschaftler
Wilhelm Röpke in seinem 1945 erschienenen, noch im Schweizer Exil geschriebenen Buch "Die deutsche Frage" klassischen Ausdruck verliehen hat: "Heute sollte sich jeder klar darüber sein, dass die
Deutschen die ersten Opfer der Barbareninvasion gewesen sind, die sich von unten herauf über sie ergoss ...""
In der
SZ ist der Historiker
Dominik Geppert überrascht von der "
Giftigkeit, mit der die uralte Frage der Schuld am Ersten Weltkrieg wieder aufgekocht wird". Er fragt die Clark-Kritiker Winkler, Röhl und Wehler, warum
Deutschland immer isoliert betrachtet werden muss. Die Vorgeschichten der anderen am Krieg beteiligten Staaten "in das
Gesamtbild einzubeziehen, ist nicht "nationalapologetisch", wie mir und anderen vorgeworfen wird, sondern wissenschaftliche Redlichkeit. Wer hingegen fordert, der Fokus auf das Deutsche Reich müsse aus Gründen politischer Zweckmäßigkeit aufrecht erhalten bleiben, betreibt Geschichtsschreibung in
volkspädagogischer Absicht. Wenn in dieser Debatte der Vorwurf nationaler Verengung angebracht ist, dann für den methodischen Nationalismus, der einer solchen Betrachtungsweise zugrunde liegt und die Perspektiven anderer Nationen vernachlässigt."
Weitere Artikel: In der
NZZ schreibt Marc Tribelhorn über die Ausstellung "14/18 - Die Schweiz und der Große Krieg" im
Historischen Museum Basel. Und Stefan Stirnemann
berichtet von einem
nationalsozialistischen Plagiat: Die 1944 erschienene, noch heute lieferbare
"Stilkunst" des NSDAP-Mitglieds
Ludwig Reiners beruht im wesentlichen auf der 1911 erschienenen
"Deutsche Stilkunst" des jüdischen Autors
Eduard Engel. In der
FAZ erinnert Regina Mönch an das 1987 in der DDR erschienene, jetzt wiederaufgelegte
Kinderbuch "Markus und der Golem" über die
Deportation jüdischer Kinder durch die Nazis.