Er sei offen, sich in einer Anhörung des Kongresses zu äußern, sagt Facebook-Gründer
Mark Zuckerberg nach dem sich immer mehr verdichtenden Skandal um
Cambridge Analytica und die Beeinflussung der amerikanischen Wahlen durch illegal abgezockte Nutzerdaten der Plattform. Zuckerberg äußert sich in einem
Interview mit
Recode.net. Der Anhörung wird er wohl kaum ausweichen können, meinen seine Interviewer Kara Swisher and Kurt Wagner, denn ganz nebenbei gibt es auch eine
Reaktion des Marktes, die Zuckerberg Sorgen machen sollte: "Das schlimmste denkbare Szenario für Facebook wäre eine stärkere
Regulierung der Daten, die das Anzeigengeschäft des Konzerns beschädigen würde... Der Börsenwert von Facebook ist bereits
50 Milliarden Dollar gesunken." Auch in der
New York Times (
hier) und bei
CNN (
hier) hat Zuckerberg Stellung genommen.
In der
Welt sieht Clemens Wergin mit Blick auf den
Facebook-Skandal durch die Geschäftspraktiken der Internetkonzerne vor allem die Demokratie bedroht: "In den USA muss bei politischer Werbung und Beeinflussung in den sozialen Netzwerken
nicht einmal der Auftraggeber genannt werden, anders als in traditionellen Medien wie Fernsehen oder Print. Eine Gesetzeslücke, die sich Moskau zunutze gemacht hat. Facebook und andere wurden nicht einmal hellhörig, wenn ihre Kunden bar und mit Rubeln bezahlten."
Wurden von der
Stasi gezielt persönliche Informationen von missliebigen Bürgern gesammelt, um sie psychologisch zu "
zersetzen", wird der "Feind" heute mit seinen selbst geteilten Inhalten im Netz zersetzt,
meint der Psychologe Allan Guggenbühl in der
NZZ: Es drohe "die Gefahr, dass man wegen Details der eigenen Biografie, eines speziellen Interesses, eines angeblichen Vorfalls oder Delikts ins Visier einer empörten Öffentlichkeit gerät. Gesellschaften identifizieren periodisch Täter und Feinde, um Ängste abzubauen, sich kollektiv aufzuregen oder ihr
Bedürfnis nach Drama zu stillen. Oft handelt es sich dabei um versteckte moralische Diskurse, die geführt werden, um von sich selber abzulenken."
Nicht der
Missbrauch von Facebook ist der Skandal - der liege schon in der Logik von Facebook selbst,
meint Internetkritiker Sascha Lobo in seiner
Spiegel-Online-Kolumne zum Thema. Ähnlich sieht es Michael Hanfeld in der
FAZ.