Die Tendenz zu Überwachung, Vorratsspeicherung und digitalen Fehlentscheidungen kommt vor allem aus
Ahnungslosigkeit,
meint Sascha Lobo in seiner
Spiegel-Online-Kolumne: "Kommissar Oettinger plappert die Argumente derjenigen nach, die er durch seine politische Brille für kompetent hält.
Lobbyismus? Natürlich, aber eigentlich möchte Oettinger glauben, dass
irgendjemand Bescheid weiß, Ahnung hat, einen Plan. Ihm den Weg weisen kann. Dabei war Merkels Neuland-Zitat das Beste, was ihr zum Internet je über die Lippen kam."
Taylor Swift hat den Apple-Konzern mit einem
kleinen Brief dazu bewogen, Musiker auch
in den drei Monaten zu bezahlen, in denen der Konzern ihre Musik kostenlos streamen will, um Kunden für seinen neuen, danach kostenpflichtigen Streamingservice zu gewinnen.
Zeit-Redakteur Christoph Amend ist so beeindruckt, dass er auf Seite 1 hoffnungsfroh fragt: Zeigen sich
erste Risse in der Übermacht der Technologie-Monsterfirmen? Der Vollständigkeit halber sei aber auch
ein Brief erwähnt, den Swift kurz darauf erhielt - von einem
Fotografen, der fragte, warum er und seine Kollegen
alle Rechte außer dem Erstverkaufsrecht an ihren Bildern, die sie auf Swift-Konzerten machen,
an Madame abtreten müssen.
"Weiß Facebook um die eigene
gesellschaftliche Verantwortung?",
fragt Johannes Boie in der
SZ angesichts der selbst definierten Standards, nach denen Facebook Beiträge zensiert und löscht. "Das Selbstverständnis, das dahinter liegt, ist das eines erfolgreichen Technologie-Konzerns:
mein Produkt, meine Regeln. Facebook ist aber längst mehr als ein Tech-Konzern. Facebook muss deshalb politische und gesellschaftliche Aufgaben bewältigen, nicht technologische."
Dass die
Netzneutralität in den USA seit Anfang des Jahres festgeschrieben wurde, hat offenbar nicht den erhofften Signalcharakter: In den Trilog-Verhandlungen über einen digitalen Binnenmarkt wird der im April vom EU-Parlament verabschiedete Entwurf zur Netzneutralität deutlich aufgeweicht,
meldet Svenja Bergt (
taz) und warnt vor den Folgen: "Ohne Netzneutralität könnten Provider dank ihrer
Flaschenhalsposition sowohl von den Inhalteanbietern als auch von den Nutzern zusätzlich abkassieren. Doch die Nachteile wären nicht nur finanzieller Natur: Auch neue Marktteilnehmer - etwa eine privatsphärefreundliche Alternative zu Facebook oder die Suchmaschine, mit neuem Algorithmus - hätten schlechte Chancen." Auf
netzpolitik.org ruft Markus Beckedahl die Öffentlichkeit dazu auf,
EU-Abgeordnete anzuschreiben und sie zu bitten, für Netzneutralität abzustimmen.