Die Entscheidung des
WDR,
Nemi El-Hassan die Sendung "Quarks" nicht moderieren zu lassen, auch wenn sie hinter der Kamera für die Sendung arbeiten können soll (
Unsere Resümees), teilt die Zeitungen in zwei Lager. "Die Kampagne gegen sie wirkte wie eine weitere Wegmarke in einer inzwischen normalisierten
deutschen Sehnsucht, die
Deutungshoheit über Antisemitismus gegen Minderheiten in Anschlag zu bringen. Ob diese Minderheiten muslimisch, jüdisch oder links sind, schien dabei kaum mehr eine Rolle zu spielen",
schreibt Hanno Hauenstein (der auch die
Soli-Erklärung für El-Hassan unterschrieb) in der
Berliner Zeitung. Er erzählt, wie er vor einigen Wochen versuchte, ein Interview mit
Judith Butler zum
Historikerstreit 2.
0 zu führen: "Die Philosophin antwortete knapp: 'Ich spreche oder schreibe über dieses Thema nicht mehr im deutschen Kontext.' Man könnte es ironisch finden, wenn es einen nicht so verzweifelt stimmte: In unserer
germano-
zentrischen Sichtweise haben 'wir' Deutsche es fertiggebracht, was sonst wohl in kaum einem anderen Land denkbar wäre: eine der wichtigsten jüdischen Intellektuellen der Jetztzeit aus 'unserem' Diskurs auszuschließen."
Im Fall Nemi El-Hassan hat die "viel beschworene
Cancel Culture" nun ihr "
erstes Opfer" gefunden,
glaubt Judith Liere auf
Zeit Online, während Christian Meier in der
Welt die Entscheidung begrüßt, aber doch auch "schmerzhaft" findet: "Die Vorstellung, dass ein Lebenslauf
von einem Like vielleicht unwiderruflich
beschädigt wird, bleibt trist." Nemi El-Hassan hatte sich distanziert, aber bis vor ganz kurzem doch
antisemitische Inhalte in den sozialen Medien empfohlen,
ergänzt Michael Hanfeld in der
FAZ, etwa den "Jubel über den Ausbruch sechs palästinensischer Häftlinge aus einem israelischen Gefängnis, darunter Mitglieder der terroristischen 'Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden' und des 'Islamistischen Dschihad in Palästina', die an tödlichen Attacken gegen Israelis beteiligt gewesen seien. Einer der Ausbrecher soll mit anderen 2006 einen achtzehnjährigen Israeli entführt und
mit einem Kopfschuss ermordet haben." Zu "spät und halbherzig"
nennt Jonas Hermann in der
NZZ die Entscheidung.
Youtube hat die Kanäle von
RT DE (wie
Russia Today hier heute offiziell heißt) gesperrt. Grund sind coronaleugnerische Inhalte des Senders. In
Moskau herrscht darüber Empörung, berichten Friedrich Schmidt und Markus Wehner in der
FAZ und zitieren die
RT-DE-Chefin Margarita Simonjan, die
Einflussnahme der deutschen Politik unterstellt: "Simonjan ließ offen,
welchen Einfluss die Bundesregierung oder sonstige deutsche Stellen auf Youtube oder Google haben könnten. Dennoch forderte sie die russischen Behörden auf, in Russland die
Deutsche Welle und andere deutsche Medien zu 'verbieten' und die
Korrespondentenbüros von
ARD und
ZDF zu schließen. 'Aus Selbstachtung' müssten auch Sanktionen gegen Youtube verhängt werden."