Denkmal Giordano Brunos auf dem Campo dei Fiori in Rom. Auf dem Platz packen gerade die Markthändler ein. In einem
Essay zu Ehren des katholischen Aufklärers und Ketzer
Giordano Bruno erinnert
Benjamin Korn im
Tagesspiegel daran, dass Italien einmal fast so weit war, den
Vatikan aus Italien zu vertreiben. So stark waren die aufklärerischen Kräfte, dass sie gegen den erbitterten Widerstand der Kirche 1889 ein Bruno-Denkmal auf dem Campo dei Fiori in Rom errichteten: "Die Konfrontation, in der die Existenz der Kirche und die Zukunft Italiens auf der Kippe stehen, ist von unvorstellbarer
verbaler Brutalität. Weltberühmte Dichter,
Walt Whitman,
Henrik Ibsen,
Viktor Hugo werfen sich für das Projekt in die Schanze.
Giuseppe Garibaldi, der die Einigung Italiens vorantreibt, nennt das Papsttum 'ein Krebsgeschwür, das man aus Italien herausreißen muss', und unterstützt mit einer symbolischen Geldspende die Denkmals-Idee... Aus dem Schiff ist heute eine unscheinbare Nussschale geworden. ... Die Mächte der Aufklärung haben verloren, die des Glaubens auf ganzer Linie gesiegt.
Staatschef Renzi macht mit seiner Frau, die er bei den katholischen Pfadfindern kennenlernte, dem 'Heiligen Vater' regelmäßig seine Aufwartung, und der von Mussolini und dem Vatikan 1929 unterschriebene Lateran-Vertrag, der den
Katholizismus als Staatsreligion einsetzte - samt obligatorischem Religionsunterricht und Kruzifix in allen Schulen -, ist heute wirksamer denn je."
Die "liberalen Muslime" in Deutschland um
Lamya Kaddor einerseits und
Abdel-Hakim Ourghi andererseits zerfleischen sich gegenseitig, und den Zugang zu den konservativen Muslimen haben sie sich ohnehin verbaut,
glaubt der Islamwissenschaftler
Muhammad Sameer Murtaza in der
FR. Eine Reform des Islam könne nur von "ernsthaften" Gelehrten (wie ihm selbst?) in Angriff genommen werden: "Muslimische Gelehrte müssen analysieren, wie und weshalb extreme Auslegungen entstehen, und
präventive Maßnahmen ergreifen, wie dies in Zukunft zu verhindern ist. Hierzu gehören die Herausbildung eines kritischen Bewusstseins im Umgang mit religiösen Texten, aber auch realistische Erneuerungsvorschläge, die von der Breite der Muslime mitgetragen werden. Vor allem müssen die muslimischen Martin Luthers lernen, einen Weg zu finden,
anständig mit der muslimischen Community zu reden und nicht nur über sie."
Karen Krüger verteidigt in der
FAZ am Sonntag die Religionspädagogin
Lamya Kaddor, die sich wegen Morddrohungen vom Schuldienst zurückgezogen hat und neulich in
Zeit online (
hier) und im
Kölner Stadtanzeiger (
hier) Autoren wie
Henryk Broder, aber auch Karen Krügers
FAZ-Kollegin
Regina Mönch attackiert hatte - mit dem Argument, dass die Artikel dieser Autoren die Autoren von Hassmails gegen sie inspiriert hätten. Diese Attacken seien vielleicht überzogen, aber Kaddor vertrete einen liberalen Islam, so Krüger: "Sie hat 2010 den 'Liberal-islamischen Bund' gegründet, der sich, in bewusster Abgrenzung zu den islamischen Verbänden, als eine Vertretung von deutschen Muslimen und nicht von Muslimen in Deutschland versteht. Er tritt ein für ein offenes und
progressives Islamverständnis. Nicht in dem Sinn, dass er die Grundpfeiler des Islams umwerfen möchte, sondern indem er sich um ein zeitgemäßes Islamverständnis bemüht."