Facebook behauptet zwar, es gehe ihm um "Teilen", aber Forschern und Analytikern verwehrt das soziale Netzwerk Daten, die es ermöglichen würden, den
Weg von Desinformationen zu verfolgen,
schreibt Mark Scott bei
politico.eu: "Facebook hält seine digitalen Türen zu und tut damit sich selbst und dem breiteren Publikum keinen Gefallen. Desinformation, die von heimischen und ausländischen Akteurern betreiben wird, ist nun Teil
fast aller Wahlen. Politiker in Brüssel, London und Washington fuchteln ins Leere, wenn sie verstehen wollen, wie sie Desinformation bekämpfen sollen, während das
Vertrauen des Publikums in Online-Inhalte verloren geht."
Und
Youtube ist natürlich ebenfalls kein Waisenknabe: Zeynep Tufekci
erzählt in der
New York Times, wie sie bei der Suche nach Inhalten über Donald Trump von dem Dienst sehr schnell in immer dunklere Ecken der
Verschwörungstheorien gedrängt wurde. Das gleiche passierte ihr, als sie mit einem anderen Konto über Hillary Clinton recherchierte: "In meiner Irritation versuchte ich es mit unpolitischen Themen. Und das
gleiche Muster wiederholte sich. Videos über vegetarische Ernährung führten zu Videos über vegane Ernährung. Videos über Joggen führten über zu Videos über Ultra-Marathons. Es scheint, als könne man nie '
hardcore' genug für den Youtube-Algorithmus sein. Es verbreitet Videos, als müsste die Latte immer höher gelegt werden. Angesichts seiner Milliarden Nutzer muss Youtube eines der stärksten
Instrumente der Radikalisierung sein."
Auch
Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web, das heute 29 Jahre alt wird, macht sich in einem
offenen Brief bei seiner Webfoundation Gedanken über dieses Problem. Die
großen Plattformen seien so mächtig geworden, dass sie inzwischen Kreativität ersticken und Meinungen kontrollieren könnten: "Wir haben bei den Plattformen selbst nach Antworten gesucht. Sie sind sich der Probleme bewusst und und machen Versuche, sie anzugehen - mit Auswirkungen auf Millionen von Nutzern. Die Verantwortung und Last solcher Entscheidungen liegt bei Unternehmen, die gebaut wurden,
Profite zu maximieren, statt Gutes für die Gesellschaft zu tun. Ein gesetzliches oder regulatorisches Rahmenwerk, das gesellschaftliche Ziele festschreibt, mag derartige Spannungen lösen helfen." Seit diesem Jahr, so Berner-Lee, hat übrigens die
Hälfte der Weltbevölkerung Internetzugang - was zugleich heißt, dass die andere Hälfte immer noch ausgeschlossen ist.