9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.07.2021 - Kulturpolitik

Wenig Bedeutendes wurde unter Regula Lüscher in ihrer nun nach 14 Jahren endender Amtszeit gebaut, noch weniger wurde das jetzt in der Berliner Tagespresse thematisiert, konstatiert Peter Richter in der SZ. Allein die Berliner Zeitung hatte in einem anonymen, hinter Paywall stehenden Artikel unter dem Motto "Danke für nichts" die Frage gestellt, "ob Regula Lüscher von Berlin am Ende nicht deutlich mehr hatte als Berlin von Regula Lüscher", weiß Richter, dem auch nicht viel von Lüscher in Erinnerung bleiben wird: "Die Dinge, die unter Lüscher entstanden sind, machen noch nicht wirklich Lust, neue Architekturführer zu drucken. Da ist eine Schulbauoffensive mit Typenentwürfen, die ihre Funktionalität erst in der Praxis erweisen müssen, und da ist die sogenannte Europacity am Hauptbahnhof. Wer schon diesen Namen einfallslos findet, sollte sich die Sache lieber gar nicht erst anschauen. Gemessen an dem, was Berlin war, ist, sein möchte und werden könnte, ist diese Ansammlung von mit wenigen Ausnahmen solide langweiligen Wohn- und Bürokisten ohne wirklichen Anschluss an die Nachbarschaft und ohne nennenswerten Platz für Kultur eine vertane Chance."
Stichwörter: Lüscher, Regula

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.07.2021 - Kulturpolitik

Das Humboldt Forum und Monika Grütters behaupten, man habe sich postkoloniale Kritik zu eigen gemacht. Aber der postkoloniale Historiker Jürgen Zimmerer will das in einem Essay für die Berliner Zeitung (die jetzt auch die Debatte um A. Dirk Moses aufgreift) nicht gelten lassen: "In Wahrheit waren es Aktivist:innen und Wissenschaftler:innen, die über Jahre nicht lockergelassen und auf den kolonialen Kern des Humboldt-Forums hingewiesen haben. Die die Politik zum Jagen tragen mussten und als Dank bei der Eröffnung vor der Tür blieben, wo sie ihren Protest fortsetzten. So gesehen ist die Geschichte des Humboldt-Forums auch eine Geschichte der kolonialen Amnesie und Arroganz sowie eines Diskurses eurozentrischer Beharrung angesichts der Kritik von außen, von unten und insbesondere auch von Menschen, die nicht weiß, mittelalt und männlich sind."

Andres Wysling unterhält sich für die NZZ mit Gaia Delpino, die die Dauerausstellung des neuen Museo Italo Africano "Ilaria Alpi" plant. Das einstige Kolonialmuseum von Rom war in den Siebzigern geschlossen worden, und soll jetzt mit neuer Konzeption wieder auferstehen. "'Uns geht es darum, das einstige Kolonialmuseum zu entkolonialisieren', sagt Gaia Delpino. Zusammen mit ihren Kollegen Rosa Anna Di Lello und Claudio Mancuso will sie die Propaganda der alten Ausstellung dekonstruieren, um die Erzählung des Kolonialismus anders zu rekonstruieren. 'Es sind die gleichen Gegenstände. Aber es kommt darauf an, wie man sie präsentiert. Je nachdem verändert sich die Deutung.' Dabei geht es den Ausstellungsmachern eher darum, Fragen zu stellen, als Antworten zu geben. Die Leute sollen sich selbst ihre Gedanken machen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.07.2021 - Kulturpolitik

Das Humboldt Forum ist eröffnet. Richtig glücklich ist taz-Redakteur Ulrich Gutmair mit der Schlossattrappe nicht, aber den postkolonialen Initiativen, die schon wieder einen Abriss fordern, mag er sich nicht anschließen: "Der Zorn ist verständlich, die Forderung selbst aber führt in die Irre. Die Barockfassade Schlüters entstand lange vor der Ära des Imperialismus. Dessen Repräsentanz steht schräg gegenüber: Der protzige Berliner Dom ist das monumentale Zeugnis des Wilhelminismus und also des deutschen Imperialismus." Susanne Messmer informiert im Eröffnungsbericht der taz: "Wen es dieser Tage als Besucher*in ins Humboldt Forum verschlägt, der wird von den sogenannten außereuropäischen Sammlungen dieser Museen erst einmal nicht viel zu sehen bekommen. Die derzeit so umstrittenen Objekte des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst, die zusammen ein Drittel der riesigen Nutzfläche bespielen werden, sollen erst ab dem 22. September präsentiert werden."

Andreas Kilb führt in der FAZ auch keinen Freudentanz auf: "Im Fall des Humboldt Forums ist die Ernüchterung fundamental. Sie betrifft nicht nur den lieblosen, ebenso protzigen wie piefigen Innenausbau der Schlossreplik." Sehr kritisch betrachtet Kilb die Ausstellung "Berlin global", die mit einem Kolonial-Fresko des spanischen Künstlerduo How and Nosm eröffnet: "Der Gipfel der Allesvermischung ist ein Objekt-Ensemble im Bereich 'Grenzen', in dem ein Mauerstück, eine Halszwinge, mit der Deserteure der preußischen Armee gequält wurden, ein Stück 'Judensilber' aus den Beschlagnahmungen nach 1938 und eine Kamerun-Landkarte von 1911 zusammenkommen. Hier wiederholt sich das postkoloniale Deutungsmuster des Foyer-Bilds, denn die Aufteilung Afrikas und die Massenvernichtung der Juden erscheinen als zwei Seiten einer Medaille."

Ebenfalls in der FAZ protestiert Patrick Bahners nochmal gegen den von der Staatsanwaltschaft abgesegneten Beschluss des Düsseldorfer Stadtrats, Franz Marcs Gemälde "Füchse" aus dem Museum Kunstpalast den Erben von Kurt Grawi zu übereignen, der das Bild 1940 in New York hatte verkaufen lassen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.07.2021 - Kulturpolitik

Heute eröffnet das Humboldt Forum, und der taz fällt nichts Besseres ein, als "postkoloniale" Stimmen dazu zu sammeln, etwa von der der "Coalition of Cultural Workers Against the Humboldt Forum" (CCWAH): "Dieses Haus ist in seiner systemischen Gesamtheit für viele Menschen verletzend - und das wird vom Humboldt Forum, und von allen, die dafür mitverantwortlich sind, konsequent nicht anerkannt. Unsere Kritik richtet sich gegen diese Ignoranz und wir kritisieren dabei alle äußerlichen, strukturellen und inhaltlichen Probleme des Humboldt Forums und die Wunden, die es wieder oder neu aufreißt. Wir sagen: Alles daran ist Gewalt, und deshalb können wir auch nichts davon gebrauchen!"

Das Forum eröffnet mit sechs Ausstellungen, aber was das Haus sein soll, wissen die Verantwortlichen immer noch nicht, meint Jörg Häntzschel in der SZ: "Weil weder Kulturstaatsministerin Monika Grütters noch ihre Vorgänger dem Humboldt-Forum Eigenständigkeit verschafften, war nie klar, wer dieses Programm hätte formulieren können. Vier Ministerien, mehrere GmbHs, zwei Stiftungen, die Humboldt-Universität, die Länder, ungezählte Kommissionen beaufsichtigen das Humboldt-Forum und haben es so fest eingesponnen, dass es weder sprechen noch sich bewegen kann."

Ein schönes "Anti-Programm" gibt es im Humboldt Forum mit der von Paul Spies kuratierten Ausstellung "Berlin Global", findet Häntzschel in einem zweiten Text (anti wozu fragt man sich allerdings, wenn es doch gar kein Programm gibt, wie Häntzschel eben noch beklagt hat): "Hier ist mehr über den Kolonialismus zu sehen als über den Zweiten Weltkrieg, mehr über die Zeit nach dem Mauerfall als über die Mauer selbst. Statt nach dem Spezifischen zu suchen, zeigt er Berlin als Sender und Empfänger. Erst lässt er die Echos des New Yorker Hip-Hop in Ost- und West-Berlin nachhallen, dann verfolgt er den weltweiten Einfluss von Berlins Technokultur. Fast alles im Schloss ist alt und für Alte gemacht. Spies' idealer Besucher ist hingegen um die 17 Jahre alt. Musik, Rassismus, Wohnen, überhaupt die Gegenwart nehmen viel Raum ein, Geschichte dient dazu, heutige Fragen zu beantworten. ... Es ist alles sehr bunt, sehr wirr, sehr woke."

In der Welt ist Rainer Haubrich rundum glücklich mit dem Schloss: Die "festlich-heitere Pracht des Schlüterschen Barock" verdreht ihm den Kopf,  "es ist für jedermann zugänglich, es wendet sich an ein breites Publikum aus aller Welt, vor allem aber schafft es zusammen mit der Museumsinsel einen Kulturbezirk, in dem künftig in sechs architektonisch herausragenden Häusern die Kunst fast aller Regionen und Epochen der Weltgeschichte versammelt sein wird. ... Man muss sich das Ausmaß dieser Schätze vor Augen führen, um zu erkennen, dass die Beschäftigung mit 'kolonialen Erwerbungszusammenhängen' bei einem kleinen Teil der Exponate zwar ein wichtiges Thema für das Humboldt Forum ist, aber nicht der entscheidende Prüfstein für den Erfolg oder Misserfolg dieses prächtigen Kulturdampfers. Darüber entscheidet das Publikum."

Im Tagesspiegel kann Nicola Kuhn Haubrichs Enthusiasmus nicht teilen, besonders im Inneren stößt ihr die Sterilität des Baus auf. "Selbst die interaktiven Vitrinen wirken aseptisch, auf denen die Besucher:innen mit der Hand digitalen Sand für weitere Entdeckungen wegwischen dürfen. ... Mehr Leichtfüßigkeit, mehr Charme, mehr Eloquenz hätte man dem Humboldt Forum für seine Ausstattung gewünscht. Es will Angebot für alle sein, Gendergrenzen überwinden, Diversität demonstrieren und tut sich doch so schwer, in den eigenen Räumen eine ansprechende Atmosphäre zu schaffen, Brücken zu bauen."

Eine andere Ausstellung im Humboldt Forum widmet sich der Geschichte des Elfenbeins und "erklärt die Einzigartigkeit des Materials und wie es zum Treibstoff von Sklaverei und Kolonialismus wurde", schreibt Häntzschel in der SZ. Kolonialismus aufarbeiten, schön und gut. Aber muss man es den Besuchern mit jedem Satz reinwürgen, fragt Marcus Woeller, der in der Welt den "tendenziösen Grundton" der Ausstellung kritisiert: "Wer aufmerksam ist, kann ihn im Hintergrund keuchen hören. Denn die Besucher werden ständig begleitet vom Atmen eines Elefanten. Die Videoarbeit der Künstlerin Liesel Burisch will damit 'an den Ausgangs- wie Endpunkt von allem' erinnern, 'das sterbende Tier und die Torturen, die es durchleidet'. 'Das Material Elfenbein zeugt unausweichlich von der Tötung eines Elefanten', so wird man auch im Einleitungsessay zur Ausstellung belehrt. ... Ein unbefangener Blick des Betrachters auf das Artefakt wird nicht akzeptiert. Stattdessen aber die moralische Flughöhe markiert."

Inzwischen hat sich übrigens eine neue Initiative gegründet, die das Schloss bis 2050 abreißen und den Palast der Republik rekonstruieren möchte, berichtet Bernd Mathies im Tagesspiegel: Um an daran zu erinnern, "soll am Portal IV ein Bronze-Modell des Palastes im Maßstab 1:200, also knapp einen Meter breit, aufgestellt werden. Hinter dieser Aktion steht der 2020 gegründete gemeinnützige 'Förderverein Palast der Republik' (Informationen unter www.palast.jetzt), in dem sich Künstler und Architekturtheoretiker und andere Interessierte zusammengeschlossen haben. Ihr Sprecher, der Medienkünstler Clemens Schöll, sagt: 'Mit der Bronze tragen wir dazu bei, dass die konfliktive Geschichte in der Berliner Mitte präsent bleibt.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.07.2021 - Kulturpolitik

In der Zeit kritisiert die Ethnologin Brigitta Hauser-Schäublin Götz Alys Buch "Das Prachtboot - Wie Deutsche die Kunstschätze der Südsee raubten". Es spreche alles dafür, dass die Männer der Insel Luf den Deutschen das Boot freiwillig gegeben hätten. Aly verkenne "den Willen zur Gegenwehr dieser wagemutigen Männer. Ihren Widerstand und ihre Ablehnung hätten sie die Deutschen zweifellos spüren lassen, wenn ihnen zuvor das prestigeträchtige Boot 'einfach weggenommen' worden wäre." Laut Birgit Rieger im Tagesspiegel will Monika Grütters das Luf-Boot auf jeden Fall weiter im Humboldt Forum zeigen, "aber auch als Mahnmal für die Schrecken der deutschen Kolonialzeit". Am 20. Juli wird das Humboldt Forum fürs Publikum geöffnet.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.07.2021 - Kulturpolitik

In einem FAZ-Text, der sich liest wie ein Rechtsgutachten, beschwert sich der Rechtsanwalt Hans-Jürgen Hellwig gegen die Handhabung der Rückgabe von geraubter Kunst oder anderen Besitztümern an jüdische Vorbesitzer oder ihre Nachfahren. Diese Praxis sei immer restitutionsfreundlicher gestaltet worden: "Darin liegt ein Verstoß gegen das vom Bundesverfassungsgericht aus dem Demokratieprinzip und dem Vorbehalt des Gesetzes nach Art. 20 Grundgesetz (GG) abgeleitete Wesentlichkeitsprinzip, wonach wesentliche Regelungen zwingend vom Gesetzgeber erlassen werden müssen. Dieses Prinzip war der Grund, weshalb der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Stephan Harbarth öffentlich darauf hingewiesen hat, die wesentlichen Entscheidungen in der Corona-Epidemie müssten vom Bundestag und nicht der Bundesregierung getroffen werden. Genau darum geht es auch hier."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.07.2021 - Kulturpolitik

Nach dem Besuch einer nigerianischen Delegation in Berlin diese Woche wird die Rückgabe der Benin-Bronzen konkreter, meldet der Tagesspiegel: "Auf nigerianischer Seite koordiniert der Legacy Restoration Trust die Gespräche mit Deutschland. 'Für viele Leute in der nigerianischen Delegation ist es das erste Mal, dass wir uns mit einer größeren Gruppe von Museen hier in Deutschland treffen und direkt von ihnen hören, wie sehr sie sich für die Rückgabe der Objekte einsetzen', sagte Phillip Ihenacho, Vorstandsvorsitzender des Trusts, nach den Gesprächen. Es gebe 'eine Menge Skepsis' in bestimmten Kreisen in Nigeria, ob das jemals passieren werde. 'Daher war es aus unserer Sicht großartig zu sehen, wie bereitwillig die Museen nicht nur bei der Rückgabe von Objekten sind, sondern auch bei der Zusammenarbeit nach der Rückgabe von Objekten.'"

Außerdem: Angesichts der großen Menge von Baubestand der Moderne fragt sich Dankwart Guratzsch in der Welt mit Blick in die Geschichte des Denkmalschutzes, was eigentlich denkmalschutzwürdig sei: "Noch im 19. Jahrhundert war es Praxis, nur solche Gebäude zu erhalten und zu restaurieren, denen ein 'entschiedener Kunstwert' beigemessen werden konnte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.07.2021 - Kulturpolitik

Der Kurator Bonaventure Ndikung (selbstverständlich ein Unterstützer des Appells der "Initiative Weltoffenheit") wird Chef des Hauses der Kulturen der Welt. Eingesetzt wurde er von Monika Grütters, und das obwohl er ein Kritiker des Humboldt Forums ist. Dabei wird er auch bleiben, sagt er im Gespräch mit Werner Bloch von der FAZ. "Selbstverständlich. Ich sage zum Beispiel nach wie vor: Der Königsthron aus Bamun in Kamerun, der im Ethnologischen Museum zu sehen ist, ist kein preußischer Kulturbesitz. Der gehört dem Volk der Menschen von Bamun. Es gibt keinen preußischen Kulturbesitz aus Afrika."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.07.2021 - Kulturpolitik

Die Benin-Bronzen sollen zurück nach Nigeria gehen. Aber was ist mit den ca. 16.000 Wachswalzen mit Aufnahmen aus der Kolonialzeit, die im Phonogramm-Archiv im Humboldt Forum lagern, fragt Merle Krafeld im VAN-Magazin bei den Ethnologen Maurice Mengel, Lars-Christian Koch und Albrecht Wiedmann nach. Die werden bei Nachfrage zurückgegeben, Kopien bleiben aber im Besitz des Museums, erfährt sie. Wiedmann konkretisiert: "Häufig haben wir Anfragen von Musiksammlungen - auch nationalen -, die mit diesem Material in die eigene Vergangenheit zurückblicken wollen. In Europa haben wir in diesem Zusammenhang engeren Kontakt mit baskischen Organisationen gehabt und in Lateinamerika beispielsweise Anfragen zu den Aufnahmen aus der argentinischen Provinz Tierra del Fuego ('Feuerland'). Das können wir gut oder schlecht finden. Oft ist gar nicht ganz klar, was dann genau mit den Aufnahmen passieren wird, aber der Bedarf, selbst zu sammeln, ist da. Unterschwellig schwingt dabei mit, dass man wieder Herr über die eigene Kultur werden will. Es gibt dazu keine konkrete Verpflichtung unsererseits, die Aufnahmen zurückzugeben, aber wir machen das eigentlich immer."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.06.2021 - Kulturpolitik

In der SZ ist Jörg Häntzschel enttäuscht über die Reform der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die ihren Namen (Reform) nicht verdient: Inhaltlich gibt's nur Appelle, erklärt er, eine Hierarchieebene verschwindet, aber personell ändert sich auch kaum was. Hermann Parzinger bleibt über allen Einrichtungen thronender Präsident. "Bisher ist die jetzt beschlossene Struktur kaum mehr als eine Skizze auf einer Papierserviette. Die entscheidenden Fragen werden erst noch 'geprüft': Können die Häuser endlich selbst über Personal und Haushalt entscheiden? Wie weit reicht die Macht des Präsidenten? Sollen die Museen 'Cluster' bilden oder autonom sein?"

Die Coronakrise hat den Status von Kultur in der Gesellschaft in Frage gestellt. Jagoda Marinic fordert in der taz eine neue breite kulturpolitische Diskussion in Deutschland: "Das einzige Mal, dass Künstlerinnen in diesem pandemischen Jahr öffentlich hörbar wurden, war die verunglückte Aktion #allesdichtmachen. Innerhalb von wenigen Tagen war jedoch auch aus dieser Aktion eine der tausend Diskussion über Meinungs(un)freiheit, rechtsextreme Strippenzieher und die öde Leier von der Spaltung der Gesellschaft geworden. Ein langes Jahr lang wollten sich die meisten Künstler eben nicht öffentlich beschweren, auch weil es in den sozialen Medien schnell zu Selbstmitleid verzerrt wurde."