Von Kolumnistin zu Kolumnistin.
Ronya Othmann attackiert in ihrer
FAS-Kolumne die ehemalige
taz-Kolumnistin
Kübra Gümüsay, die mit ihrem Buch "Sprache und Sein" (auch nur eine Sammlung von Kolumnen, sagt Othmann), einen Riesen-Bestseller landete. Politisch habe sie sich von
dubiosen Bindungen leider nicht gelöst, so Othmann: "Für ihr Aufwachsen in Milli-Görüs-nahen Kreisen kann Gümüsay nichts. Aber dafür, in welchen Netzwerken sie agiert. Wäre Gümüsay eine gefeierte Kochbuchautorin, wäre all das ein geringeres Problem. Sie ist aber eine politische Autorin, die sich
Antirassismus und Feminismus auf die Fahnen schreibt. Menschen können sich ändern, schreibt sie. Natürlich können sie das. Aber eine Distanzierung von Erdogan, der AKP und der islamistischen IGMG hält sie bis heute nicht für sinnvoll." (Nur nbenbei: Othmann, die heute eine
FAS-Kolumne scheibt, ist natürlich ebenfalls eine ehemalige
taz-Kolumnistin.)
Der Dokumentarfilmer
Bryan Fogel hat einen Film über den Mord an
Jamal Khashoggi gemacht. Mit am meisten schockiert an dem Verbrechen habe ihm seine
Straflosigkeit,
sagt er im Interview mit Mariam Schaghaghi in der
FAS: "Die Staatschefs haben das Verbrechen zwar schnell verurteilt, nachdem es zur weltweiten Schlagzeile wurde - aber was haben die Regierungen
tatsächlich unternommen? Im Grunde nichts. Ich habe entsetzt begriffen, dass man mit so einem Verbrechen in unserer Zeit davonkommt - jedenfalls wenn man genug Geld und Macht hat."
Die Newsletter-Plattform
Substack ermöglicht es Autoren, sehr einfach Newsletter an größere Verteiler zu versenden und sich dafür von ihren Lesern bezahlen zu lassen. Wer 10.000 Abonnenten hat, die 50 Dollar im Jahr zahlen, macht dann 500.000 Dollar im Jahr (minus der 10 Prozent, die Substack abzieht). Charismatische Journalisten wie
Glenn Greenwald (unser
Resümee) oder
Andrew Sullivan schwimmen im Geld. Für den
New-York-Times-Medienkolumnisten Ben Smith
drückt sich hier eine Tendenz aus: "Diese neue Fähigkeit von Einzelpersonen, ihren Lebensunterhalt
direkt durch ihr Publikum zu bestreiten, verändert nicht nur den Journalismus", so Smith. Es handle sich um eine
Machtverschiebung in vielen Kreativbranchen, die "den großen Institutionen, von der
New York Times bis zu den Plattenlabels große Kopfschmerzen" bereite. "Substack verkörpert diesen kulturellen Wandel, aber es reitet auf der Welle, es hat sie nicht erschaffen."
In der
NZZ analysiert Markus Ziener die Rolle von
Russia Today für die
russische Propaganda in Deutschland. Die Aktivitäten von
RT Deutschland nehmen dabei zu: "Nach Angaben von
RT rangierte der deutsche Ableger in den Monaten November 2020 bis Februar 2021 unter den
fünf Besten, was die Klickzahlen von Videos auf Facebook angeht. Zudem seien die Seitenzugriffe auf
RT DE im Vergleich zum Vorjahr
um 78 Prozent gestiegen. Vor diesem Hintergrund glaubt
RT DE an wachsende Erfolge auf dem deutschen Markt - und will massiv in den
Ausbau des Programms investieren. Derzeit sucht der Sender nach 200 zusätzlichen Mitarbeitern, um im Dezember mit einem deutschen
TV-
Kanal an den Start zu gehen. Derzeit beschäftigt
RT lediglich einige Dutzend Mitarbeiter in der Online-Redaktion in Berlin."
Außerdem: In den USA haben
Ibram X.
Kendi und
Bina Venkataraman die Gründung einer neuen aktivistischen Zeitschrift namens
Emancipator, "um 'die Rassengerechtigkeit neu aufzugleisen'",
berichtet Marc Neumann in der
NZZ.