9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

351 Presseschau-Absätze - Seite 25 von 36

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.08.2018 - Kulturmarkt

(Via turi2) In der arrangierten Unordnung früherer Abbildungen in Ikea-Katalogen fanden sich stets auch eine Menge Bücher, beobachtet buchreport.de in einer viel wahrgenommen kleinen Vignette: "Geht es dagegen nach dem in diesen Tagen an circa 25 Millionen deutsche Haushalte verteilten 300-Seiten-Katalog 2019, spielen Bücher nur noch eine marginale Rolle. Statt der bunten Bücherregale früherer Jahre finden sich meist nur noch in schwarzen oder weißen Umschlägen neutral gewandete Einzelstücke als marginale Accessoires. Zahlreiche der abgebildeten und explizit als 'Bücherregal' bezeichneten Möbel enthalten Wollknäuel, Geschirr und andere Haushaltsgegenstände, aber kein einziges Buch."
Stichwörter: Krise des Lesens, Ikea, Möbel

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.08.2018 - Kulturmarkt

Florian Illies wird neuer Rowohlt-Verleger und will laut Spiegel Online "Bücher verlegen, von denen die Menschen träumen." Die Feuilletons träumen gleich mit: Illies, aktuell Chef des Auktionshauses Griesebach und Zeit-Herausgeber, verheiße Aufbruchsstimmung für die angeschlagene Buchbranche, glauben etwa Mara Delius in der Welt und Volker Weidermann bei Spiegel Online.

In  der SZ ist Felix Stephan allerdings skeptisch: "Die Ära der großen Verlegerpersönlichkeiten, die inhaltlich stringente und erfolgreiche Programme entwickeln, andererseits aber in der Öffentlichkeit als Kommentatoren, Gastgeber und Stichwortgeber auftreten, Debatten prägen und einem Verlag buchstäblich ein Gesicht geben, neigt sich dem Ende zu." Außerdem meint er: "Die Frage wird sein, ob es erstens überhaupt an den fehlenden Verlegerpersönlichkeiten liegt, dass die Zielgruppe für Buchverlage kleiner wird, schließlich mussten weder Unseld noch Krüger je mit Facebook, Instagram und Twitch um die Aufmerksamkeitsbudget konkurrieren. Und ob die bewährte Illies-Formel, die im unbeschwerten, zuversichtlichen Materialismus der Neunziger- und Nullerjahre alles abgeräumt hat, auch in der refundamentalisierten Gegenwart verfängt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.08.2018 - Kulturmarkt

Reine E-Book-Verlage haben sich in Deuschland nicht durchsetzen können, meldet Nils Kahlefendt, der sich für den Buchreport mit einigen Pionieren der Szene unterhalten hat. "Noch vor fünf, sechs Jahren klang das anders. Da gab es die Hoffnung, dass die neuen Möglichkeiten des Digitalen die Literaturlandschaft insgesamt breiter, bunter, experimenteller machen könnten. Eingetreten ist eher das Gegenteil: die Zuspitzung auf Bestseller, die Fokussierung auf genregetriebene Umsätze. Digitale Experimente? Eher Fehlanzeige. Dass sich die Programmanteile also in Richtung Print verschoben haben, wundert nicht, auch wenn aktuelle, schnelle Titel noch immer 'E-only' produziert werden." Der Rest, inklusive der nicht mehr lesenden Leser, ist dann wohl bei Netflix.
Stichwörter: E-Book-Verlage, E-Books, Netflix

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.08.2018 - Kulturmarkt

Es gibt immer weniger Buchkäufer, warnte der Börsenverein des deutschen Buchhandels vor kurzem. Das stimmt nicht ganz, erklärt Bernd Graff heute im Aufmacher des SZ-Feuilletons. Nicht mitgezählt wurden vom Börsenverein die Käufer von Self-Publishing-Titeln: "2017 schüttete Amazon 220 Millionen US-Dollar an Tantiemen für seine Autoren aus, fast eine Viertelmilliarde, im Juni 2018 allein waren es 22 Millionen." Für die Autoren ist das Self Publishing inzwischen äußerst verlockend. Eine Umfrage des "Deutschen Selfpublisher-Verbandes" vom Juli 2018 ergab laut Graff, dass an die 40 Prozent der Verfasser "mit Werken aus dem Eigenverlag mehr verdienen als in der Obhut von Verlagen, über 80 Prozent erklärten, sie würden sich ja wirklich gern auf Verlage einlassen, wenn die Bedingungen, kurz: das Geld stimmen würde. Die Amazon-Bindung sieht branchenführende Autoren-Tantiemen von bis zu 70 Prozent für eBooks vor und bis zu 60 Prozent für Taschenbücher, falls die Ebooks doch irgendwann mal gedruckt werden sollten. Das kann kein Verlag bieten." Die Käufer wiederum lieben die Tatsache, dass diese Bücher keiner Buchpreisbindung unterliegen und sehr viel günstiger sind als die Ebooks der Verlage.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.07.2018 - Kulturmarkt

Auch wenn man nicht ganz sicher sein, dass sich dieser Trend schon in deutschen Verlagskatalogen für den Herbst widerspiegelt: Der Trend geht in diesen wilden Zeiten zum durchaus seriösen und schwerwiegenden Sachbuch, behauptet Alex Preston im Guardian. Größtes Symptom sei der exorbitante Erfolg der Bücher von Yuval Noah Harari, besonders von dessen Titel "Sapiens", der sich noch nach Jahren in rauen Mengen verkaufe: "Es war ein Branchenblatt, der Bookseller, das zuerst den Aufstieg der sogenannten 'Brainy Backlist' feststellte. Das Blatt verzeichnete zugleich einen Rückgang der Verkäufe von Büchern, die ein solche Renner der Verlagskataloge waren - Promi-Biografien. Wir wenden uns ab von glitzernden, aber wegwerfbaren Geschichten über Ruhm und Überfluss und hin zu ernsteren, nachdenklicheren, ruhigeren Büchern, die uns helfen, unseren Platz in der Welt zu verstehen."
Stichwörter: Buchmarkt, Harari, Yuval Noah

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.07.2018 - Kulturmarkt

Die Verlage starren auf die sinkenden Verkaufszahlen wie das Kaninchen auf die Schlange. Zeit zu handeln und neue Formate zu entwickeln, meint Rüdiger Wischenbart im Wiener Standard: "Neue Kundengruppen wurden kaum angepeilt. Wo blieben die tollen Angebote aus Verlagen seit 2015, die den Spracherwerb von Migranten unterstützen? Oder: Wo finden Zeitgenossen abseits des deutsch-muttersprachlichen Mainstreams, abseits der gebildeten, urbanen Mittelschicht, von den Ex-Pat-Berufstätigen in der Donau-City bis zu Zuwanderergruppen und gesellschaftlichen Minderheiten ein attraktives Bücherangebot, dort wo ihr Alltag jeweils stattfindet? Gut betreute Buchhandlungen wie die von Petra Hartlieb zeigen, wie das geht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.07.2018 - Kulturmarkt

Die Schwierigkeiten der Buchbranche werden nicht verschwinden, wenn sie nicht ein Verhältnis zur Digitalisierung findet, meint Konstantin Nowotny im Freitag. Als Zeugen führt er den Netzjournalisten Lars Sobiraj an, der sich in seinem Blog Tarnkappe.info mit der Thematik befasst: "Sobiraj meint, erschwingliche, hochwertige und legale Angebote wären die einzige effektive Maßnahme gegen den illegalen Markt. In der Musik- und Filmbranche zeichnet sich ab, dass er recht haben könnte. Der Bundesverband Musikindustrie gab für das Jahr 2017 an, dass knapp die Hälfte aller Umsätze mittlerweile mit digitalen Produkten erzielt wird, ein Drittel allein mit dem Streaming. In der Fernsehbranche verlaufen die Entwicklungen ähnlich."

Endlich mal eine erfreuliche Nachricht: Die Stimmung unter den österreichischen Buchhändlern ist gut, berichtet Michael Wurmitzer im Standard. Sie sehen den Einbruch der Umsatzzahlen geradezu positiv - bei anderen. Für die Wiener Buchhändlerin Ulla Harms "geht es darum, 'einen anderen Zugang zum Produkt Buch zu finden'. Gerade Krisen wie beim Aufkommen des E-Books hätten positive Impulse auf die Branche ausgeübt, meint Harms. Manche Verlage hätten sich nach Jahren von billiger Überproduktion plötzlich wieder um wertiges Papier und schöne Umschläge bemüht. Eine Chance in der aktuellen Situation sieht auch Stefan Mödritscher vom Familienunternehmen Morawa. Der Umsatz von 50 Millionen ging zuletzt um zwei Prozent zurück, besorgt klingt Mödritscher aber nicht. Die Menschen hätten Sehnsucht nach Geschichten, sagt er. Was die Branche aber nicht brauche, sei 'more of the same'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.07.2018 - Kulturmarkt

Thilo Sarrazin und die zu Random House gehörende DVA streiten sich vor Gericht, weil die DVA das neue Buch "Feindliche Übernahme - Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht" Sarrazins nicht veröffentlichen will - oder jedenfalls nicht veröffentlichen will, bis sie all seine Aussagen über den Koran überprüft hat, berichtet Marie Schmidt in der SZ: "Aufgrund einer Umstrukturierung des Verlages, so Dresen, habe nicht ein Lektor kontinuierlich das Buch betreut, es sei durch mehrere Hände gegangen. Da sei auf Verlagsseite nicht alles optimal gelaufen. Es sei aber auch sehr schwierig gewesen, Sarrazins Erkenntnisse über Koran und Islam zu überprüfen, zumal er es abgelehnt habe, das Gutachten eines Experten hinzuzuziehen. Das Hinausschieben des Erscheinungstermins hat also wohl auch inhaltliche Gründe gehabt." Sarrazin hätte das Buch gern zur Frankfurter Buchmesse oder spätestens zu den Landtagswahlen in Bayern und Hessen veröffentlicht gesehen, der Verlag setzte aufs Frühjahr 2019.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.06.2018 - Kulturmarkt

Krise des Lesens? Die Branche zählt offenbar die im Selfpublishing veröffentlichten Bücher gar nicht mit, sagt Vera Nentwich, Vorsitzende des Deutschen Selfpublisher-Verbands, im Gespräch mit buchreport.de: "In den Branchenstatistiken taucht ein wesentlicher Teil dieser Titel gar nicht auf, weil die Mehrheit der Selfpublisher exklusiv bei Amazon veröffentlicht. Umgekehrt kommt die Hälfte der Top-100-Titel bei Amazon aus dem Selfpublishing. Wenn man sich den Marktanteil von Amazon am Buchmarkt anschaut, wird klar: Das ist ein großes Volumen. Gegen den Trend des klassischen Buchmarktes wächst SP und dürfte neue Leserkreise erreichen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.06.2018 - Kulturmarkt

André Spiegel, ein Berater in freier Software, nennt in einem bemerkenswert melancholischen persönlichen Brief an einen befreundeten Verleger eine Menge Gründe, die fürs Ebook sprechen. Dennoch, so schreibt er auf Medium, müsse er wohl einsehen, dass Verleger sich aufs Ebook nicht einlassen: "Ich habe mir irgendwann gesagt: Okay, es wird also in Zukunft alles in beiden Formaten geben, auf Papier und digital. Aber mit der Zeit musste ich einsehen, dass die alten Bestände, alles was bis zum Ende des 20. Jahrhunderts erschienen ist, nur sehr begrenzt in die digitale Welt rübergelangen werden. Das ganze Suhrkamp-Universum allein: alles weg, und das wird sich auch nicht mehr ändern. Dann habe ich mir gesagt: Okay, also wird wenigstens alles, was ab dem 21. Jahrhundert erscheint, in beiden Welten vorhanden sein. Aber jetzt lerne ich, dass auch das nicht stimmt."