9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.12.2017 - Kulturmarkt

Das Kindle ist zehn Jahre alt. Alex Shephard zieht in der New Republic eine widersprüchliche Bilanz: "Das Kindle ist ein Monitor unter vielen in einer Kultur, die vor Monitoren birst. Es hatte eine revolutionäre  Auswirkung aufs Verlagswesen, aber die Welt der Ideen hat es kaum revolutioniert. Verleger grummeln zwar noch über Amazon, aber sie haben einen unbequemen Frieden mit dem Ebook gemacht, dessen Verkäufe seit einiger Zeit stagnieren. Das Kindle hat die Verlagsarbeit verändert, aber nicht so radikal wie manche hofften oder fürchteten, und schon gar nicht in grundsätzlicher Weise."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.11.2017 - Kulturmarkt

Die Lobby der Film- und Fernsehproduzenten hat sich bei der EU durchgesetzt - das Geoblocking bei ihren Inhalten bleibt bestehen, berichtet Stefan Krempl  bei heise.de. Die umständliche Lizenzvergabe Land für Land innerhalb der EU ist als Einnahmequelle für die vielfach subventionierten Produzenten einfach zu interessant. Der zuständige Ausschuss des EU-Parlaments hat sich dem Druck der Produzenten gebeugt: "Mediatheken bleiben demnach weitgehend abgedichtet für Zugriffe aus anderen Mitgliedsstaaten. Einziges weiteres Zugeständnis der Volksvertreter: Plattformbetreiber, die Pakete verschiedener TV-Kanäle anbieten, sollen die Programmrechte von anderen EU-Ländern über Verwertungsgesellschaften einfacher erhalten können. In allen anderen Fällen bleibt laut der Position der Abgeordneten die Option für Sender zum Geoblocking erhalten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.11.2017 - Kulturmarkt

Buchhändler, die sich eine Nische suchen, können überleben, sagt die Berliner Buchhändlerin Katrin Reichard (pro qm) im Gespräch mit Andreas Hartmann von der taz: "Die spezialisierten Läden, die sich auf bestimmte Themen konzentrieren, Bücher importieren und diesen Kontext mit Veranstaltungen ergänzen, sind auch in den Zeiten von Amazon sehr gut überlebensfähig. Wir beobachten, dass die Leute ja auch teilweise zum stationären Buchhandel zurückkehren, wenn sie eine Zeit lang ihren Buchpaketen über mehrere Stationen hinweg hinterhergerannt sind. Ich glaube auch gar nicht, dass das Internet irgendwann den ganzen Handel mit Büchern beherrschen wird. Ich sehe täglich, wie Kundinnen erst auf die Idee kommen, ein bestimmtes Buch zu kaufen, nachdem sie bei uns in dieses reingeblättert haben."
Stichwörter: Buchhandel

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.10.2017 - Kulturmarkt

Im FAZ-Interview mit Sandra Kegel erklärt Diogenes-Verleger Philipp Keel, warum das Internet Schuld an der Krise des Buchmarktes ist und wie er den Buchmarkt aufmischen will: "Wir sollten aufhören, Lesen als etwas Anstrengendes zu betrachten, und uns mit der Tatsache versöhnen, dass alle anderen Einflüsse, mit denen wir uns das Leben vermeintlich einfacher machen, unterm Strich viel anstrengender sind als jedes Buch. Ich wünsche mir und dem Markt, dass wir mit Ironie und Temperament das vielleicht etwas angestaubte Bild unseres Metiers auffrischen."
Stichwörter: Keel, Philipp, Buchmarkt

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.10.2017 - Kulturmarkt

In der FAZ erklärt Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, warum für ihn auch rechtsextreme Verlage wie Antaios auf die Buchmesse gehören: "Wir wollen ... niemanden ausschließen. Die Frankfurter Buchmesse ist eine Plattform für Diskussionen. Wir haben hundertsechs Nationen auf der Messe, es liegt auf der Hand, dass dann auch viele kontroverse Bücher ausgestellt werden, die irgendjemandem nicht gefallen. Aber für Links wie für Rechts gilt Meinungsfreiheit. Die Adresse für Verbote ist der Staatsanwalt, nicht die Messe."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.09.2017 - Kulturmarkt

Der Medienwandel ist für den Buchmarkt keine Neuigkeit, aber die Krise verschärft sich dramatisch, schreibt Sandra Kegel im Leitartikel auf Seite 1 der FAZ: "Der Sinkflug ... scheint mittlerweile so unaufhaltbar - in nur fünf Jahren brach der Umsatz gedruckter Bücher um dreizehn Prozent auf prognostizierte etwa acht Milliarden Euro 2016 ein, und ein Ende ist nicht abzusehen, weil auch die digitalen Bücher das längst nicht auffangen -, dass im sonst so redseligen Literaturbetrieb inzwischen eine Art Omertà herrscht: Jeder weiß es, aber niemand will darüber reden." Eine Kategorie gehe aber noch: Sachbücher, die "leicht lesbar die direkte Umgebung in den Blick" nehmen, "den Darm, die Biene, den Baum".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.09.2017 - Kulturmarkt

Amazon zahlt in Britannien nur ein Elftel der Unternehmenssteuer, die ein traditioneller Buchladen bezahlen muss, berichtet Alison Flood im Guardian, die das wiederum in einem Report des Centre for Economics and Business Research (CEBR) gelesen hat. Tim Godfray, Leiter der Vereinigung der Buchhändler, erklärte auf deren Jahrestagung: "'3 Prozent der Buchläden schließen derzeit jährlich und 275 Städte in UK werden demnächst dank sinkender Umsatzzahlen alle ihre Buchhandlungen verloren haben , wenn nichts unternommen wird. Wir hoffen, dass der Report die Regierung ermutigt, die Buchläden der Nation zu schützen und ihr Gedeihen zu fördern.' Zahlen der Buchhändlervereinigung zeigen, dass es derzeit noch 867 Buchhandlungen in UK gibt. Damit hat sich die Zahl in den letzten elf Jahren fast halbiert. Nach den Zahlen des CEBR stellen Buchläden 24.400 Jobs in UK und zahlen 416 Millionen Pfund an Löhnen. Aber sie werden durch eine 'immer schwierig werdende Handelsumgebung' bedroht, so der Report und benennt Amazons Marktmacht  und -vorteile, Umsatzzahlen und Unternehmenssteuer als Probleme, die die Existenz der lokalen und nationalen britischen Buchhändler bedrohen."

Gut geht's auch dem Bahnhofsbuchhandel und den Presseläden in Deutschland nicht. Seit Monaten streitet der Bundesverband Presse-Grosso mit Verlegern um die Aufteilung der Margen, schreibt Markus Trantow bei turi2 (für das Peter Turi auch den Pressegrosso-Chef Frank Nolte per Video interviewt hat): "Bei den Händlern herrscht Flaute, zwischen 5 und 8 Prozent Umsatz haben die Großhändler in den ersten sechs Monaten 2017 verloren. Nolte sieht weiter einen hohen Fusionsdruck in der Branche. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Pressegroßhändler von 100 auf unter 50 gesunken, in fünf Jahren könnten es nur noch 20 sein, sagt Nolte."
Stichwörter: Presse-Grosso, Buchhändler

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.07.2017 - Kulturmarkt

Die Lufthansa hat eine gute Idee. Sie möchte ihren Passagieren mit dem Hörbuchanbieter Audible Inhalte anbieten. Nur eines wundert die bei Buchmarkt schreibende Autorin Nina George: "Sie beide wollen also Kulturwerke in dem Lufthansa-Bordservice sechs Monate lang, für in dieser Zeit rund 35 Millionen Passagiere anbieten (Gut, nehmen wir mal 'nur' alle deutschsprachigen, bleiben 'nur' noch einige Millionen), aber nicht dafür zahlen. Sie argumentieren dies konzertant mit 'Erstkontakt mit dem Medium Hörbuch' und 'enormer Reichweite'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.06.2017 - Kulturmarkt

Der Schriftsteller Jan Koneffke beklagt in der NZZ "Kapitalisierung, Computerisierung und Beschleunigung", die auch die Verlagswelt nach der Wende eingeholt habe. "Was meine Vorgänger noch kannten, die lebenslange Betreuung des Werks durch einen Verleger, ist Vergangenheit. Ohnehin scheint das leitende Personal heute mehr Zeit in den Drehtüren als an seinem Schreibtisch zu verbringen - um es polemisch auszudrücken. Doch wie sich den epischen Atem bewahren, wenn Verlagsleuten ständig die Puste ausgeht?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.06.2017 - Kulturmarkt

Heute finden in Berlin die "Buchtage Berlin 2017" statt, in deren Verlauf um 12 Uhr der diesjährige Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels bekannt gegeben wird, annonciert das Börsenblatt. Es droht außerdem "die mit Spannung erwartete Gast­rede von Bundesjustizminister Heiko Maas zum Thema 'Streitkultur und Wissensgesellschaft im digitalen Zeitalter'", und es soll eine "Berliner Erklärung für eine zukunftsweisende europäische Buchpolitik" lanciert werden.