9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.07.2015 - Internet

Constanze Kurz berichtet in ihrer Maschinenraum-Kolumne in der FAZ hoffnungsvoll von neuen Konzepten, das anonymisierte Surfen via Tor zu beschleunigen. Hornet heißt das Projekt und steht für High-speed Onion Routing at the Network Layer.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.07.2015 - Internet

Was macht Facebook, wenn es vom Tod eines seiner Mitglieder erfährt?, fragt Simon Davis in Vice. Es versetzt die Seite dieser Person in den "Gedenkzustand". Trauernde setzen sich oft auf der Seite einer Toten Person noch mit ihr auseinander: "Bei einem Account in einem Gedenkzustand stellt das keine Option mehr dar. Der Gedenkzustand beseitigt dafür allerdings andere Probleme: Es gibt keine Geburtstagserinnerungen mehr für die verstorbene Person, und sie taucht nicht mehr unter "Personen, die du vielleicht kennst" auf, was manche Leute sehr schmerzvoll finden. Etwas, das bis vor Kurzem allerdings nicht berücksichtigt wurde, sind die Wünsche der oder des Verstorbenen selbst."
Stichwörter: Facebook, Vice

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.07.2015 - Internet

Rund 550.000 historische Videoclips mit einer Laufzeit von insgesamt einer Million Minuten (also knapp zwei Jahren) haben die amerikanische Nachrichtenagentur AP und British Movietone aus ihren Archiven auf YouTube verfügbar gemacht, meldet Friedhelm Greis auf Zeit digital: "Die Filme sind teilweise in Farbe, eine Tonspur gibt es häufig nicht. Weitergehende Angaben zu den Clips, wie zum Beispiel das Aufnahmedatum, finden sich nicht auf YouTube, sondern auf den Archivseiten von AP, die jeweils verlinkt sind. Während das Archiv von British Movietone im Jahr 1986 endet, reicht das AP-Material bis in die Gegenwart." Viel Spaß beim Stöbern!
Stichwörter: AP, British Movietone, Archiv

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.07.2015 - Internet

Nachdem der kanadisch-iranische Blogger und Aktivist Hossein Derakhshan alias Hoder nach sechs Jahren aus dem berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis entlassen wurde, musste er feststellen, wie sehr sich das Internet in der Zwischenzeit verändert hat: Die demokratische, ermächtigende und vielfältige Struktur des Hyperlinks ist der Struktur des auf geheimen Algorithmen basierenden Streams gewichen. Seinen letzte Woche bei Medium.com erschienenen Text bringt Zeit Digital nun auf Deutsch: "Ein neues Profilbild von Freunden, hier und da eine Meinung über das Zeitgeschehen, Links zu neuen Geschichten mit kurzen Überschriften, Werbung und natürlich automatisch startende Videos. Gelegentlich klicke ich "Gefällt mir", oder "Teilen", lese Kommentare oder schreibe selbst einen, oder ich öffne einen Artikel. Aber ich verbleibe auf Facebook, und Facebook sendet weiter, was mir gefallen könnte. Dies ist nicht das Netz, das ich kannte, als ich ins Gefängnis ging. Dies ist nicht die Zukunft des Netzes. Diese Zukunft ist Fernsehen."

Anlässlich immer häufigerer brisanter Datendiebstähle - zuletzt etwa beim kanadischen Ehebruchportal Ashley Madison - denkt Johannes Boie in der SZ darüber nach, weshalb Nutzer ihre Daten weiterhin bedenkenlos dem Internet anvertrauen: "Ähnlich wie beim Cybermobbing, bei dem Menschen andere Menschen, die ihnen wildfremd sind, bis in den Suizid erniedrigen, fehlt auch hier für alle Beteiligten eine direkte, emotionale Reaktion auf das eigene Handeln... Ist das Notebook erst mal zugeklappt, scheint das Problem gelöst zu sein. Und wem Daten geklaut werden, der spürt zunächst mal nichts. Materiell fehlt schließlich nichts. Und Firmen haben kein größeres Interesse daran, Angriffe zu melden - falls sie sie überhaupt bemerkt haben. Die allermeisten Opfer wissen deshalb gar nicht, dass sie Opfer sind."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.07.2015 - Internet

Der Verleger Jonathan Beck antwortet in der SZ Leonhard Dobusch, der die Einschränkung der "Rechtspolitisch höchstens zweitrangigen" Panoramafreiheit als "Urheberrechtsextremismus" brandmarkte (unser Resümee): "Erstaunlich ist dabei, dass sich all dieser Unmut gegen die Urheber richtet. Wahrlich skandalös ist doch eigentlich die Tatsache, dass Netzgiganten wie Facebook oder Youtube einerseits per Werbeerlös reichlich kommerziellen Gewinn erzielen, wenn ihre Nutzer die Werke anderer in "kreativer Appropriation" (Dobusch) mit eigenen Werken vermischen, andererseits das damit verbundene urheberrechtliche Risiko aber schlicht per AGB auf die Nutzer abwälzen."

Urs Hafner hält nicht viel von den Digital Humanities und kann sich in der NZZ den Hype nur damit erklären, dass den Geisteswissenschaften in den Jahren des Public Managements das Rückgrat gebrochen wurde: "Für viele ihrer Anhänger sind die Digital Humanities nicht weniger als die neue Disziplin, die die Geisteswissenschaften revolutioniert. Bis jetzt allerdings fällt der Leistungsausweis eher bescheiden aus. Vor zwei Jahren präsentierten Forscher an einer Tagung in Bern eine Reihe von Digital-Humanities-Projekten. Die Rede war zeitgeistkonform von mehr Praxis, mehr Anwendung, mehr Öffentlichkeit, mehr Feedback, mehr Daten und mehr Vernetzung, doch neue Erkenntnisse blieben rar. Unübersehbar zeigte sich die Faszination für das positivistische Neugruppieren großer Datenmengen, wobei der Aufwand oft in keinem Verhältnis zum Ertrag stand."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.07.2015 - Internet

Mit der üblichen bangen Faszination betrachtet Bernd Graff in der SZ die Ergebnisse aus Googles Großprojekt Deep Dream, das Computer das Sehen beibringen will: "Noch lachen wir über die bizarren Tieftraumbilder der Bilderkennungsmaschinen von Google. Doch sie sind uns näher, als wir denken. Sie wiederholen bereits unsere Fehler."

In der Welt spielt Michael Wolf durch, welche Philosophen wie auf das Internet und die digitale Gesellschaft reagiert hätten.
Stichwörter: Google, Dreamer

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.07.2015 - Internet

Der Kabarettist Dieter Nuhr wendet sich in der FAZ gegen Shitstorms im Internet, die er nach religions- und griechenlandkritischen Äußerungen über sich ergehen lassen musste: "Die Primitivität und Aggressivität, mit der Andersmeinende im Internet verfolgt werden, scheint mir denselben psychologischen Mechanismen zu folgen, die früher zu Lynchjustiz und Pogromen führten. Der Andersmeinende wird zunächst als wahlweise "dumm" oder "böse" dargestellt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.07.2015 - Internet

(Via Mashable) Erstaunlich: E-Mail-Newsletter werden mehr und mehr zum Ding der Stunde (man denke nur an das Brussels Playbook von Politico und den Checkpoint des Tagesspiegel). Nun kündigt Lena Dunham, die Erfinderin der Serie "Girls", in Buzzfeed einen E-Mail-Newsletter für junge Frauen an: "Wir wollen Leute mit total unterschiedlichen Interessen", sagt sie im Gespräch mit Anne Helen Petersen. "Leute, die über linke Politik reden wollen und gleichzeitig über Mode und über Rihanna, und die auch kapieren, dass all diese Dinge gleichzeitig passieren." finanziert werden soll der Newsletters durch die Werbung bezahlbarer, aber dennoch origineller Modelabels.

Sandra Rendgen berichtet in der SZ, dass Museen und Bibliotheken ihre Bestände mittlerweile zu Abermillionen digitalisiert haben, nun aber nicht recht wissen, wie sie ihre Schätze an die Öffentlichkeit bringen sollen. Allein bei der Europeana seien 44 Millionen Objekte online abrufbar. Und auf Spiegel Online erklären Markus Böhm und Moritz Stadler, warum man auf Mozilla keine Flash-Videos mehr sehen kann.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.07.2015 - Internet

Google manipuliert seine Suchergebnisse, um seine eigenen Angebote zu bevorzugen und Konkurrenten zu schwächen - das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die unter anderem der renommierte Autor und Experte Tim Wu im Auftrag der Federal Trade Commission (FTC) geführt hat, berichtet Eric Leser in Slate.fr und zitiert Wu: "Die größte und schockierendste Überraschung war, dass Google nicht seine bestmöglichen Resultate präsentiert. In Wirklichkeit präsentiert Google eine absichtlich schlechtere Version. Es gibt keinen Vorgang, der mich mehr an den Fall Microsoft erinnert." Google bestreitet laut Leser die Ergebnisse der Untersuchung vehement.
Stichwörter: Google, Wu, Tim, Microsoft

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.07.2015 - Internet

Nachdem Ijoma Mangold kürzlich in der Zeit von der Debattenkultur auf Facebook geschwärmt hat, lobt Götz Hamann in der aktuellen Ausgabe die klugen "Community Standards", nach denen anstößige Inhalte gelöscht werden. Unsinn, meint Adrian Lobe in der FAZ: diese Standards sind nicht nur willkürlich, sondern werden auch für politische Zwecke instrumentalisiert. "Im Januar zensierte Facebook den nach Deutschland exilierten Schriftsteller Liao Yiwu. Er hatte Bilder eines befreundeten Aktivisten gepostet, der nackt durch die Straßen von Stockholm gerannt war. Für seine Zensurpraktiken erhielt Facebook Beifall von der kommunistischen Führung. Die Zeitung Renmin Ribao, das Parteiorgan der Kommunisten, begrüßte die Account-Schließung in einem Leitartikel. Facebook will mit aller Macht nach China expandieren und hofiert daher die chinesische Regierung. Mark Zuckerberg startete eine plumpe Charmeoffensive."

In der taz schildert Johannes Gernert den erbitterten Kampf des britischen Ehepaars Raff gegen Google, das ihre Preisvergleichseite aus seiner Trefferliste gestrichen hatte. Sollten die Raffs mit ihrem Protest Erfolg haben, droht Google ein Bußgeld von mehreren Milliarden Euro durch die EU-Kommission: "Welche Verantwortung trägt ein Konzern, an dessen Suchmaschine sich täglich Millionen Menschen wenden? Ein Konzern, von dessen Algorithmus auch seine Wettbewerber abhängig sind. Muss so ein Unternehmen neutral sein? (...) Der Konzern tritt als unbeteiligter Schiedsrichter auf, befugt zu urteilen, was wichtig ist und was nicht und findet sich dabei selbst oft am allerwichtigsten. Knapp 60 Milliarden Dollar Umsatz machte Google 2014 mit Werbung, die es nicht nur auf seinen eigenen Seiten verkauft. Fast zehn Milliarden mehr als 2013."

Der maltesische Rechtsprofessor und Datenschutzexperte Joseph Cannataci wurde von der UN zum Sonderberichterstatter zum Datenschutz in der digitalen Welt ernannt, meldet Monika Ermert auf Zeit digital. Für die Schaffung des Postens, der nur bescheidene finanzielle Mittel und keinerlei verbindliche rechtliche Werkzeuge erhält, hatte sich unter anderem die Bundesregierung eingesetzt: "Während man sich mit der echten Aufklärung von Grundrechtsverletzungen hierzulande schwer tut und der deutsche Auslandsgeheimdienst BND längst die Zusammenarbeit mit den Diensten der Five Eyes-Länder einräumen musste, schwingt die deutsche Diplomatie in Genf und New York ein Datenschutzfähnchen, könnte man meinen. Von "tiefer Besorgnis" über die Folgen der allgegenwärtigen Abhörpraktiken ist die Rede, von der Gefahr der Profilbildung durch Metadaten und von der Notwendigkeit, die Prinzipien der Rechtmäßigkeit, Angemessenheit und Verhältnismäßigkeit in Bezug auf die Überwachung zu überprüfen."