Ganz Deutschland betrieb einst einen
Bismarck-Kult. Über 700 Denkmäler stehen in der Gegend, manche von gigantischen Ausmaßen. Diesen Kult reklamiert nun die AfD für sich, bei Björn Höcke hängt sogar ein Bismarck-Bild in seinem Büro,
schreibt Michael Kees in der
taz: "Besonders in der
Außenpolitik beruft sich die AfD immer wieder direkt und indirekt auf den Diplomaten Otto von Bismarck. So begründet die Partei zum Beispiel ihre
Nähe zum Kreml gerne damit, dass Bismarck ebenfalls mit Russland zusammengearbeitet hatte. In bismarckscher Tradition fordert sie außerdem, die Zusammenarbeit mit anderen Staaten nicht mehr von gemeinsamen Werten, sondern von gemeinsamen
Interessen abhängig zu machen."
Ulrich Lappenküper, der die Otto-von-Bismarck-Stiftung leitet,
fordert im Gespräch mit Klees heute zwar ein differenziertes Bismarck-Bild ein, hält aber auch mit Blick auf die AfD fest: "Aus der Sicht eines Demokraten taugt er nicht als Vorbild, weil Bismarck mit Sicherheit kein Demokrat war. Leider hält sein Politikverständnis heute an vielen Stellen der Welt wieder Einzug. Bismarck sah die
Politik als Kampf, in dem es galt, Freund und Feind zu unterscheiden und die Feinde zu bekämpfen, möglichst sogar zu vernichten - zumindest politisch."
In der FR erinnert Arno Widmann an eine frühe Emanzipierte: die Schriftstellerin Louise Aston (1814-71) "In Berlin pflegte Louise Aston Zigarren rauchend und in Männerkleidung - sie folgte damit ihrem Vorbild George Sand - begleitet von junghegelianischen Revoluzzern spazieren zu gehen. Immer unter den Blicken einer aufmerksamen Polizei. Sie hielt mit ihren Ansichten über die Ehe oder die organisierte Religion nicht hinter dem Berge. Die Behörden hatten sie im Verdacht, einen Klub emanzipierter Frauen gegründet zu haben. Das führte sehr schnell dazu, dass die preußische Polizei verfügte, sie habe 'Berlin binnen acht Tagen zu verlassen, weil ich Ideen geäußert, und ins Leben rufen wolle, welche für die bürgerliche Ruhe und Ordnung gefährlich seien'. Ihr kleines Buch war schon darum, weil sie diesen Vorgang öffentlich machte, eine weitere Provokation. Die Lektüre lohnt sich bis heute."