9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

1332 Presseschau-Absätze - Seite 108 von 134

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.07.2015 - Internet

Die Gema hat zwar in ihrem Prozess gegen Google verloren, berichtet Zeit online mit Agenturen, aber das ändert nichts daran, dass Videos mit Gema-geschützter Musik bei Youtube derzeit nicht zu sehen sind: "Das dürfte auch noch eine Weile so bleiben. Die beiden Urteile des Oberlandesgerichts Hamburg vom heutigen Mittwoch sind nicht rechtskräftig. Revisionen vor dem Bundesgerichtshof sind möglich."

Für die FAZ unterhält sich Mathias Müller von Blumencron mit dem Virtual-Reality-Pionier und Internetskeptiker Jaron Lanier, der an seiner Diagnose des "digitalen Maoismus" festhält und im gleichen Atemzug zugibt, dass der Vergleich hinkt, "weil durch die Kulturrevolution Millionen umgekommen sind, durch die digitale natürlich nicht". (Mal abgesehen davon, dass die Millionen nicht erst durch die Kulturrevolution ums Leben gekommen sind.)

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.07.2015 - Internet

(Via turi2) Eine Tendenz, die seit einiger Zeit im Netz zu beobachten ist, bestätigt sich auch, wenn man einen im Niemanlab veröffentlichten Chat mit Mark Zuckerberg liest: Internetgiganten und traditionelle Medien rücken zusammen. Google stellt den Zeitungen 150 Millionen Dollar Spielgeld zur Verfügung, Zuckerberg lädt sie zu "Instant News" ein, und er fordert Formate, die am Ende nur große Medien liefern können: "Wir sehen online immer mehr Rich Content, immer mehr Videos statt bloß Texten und Fotos. Das wird in Zukunft so weitergehen, und es wird noch eindringlichere Formate wie Virtual Reality geben. Vorerst aber sollten Medien sicherstellen, dass sie ausreichend angereicherten Inhalt liefern, das ist wichtig, das wollen die Leute."

Immer wieder löscht Facebook nach erschwindelten Beschwerden die Accounts russischer Regierungskritiker, berichtet Sally McGrane in der taz. Laut Eva Galperin von der Electronic Frontier Foundation vertrauen die meisten Russen auf Facebook, weil das Netzwerk nicht der russischen Regierung gehört. Nicht ganz zu recht. "Letztes Jahr floh Pawel Durow, der "russische Mark Zuckerberg", aus dem Land, nachdem er sich geweigert hatte oppositionelle Seiten zu sperren und Informationen über ukrainische Aktivisten preiszugeben. Seitdem kontrollieren Kreml-freundliche Geschäftsmänner VKontakte, das Facebook-ähnliche soziale Netzwerk, das Durov aufgebaut hat. "Die Art der Anfragen, die die russische Regierung an VKontakte geschickt hat, sind wahrscheinlich dieselben, die sie an Facebook schicken", sagt Galperin. "Aber konkret wissen wir das nicht, weil Facebook das nicht offenlegt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.06.2015 - Internet

Die Tendenz zu Überwachung, Vorratsspeicherung und digitalen Fehlentscheidungen kommt vor allem aus Ahnungslosigkeit, meint Sascha Lobo in seiner Spiegel-Online-Kolumne: "Kommissar Oettinger plappert die Argumente derjenigen nach, die er durch seine politische Brille für kompetent hält. Lobbyismus? Natürlich, aber eigentlich möchte Oettinger glauben, dass irgendjemand Bescheid weiß, Ahnung hat, einen Plan. Ihm den Weg weisen kann. Dabei war Merkels Neuland-Zitat das Beste, was ihr zum Internet je über die Lippen kam."

Taylor Swift hat den Apple-Konzern mit einem kleinen Brief dazu bewogen, Musiker auch in den drei Monaten zu bezahlen, in denen der Konzern ihre Musik kostenlos streamen will, um Kunden für seinen neuen, danach kostenpflichtigen Streamingservice zu gewinnen. Zeit-Redakteur Christoph Amend ist so beeindruckt, dass er auf Seite 1 hoffnungsfroh fragt: Zeigen sich erste Risse in der Übermacht der Technologie-Monsterfirmen? Der Vollständigkeit halber sei aber auch ein Brief erwähnt, den Swift kurz darauf erhielt - von einem Fotografen, der fragte, warum er und seine Kollegen alle Rechte außer dem Erstverkaufsrecht an ihren Bildern, die sie auf Swift-Konzerten machen, an Madame abtreten müssen.

"Weiß Facebook um die eigene gesellschaftliche Verantwortung?", fragt Johannes Boie in der SZ angesichts der selbst definierten Standards, nach denen Facebook Beiträge zensiert und löscht. "Das Selbstverständnis, das dahinter liegt, ist das eines erfolgreichen Technologie-Konzerns: mein Produkt, meine Regeln. Facebook ist aber längst mehr als ein Tech-Konzern. Facebook muss deshalb politische und gesellschaftliche Aufgaben bewältigen, nicht technologische."

Dass die Netzneutralität in den USA seit Anfang des Jahres festgeschrieben wurde, hat offenbar nicht den erhofften Signalcharakter: In den Trilog-Verhandlungen über einen digitalen Binnenmarkt wird der im April vom EU-Parlament verabschiedete Entwurf zur Netzneutralität deutlich aufgeweicht, meldet Svenja Bergt (taz) und warnt vor den Folgen: "Ohne Netzneutralität könnten Provider dank ihrer Flaschenhalsposition sowohl von den Inhalteanbietern als auch von den Nutzern zusätzlich abkassieren. Doch die Nachteile wären nicht nur finanzieller Natur: Auch neue Marktteilnehmer - etwa eine privatsphärefreundliche Alternative zu Facebook oder die Suchmaschine, mit neuem Algorithmus - hätten schlechte Chancen." Auf netzpolitik.org ruft Markus Beckedahl die Öffentlichkeit dazu auf, EU-Abgeordnete anzuschreiben und sie zu bitten, für Netzneutralität abzustimmen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.06.2015 - Internet

Alexander Demling und Philipp Seibt von Spiegel Online  haben mit Hilfe von Transparency International mal den Terminkalender von EU-Digitalkommissar Günther Oettinger durchgeguckt: "Seitdem der Schwabe in Brüssel für Digitalthemen zuständig ist, hat er sich gerade zwei Mal mit Lobbyisten von Nichtregierungsorganisationen getroffen - aber 44 Mal mit denen von Unternehmen oder Wirtschaftsverbänden. Deutsche Telekom, British Telecom oder Alcatel bekamen alle ihren Termin mit Oettinger."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.06.2015 - Internet

(Via Rue89) Der Papst hat sich in seiner neuen Enzyklika "Laudato Si" nicht nur zur Umweltpolitik geäußert, sondern bekennt auch eine zwiespältige Haltung zum Internet: "Die Dynamiken der sozialen und digitalen Kommunikationsmittel, die allgegenwärtig sind, begünstigen nicht die Entwicklung eines Lebens in Weisheit, eines tiefen Denkens, einer großzügigen Liebe... Das erfordert von uns eine Anstrengung, um mit diesen Mitteln eine neue kulturelle Entwicklung der Menschheit zu erreichen und nicht ihre tiefsten Reichtümer zu zerstören."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.06.2015 - Internet

(Via Netzpolitik) Es wird langsam mal wieder Zeit, die Internetutopisten ein bisschen mehr zu würdigen, meint Cory Doctorow in seiner Guardian-Kolumne. Diese Utopisten glauben nämlich gar nicht, dass das Internet automatisch den Fortschritt bringt. Deshalb "schaffen sie eine normative Diskussion über die Gefahren eines "bösen" Netzes und die Macht eines guten, im Silicon Valley und vielen seiner Ableger. Das ist notwendig, aber nicht ausreichend, um die Übel des Netzes zu bekämpfen. Internetutopisten wissen das. Darum kämpfen sie für Gesetzesreformen. Darum veröffentlichen sie Daten. Darum schaffen sie Massenbewegungen gegen die Abschaffung der Netzneutralität und gegen Massenüberwachung."

Auch in Frankreich rufen Politiker nach Internetregulierung, sobald etwas Schlimmes geschieht, schreibt Grégor Brandy bei Slate.fr und zitiert eine Aktivistin: "Das Internet hat den Brüdern Kouachi nicht auf die Schultern geklopft, damit sie ein Attentat organisieren, sie haben es als Kommunikationsmittel benutzt. Ein Journalist von Le Monde hat diesen Punkt gemacht: "Die Politiker beschimpfen das Internet, aber niemand hat Gutenberg beschimpft, als "Mein Kampf" erschien."

Außerdem: Evgeny Morozov geißelt in der FAZ die Perfidien des Plattformkapitalismus.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.06.2015 - Internet

Constanze Kurz polemisiert in ihrer Maschinenraumkolumne in der FAZ gegen eine Rede Angela Merkels, die Big Data lobte. In der Welt beklagt Hannes Stein die Frauenfeindlichkeit der Wikipedia.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.06.2015 - Internet

Manche Tweets dürfen ab Juli bis zu 10.000 Zeichen lang sein, berichtet Denise Bergert bei heise.de unter Bezug auf das Twitter-Blog. Das gilt allerdings nur bei Direktnachrichten zwischen Twitter-Nutzern: "An der Länge herkömmlicher Tweets soll sich auch in Zukunft nichts ändern. Die beliebten Textbeiträge seien auch weiterhin auf 140 Zeichen begrenzt. Die Direktnachrichten sollen durch die Anhebung der Zeichenmenge offenbar einen höheren Stellenwert erhalten, um bei privaten Unterhaltungen mit Messaging-Konkurrenten wie Facebook oder WhatsApp gleichziehen zu können."

Für Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen ist das Internet mindestens so unheimlich wie Atomkraft, berichtet Daniel Hawiger in Netzpolitik und zitiert Äußerungen Maaaßens bei einer Tagung über Internetsicherheit: "Man habe mit Nordkorea einen Angreifer, welcher nicht einmal einen einzigen Geldautomaten besitze, gleichzeitig aber sei es ein Land, welches Cyberangriffe ausübe. Maaßen sagte weiter, es bereite ihm größte Sorge, wie unbekümmert die Bevölkerung das Internet wahrnehme, während andere das Netz für Propaganda und Sabotage nutzen. Anders als bei der Atomkraft, bei der es eine Ausstiegsmöglichkeit gäbe, sei das Internet Realität."

Gawker, einst ein Vorreiter der digitalen Medienrevolution, sieht heute schon ein bisschen alt aus und hat mit denselben Problemen zu kämpfen wie Traditionsmedien, schreibt Jonathan Mahler in einem New York Times-Blog: Wie die Traditionsmedien "muss Gawker sich in einem frenetischen Ökosystem behaupten und sich fragen, in welchem Ausmaß seine Inhalte den sozialen Medien angepasst werden, die immer mehr bestimmen, was die Leute lesen und gucken. Und anders als seine Wettbewerber - BuzzFeed, Vice, Vox - verfügt Gawker nicht über Dutzende Millionen Dollar Risikokapital."

Google droht in einem Brief an die Verleger, das österreischische Google News einzustellen, falls Österreich ein Leistungsschutzrecht nach deutschem Vorbild einführt, melden der Wiener Kurier (hier) und heise.de (hier). Und in Frankreich streitet Google laut Politico.eu weiter um das Recht auf Vergessen, weil französische und europäische Behörden fordern, dass Google umstrittene Suchergebnisse nicht nur in Europa, sondern weltweit löscht.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.06.2015 - Internet

Das kalte Grausen packt Tomas Rudl bei der Rede, die Angela Merkel auf dem Wirtschaftstag 2015 gehalten hat und in der sie sich im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gegen Datenschutz und Netzneutralität ausspricht. Auf netzpolitik.org bringt Rudl ein Transkript der relevanten Passagen und stellt fest: "Argumente werden gedreht und gewendet, wie man sie gerade braucht: In Sachen Datenschutz müsse sich Europa an die USA angleichen, in Sachen Netzneutralität ignoriert Merkel jedoch freimütig die strengen Netzneutralitätsregeln, die in den USA seit Anfang des Jahres in Kraft sind - ohne, dass die Welt untergegangen wäre."

Twitter sollte sich noch mehr als bisher auf News konzentrieren, meint Farhad Manjoo in einem Blog der New York Times nach der Meldung, dass Dick Costolo von der Leitung des immer noch defizitären Dienstes zurücktritt und der Gründer Jack Dorsey neu wieder antritt: "Twitter leistet seinen Nutzern viele Dienste zugleich. Es ist eine der besten Quellen für Informationen und Witze über Informationen, ein Spielfeld für professioneles Networking und ein großer Hafen für einen der liebsten Zeitvertreibe der Menschheit: Klatsch."

Mathias Müller von Blumencron, Online-Chef der FAZ, wendet sich laut Horizont mit Verve gegen das Facebook-Angebot an Medien, direkt bei Facebook zu publizieren. Horizont zitiert: ""Wir könnten Zeugen sein, wie riesige hochprofitable Konzerne mit ihren unendlichen Profiten aufbrechen, um das zu tun, was bisher eigentlich der medialen Welt, wie wir sie kennen, vorbehalten war, und faktisch und genuin selbst zu Medien zu werden." Man habe Facebook als Interaktionskanal kennengelernt. "Nun plötzlich werden wir aufgefordert, für Facebook direkt zu produzieren, zu einer verlängerten Werkbank von Facebook zu werden.""

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.06.2015 - Internet

Chronisches Digitalversagen wirft Sascha Lobo bei Spiegel Online der Regierung vor, und den Bürgern des Landes dumme Indifferenz: "Hierzulande kostet ein Gigabyte ernsthaft das Fünfzigfache von dem, was es in Finnland kostet. Die Gründe liegen hier bei falschen politischen Steuerungsinstrumenten im Verbund mit kurzsichtigen Konzernentscheidungen. Eine Kombination übrigens, welche die Digitalpolitik in diesem Land vollständig bestimmt, vom Leistungsschutzrecht bis zur mangelhaften Glasfaser-Infrastruktur. Aber Sie sind nur peripher interessiert."