9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.03.2018 - Internet

Auf drei Anfragen des britischen Parlaments, sich zu Fragen der Manipulation der Brexit-Abstimmung qua Cambridge Analaytica und Facebook zu äußern, hat Mark Zuckerberg bisher nicht reagiert. Der Guardian zitiert den Vorsitzenden des Untersuchungsausschuss Damian Collins: "Angesichts der außergewöhnliche Beweislage, die wir bislang ermittelt haben, erscheint es mir absolut erstaunlich, dass Mark Zuckerberg nicht bereit ist, sich einer parlamentarischen Befragung zu stellen, zumal es sich hier um Fragen von fundamentaler Bedeutung für seine Nutzer handelt. Ich fordere ihn auf, dies nochmal zu überdenken, wenn es ihm in irgendeiner Weise um die Leute zu tun ist, die die Dienste seiner Firma nutzen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.03.2018 - Internet

Werbekunden wollen bei Facebook abspringen, berichtet  Kathrin Werner in der SZ und zweifelt gleich selbst daran: "Ob das Abmelden im großen Stil passiert, ist allerdings fraglich. Facebook und Google erreichen so viele Millionen Menschen, vor allem die junge, kaufkräftige Zielgruppe. Es wäre für Firmen kompliziert und teuer, ihre Jeans, Autos oder Shampoos ohne das Internet-Duopol bekannt zu machen."

Öffentlich-rechtliche Sender und Zeitungen eruieren, ob sie nicht eine gemeinsame Plattform gründen sollten, um bei der Präsentation ihrer Inhalte nicht auf Verlinkung durch Facebook angewiesen zu sein, berichtet Daniel Boulhs beim Dlf. Vorher müsste man aber noch ein bisschen Internet lernen: "Facebook und Youtube haben immerhin die Such- und Vorschlagsalgorithmen ihrer Angebote über Jahre perfektioniert und auch das Tempo, also wie schnell Trefferlisten und die eigentlichen Inhalte erscheinen. Auch bei einer möglichen Personalisierung macht den US-Giganten so schnell niemand etwas vor."

Effy Vayena, Professorin für Bioethik an der ETHZ, und Assistant Marcello Ienca weisen im Kontext des Cambridge-Analytica-Skandals in der NZZ darauf hin, dass über Datenschutz hinaus auch Mechanismen nötig seien, mit denen auf Manipulationsversuche reagiert werden kann: "Forscher haben bereits ein adaptives Regelwerk gefordert, das die Nutzung von leistungsstarken Neurotechnologien zur Informationsgewinnung und -manipulation einschränken kann. Social Computing zeigt, dass wir nicht unbedingt die Gehirne von Menschen lesen müssen, um ihre Entscheidungen beeinflussen zu können. Es reicht aus, dass die Daten, die sie regelmäßig - und oft unwissentlich - online austauschen, gesammelt und analysiert werden."

Ebenfalls in der NZZ entwickelt der Turiner Philosoph Maurizio Ferraris an Schlüsselwörtern Italo Calvinos sechs Begriffe gegen die Hysterisierung der Debatte um die Digitalisierung und ruft auf zu praktischer Vernunft.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.03.2018 - Internet

Sean Gallagher hat für das Techblog arstechnica herausgefunden, dass Facebook über Jahre die Telefondaten von Android-Smartphone-Nutzern abrief und speicherte, inklusive Ort, Zeit, Telefonnummer und Namen des Angerufenen. "In Antwort auf eine E-Mail-Anfrage über diese Datensammelei schreibt ein Facebook-Sprecher: 'Ein wichtiger Teil bei Apps, die Verbindungen herstellen, ist es, die Leute zu finden, mit denen man Verbindung sucht. Wenn man also zum ersten Mal ein Foto in einer Messaging- oder sozialen App registriert, ist es weithin üblich, die Telefonkontakte hochzuladen.' Der Sprecher betont, das dies optional sei und die Installationsroutine ausdrücklich nah Zugang zu den Kontakten fragt. Die Daten lassen sich mit einem Tool auch löschen."

Der Konzern findet die Geschichte so wichtig, dass er in einem Blogpost auf sie reagierte. In einem Update für seinen Artikel informiert Gallagher über widersprechende Nutzererfahrungen: Demnach scheinen die Daten - auch Daten zu SMS - auch ohne Erlaubnis gesammelt worden zu sein. Auch der Guardian berichtet hierzu: "Immer mehr Nutzer, die ihre Facebook-Konten im Zeichen des Cambridge-Analytica-Skandals löschen, stellen fest, dass das Netzwerk sehr viel mehr Daten gespeichert hat, als sie erwarteten, Daten zu Telefongesprächen und SMS."

Noch nie standen Facebook und Google so unter Druck, schreibt ein ganzer Autorenstab in der New York Times, und manche denken bereits über Alternativen nach: "Am extremsten ist der Traum, die beiden Firmen zu vergesellschaften. Auch mildere Geschäftsmodelle, die weniger auf Anzeigen und mehr auf Abomodellen beruhen, wurden vorgebracht, obwohl unklar ist, warum die Firmen etwas aufgeben sollten, das sie so wohhabend gemacht hat."

Außerdem zu Facebook: Der Guardian legt nach und präsentiert Aussagen des Whistleblowers Shahmir Sanni über Einflussnahme von Cambridge Analytica im Brexit-Wahlkampf. Die SZ berichtet über die Reaktion der deutschen Politik auf den Skandal - Justiziministerin Katarina Barley bestellt Repräsentanten des Konzerns ein. Und in der FAZ ruft Ranga Yogeshwar: "Ground Facebook!"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.03.2018 - Internet

Angela Schader beweist echte Steherqualitäten, wenn der amerikanische Schriftsteller Joshua Cohen im NZZ-Interview schön provokant gegen Humanismus, brave Schriftsteller oder jammernde Intellektuelle wettert, denen mal ein bisschen Wind ins Gesicht bläst. Mit seinem "Buch der Zahlen" hat Cohen den Internet-Roman der Saison geschrieben, viel Utopie ist ihm nicht geblieben: Das Internet holt das Brutale aus den Menschen heraus, meint Cohen: "Wenn wir vom Internet reden, dann gehen wir davon aus, dass jedermann dasselbe Internet hat. Fakt ist aber, dass totalitäre, repressive Regierungen das Internet dazu nutzen, ihre Bürger und die Information, die diesen zugänglich ist, zu kontrollieren. In sogenannt freien Gesellschaften wird das Internet genutzt, um das Private zu unterhöhlen, um uns Dinge wegzunehmen, die wir haben. Kontrolle im einen System, Erosion im andern."

Im Blog der New York Review of Books fürchtet Tamsin Sha, dass Cambridge Analytica nicht die einzige Firma ist, die auf sinistre Weise hilft, strategische Ziele mit der Kombination von Big Data und Sozialpsychologie durchzusetzen: Tatsächlich arbeite der gesamte militärisch-industrielle Komplex so: "Das Zeitalter altmodischer Agenten geht zu Ende. Im Aufziehen begriffen ist eine obskure Welt kleiner mysteriöser Firmen, die sich auf Datenanalysen und Online-Einfluss spezialisiert haben und vor allem mit Regierungsstellen zusammenarbeiten. Was man über Hedge Funds sagt, gilt auch hier: Wenn die allgemeine Öffentlichkeit deinen Namen kennt, ist das ein schlechtes Zeichen."

Der Guardian recherchiert unterdes weiter in der Affäre um Cambridge Analytica und hat von einer früheren Mitarbeiterin eine Aussage bekommen, die der Firmenführung von Alexander Nix deutlich widerspricht. Demnach hat die Firma doch mit Leave.eu zu tun gehabt: "Brittany Kaiser erklärte, dass sie einige Wochen an der Sache arbeitete und sich mindestens sechs oder sieben mal mit hochrangigen Vertretern von Leave.eu getroffen hat, der von dem Ukip-Spender Arron Banks gegründeten Initiative. Sie sagt, dass die Arbeit Teil der Bemühungen war, mit der Kampagne formal ins Geschäft zu kommen." Nix hatte das wiederholt bestritten und vor dem Parlament erklärt: "Ich will es absolut kristallklar machen. Ich weiß nicht, auf wie viele Arten ich es sagen kann: Wir haben nicht für Leave.eu gearbeitet. Wir haben von ihnen keine bezahlten und keine unbezahlten Aufträge übernommen. OK?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.03.2018 - Internet

Tief durchatmen, rät Felix Simon in der NZZ mit Blick auf den amerikanischen Wahlkampf allen Apokalyptikern, die mit Cambridge Analytica und Facebook das Ende der Demokratie eingeläutet sehen: Noch immer sei das Fernsehen für viele Amerikaner die Hauptnachrichtenquelle, das psychografische Targeting durch Likes längst nicht so ausgefeilt wie angenommen; zudem sei ein Großteil der amerikanischen Wählerschaft nach wie vor bereits in politische Lager eingeteilt: "Wie Menschen ihre Stimme abgeben, hängt zum Beispiel auch entscheidend davon ab, wie sie die Lage der Wirtschaft sehen oder welche Ausbildung sie genossen haben. Politische Werbung hat in diesem Kontext, wie verschiedene Studien gezeigt haben, vergleichsweise wenig Einfluss."

Einen "Technologischen Totalitarismus" befürchtet indes der Informationstechnologe Dirk Helbing in der SZ und fordert eine "digitale Aufklärung": "Social Bots kennen uns besser als unsere Eltern und Freunde. Algorithmen sorgen für Zensur und Propaganda. Telefonate können sofort in Text übertragen und ausgewertet werden. Mit einem Stimmprofil kann die NSA ermitteln, wo jemand ist, mit wem er sich unterhält und was er sagt. Videos können in Echtzeit manipuliert werden. Das Gesagte lässt sich genauso ändern wie die Mimik, und alles sieht ganz real aus. Mit einigen Fotos ist es sogar möglich, ungefragt einen Fake-Porno von jemandem zu produzieren - dank Gesichtserkennungssoftware."

Facebooks Vorgehen war ohne jeden Zweifel illegal und muss bestraft werden, meint der grüne Datenschutzexperte Jan Philipp Albrecht im Interview auf Zeitonline: Bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes könnten "als Sanktion verhängt werden. Das kann existenzbedrohend für Facebook werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.03.2018 - Internet

Er sei offen, sich in einer Anhörung des Kongresses zu äußern, sagt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nach dem sich immer mehr verdichtenden Skandal um Cambridge Analytica und die Beeinflussung der amerikanischen Wahlen durch illegal abgezockte Nutzerdaten der Plattform. Zuckerberg äußert sich in einem Interview mit Recode.net. Der Anhörung wird er wohl kaum ausweichen können, meinen seine Interviewer Kara Swisher and Kurt Wagner, denn ganz nebenbei gibt es auch eine Reaktion des Marktes, die Zuckerberg Sorgen machen sollte: "Das schlimmste denkbare Szenario für Facebook wäre eine stärkere Regulierung der Daten, die das Anzeigengeschäft des Konzerns beschädigen würde... Der Börsenwert von Facebook ist bereits 50 Milliarden Dollar gesunken." Auch in der New York Times (hier) und bei CNN (hier) hat Zuckerberg Stellung genommen.

In der Welt sieht Clemens Wergin mit Blick auf den Facebook-Skandal durch die Geschäftspraktiken der Internetkonzerne vor allem die Demokratie bedroht: "In den USA muss bei politischer Werbung und Beeinflussung in den sozialen Netzwerken nicht einmal der Auftraggeber genannt werden, anders als in traditionellen Medien wie Fernsehen oder Print. Eine Gesetzeslücke, die sich Moskau zunutze gemacht hat. Facebook und andere wurden nicht einmal hellhörig, wenn ihre Kunden bar und mit Rubeln bezahlten."

Wurden von der Stasi gezielt persönliche Informationen von missliebigen Bürgern gesammelt, um sie psychologisch zu "zersetzen", wird der "Feind" heute mit seinen selbst geteilten Inhalten im Netz zersetzt, meint der Psychologe Allan Guggenbühl in der NZZ: Es drohe "die Gefahr, dass man wegen Details der eigenen Biografie, eines speziellen Interesses, eines angeblichen Vorfalls oder Delikts ins Visier einer empörten Öffentlichkeit gerät. Gesellschaften identifizieren periodisch Täter und Feinde, um Ängste abzubauen, sich kollektiv aufzuregen oder ihr Bedürfnis nach Drama zu stillen. Oft handelt es sich dabei um versteckte moralische Diskurse, die geführt werden, um von sich selber abzulenken."

Nicht der Missbrauch von Facebook ist der Skandal - der liege schon in der Logik von Facebook selbst, meint Internetkritiker Sascha Lobo in seiner Spiegel-Online-Kolumne zum Thema. Ähnlich sieht es Michael Hanfeld in der FAZ.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.03.2018 - Internet

Facebook steht seit der Affäre um Cambridge Analytica immer mehr unter Druck, berichtet Thorsten Schröder auf Zeit online: "Eine Anhörung Zuckerbergs, so schrieben die demokratische Senatorin Amy Klobuchar und ihr republikanischer Kollege John Kennedy in einem gemeinsamen Brief am Montag, würde es leichter machen, zu verstehen, 'was getan wird, um die Daten von Amerikanern zu schützen und Missbrauch zu minimieren'. Und das EU-Parlament lud Zuckerberg ein, persönlich 'klarzustellen, dass persönliche Daten nicht dazu benutzt werden, um Demokratie zu manipulieren'." Derweil "verlor die Aktie an der New Yorker Börse fast sieben Prozent. Es war der größte Verlust seit drei Jahren - und am Dienstag fiel der Kurs noch weiter", so Schröder.

Im Gespräch mit dem Guardian erklärt der ehemalige Facebook-Mitarbeiter Sandy Parakilas, er habe seine Vorgesetzten gewarnt, dass Daten, die an externe Firmen weitergegeben wurden, missbraucht werden könnten. Doch niemand habe sich dafür interessiert: "Asked what kind of control Facebook had over the data given to outside developers, he replied: 'Zero. Absolutely none. Once the data left Facebook servers there was not any control, and there was no insight into what was going on.' Parakilas said he 'always assumed there was something of a black market' for Facebook data that had been passed to external developers. However, he said that when he told other executives the company should proactively 'audit developers directly and see what's going on with the data' he was discouraged from the approach. He said one Facebook executive advised him against looking too deeply at how the data was being used, warning him: 'Do you really want to see what you'll find?'"

Drei Jahre bevor er Trumps Chefstratege wurde, half Steve Bannon, Cambridge Analytica auf die Beine zu stellen, berichtet die Washington Post, die sich mit Chris Wylie, einem ehemaligen Mitarbeiter der Firma unterhalten hat. "In an interview Tuesday with The Washington Post at his lawyer's London office, Wylie said that Bannon - while he was a top executive at Cambridge Analytica and head of Breitbart News - was deeply involved in the company's strategy and approved spending nearly $1 million to acquire data, including Facebook profiles, in 2014. 'We had to get Bannon to approve everything at this point. Bannon was Alexander Nix's boss,' said Wylie, who was Cambridge Analytica's research director. 'Alexander Nix didn't have the authority to spend that much money without approval.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.03.2018 - Internet

Die Diskussion über den Missbrauch von Facebook-Nutzerdaten durch die Firma Cambridge Analytica geht weiter. In den USA forderten der republikanische Senator John Kennedy und seine demokratische Kollegin Amy Klobuchar Facebook-Chef Zuckerberg zu einer Erklärung auf, berichtet Zeit online mit Agenturmaterial: "In einem gemeinsamen Brief an den Vorsitzenden des Justizausschusses, Chuck Grassley, sprachen sie sich dafür aus, auch die Chefs der Google-Mutter Alphabet und des Kurznachrichtendienstes Twitter vorzuladen. Die drei Unternehmen sammelten so viele Nutzerdaten wie nie zuvor, hieß es."

Sehr dramatisch sieht es die Gruner-und-Jahr-Chefin Julia Jäkel im Gespräch mit Alexander Becker von Meedia: "Plattformen wie Facebook erreichen nicht nur viel, viel mehr Menschen als irgendein Medium vor ihnen. Sie wissen auch viel mehr über ihre Nutzer. Cambridge Analytica hat dieses Wissen offenbar waffenfähig gemacht. Es hat den nun vorliegenden Recherchen zufolge erkannt, dass sich damit 50 Millionen Menschen manipulieren lassen, fast ein Viertel der amerikanischen Wahlberechtigten. So können hinter den Kulissen Gesellschaften in den Abgrund gestürzt werden."

Das war kein Datenklau in technischem Sinne, kommentiert Zeynep Tufekci in der New York Times. "Es war etwas viel Verstörenderes, nämlich eine natürliche Folge aus dem Geschäftsmodell von Facebook, das darin liegt, dass Menschen auf die Seite gehen, um soziale Interaktion zu haben, und dann einer enormen Überwachung ausgesetzt werden. Die Resultate dieser Überwachung befeuern ein raffiniertes und undurchschaubares System für maßgeschneiderte Werbung."

Außerdem: turi2 bringt eine kleine Zusammenfassung der aktuellen Diskussionen um Facebook.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.03.2018 - Internet

Die Firma Cambridge Analytica hat offenbar Daten von Facebook-Nutzern missbraucht, um politische Werbung zu betreiben (unser Resümee), ein klarer Missbrauch von Facebook-Regeln, schreibt Olivia Solon im Guardian. Facebook sammle zwar alle Daten seiner Nutzer, um sie für Werbekunden einzusetzen, aber wache misstrauisch darüber, das Monopol über die Daten zu behalten. "Facebook will die Daten, auf denen seine Position im Wettbewerb beruht, auf jeden Fall behalten. Noch ist bei Facebook kein größerer Hack wie bei Yahoo, Equifax oder Linkedin passiert. Die Website wacht so eifersüchtig über die Daten, dass es für Wissenschaftler sehr schwierig ist, den Einfluss von Facebook auf die Gesellschaft zu erforschen." Facebook hat schon 2015 von dem Missbrauch erfahren, seine Nutzer aber nicht informiert.

Julian Dörr resümiert den Fall für die Süddeutsche: "Der britischen Sonntagszeitung The Observer verriet Christopher Wylie, der Cambridge Analytica bei der Datenakquise unterstützte, wie genau die Firma dabei vorging: "Wir haben Facebook ausgenutzt, um Millionen von Nutzerprofilen 'abzuernten'. Wir haben dann Modelle gebaut, basierend darauf, was wir über diese Menschen wussten, und ihre inneren Dämonen ins Visier genommen. Das war die Grundlage, auf der das ganze Unternehmen aufgebaut war.'" Mehr auch bei Zeit online. Die ausführliche Geschichte im Observer hier.

Außerdem: In der NZZ warnt Adrian Lobe vor dem durchdigitalisierten Haus, das zur "Kontrollfabrik" werde.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.03.2018 - Internet

Sehr viel Wind macht auf Twitter ein Post auf dem Firmenblog von Facebook. Paul Grewal, Vizepräsidenten des Netzgiganten, erklärt da, dass man der Firma Strategic Communication Laboratories (SCL) Zugang zu Facebook-Daten gesperrt hat. Diese Firma bot Nutzern ein psychologisches Profil nach der Preisgabe von Facebook-Daten. Die Sperrung öffentlich zu machen, sei ungewöhnlich, aber das liege an der Prominenz der Firma Cambridge analytica, an die die SCL Daten weitergegeben hatte. Cambridge analytica hatte sich nach den amerikanischen Wahlen gebrüstet, per Facebook Einfluss genommen zu haben (unsere Resümees). Jonathan Shieber und Taylor Hatmaker resümieren den Vorgang bei Techcrunch.  "Je nachdem, wen man fragt, spielte die im Vereinigten Königreich beheimatete Cambridge analytica eine entscheidende Rolle bei den Wahlen - oder landete nur einen Maketing-Coup, um künftige Geschäfte anzukzurbeln." Aber "die Tools, die Cambridge analytica entwickelte, standen im Zentrum der Kritik an Facebooks Modell der Werbung und gesponserte Posts in seinem Netzwerk." Interessant an dem Facebook-Post ist übrigens, dass man einräumt, schon im Jahr 2015 Unregelmäßigkeiten festgestellt zu haben.

Außerdem: Mark Scott und Nicholas Hirst resümieren bei politico.eu eine von Google-Kritikern erstellte Studie über Einflussnahme des Konzerns in der akademischen Sphäre.