9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

1332 Presseschau-Absätze - Seite 91 von 134

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.10.2016 - Internet

Die neuen Google-Geräte tun vor allem eins: Sie verbinden bereits bestehende Apps über Sprachbefehle, schreibt Sascha Lobo in seiner Spiegel-Online-Kolumne: "Sprache als Interface verschiebt die ökonomische Macht dramatisch in Richtung der Plattformen. In der komplizierten und vielschichtigen App-Welt begegnet man jeder Alltagsaufgabe mit einer eigenen App. In der kommenden, dialoggesteuerten Netzwelt sollen sich digitale Assistenten wie eine sprachfähige Mehltauschicht über alles Digitale legen. Man benutzt keine App mehr, man lässt den Assistenten eine App benutzen." Und der Benutzer muss alle Schleusen der Überwachung aufmachen, um richtig Spaß zu haben."

Außerdem: Sarah Pines versucht, die Leser der NZZ von den Schönheiten der kommenden Virtual-Reality-Technologie zu überzeugen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.10.2016 - Internet

Das Internet schadet der Demokratie, statt mündige Bürger fördert es individualisierte Nutzer mit Anspruch auf sofortigen und kostenlosen Lieferservice, meint Thomas Thiel zum Auftakt einer neuen Serie in der FAZ: "Die Ernte der Twitter- und Facebook-Revolution in den arabischen Ländern haben Diktatoren eingefahren. Unter den Betreibern virtueller Plattformen gilt aber weiter die geschäftstüchtige Devise, dass das Internet die Welt per se demokratischer machte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.09.2016 - Internet

Johannes Boie macht in der SZ angesichts all der Initiativen, die sich Subventionsgeld vom Bundesjustizminister holen, um "Hassreden" im Internet zu bekämpfen, auf ein paar Grundsätze aufmerksam: "Nun ist es so, dass es bislang in Deutschland zwei Kategorien von Äußerungen gab: strafrechtlich verbotene, wie zum Beispiel Holocaust-Leugnung oder Aufhetzung zur Gewalt. Dafür gibt es einige Paragrafen, der wichtigste ist der Paragraf 130, Volksverhetzung. Ansonsten gilt: Alles, was nicht strafbar ist, ist erlaubt; auch Widerliches. Es handelt sich um freie Meinungsäußerung, sehr grundsätzlich geschützt durch Artikel 5 des Grundgesetzes."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.09.2016 - Internet

Nach Peter Thiel, der nebenbei durch seine Klagen das Boulevardblog Gawker vernichtete, ist Palmer Luckey der zweite Facebook-Investor, der sein Geld einsetzt, um Donald Trump zum Präsidenten zu machen. Gestern kam heraus, dass er Internet-Memes gegen Hillary Clinton finanzierte. Der Softwareentwickler und Internetpionier Dave Winer bekennt auf seinem Blog seinen ganzen Ekel vor diesen Figuren: "Luckey verkaufte seine Firma Oculus für zwei Milliarden Dollar an Facebook. Sein Anteil war 700 Millionen Dollar wert. Gestern kam heraus, dass er einen Teil dieses Wohlstands für eine verdeckte Kampagne nutzte, die in den sozialen Netzen den Eindruck erwecken sollte, dass es eine Menge Arschlöcher gibt, die Hillary Clinton hassen. Diese gefälschten Arschlöscher existieren nicht. Der Witz ist, dass du mit sehr geringer technischer Kenntnis den Eindruck erwecken kannst, dass sie existieren. Es ist so bitter, dass das Geld, das Luckey gemacht hat, auf Techniken basiert, die wir geschaffen haben, damit die Leute ihre Ideen und Erfahrungen frei austauschen können."

Auch ein anderer Pionier des freien Internets, Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, fragt sich im Gespräch mit Axel Weidemann in der FAZ, was aus dieser Idee geworden ist: "Wenn ich an Smartphones denke, bei denen man nur Software installieren kann, die von Apple oder Google autorisiert worden ist, frage ich mich, was das für die Innovationsfähigkeit und den Wettbewerb bedeutet. Das Phantastische an Wikipedia war damals, dass ich niemanden um Erlaubnis fragen musste, um dieses Projekt ins Leben zu rufen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.09.2016 - Internet

Überall Facebook: Das Wall Street Journal bringt einen viel retweeteten Artikel darüber, dass Facebook seinen Werbekunden zwei Jahre lang übertriebene Angaben über die Durchschlagskraft ihrer Werbung machte.

Der Facebook-Investor Palmer Luckey tat sich laut The Daily Beast damit hervor, dass er Geld in eine Wahlkampforganisation Donald Trumps steckte, die Internet-Memes gegen Hillary Clinton verbreitet.

Außerdem: Adrian Lobe erklärt in der FAZ, wie Facebook per Algorithmus die Stimmung im Wahlkampf beeinflussen könnte. Wolfgang Kleinwächter, ehemals Mitglied des Icann-Direktoriums, erklärt in der FAZ, wie die "Internetbehörde" Icann in den amerikanischen Wahlkampf geriet.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.09.2016 - Internet

Espen Egil Hansen, Chefredakteur der norwegischen Zeitung Aftenposten, hat letzte Woche eine internationale Debatte über Facebook ausgelöst, das ein Kriegsfoto aus Vietnam aktiv zensiert hatte, weil darauf ein nacktes Mädchen zu sehen war. Hansen hatte daraufhin einen offenen Brief an Mark Zuckerberg geschrieben, der darauf natürlich nicht geantwortet hat - Facebook äußerte sich durch eine PR-Agentur in Schweden (unser Resümee). Hansen macht im Guardian klar, warum ihm eine Reaktion von Zuckerberg persönlich so wichtig gewesen wäre: "Für immer mehr Menschen ist Facebook gleichbedeutend mit dem Internet. Mehr als eine Milliarde Leute nutzen es Tag für Tag. Wenn diese Milliarde auf andere Seiten klickt, dann oft durch einen Link von Facebook. Auch wenn noch nicht alle Medienhäuser direkt auf Facebook publizieren, ist dies doch der Ort, wo die Nutzer den Inhalt teilen, ihn zur Kenntnis nehmen und darüber diskutieren. Das macht Facebook zwar nicht zu einem Medium aber sehr wohl zu einem Torwächter für alle Medien in der Welt."

HP-Drucker funktionieren plötzlich nicht mehr mit den - günstigeren - Tintenpatronen anderer Hersteller, meldet Patrick Beuth auf Zeit online. Seit einem Firmen-Update werden sie von den Druckern nicht mehr akzeptiert. Da sieht man, wo DRM hinführen kann - direkt in den Feudalismus, meint Beuth und zitiert Cory Doctorow: "'Wenn alles, was Software beinhaltet, gegen unseren Willen und unsere Interessen ferngesteuert werden kann', schreibt er, 'dann haben wir das persönliches Eigentum abgeschafft, für ein neu-feudales System, in dem alles auf ewig den Unternehmen gehört.' Zu beobachten sei das schon jetzt unter anderem bei Herzschrittmachern, Insulinpumpen, Thermostaten, Alarmanlagen, Autos und Wahlcomputern."

Auch Evgeny Morozov warnt in der FAS vor der Rückkehr des Feudalismus, der ausgelöst werde durch "die rapide schrumpfende Fähigkeit des Staates, ein Minimum an technologischer Unabhängigkeit zu wahren - jene besondere Art der Souveränität, ohne die alle anderen Arten der Souveränität, seien sie ökonomische oder politische, ihre Bedeutung verlieren." Und in der SZ warnt Sandro Gaycken vom Digital Society Institute vor der Macht von Google und Facebook.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.09.2016 - Internet

Hendrik Obelöer von Netzpolitik kann es kaum fassen: Drei junge Youtube-Stars haben EU-Kommisionspräsident Jean-Claude Juncker getroffen. Die Initiative ging auch von Google aus. Eine der Bloggerinnen, Laetitia Birbes, hat heimlich festgehalten, wie sie von einem Youtube-Mitarbeiter gebrieft wurde. Sie sollte möglichst keine Fragen nach Junckers luxemburgischer Steuerpolitik stellen, anderfalls gebe es eine rote Flagge. Eine rote Flagge? "Du stellst Mr. Juncker schon sehr schwierige Fragen, du sprichst über Lobbying von Unternehmen. Du möchtest nicht auf der falschen Seite von YouTube, der Europäischen Kommission oder den Leuten, die dir vertrauen, stehen … außer dir ist eine lange Karriere auf YouTube egal." Aufgebracht haben die Geschichte New Europe (hier) und Politico.eu (hier).

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.09.2016 - Internet

In der FAZ sprechen sich die Juristen Friedrich Graf von Westphalen und Christiane Wendehorst für eine neue, EU-weite Datenschutz-Grundverordnung aus, die gewährleisten soll, dass die Verarbeitung von Kundendaten nicht mehr so einfach im Kleingedruckten versteckt werden kann: "Werden personenbezogene Daten des Verbrauchers letztlich zu kommerziellen Zwecken verarbeitet, sind sie als 'Entgelt' zu qualifizieren und müssten den gleichen vertragsrechtlichen Regeln unterfallen wie eine in Geld zu entrichtende Gegenleistung: Auf sie müsste deutlich hingewiesen werden; und an das Einverständnis des Verbrauchers müssten die gleichen, kürzlich durch die Verbraucherrechterichtlinie 2011/83/EU massiv verschärften Anforderungen gestellt werden."
Stichwörter: Datenschutz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.09.2016 - Internet

Facebook ist bei allem skrupellos nur nicht beim knapper weiblicher Bekleidung. Zeit online stellt Hannes Grasseggers Zeit-Magazin-Gespräch mit dem ehemaligen Facebook-Mitarbeiter Antonio García Martínez online, der recht offen erzählt, wie es in dem Laden zuging: "Am Einführungstag hat jeder ein blaues T-Shirt bekommen. Die Hälfte aller männlichen Mitarbeiter trug das. Viele hatten Familienfotos rumstehen, auf denen Frau und Kinder ebenfalls die Shirts trugen. Den Frauen wurde schon am Einführungstag abgeraten, sich zu knapp zu kleiden."

Martin Schallbruch vom Digital Society Institute in Berlin möchte in der FAZ eine stärkere Kontrolle von Messengerdiensten im Namen des Datenschutzes, um Nutzern etwa eine Lösung von Facebook zu erleichtern: "Anbieter könnten wie bei Post und Telefon gesetzlich zur Interoperabilität verpflichtet werden, also Nachrichten zwischen verschiedenen Messenger-Diensten auszutauschen. Damit würde ein Wechsel zwischen den Diensten möglich. Die in der Datenschutz-Grundverordnung der EU schon angelegte Portabilität, also die Mitnahme von Adressbuch, gesendeten und empfangenen Nachrichten, könnte für Messenger konkretisiert werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.09.2016 - Internet

Schwerpunkt Facebook

Selbst wer bei Facebook ist, darf künftig das berühmte Kriegsfoto mit dem nackten kleinen Mädchen Kim Phuc sehen, meldet Zeit online mit Agenturmaterial. Der Brief des Aftenposten-Chefredakteurs Espen Egil Hansen (unser Resümee) an Mark Zuckerberg hatte sich gestern weltweit in Windeseile verbreitet: Hansen hatte Mark Zuckerberg direkt auf seine Verantwortung in der Öffentlichkeit angesprochen. "Nun räumte Facebook Fehler ein: Obwohl auf dem Bild ein unbekleidetes Kind zu sehen sei, erkenne das Online-Netzwerk die historische Bedeutung des Fotos an." Ist ja sehr nett!

Facebook braucht Redakteure, um seine Algorithmen vom Redigieren abzuhalten, meint Jeff Jarvis, und Facebook, das Jarvis selbst nicht als Medium, sondern als Plattform ansieht, sollte privilegierte Beziehungen zu Medien aufbauen, schreibt Jarvis bei Medium.com: "Wenn es abweichende Meinungen gibt, und die wird es geben, dann sollte Facebook eine Methode - eine Person, einen Redakteur - haben, der im Namen der Firma verhandeln kann. Das externe Medium muss nicht immer gewinnen, schließlich handelt es sich hier um einen Service von Facebook, aber es muss angehört und respektiert werden."

Aber wie gesagt: Facebook hatte ja aktiv gehandelt und nicht nur einen Algorithmus handeln lassen, bringt Marina Hyde, die spitzeste Zunge des Guardian, in Erinnerung: "Wenn Facebook das Bild einmal zensiert hätte, wäre es unglücklich, aber Facebook hat es unendlich oft zensiert, und das ist von radioaktiver Gruseligkeit. Aber genau das hatte Facebook getan - viele Norweger hatten das Foto gepostet, um gegen die Zensur des Bildes zu protestieren, und es wurde jedes Mal entfernt. Darüberhinaus hatte das Netzwerk an den Chefredakteur der größten norwegischen Zeitung geschrieben und aufgefordert, das Bild von seiner Facebook-Seite zu entfernen - und dann doch lieber nicht auf eine Antwort gewartet und das Bild selbst entfernt." Hyde erinnert auch daran, dass wenige Wochen vor dieser Geschichte der Facebook-Investor Peter Thiel das Boulevard-Blog Gawker zu Tode geklagt hatte.

Sehr streng kommentiert auch die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg, die das Foto ursprünglich gepostet hatte, diesen Fall im Guardian, die darauf aufmerksam macht, dass Facebook heute ein entscheidender Ort der Öffentlichkeit ist: "Wenn Facebook solche symbolischen Bilder löscht, die eine entscheidende Rolle bei der Veränderung des Blicks der Welt auf Krieg und Grausamkeit gespielt haben, dann verändert es Geschichte. Ich möchte, dass meine Kinder und andere Kinder in der Welt in einer Gesellschaft aufwachsen, in der Geschichte erzählt wird, wie sie war."

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Außerdem: In der SZ erklärt Kulturkritikerin Virginia Heffernan, warum sie das Internet magisch findet: "Es verwandelt Erfahrungen aus der physischen Welt, die hochgradig stofflich waren - wie etwa Briefmarken abzulecken, Wecker aufzuziehen oder mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren - in reibungslose, schwerelose und fantastische Abstraktionen. Lawrence Lessig formuliert es so: 'Die digitale Welt hat mehr mit der Ideenwelt als mit der Welt der Dinge gemeinsam.'"