Monika Grütters zieht im Gespräch mit Andreas Kilb in der FAZ Bilanz ihrer achtjährigen Amtszeit als Bundeskulturministerin. Und die war segensreich, meint sie und verweist auf erhebliche Budgetsteigerungen um siebzig Prozent. Hinzukommt, dass sich kulturpolitische Debatten globalisieren. Und hier hat für Grütters "vielleicht nur der Bund die Autorität, siehe Benin-Bronzen, zumindest als Moderator oder Katalysator zu fungieren." Grütters nimmt auch zum ersten Mal Stellung zum "Weltoffen"-Aufruf, in dem die Intendanten oft gerade vom Bund finanzierter Kulturinstitutionen forderten, auch Israelboykotteure einladen zu dürfen (was ihnen nie verboten war). "Natürlich gab es auch Verbindungslinien zwischen dem Kolonialismus und dem Nationalsozialismus. Wir müssen aber sehr darauf achten, dass die Menschheitsverbrechen der NS-Zeit nicht schleichend relativiert werden. Auch beim Thema Antisemitismus und Israel-Kritik bin ich besorgt. Debatten, wie sie derzeit im Kulturmilieu geführt werden - zum Beispiel die der 'Initiative Weltoffenheit' -, sind Anlass für Verletzungen und Missverständnisse. Gerade in Deutschland müssen wir aufpassen und sensibel sein, dass wir nicht in eine erinnerungskulturelle Schieflage geraten. In der Geschichte sind manche Dinge nicht so eindeutig, wie sie scheinen oder es manche gerne hätten."
Im Tagesspiegel-Interview mit Christiane Peitz erklärt Christoph Rauhut vom Landesdenkmalamt Berlin, weshalb der Mäusebunker nicht unter Denkmalschutz steht: "Der Mäusebunker ist ein Spezialfall. Er stand auf unserer To-do-Liste, manchmal kommen wir aus Kapazitätsgründen aber zu spät. Der Charité wurde eine Abrissgenehmigung erteilt. Dennoch suchen wir jetzt im Modellverfahren eine gemeinsame Lösung für die schwierige Umnutzung: Es fehlt ja an Licht und Luft, und die Techniketagen sind nur zwei Meter hoch. Die Charité reißt nicht ab, wir setzen nicht unter Denkmalschutz - das verschafft allen Spielraum."
Sehr kritisch setzt sich Patrick Bahners in der FAZ mit den Forderungen des von der Bundesregierung in die "Expertenkommission Paulskirche" berufenen Herfried Münkler auseinander. Da die Paulskirche renoviert werden soll, besteht die Befürchtung, dass der beim Wiederaufbau 1948 ausgesparte Zierrat am Gebäude nun neu appliziert werden soll - auf Anraten Münklers, der doch bisher weniger als Demokratietheoretiker und eher als mit den ganz großen Bauklötzen spielender Geostratege hervorgetreten ist. Bahners bemängelt in Münklers Argumentationen denn auch Münklers demokratiehistorische Äußerungen: "Der von Münkler postulierte 'Unterschied zwischen der deutschen bürgerlichen Revolution von 1848 und der französischen von 1789' ist .. nicht nur empirisch, sondern auch geschichtspolitisch dubios. Die Neubewertung von 1848, die Steinmeier und Münkler anstreben, läuft auf die Identifikation der heutigen Bürger und Politiker mit der linken Seite der Paulskirche hinaus, den Republikanern, die in der Minderheit blieben." Hier unsere Resümees zur Paulskirchen-Debatte. Die Idee der universellen Geltung der Menschenrechte verabschiedete Münkler zuletzt unter anderem hier.
Ebenfalls in der FAZ kommentiert Marc Zitzmann Emmanuel Macrons Entscheidung, Josephine Bakers Überreste ins Pariser Pantheon zu überführen - eines der Argumente: Sie hat sich (anders als etwa die Kommunisten) gleich nach der Invasion Frankreichs durch die Nazis der Résistance angeschlossen.
Nirgends wirkt Berlin unwirtlicher als da, wo sich die heute komplett begrabene eigentliche Stadtmitte befand, im Areal zwischen Spittelmarkt, Leipziger Straße und Alexanderplatz - das heute aussieht, als befände es sich in Nischni Nowgorod. In der FAZ kann man mit dem ehemaligen Senatsbaudirektor Hans Stimmann mitleiden, der einen Blick auf die achtspurige Mühlendammbrücke wirft. Hier müsste ein behutsam wenigstens Umrisse wiederherstellende Stadtplanung ansetzen. Der rot-rot-grüne Senat blieb untätig: "Passiert ist trotz des aktuellen politischen Ziels einer Verkehrswende nichts. Stattdessen wird der Frontalangriff der DDR-Planer auf das Gedächtnis der Stadt, den die Schneise vom Molken- zum Spittelmarkt einschließlich der beiden monströsen Brückenbauwerke bedeutet, von den heutigen Verkehrsplanern fortgeführt."
Im SZ-Gespräch mit Gerhard Matzig erklären Jens Thormeyer und Jochen Schulz vom Architekturbüro RKW, das ein neues Opernhaus für Düsseldorf plant, weshalb Baukosten immer wieder explodieren und was dagegen unternommen werden kann: "Um mit der Behörde anzufangen, da gibt es schon auch eine gewisse Regelungswut, die das Bauen zeitintensiver, die Planung unsicherer und die Projekte insgesamt teurer macht. Zu schweigen von Baugesetzen und Normen, die immer mehr, aber nicht immer klarer werden. Schneller bauen, das wäre in dieser Hinsicht auch: preiswerter bauen. Aber auch wir Planer können etwas tun: Wir müssen auf mehr Planungstiefe dringen."
Jena wird wieder zum "Experimentallabor für zeitgenössische Architektur", freut sich Kevin Hanschke in der FAZ. Gleich drei neue Hochhäuser sollen hier Akzente setzen: "Während Metropolen wie München und Berlin den Hochhausbau mit Auflagen versehen und Großstädte wie Dresden oder Potsdam ihre Altstädte rekonstruieren, will sich die Universitätsstadt ein modernes Stadtbild geben. Die Türme, 67, 50 und 33 Meter hoch, sollen sich zugleich in die historische Innenstadt einfügen und eine Skyline formen. 'Jena als Hightech- und Lichtstadt, das ist das Signal, das von diesem Entwurf ausgehen soll', sagt Stadtentwicklungsdezernent Christian Gerlitz (SPD). Der Rahmenplan ist ambitioniert, an der Ostseite des Eichplatzes soll ein Stadtgarten entstehen. Die Türme sollen Wohnungen, Büros und Ladengeschäfte beherbergen."
In der SZfordert die Bauingenieurin Lamia Messari-Becker die Wiedereinführung des abgeschafften Bauministeriums auf Bundesebene, mehr Ganzheitlichkeit in der Städteplanung, aber auch eine Verbindung von Ökologie und sozialem Frieden: "Ökologisches Wohnen in Städten ist jetzt schon kaum bezahlbar. Wie oft erlebe ich Menschen, die sanieren wollen, aber nicht das Geld aufbringen können, weil der Gesetzgeber eher 'Alles oder nichts'-Maßnahmen kennt und schon gar nicht ein anderes Tempo, nämlich das der betroffenen Menschen. Bei rund der Hälfte der Wohnungen haben die Mieter, die ja nicht Eigentümer sind, Sanierungen gar nicht in der Hand. Wir haben ganze Quartiere, wo sozial benachteiligte Menschen mit hohen Energiekosten leben. Ohne entsprechende Maßnahmen laufen wir weiter in eine Energiearmut. Das ökologische Bauen und Wohnen wird so zum Eliteprojekt - nichts wäre fataler."
In den vergangenen 16 Jahren ist "eine Kulturpolitik mit liberal-konservativer Handschrift betrieben worden (…), die gelegentlich ideologische Züge annahm", schreibt Harry Nutt, der in der FR vor allem die Grütters-Jahre bilanziert: "Am prägnantesten drückte diese im Zusammenhang mit der zähen Entwicklungsgeschichte des Humboldt-Forums aufs Papier, das zugleich Grütters' nachhaltigste Hinterlassenschaft ist - wie auch immer die neue Ausgestaltung fortgesetzt werden wird. Das Symbol, unter dem es im Verständnis einer befriedeten Weltkultur daherzukommen scheint, trägt die Züge eines religiös-paternalistischen Führungsanspruchs, der alle wohlmeinende kulturelle Offenheit konterkariert. (…) Monika Grütters hat die wenig dialogbereite Botschaft als historische Referenz an die wechselnden Schlossherren stets verteidigt und sich wohl auch zu eigen gemacht als Geste gegenüber einer parteipolitischen Klientel, dem jene kulturelle Offenheit, die Grütters und Merkel verkörpern, stets zuwider war."
In den Londoner Park Victoria Tower Gardens, einem kleinen Park an der Themse, soll ein Holocaust-Mahnmal mit Lernzentrum eröffnet werden, das offenbar keiner so recht haben will, berichtet Gina Thomas in der FAZ, zumal das Thma im Imperial War Museum bereits kompetent aufbereitet werde: "Die 96 Jahre alte Cellistin Anita Lasker-Wallfisch, die sich als Überlebende von Auschwitz und Bergen-Belsen unermüdlich für die Aufklärungsarbeit eingesetzt hat, brachte die Einwände auf ihre direkte Weise auf den Punkt: 'eine unglaubliche Menge dummen Geldes, wofür denn genau?' Sie argumentiert, dass das Denkmal sogar kontraproduktiv wirken und Antisemitismus schüren könne."
Noch immer ist der Streit um das "Bundesfotoinstitut", das als eine Art "Marbach der Fotografie" fotografische Vor- und Nachlässe sichern soll, nicht ausgestanden. Nun drängt es aber vor der Wahl. Der Streit handelt unter anderem von den Standorten Essen, wo es um Fotografie gehen soll, und Düsseldorf, wo es um Andreas Gursky gehen soll, berichtet Maren Lübbke-Tidow in der FAZ. Für Monika Grütters ist das "keine angenehme Situation. Anstatt mit einer klaren Konzeption eine Entscheidung der neuen Koalition vorzubereiten, muss sie in einer vertrackten Lage die Akteure zusammenbringen und darf dabei nicht riskieren, ihren Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten, der sich als Ministerpräsident für seine Landeshauptstadt bereits ins Zeug legte, in schwieriges Fahrwasser zu bringen. Man darf gespannt sein, zu welchen Lösungen die Protagonisten kommen werden, die Grütters zu einem klärenden Gespräch nun nach Berlin geladen hat."
Die BDS-Resolution des Bundestags gilt vielen Kritikern als Dokument der Zensur. Dabei hat diese bloße Willensbekundung nicht mal auf die Bundesregierung in Gestalt von Monika Grütters und Auwärtigem Amt Einfluss, wie die Besetzung der Intendanz des Hauses der Kulturen der Welt mit einem prominenten Israelkritiker, dem Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, zeigt, schreibt Boris Pofalla in der Welt: "Das Haus gehört zu den 'künstlerischen Schaufenstern des Bundes' (Eigenbezeichnung) mit viel Ausstrahlung und guten Etats. So verfügt das HKW über mehr Programmmittel als alle Staatlichen Museen zu Berlin mit ihren 15 Sammlungen. Auch deshalb zählt seine Intendanz zu den begehrtesten Posten im deutschen Kulturbetrieb. 'Als international gefragter Kurator und Kulturmanager' sei Bonaventure Ndikung 'ein echter Glücksgriff für das Haus der Kulturen der Welt', kommentierte die CDU-Politikerin die Berufung, über die sie als Aufsichtsratsvorsitzende mitentschied." Ndikung ist auch Kurator des Kulturfestivals von Sonsbeek, das die Niederlande selbst aktiv zum Israelboykott aufruft, so Pofalla. Auf die Frage, ob im Haus der Kulturen der Welt vergleichbaren Boykottaufrufen zu rechnen sei, habe Ndikunk keine eindeutige Antwort gegeben.
So schön ist es am Berliner Hauptbahnhof. Das Hotel Meininger. Foto unter CC-Lizenz: Gerd Fahrenhorst. Ulf Meyer unterhält sich in der FAZ mit der scheidenden Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, die mit 59 freiwillig in den Ruhestand geht. Für die meisten Desaster in ihrer immerhin 14-jährigen Amtszeit kann sie nichts, beteuert sie, etwa für die zugige Gegend um den neuen Hauptbahnhof, die als "Europa-City" firmiert: "Im Jahr 2007, als ich nach Berlin kam, wurde Investoren der rote Teppich ausgerollt, man begrüßte jede Investition. Eine Senatsbaudirektorin, die Qualität einfordert, war nicht gefragt. Sie hat eher gestört. Damals wurde der soziale Wohnungsbau abgeschafft. Es gab keine städtebaulichen Verträge, geschweige denn das heutige Berliner Modell der Kooperativen Baulandentwicklung mit 30 Prozent bezahlbarem Wohnraum. Es herrschte die totale De-Regulierung. Es gab einen Sündenfall am Hauptbahnhof, das Hotel Meininger. Ich habe mich wahnsinnig darüber aufgeregt, und dann kam das große Erwachen."
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