9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.07.2018 - Kulturmarkt

Die Schwierigkeiten der Buchbranche werden nicht verschwinden, wenn sie nicht ein Verhältnis zur Digitalisierung findet, meint Konstantin Nowotny im Freitag. Als Zeugen führt er den Netzjournalisten Lars Sobiraj an, der sich in seinem Blog Tarnkappe.info mit der Thematik befasst: "Sobiraj meint, erschwingliche, hochwertige und legale Angebote wären die einzige effektive Maßnahme gegen den illegalen Markt. In der Musik- und Filmbranche zeichnet sich ab, dass er recht haben könnte. Der Bundesverband Musikindustrie gab für das Jahr 2017 an, dass knapp die Hälfte aller Umsätze mittlerweile mit digitalen Produkten erzielt wird, ein Drittel allein mit dem Streaming. In der Fernsehbranche verlaufen die Entwicklungen ähnlich."

Endlich mal eine erfreuliche Nachricht: Die Stimmung unter den österreichischen Buchhändlern ist gut, berichtet Michael Wurmitzer im Standard. Sie sehen den Einbruch der Umsatzzahlen geradezu positiv - bei anderen. Für die Wiener Buchhändlerin Ulla Harms "geht es darum, 'einen anderen Zugang zum Produkt Buch zu finden'. Gerade Krisen wie beim Aufkommen des E-Books hätten positive Impulse auf die Branche ausgeübt, meint Harms. Manche Verlage hätten sich nach Jahren von billiger Überproduktion plötzlich wieder um wertiges Papier und schöne Umschläge bemüht. Eine Chance in der aktuellen Situation sieht auch Stefan Mödritscher vom Familienunternehmen Morawa. Der Umsatz von 50 Millionen ging zuletzt um zwei Prozent zurück, besorgt klingt Mödritscher aber nicht. Die Menschen hätten Sehnsucht nach Geschichten, sagt er. Was die Branche aber nicht brauche, sei 'more of the same'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.07.2018 - Kulturmarkt

Thilo Sarrazin und die zu Random House gehörende DVA streiten sich vor Gericht, weil die DVA das neue Buch "Feindliche Übernahme - Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht" Sarrazins nicht veröffentlichen will - oder jedenfalls nicht veröffentlichen will, bis sie all seine Aussagen über den Koran überprüft hat, berichtet Marie Schmidt in der SZ: "Aufgrund einer Umstrukturierung des Verlages, so Dresen, habe nicht ein Lektor kontinuierlich das Buch betreut, es sei durch mehrere Hände gegangen. Da sei auf Verlagsseite nicht alles optimal gelaufen. Es sei aber auch sehr schwierig gewesen, Sarrazins Erkenntnisse über Koran und Islam zu überprüfen, zumal er es abgelehnt habe, das Gutachten eines Experten hinzuzuziehen. Das Hinausschieben des Erscheinungstermins hat also wohl auch inhaltliche Gründe gehabt." Sarrazin hätte das Buch gern zur Frankfurter Buchmesse oder spätestens zu den Landtagswahlen in Bayern und Hessen veröffentlicht gesehen, der Verlag setzte aufs Frühjahr 2019.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.06.2018 - Kulturmarkt

Krise des Lesens? Die Branche zählt offenbar die im Selfpublishing veröffentlichten Bücher gar nicht mit, sagt Vera Nentwich, Vorsitzende des Deutschen Selfpublisher-Verbands, im Gespräch mit buchreport.de: "In den Branchenstatistiken taucht ein wesentlicher Teil dieser Titel gar nicht auf, weil die Mehrheit der Selfpublisher exklusiv bei Amazon veröffentlicht. Umgekehrt kommt die Hälfte der Top-100-Titel bei Amazon aus dem Selfpublishing. Wenn man sich den Marktanteil von Amazon am Buchmarkt anschaut, wird klar: Das ist ein großes Volumen. Gegen den Trend des klassischen Buchmarktes wächst SP und dürfte neue Leserkreise erreichen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.06.2018 - Kulturmarkt

André Spiegel, ein Berater in freier Software, nennt in einem bemerkenswert melancholischen persönlichen Brief an einen befreundeten Verleger eine Menge Gründe, die fürs Ebook sprechen. Dennoch, so schreibt er auf Medium, müsse er wohl einsehen, dass Verleger sich aufs Ebook nicht einlassen: "Ich habe mir irgendwann gesagt: Okay, es wird also in Zukunft alles in beiden Formaten geben, auf Papier und digital. Aber mit der Zeit musste ich einsehen, dass die alten Bestände, alles was bis zum Ende des 20. Jahrhunderts erschienen ist, nur sehr begrenzt in die digitale Welt rübergelangen werden. Das ganze Suhrkamp-Universum allein: alles weg, und das wird sich auch nicht mehr ändern. Dann habe ich mir gesagt: Okay, also wird wenigstens alles, was ab dem 21. Jahrhundert erscheint, in beiden Welten vorhanden sein. Aber jetzt lerne ich, dass auch das nicht stimmt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.06.2018 - Kulturmarkt

Rainer Hank begründet im Wirtschaftsteil der FAS, warum er die Abschaffung der Buchpreispindung befürwortet: "Schon empirisch finden sich keine Belege für die Schutzbehauptung der Buch-Lobbyisten: In Europa haben 14 von 32 Ländern eine Buchpreisbindung. Doch es lassen sich keine Indizien dafür finden, dass die Menschen in Ländern ohne Buchpreisbindung weniger gebildet wären, einen größeren Hang zum Populismus oder zu Verschwörungstheorien hätten oder intellektuell unterdurchschnittlich entwickelt wären. Umgekehrt hat die Buchpreisbindung weder Amazon verhindert noch den Rückgang der Lesefreude gestoppt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.04.2018 - Kulturmarkt

Paul Jandl hat für die NZZ die Argumentation der Verleger zu dem drohenden Einbruch der Bücherverkäufe (ein Verlust von 3,4 Prozent des Umsatzes mit Belletristikbüchern wird jährlich bis 2020 prognostiziert) durchleuchtet. Wenn sie die Fiktionsliebe der potenziellen jungen Leser beschwören, die sich an den hohen Zuschauerzahlen komplexer Serien beweisen lasse, sollten sie aber weniger die Schuld bei den Deutschlehrern suchen, die den Schülern angeblich die Lesefreude vergällen, so Jandl. Schließlich werden "'Stranger Things'-erfahrene Vierzehnjährige in der Schule vom Lehrplan gezwungen, Droste-Hülshoffs 'Judenbuche' zu lesen. Zwischen den medialen Welten ist da tatsächlich nicht leicht zu vermitteln. Was, wenn die Spirale, in der der Buchmarkt ist, eine Art Bereinigung ist? Ein Wahrheitstest der Medienkonkurrenz, nach dem alles anders ist, nur die eine Wahrheit nicht: Bücher sind für Leser. Und Leser sind für Bücher."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.03.2018 - Kulturmarkt

Allen, die Deutschland noch für eine Servicewüste halten, ruft Marc Reichwein aus der Welt "Nachtsprungverfahren" entgegen, dank dessen man sich über Nacht Bücher in jeden Dorf- und Kiezbuchladen liefern lassen kann, nicht nur zum verreisten Nachbar: "Die Kuriere sind Malocher, aber (noch) keine wöchentlich wechselnden Hungerlöhner und Subunternehmer, die von ihren Arbeitgebern zynisch als Lieferhelden gefeiert werden. Einige liefern schon seit über 20 Jahren Bücher aus. Sie wissen, wo eine Alarmanlage zu entschärfen ist, welche Buchhändler eine Toilette haben - und ob sie die im Fall der Fälle auch benutzen dürfen. Vielleicht liegt in dieser Mischung aus Kontinuität, Vertrauen und Zuverlässigkeit das Geheimnis dieser Branche, die jede Nacht in Läden eindringt, deren Individualität schon aus den Geschäftsnamen spricht."
Stichwörter: Buchmarkt, Buchhandel, Toilette

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.02.2018 - Kulturmarkt

Angesichts der "Krise des Lesens", die sich in verringerten Buchverkäufen aber auch im Verlust vieler Leser an Amazon manifestiert, rät Rüdiger Wischenbart im Perlentaucher der Branche einen Blick auf die eigene Vergangenheit: "Um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren es nämlich die Ahnherren - seltener Frauen, außer bei den Leserinnen - der heutigen Verlage und Buchmacher, die erstmals eine echte Massenkultur auf den Weg brachten. Zeitschriften, in denen ausführliche Geschichten und Fortsetzungsromane einen attraktiven Kern darstellten, erreichten Auflagen von 100.000 und mehr, dank eines ausgefuchsten Vertriebs- und Abo-Systems. Serielle Mehrfachverwertungen - erst die Zeitschrift, dann das Buch, und oftmals auch populäre Theaterfassungen, ab den 1920er Jahren dann auch Radioversionen, erhöhten Reichweite und Ertrag kräftig."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.01.2018 - Kulturmarkt

Herr, schmeiß Hirn vom Himmel: In der SZ beißt sich Alex Rühle durch das Machwerk "Verheimlicht, vertuscht, vergessen", mit dem der Verschwörungstheoretiker Gerhart Wisnewski auf den vordersten Plätzen der Bestseller-Listen gelandet ist: "Direkt nach seinen Macron'schen Freimaurerhypothesen wettert Wisnewski gegen die Unsitte des Frisurentrends 'Buzz Cut' (Frauen mit raspelkurzen Haaren), mit dessen Hilfe 'die Medien ein globales Umerziehungsprogramm starten, das Mädchen in die Homosexualisierung führen soll'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.01.2018 - Kulturmarkt

Sandra Kegel, deren Leitartikel zur Krise des Lesens im letzten Herbst die Branche aufstörte (unser Resümee) zitiert in der FAZ neue beunruhigende Zahlen: "Schon der monatlich verschickte Branchenmonitor des Börsenvereins verhieß zuletzt nichts Gutes. Jetzt wurden auf der Jahrestagung der IG Belletristik & Sachbuch Zahlen präsentiert, die für sich sprechen. Von Entwarnung kann keine Rede sein, im Gegenteil: Innerhalb von nur vier Jahren, zwischen 2012 bis 2016, gingen dem Buchhandel laut Gesellschaft für Konsumforschung 6,1 Millionen Buchkäufer verloren. Die Käuferreichweite - der Anteil der Bevölkerung also, der Bücher kauft - sank im selben Zeitraum um knapp neun Prozentpunkte auf 45,6 Prozent." Dass der Umsatz der Branche dennoch ungefähr gleich blieb, liegt laut Kegel an Preiserhöhungen für Bücher.
Stichwörter: Buchmarkt, Krise des Lesens