9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.04.2018 - Internet

Zerschlagt Facebook nicht, antwortet Olaf Gerstermann seinem Welt-Kollegen Ansgar Graw ebenda (unser Resümee), denn das ist nicht nur ein tiefer Eingriff in das Eigentumsrecht - und sollte in einem marktwirtschaftlichen Rechtsstaat nur im äußersten Fall geschehen - es macht auch wenig Sinn, meint Gerstermann und bemüht den Strudelwurm: "Aus einem halbwegs mittig zerschlagenen Strudelwurm werden zwei, die beide weiterleben. In ähnlicher Weise hätte man es mit zwei (oder noch mehr) Facebooks zu tun. Dem einen Monster hätte man per staatlicher Intervention ein weiteres hinzugefügt, Frankenstein lässt grüßen. Ob in einer wettbewerblichen Auslese abermals nur ein Monopolist übrig bleibt, hängt nicht zuletzt vom dann existierenden regulatorischen Umfeld ab. Durchaus denkbar ist auch ein Duopol aus zwei Playern, die friedlich koexistieren und die Nutzerdaten noch zügelloser ausschlachten, als es ein schnöder Monopolist je tun könnte."

Im FR-Gespräch mit Melanie Reinsch denkt der Ökonom Hans-Jörg Naumer indes über Alternativen zu Facebook nach - ein "Fairbook", in dem jeder Nutzer des Netzwerks Eigentümer wie bei einer Genossenschaft ist und der Gewinn nach Datenvolumen, das der einzelne geriert, untereinander aufgeteilt wird, schwebt ihm vor: "Jeder 'Genosse' ist Herr seiner Daten und kann über die Privatsphäre-Einstellungen mitbestimmen. Zum zweiten kann sich jeder am Ertrag beteiligen und hat daher ein Einkommen. Der Dienstleister wird von den Eigentümern bezahlt. Dieser stellt nur noch die technischen Möglichkeiten wie zum Beispiel Programmierung bereit oder kümmert sich um die Vermarktung. Dafür gibt es aber keinen Konflikt mehr zwischen Privatsphäre und Nutzungsrechten. Den Nutzern gehört diese Datengenossenschaft. Wer am meisten Informationen bereitstellt und die Erlöse der Genossenschaft steigert, bekommt auch mehr Ertrag aus den Daten durch das Eigentumsrecht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.04.2018 - Internet

Mark Zuckerberg ist gestern und vorgestern von amerikanischen Abgeordneten in die Mangel genommen worden. Die Medien sind voll mit diesem Thema (hier das ausführliche, auf dem Live-Blog beruhende Resümee im Guardian). Sascha Lobo meint in seiner Spiegel-online-Kolume, dass Facebook etwas viel Umfassenderes als nur ein "soziales Netz" sei und darum einer ganz neuen Art von Regulierung bedürfe: "Meine These ist, dass Facebook eine neue soziale Infrastruktur ist, die ein neu entstandenes, gesellschaftliches Bedürfnis erfüllt. Sehr viele Menschen wollen und brauchen Facebook offensichtlich. Aber ohne Verständnis dieser neuen Funktion geht fast jede Kritik, fast jede Problemanalyse und mit Sicherheit jede Regulierung fehl - im besten Fall. Im schlimmsten Fall werden die enormen, durch Facebook entstandenen Probleme verstärkt."

Es ist an der Zeit, Facebooks Macht zu zerschlagen, schreibt Ansgar Graw in der Welt, denn wenn, wie Mark Zuckerberg in seiner Anhörung erklärte, Algorithmen entwickelt werden, die Inhalte in gute und schlechte unterteilen, betreibt er nicht anderes als Gesinnungszensur, so Graw: "Was ist mit Inhalten, die vielleicht nicht 'schlecht', sondern von den verantwortlichen Programmierern schlicht als 'weniger gut' angesehen werden? Im derzeitigen Silicon-Valley-Milieu, das Zuckerberg zu Recht als 'extrem linkslastig' beschrieb, dürfte eine Bewegung gegen Massentierhaltung ein freundlicheres Umfeld erwarten als eine Bewegung gegen Abtreibung. Wer dies in Ordnung findet, möge den Gedanken zulassen, dass ein privater Konzern wie Facebook gekauft werden könnte von amerikanischen Milliardären, die dem gegenteiligen Weltbild nachhängen - und dann möglicherweise anderen Kriterien folgen, was als gut und was als schlecht anzusehen ist."

Netzpolitik veröffentlicht eine Reihe von Fragen an Mark Zuckerberg für den Fall, dass er sich auch mal zu einer Befragung im Bundestag herablässt, zwei davon:
"- Mark Zuckerberg sagt, er wolle die EU-Datenschutzgrundverordnung 'im Geiste' auch weltweit umsetzen. Wie passt das zu Facebooks Lobbyanstrengungen in Kalifornien gegen strengere Datenschutzregeln?
- Gleichzeitig hat Mark Zuckerberg Interesse geäußert, Facebook in China zugänglich zu machen, was wahrscheinlich nicht ohne Selbstzensur ginge. Wird es zukünftig Facebook-User verschiedener Klassen geben? Woran stellt Facebook fest, aus welchem Land ein Nutzer kommt?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.04.2018 - Internet

Gestern hat sich Mark Zuckerberg vom amerikanischen Kongress befragen lassen. David Smith resümiert den vielbeachteten Auftritt im Guardian. Der entscheidende kleine Satz kommt am Ende des Artikels. Er bezieht sich auf eine Frage des republikanischen Senators Lindsey Graham: "Gefragt, ob Facebook Regulierung akzeptieren würde, antwortete der CEO mit 'Wenn es die richtige Regulierung ist, dann ja.' Graham: 'Arbeiten Sie mit uns zusammen?' Zuckerberg: 'Absolut.'" In der Zeit schreibt Julian Heißler über die Befragung, die Bloomberg in voller Länge auf Youtube eingestellt hat:



Facebook ist natürlich auch jetzt nicht am Ende, winkt im Welt-Interview mit Wieland Freund der Internet-Kritiker Jarett Kobek ab, denn Menschen vergessen und "Menschen machen verrückte Sachen. Das eigentlich Teuflische an Unternehmen wie Facebook ist, dass sie sich rund um sehr primitive Aspekte der menschlichen Natur organisiert haben und einen Weg gefunden haben, sie zu monetarisieren. Nehmen Sie Instagram, eine Facebook-Tochter. Instagrams Algorithmus erkennt unsichere Personen. Wenn eine unsichere Person ein Selfie postet, werden die Likes nicht auf einmal ausgespielt. Man sieht nicht alle sofort, sondern erst nach und nach über einen gewissen Zeitraum - damit man wiederkommt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.04.2018 - Internet

Heute und morgen wird ein sich tief zerknirscht gebender Mark Zuckerberg vom Kongress in Washington befragt. Zeynep Tufekci gibt in der New York Times schon mal eine überraschende Antwort auf die Frage, was die Abgeordneten Zuckerberg fragen sollten: "Gar nichts." Ihr Argument: "Der Anblick von Gesetzgebern, die Herrn Zuckerberg anschreien, mag kathartisch sein, aber die Gefahr eines öffentlichen Spektakels ist, dass es aussehen wird wie Fortschritt, aber in Wirklichkeit nichts bringt: ein paar Entschuldigungen von Herrn Zuckerberg, einige ernste Versprechen, es besser zumachen, gefolgt von ein paar oberflächlichen Veränderungen an Facebook, die die zugrundeliegenden strukturellen Probleme nicht zu lösen vermögen. So sieht die PR-Strategie von Facebook schon seit Jahren  aus."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.04.2018 - Internet

Nicht der Datenschutz ist das Hauptproblem im Cambridge-Analytica-Skandal, sondern so genannte "targeted ads", individualisierte politische Werbung, die als solche manchmal gar nicht zu erkennen ist, schreibt der Datenforscher Thorsten Benner in der taz: "Trotz der wachsenden Bedeutung unterliegt zielgerichtete politische Werbung nicht ebenso zielgerichteter Regulierung. Der mittlerweile suspendierte Geschäftsführer von Cambridge Analytica konnte vor Kunden mit 'nicht zurechenbaren und nicht zurückverfolgbaren Anzeigen' prahlen, weil es in allen Demokratien eine eklatante Gesetzeslücke gibt. Wahlplakate und TV-Spots unterliegen strengster Regulierung. Online-Werbung aber wird nicht erfasst. Ihr Einsatz ist nicht transparent und ihre Wirkweise wenig bekannt."

Christopher Wylie, der den neuen Skandal um Cambridge Analytica als ehemaliger Mitarbeiter der Firma leakte, belegt im Guardian, dass Brexit-Kampagnen sich über die Firma AIQ, die wiederum mit Cambridge Analytica kooperierte, koordiniert haben, und das ist im britischen Wahlgesetz verboten: "Jenseits der Daten gibt es hier zwei Probleme: Überfinanzierung und Koordinierung zwischen Kampagnen. Das Gesetz verbietet Koordination, auch um Scheinidentitäten als Mittel der Überfinanzierung zu verhindern. Im digitalen Zeitalter, in dem politische Kampagnen Facebook als Hauptinstrument einsetzen, ist das schwierig durchzusetzen. Und wenn vier verschiedene Brexit-Kampagnen - Vote Leave, BeLeave, Veterans for Britain und DUP - alle die selbe Datenfirma benutzen, AIQ, dann ist das so gut wie unmöglich."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.04.2018 - Internet

Dass Facebook nun verkündet, weniger Daten an Dritte weiterzugeben, ist eher ein Zeichen seiner Stärke als der Einsicht, meint Patrick Beuth bei Spiegel online: "Keiner der bisher verkündeten Schritte - darunter auch die beendete Zusammenarbeit mit bestimmten Datenhändlern - tut dem Unternehmen weh. Facebook hatte sich einst zur mehr oder weniger offenen Plattform für externe App-Entwickler erklärt und den Facebook-Login zur zentralen Identität im Internet, um zu wachsen. Um jedem Internetnutzer einen Grund zu geben, sich ein Profil einzurichten. Um ein eigenes Internet zu werden. Das hat es mittlerweile geschafft."

Höchste Zeit für eine dezentralisierte, emanzipatorische Politik, in der die staatlichen Institutionen gemeinschaftliche Rechte auf Daten anerkennen, schaffen und fördern, bevor Firmen wie Facebook, Alphabet und Amazon immer mehr Funktionen des Staates übernehmen, ruft derweil Evgeny Mozorov in der SZ. Das Ziel sei, dass diese Firmen für den Zugriff auf Daten bezahlen müssen: "Denn sie sind zu weiten Teilen ein Gemeinschaftsgut, kein privater Besitz."

(Via turi2) Twitter schrumpft seine Niederlassungen in Deutschland bis zur Unkenntlichkeit, berichtet Kai-Hinrich Renner in der Morgenpost: "Bis vor etwa zweieinhalb Jahren hatte Twitter an den Standorten Hamburg und Berlin noch knapp dreißig Mitarbeiter. Die Niederlassung in der Hauptstadt wurde bereits zum Jahreswechsel 2016/2017 geschlossen. Wie es in Unternehmenskreisen heißt, soll es am Standort Hamburg nun nur noch fünf Planstellen geben, von denen derzeit aber nur vier besetzt seien. Der Twitter-Sprecher sagt auf Nachfrage, in Deutschland konzentriere man sich 'auf ein Kern-Team'. Zu dessen Größe will er keine Angaben machen."
Stichwörter: Twitter, Facebook, Alphabet, Morgenpost

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.04.2018 - Internet

Facebook ist etwas neues, eine private Großmacht, die sich Fragen gefallen lassen muss. Aber muss sie gleich staatlich kontrolliert werden? Timothy Garton Ash würde das lieber nicht tun. Schauen Sie sich die Zeitungen an, sagt er im Interview mit der Zeit: "Sie verbreiten politisch relevante Nachrichten und tragen damit zur politischen Meinungsbildung bei. Genau aus diesem Grund unterliegen Zeitungen keiner staatlichen Kontrolle, wir sähen darin einen Angriff auf die für eine Demokratie lebenswichtige Meinungsfreiheit, eine Zensur. Aus demselben Grund sollten wir nicht sagen, Facebook müsse einer staatlichen Aufsicht unterliegen, nur weil über die Plattform politisch relevante Nachrichten verbreitet werden. Was wir sehr wohl fragen können, ist, ob eine bestimmte Zeitung oder eine bestimmte Plattform ihrer öffentlichen Aufgabe gerecht wird. Das hat zum Beispiel Heinrich Böll in den 1970er Jahren bei der Bild-Zeitung infrage gestellt, und das würde ich heute bei der Daily Mail und der Sun in Großbritannien tun."

Mike Schroepfer von Facebook stürmt nach vorn und gibt in einem Blogbeitrag bekannt, dass nicht 50 Millionen, sondern 87 Millionen Menschen unfreillig mit ihren Daten in den Cambridge-Analytica-Skandal gezogen worden sind. Außedem gibt der Konzern neue Datenschutzmaßnahmen bekannt.  Björn Czieslik resümiert bei turi2.

Emmanuel Macron hat in einer Rede und per Videochat seine Vision zur Künstlichen Intelligenz formuliert - in einer Weise, die inszeniert, aber alles andere als dumm war. Währenddessen plant die Bundesregierug eine App, mit der die Büger ein Funkloch melden können. Sascha Lobo rauft sich in Spiegel online den Iro und konstatiert in Frankreich "Gestaltungswillen statt Verwaltungswillen. Während man in Deutschland künstliche Intelligenz als wunderliches Spezialfach oder bedrohliche Science Fiction betrachtet, formuliert Macron, dass 'diese riesige technologische Revolution tatsächlich eine politische Revolution' sei. Das ist die wichtigste Erkenntnis, der Grund für die Schmerzen, die man im direkten Vergleich zwischen französischer KI-Vision und deutscher Retrodigitalpolitik empfinden muss."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.04.2018 - Internet

Die schwule Online-Dating-Plattform Grindr hat Daten an externe Unternehmen weitergegeben - darunter die Information über den HIV-Status von Mitgliedern, berichtet Dinah Riese in der taz. "Es sei 'unfair', nun mit Facebook in einen Topf geworfen zu werden, sagte Bryce Case, zuständig für die Sicherheit bei Grindr. Die Daten wurden an die Unternehmen Apptimize und Localytics weitergeleitet. Diese helfen anderen Unternehmen, ihre Apps zu optimieren. Es sei keine Weitergabe gegen Geld gewesen, vielmehr hätte Grindr die Unternehmen für ihre Leistungen bezahlt, erklärte Bryce." Man wolle aber jetzt keine HIV-Daten mehr weitergeben.

Noch viel beunruhigender liest sich diese Meldung vor dem Hintergrund, dass Grindr seit jüngstem chinesischen Eignern gehört, wie Michael Rädel und Christian Knuth am 21. März bei blu.fm berichteten: "Es ist völlig unklar, warum sich chinesische Unternehmen für enorme Summen an Diensten beteiligen, die in China selbst verboten oder blockiert sind. Geht es nur um lukrative Investments oder könnte es sein, dass anhand von Daten Personenprofile, im Falle von Grindr mit äußerst sensiblen Details, angelegt werden?"
Stichwörter: Online-Dating, Datenschutz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.03.2018 - Internet

An diesem Wochenende will die chinesische Regierung alle Verbindungen Chinas zum freien Internet kappen, berichtet Christoph Giesen in der SZ. Auch Virtual Private Networks (kurz VPN-Tunnel) sollen nur noch erlaubt sein, wenn sie über einen staatlichen Anbieter laufen. Damit erhalten die Chinesen Zugriff auch auf die Daten von in China arbeitenden ausländischen Firmen: "VPN wird es also weiterhin geben, mit enormer Rechenpower und Software soll es aber möglich sein, jede einzelne Internet-Verbindung im Reich zu checken und eine VPN-Verbindung sofort zu kappen. Die chinesischen Behörden werden jederzeit Zugriff auf die Daten haben. 'Vordergründig geht es darum, dass niemand aus China mehr Google oder Facebook erreichen kann', sagt Sandro Gaycken, Direktor des Berliner Digital Society Institute, der auch die Bundesregierung in Fragen der Cybersicherheit berät. 'Der durchaus gewünschte Nebeneffekt ist aber ein Zugriff auf sensible Unternehmensdaten. Das ist Wirtschaftsspionage.'"

Flankierend stellt Kai Strittmatter in der SZ eine amerikanische Studie vor, wonach sich viele chinesische Studenten inzwischen für Informationen von außerhalb nicht mehr interessieren, selbst wenn diese für sie erreichbar werden: "Die Zensur, heißt das, funktioniert nicht bloß, weil das Regime den Zugang zu freier Information schwierig macht - 'sondern weil sie eine Umgebung schafft, in der die Bürger überhaupt nicht auf die Idee kommen, nach solchen Informationen zu verlangen', wie die Autoren der Studie schreiben. Ebenso bemerkenswert: In dem Moment, in dem die Studenten mit der Nase darauf gestoßen werden, dass sich außerhalb der Mauer etwas Spannendes und Wertvolles verborgen hält, steigt das Interesse rapide."
Stichwörter: China, Cybersicherheit, Vpn

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.03.2018 - Internet

Sascha Lobo macht in seiner Spiegel-online-Kolumne zum Facebook-Skandal eine Randbemerkung, die für die Debatte nicht ohne Belang ist: "Jede Zeile, die man auf Spiegel online lesen kann, also auch diese hier, ist letztlich werbefinanziert. Das ist normal - die weitaus meisten privaten Massenmedien sind werbefinanziert. Bei der weltweiten Debatte in Medien spielt das eine nicht geringe, seltener thematisierte Rolle: Facebook ist beim Kampf um Werbegelder ein Konkurrent."

Und noch einen problematischen Aspekt an der Debatte über die Internetriesen thematisiert in politico.eu William Echikson, ein ehemaliger Google-Manager, der für den "Tranparency report" der Firma zuständig war: Ursprünglich legte dieser Bericht dar, wieviele Behörden welche Anfragen an Google stellten. Heute sieht es anders aus: "Legaler Inhalt wird zensiert", schon um möglichen Strafen, wie sie etwa im deutschen NetzDG angedroht werden, zu entgehen. "Das Tempo privater Zensur ist erstaunlich - und wächst exponenziell." Und die Transparenzberichte dienen dazu, "die Behörden in Europa und anderswo zu überzeugen, dass der Internetriese die Niederschlagung illegalen Inhalts ernstnimmt. Je mehr er gelöscht hat, desto besser."

Verwundert beobachtet Ingo Dachwitz für Netzpolitik die Reaktion der deutschen Politik auf den Facebook-Skandal: "Betrachtet man den Diskurs in Deutschland, sticht zunächst ins Auge, wer daran nicht teilnimmt. Kein einziges Wort zum Thema ist bislang von dem Minister zu hören, in dessen Ressort Datenschutz schwerpunktmäßig fällt: Horst Seehofer. Aber auch andere Unionspolitiker halten sich auffällig zurück. Das ist kein Wunder, stehen CSU und CDU doch wie keine andere Partei in Deutschland für den Kurs, Datenschutz pauschal als Wirtschaftshemmnis zu verteufeln und nach Möglichkeit abzubauen."

Außerdem: Techcrunch meldet, dass Facebook seine Kooperation mit Drittanbietern zur Auswertung von Verfeinerung von Nutzerdaten schließt. Und die Soziologin und New York Times-Kolumnistin Zeynep Tufekci fürchtet im Gespräch mit Adrienne Fichter von republik.ch, dass gegen Faceebook nicht einmal die Idee der Datenportabilität (Nutzer verwalten ihre Daten selbst) hilft.