9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.09.2016 - Internet

Es kommt Bewegung in die Debatte um Adblocker, schreibt Helena Kaschel  bei Wired.de: Bestrebungen von Medien, die Werbeunterdrücker zu verbieten werden von der Politik unterstützt, etwa von der EU: "Der Grund: Werbefilterung verstoße gegen die Netzneutralität. In der deutschen Politik waren Ad-Blocker lange kein Thema - bis jetzt. Nach Recherchen des Portals netzpolitik.org beschäftigt sich die Bund-Länder-Kommission für Medienkonvergenz (BLKM) schon seit einem halben Jahr mit der Problematik, nämlich seit einem Treffen zwischen der Bundeskanzlerin und den Regierungschefs der Länder im Dezember 2015."

(Via netzpolitik.org) Facebook hat das berühmte Kriegsfoto des von Napalm verletzten nackten Mädchens Kim Phuc gelöscht - wegen der Nacktheit. Gepostet worden war es von einem norwegischen Autor, dessen Konto Facebook nach seiner Beschwerde löschte. Darauf antwortet in Facebook und in seiner Zeitung der Chefredakteur der norwegischen Zeitung Aftenposten, Espen Egil Hansen - mit einem Brief an Mark Zuckerberg: "Obwohl ich Chefredakteur von Norwegens größter Zeitung bin, muss ich feststellen, dass du den Raum meiner redaktionellen Verantwortung einschränkst. Denn nichts anderes tust du und tun deine Untergebenen in diesem Fall. Du missbrauchst meiner Meinung nach deine Macht, und ich kann mir kaum vorstellen, dass du dir das wirklich klarmachst." Auch der Guardian berichtet.

Die kabellosen Kopfhörer des neuen Iphones erlauben es Apple und der Musikindustrie, mehr Kontrolle über die Nutzer auszuüben, schreibt Elliot Harmon bei der Electonic Frontier Foundation: "Wenn es unmöglich ist, ohne Apple-Software einen Lautsprecher oder andere Audiogeräte  an das Iphone anzuschließen, dann werden Major Companies Apple auffordern festzulegen, wie die Nutzer den Inhalt nutzen. Da das Gesetz 'digital rights management' (DRM) schützt, wird es demnächst womöglich illegal sein, potenzielle Begrenzungen zu umgehen, selbst wenn es völlig legalen Zwecken dient."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.09.2016 - Internet

Oh Gott, Google wird wirklich zum Big Brother und will nun auf die Hirne seiner Nutzer einwirken. Es beginnt damit ausgerechnet bei potenziellen Terroristen, berichtet Andy Greenberg bei Wired: "Jigsaw, die Ideenschmiede von Google - bis vor kurzem als Google Ideas bekannt -, hat im letzten Jahr ein Programm entwickelt, für das es Googles Suchanzeigen-Algorithmus und die Videoplattform Youtube nutzen will, um Rekruten des IS ausfindig zu machen  und letztlich davon abzuhalten, dem Kult apokalyptischer Gewalt in der Gruppe zu verfallen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.09.2016 - Internet

Internetkritiker Sascha Lobo beklagt sich in seiner Spiegel-Online-Kolumne, dass "das Internet, die sozialen Medien einen ständigen Konfrontationshagel verursacht" haben: "Mit wie vielen persönlichen Meinungen war man 1996 täglich konfrontiert? Heute müssen es Dutzende und Aberdutzende sein, denn werbefinanzierte Social-Media-Plattformen sind gewissermaßen vermintes Gelände und schon zwecks Profilbildung Meinungsmelkmaschinen."

Außerdem: turi2 meldet unter Bezug auf ein Bloomberg-Interview des Unternehmensgründes Evan Williams, dass Twitter bereit sei, sich an einen anderen Konzern zu verkaufen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.08.2016 - Internet

Markus Beckedahl von Netzpolitik ist mit der Entscheidung der EU-Regulatoren zur Netzneutralität zufrieden: "Die EU hatte im vergangenen Jahr die Verordnung zum digitalen Binnenmarkt und damit Regeln zur Netzneutralität beschlossen. Die Regeln waren aber in entscheidenen Fragen unscharf formuliert, so dass die europäischen Regulierungsbehörden diese konkretisieren sollten. Das Ergebnis wurde heute vorgestellt. Jetzt ist bereits klar: Es gibt keinen Spielraum mehr für Telekommunikationsunternehmen, im Rahmen von sogenannten 'Spezialdiensten' kostenpflichtige Überholspuren im Netz zu schaffen." Zufrieden äußert sich auch Europa-Politikerin Julia Reda in ihrem Blog.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.08.2016 - Internet

Heute stellen die europäischen Telekom-Regulierer ihre Leitlinien zur Netzneutralität vor, schreibt Tomas Rudl in Netzpolitik. Entscheidende Fragen sollen geklärt werden - "Etwa: Dürfen Netzbetreiber bezahlte Überholspuren einrichten, mit denen sich große Inhalteanbieter Vorteile verschaffen und damit kleinere aufs Abstellgleis abdrängen können? (...) Dürfen sich finanzstarke Video- oder Musik-Plattformen das Recht erkaufen, ihre Inhalte so auszuliefern, dass sich der verbrauchte Datentransfer nicht auf das monatliche Transfervolumen der Nutzer niederschlägt? Und schließlich die entscheidende Frage: Dürfen sich Netzbetreiber zu 'Gatekeepern' aufschwingen und darüber bestimmen, direkt oder indirekt, auf welche Inhalte wir zugreifen können und in welcher Qualität?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.08.2016 - Internet

In der SZ würde sich Johannes Boie gern erklären lassen, wie Facebook einerseits mit Hilfe vom Bertelsmann-Dienstleister Arvato und andererseits mit der Antifa-Brigade der Amadeu-Antonio-Stiftung Debatten im Netzwerk zensiert. Aber ach: "Für Journalisten ist kein Zugang möglich. Die Urteile der Facebook-Mitarbeiter darüber, wer was sagen darf, fallen nicht nur ohne Öffentlichkeit, sondern auch ohne demokratisch legitimiertes Verfahren. Es handelt sich um eine Art Privatrecht. Wäre Facebook ein Staat, wäre es eine Diktatur."

In ihrer Maschinenraum-Kolumne berichtet Constanze Kurz, dass eine Gruppe namens Shadowbroker auf einer Aktion die Angriffswaffen versteigert, die sie von der Equation Group der NSA erbeutet haben will: "Wer immer hinter der Auktion der 'Shadowbrokers' steckt: Das Vorgehen erinnert ein wenig an Kampfsport, wo man sich eingangs gegenseitig die Muskeln zeigt. Nur leider finden die Kämpfe dann auf dem Rücken von höchst verletzlichen Gesellschaften statt, deren Abhängigkeit von sicherer Computertechnik wächst." Auf BoingBoing spottet Cory Doctorow über den schlampigen Code der NSA-Hacker.

Bei Svenja Bergt hält sich in der taz die Vorfreude auf die neue Bezahl-App in Grenzen, die Payback im Herbst in Deutschland für Supermärkte starten will: "So räumt sich die Payback-App unter anderem das Recht ein, die WLAN-Verbindungen abzurufen, den Standort, basiert auf GPS- und Netzwerkdaten, zu bestimmen sowie auf die Kontakte zuzugreifen, auch wenn diese Funktion nach Unternehmensangaben nicht mehr genutzt wird."

In der NZZ fürchtet Euard Kaeser schließlich, dass wir bereits ins postfaktische Zeitalter übergegangen sind: "Ein Permaregen von Informationen lässt uns fast nichts anderes übrig, als allmählich auf Standards wie Objektivität und Wahrheit zu verzichten."

Weiteres: Der Algorithmus spuckt nur aus, was hineingesteckt wird, lernt Adrian Lobe zudem in der FAZ bei einer Fahrt ins kalifornische Manteca, das nur auf Yelp und Google Maps wie San Francisco aussehe. In der FR ätzt Jörg Schindler über all die Apps zu Selbsthilfe und Angstmanagement, die dem Individuum in seiner Einsamkeit helfen sollen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.08.2016 - Internet

Müssen wir alle Programmieren lernen, um Google und Co Paroli zu bieten? Ach was, meint Adrian Lobe in der FAZ: "Man muss nicht programmieren lernen, sondern den selbstbestimmten Umgang mit Technik."
Stichwörter: Lobe, Adrian

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.08.2016 - Internet

Das Internet, das er liebte, das dem Einzelnen mehr Selbstbestimmung sichern sollte, starb am 9. August 1995, am selben Tag wie Jerry Garcia, erklärt der amerikanische Medientheoretiker Douglas Rushkoff im Interview mit der SZ. Heute dreht sich alles nur noch um Geld. "Mit der digitalen Technologie lief das ganz ähnlich wie mit LSD. Aus LSD wurde Prozac. Eine Chemikalie, die die bestehende Ordnung latent gefährdete, wurde zu einer Technologie für soziale Kontrolle. ... Ein paar Hoffnungsschimmer sehe ich in den Kids, die sich 'Silicon Valley' auf HBO ansehen und begreifen, dass man nur Milliardär wird, wenn man seine Firma kaputt macht oder in irgend etwas anderes verwandelt. Und dass es vielleicht viel vernünftiger ist, nur Millionär zu werden. Ich finde diese Taxi-Plattform sehr inspirierend, die jetzt Uber Konkurrenz macht. Und die den Fahrern gehört. Weil da jemand begriffen hat, dass der wahre Wert das Netzwerk der Menschen ist." (Ähnliche Thesen vertrat Rushkoff auch im Interview mit dem Guardian und im Interview mit dem Singularity Hub.)

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.08.2016 - Internet

In der NZZ fürchtet der Technik-Philosoph Eduard Kaeser, dass der Mensch den Kürzeren zieht in der Symbiose mit schlauen Geräten, die wie das selbstfahrende Auto den Menschen aus dem Loop nehmen: "Die Koevolution von Mensch und Maschine könnte ihren Ausgang nicht bloß in superschlauen Maschinen finden, sondern auch in subschlauen Menschen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.08.2016 - Internet

Dennis Coopers Blog wurde von Google bekanntlich (mitsamt seiner E-Mail-Adresse) mir nichts dir nichts in die Tonne getreten (unsere Resümees). Dumm gelaufen, meint Christoph Kappes im Freitag, Cooper hätte sich ein Back Up machen müssen - gegen Google hat er keine Handhabe. Die Netzplattformen strukturieren inzwischen die Öffentlichkeit, die sich darum an ihre Geschäftsbedindungen zu halten hat: "Derzeit sprechen Google & Co Recht in eigener Sache. Viele Eingriffe der Plattformbetreiber - Löschen, Sperren, Aus-Der-Suchmaschine-Nehmen - sind ja politisch gewollt, etwa bei Verletzungen des Urheberrechts oder bei Missbrauchs-Abbildungen. Für Nutzer ist der Eingriff trotzdem schlecht vorhersehbar, der Prozess ist nicht transparent, und Rechtsmittel sind faktisch ausgeschlossen."

Interessant in diesem Zusammenhang ein Artikel bei The Verge, der Googles sehr intensive Lobbyarbeit in Washington und die prächtigen Beziehungen des Konzerns zur Obama-Regierung analysiert.

Gestern wurde berichtet, dass Facebook Adblocker und Clickbait-Überchriften unterdrücken will (unser Resümee). Wolfgang Blau, einst Chef bei Zeit online, heute bei Condé Nast tätig, kommentiert das bei Twitter so: