9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.07.2015 - Religion

In der NZZ schreibt Berhard Lang über den tschechischen Kirchenkritiker Jan Hus und fordert 600 Jahre nach dessen Hinrichtung erneut Rehabilitierung: "Erst in den 1980er Jahren kam der Gedanke an eine kirchliche Rehabilitierung von Jan Hus wieder auf - dank einem Artikel des polnischen Historikers und Philosophen Stefan Swiezawski, der das Interesse vieler Theologen und nicht zuletzt auch von Papst Johannes Paul II. weckte. Vom Vorwurf der Ketzerei freigesprochen, so Swiezawski und viele, die ihm folgen, könne Hus als Vorläufer des Zweiten Vatikanischen Konzils gewürdigt werden. Tatsächlich klingen Hus" Betonung des Gebrauchs der Muttersprache und seine Forderung nach Verantwortung der Laien modern und zeitgemäß."

Zum 80. Geburtstag des Dalai Lama sieht Uwe Justus Wenzel in der NZZ den buddhistischen Führer in schöner Konkurrenz zu Papst Franziskus: "Ob sich da ein Wettstreit um das Amt des munteren Weltweisen vom Dienst anbahnt?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.07.2015 - Religion

Mit der Scientology-Kirche scheint es glücklicherweise rapide bergab zu gehen, berichtet Claire Levenson bei Slate.fr. Schuld daran ist das Internet: "Trotz all der von der Organisation bei Google gesponserten Seiten wird die Botschaft der Sekte von einer Sintflut von Blogs, Websites und Foren überschwemmt, die von ehemaligen Scientology-Anhängern betrieben werden. Und anders als die Scientology-Kritiker, die im Netz sehr effizient sind, scheint die Sekte selbst vom digitalen Universum und den sozialen Netzen komplett überfordert zu sein."
Stichwörter: Scientology, Soziale Netze, Sekten

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.06.2015 - Religion

Andreas Püttmann widerspricht bei Cicero Timo Stein, der neulich für eine Trennung von Staat und Kirche plädierte (unser Resümee) - ein seltener und origineller Standpunkt in der deutschen Debatte. Püttmann erinnert an Verdienste der Kirchen: "Nicht nur mit ihren großen institutionellen Werken der Caritas und der Diakonie, sondern auch durch ihre Beiträge zur Herzens- und Gewissensbildung im Sinne der Nächstenliebe und der Verantwortung vor Gott wirken die Kirchen segensreich in unserer Gesellschaft."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.06.2015 - Religion

Vor einiger Zeit hat der Berliner Theologe Notger Slenczka heftige Kritik ausgelöst mit seinem Vorschlag, das Alte Testament aus dem christlichen Kanon zu streichen. Eins seiner Argumente ist, "dass das Textkorpus des Alten Testaments zunächst und vor allem dem Judentum gehöre - und dass die christliche Kirche mit der Beanspruchung der alttestamentlichen Schriften Gefahr laufe, das Judentum zu enteignen", erklärt Jan-Heiner Tück in der NZZ, der Slenczkas Thesen durchaus debattierwürdig findet, auch wenn er nicht mit ihnen übereinstimmt. "Das Projekt einer Rehabilitierung der altkirchlichen Bibel-Hermeneutik hätte daher die Frage zu klären, wie die Verbindung zwischen alttestamentlicher Verheißung und neutestamentlicher Erfüllung theologisch fruchtbar gemacht werden kann, ohne in antijudaistisches Fahrwasser zu geraten. ... Würde man das Alte Testament aus dem Kanon streichen, liefe das nicht nur auf eine "Entjudaisierung", sondern auch auf eine Entwurzelung des Christentums hinaus. Eine solche Amputation aber kann niemand wollen."

Kenan Malik berichtet in seinem Blog über ein Treffen mit dem Imam Sher Azam, der 1989 einer der aktivsten Rushdie-Gegner war und bis heute an seinen Meinungen festhält. Malik staunt über Azams Argumentation, die einerseits freies Rederecht für muslimische Geistliche fordert, die Homosexualität als Sünde verurteilen, und andererseits im Namen beleidigter Religion verlangt, dass Rushdie sein Buch zurückzieht.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.06.2015 - Religion

Aiman Mazyek fordert mit seinem "Zentralrat der Muslime" einen ähnlichen Status in Deutschland wie die Kirchen und trifft damit einen Nerv, meint Timo Stein bei Cicero. "Mazyeks Forderung folgt einer Logik, wie sie hierzulande seit Jahrzehnten praktiziert wird. Kirchen und Religionsgemeinschaften suchen staatliche Nähe und Alimentierung. Ist es nicht vielleicht einmal an der Zeit, diese Logik zu durchbrechen? Statt den Religionen und ihren Institutionen immer mehr öffentlichen und politischen Raum zur Verfügung zu stellen, einmal an das Trennungsgebot von Kirche und Staat zu erinnern?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.06.2015 - Religion

Middle East Eye veröffentlicht eine vergleichende Übersicht der Rechtsauffassungen von Islamischem Staat und Saudi Arabien.


9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.06.2015 - Religion

Bereits mit der Seligsprechung Óscar Romeros hat sich Papst Franziskus deutlich zur Befreiungstheologie bekannt (mehr hier). Mit seiner Umwelt-Enzyklika "Laudato Si" beweist er erneut seine Nähe zu der lateinamerikanischen Bewegung, schreibt der Befreiungstheologe Leonardo Boff in der taz: "Viele Ausdrücke und Redensarten gehen auf gedankliche Grundlagen aus Lateinamerika zurück. Die Themen "Pflege des gemeinsamen Hauses", "Mutter Erde", "Schrei der Erde", "Schrei der Armen", Fürsorge sowie die gegenseitige Abhängigkeit aller Lebewesen voneinander - das alles geht auf unsere Kirche in Lateinamerika zurück. Die Struktur der Enzyklika unterliegt dem methodischen Ritual, das von der Kirche in Lateinamerika praktiziert wird und der theologischen Reflexion, die an die Befreiungstheologie anknüpft zu der sich Papst Franziskus bekannt hat."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.06.2015 - Religion

"Religiös motivierte Gewalt muss immer als solche kritisiert werden", warnt der Theologe Wolfgang Huber im Zeit-Gespräch mit Evelyn Finger vor falscher Rücksicht auf Muslime im Umgang mit Islamismus: "Ich habe selbst den moralischen Bankrott der Kirchen im Ersten Weltkrieg erforscht, und natürlich beschäftigen wir deutschen Protestanten uns vor dem Reformationsjubiläum 2017 mit Luthers maßloser Ablehnung der Türken und der Juden. Ohne Selbstkritik gibt es keine Selbsterkenntnis und keine Umkehr. Deshalb beunruhigt es mich, wenn Vertreter muslimischer Organisationen sagen, der IS habe mit dem Islam nichts zu tun."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.06.2015 - Religion

Der Stuttgarter Literaturwissenschaftler Thomas Rothschild wendet sich bei der kontextwochenzeitung gegen den in Deutschland immer noch bestehenden (wenn auch wenig angewandten) Blasphemieparagrafen: "Bemerkenswert ist, dass das Strafgesetzbuch für die Beleidigung einer Person nach Paragraf 185 eine Höchststrafe von zwei Jahren, für einen Verstoß gegen den Paragrafen 166, also die Beschimpfung eines Bekenntnisses oder einer Institution, aber eine Höchststrafe von drei Jahren Freiheitsentzug vorsieht. Solche kleinen Gewichtungen sind aussagekräftig. Nach diesem Gesetz müssten die Mitarbeiter von Charlie Hebdo bestraft werden, denn dass ihre Karikaturen geeignet waren, den öffentlichen Frieden zu stören, ist leider durch die Sprache der Maschinengewehre bewiesen. Kurz: Man kann nicht zugleich Charlie sein wollen und den "Blasphemieparagrafen" tolerieren."

Die USA haben die in Bangladesch wegen Gotteslästerung verfolgte Schriftstellerin und Ärztin Taslima Nasrin aufgenommen, melden die Agenturen (hier in der Welt). "Wie die Organisation Center for Inquiry mitteilte, traf Nasrin bereits vergangene Woche unter Ausschluss der Öffentlichkeit in New York ein. "Extremistische Gruppen haben nach ihrem Leben getrachtet", sagte CFI-Direktor Michael de Dora. "In den vergangenen Wochen haben die Drohungen massiv zugenommen.""

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.06.2015 - Religion

Warum hassen die Islamisten die Frauen, fragt Kamel Daoud in der huffpo.fr: "Der Islamist nimmt es der Frau übel, dass sie notwendig ist, wo er sie doch zur Nebensache erklärt. Der Islamist fühlt sich unwohl in seinem Körper, und die Frau erinnert ihn daran. Er hat ein dunkles Verhältnis zum Lebendigen, und die Frau, die das Leben gibt, erinnert ihn daran, dass er den Tod bringt. Der Islamist möchte die Frau verschleiern, um sie zu vergessen, zu leugnen, zu entkörperlichen, über sie hinwegzusteigen. Und so geht er in die Falle, denn er schwankt und fällt zurück und nimmt es der Frau übel, dass er nicht über das Leben hinwegschreiten kann, um den Himmel zu packen. Sie ist also seine Feindin, und um sie töten zu können, erklärt er sie zur Feindin Gottes."

Henri Tincq kritisiert in slate.fr zwar Caroline Fourests Buch "Eloge du blasphème", konstatiert aber mit dem Historiker Alain Cabantous, der ebenfalls ein Buch zum Thema ("Histoire du blasphème en Occident") geschrieben hat: "Der Historiker beobachtet heute eine Wiederauferstehung dieses Worts und der Debatte über das "Verbrechen" der Blasphemie. Der Aufstieg der Extremismen mit ihren heiligen und absoluten Werten und identitären und kommunitaristischen Forderungen bedroht das Recht auf Religionskritik. Jede despektierliche Äußerung, jede "gottlose" Schrift oder Zeichnung ist der Drohung von Repressalien ausgesetzt."