In Münster war
Historikertag.
Nicht einverstanden ist Patrick Bahners in der
FAZ mit einer
Resolution, die unter anderem mit Unterstützung von Andreas Wirsching, dem Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, formuliert wurde und die nach Bahners allzu eindeutig für Angela Merkels Position in der Flüchtlingspolitik Stellung bezieht: "Im Historikermilieu scheint die Hegemonie des
sogenannten linksliberalen Common Sense ungebrochen. Warum begnügen sich die tonangebenden Leute im Fach nicht damit, die soziale Macht, die ein solcher Konsens bedeutet, in den Formen wissenschaftlicher Kommunikation auszuspielen, durch Tagungen, Bücher, Zeitungsartikel und vielleicht auch Unterschriftslisten? Warum muss ein
Fachverband Parteitag spielen mit Kompromissformelsuche in der Flüchtlingspolitik?"
Im
Tagesspiegel berichtete gestern bereits David Piorkowski, dass die Resolution vor allem auf Betreiben der Göttinger Zeitgeschichtlerin
Petra Terhoeven und ihres ebenfalls in Göttingen lehrenden Kollegen
Dirk Schumann zustandekam. Dass der Text der Resolution im Netz nirgends zu finden ist, spricht nicht für den
Öffentlichkeitsbegriff der Historiker.
In der
SZ kommentiert Johan Schloemann: "In Münster, wo sich über vier Tage Tausende Wissenschaftler trafen, war allerdings gelegentlich zu beobachten, dass in der
überwiegend liberalen Akademikerblase manche 'nach Chemnitz' in den Redeformen und den Diskussionsformaten exakt diejenige hektische,
aufgeregte Zuspitzung übernehmen, die sie den Rechtspopulisten empört attestieren." Hm, erinnert das nicht ein bisschen an die überwiegend liberale Journalistenblase?
Welche Lehren sind aus dem
Münchner Abkommen zu ziehen, das vor achtzig Jahren Hitlers Einmarsch in das Sudentland besiegelte,
fragt Arno Widmann in der
FR: "Diktatoren hatten es leicht in den krisengeschüttelten Demokratien der Zwischenkriegsjahre und sie hatten es leicht in einer Welt, die darauf setzte, dass alles darauf ankäme, miteinander
im Gespräch zu bleiben. Sie konnten das gut. Wer mit ihnen sprach, statt sich ihnen entgegenzustellen, der hatte - in ihren Augen - sich schon ergeben. Das war nicht falsch. Bis es
dann doch falsch wurde."