Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Higgs!

05.07.2012. Die NZZ hat die Manifesta besucht, bei der es mal nicht um Kunst und Kohle, sondern um Kohle und Kunst ging. Netzpolitik feiert die Verhinderung des Acta-Abkommens, und die taz versichert an die Adresse von FAZ und SZ, dass Demokratie kein Shitstorm ist. In der Welt versichert der Chef der Berliner Nationalgalerie, dass er als Museumsdirektor schon alles richtig macht. In der Zeit besteht besteht der Philosoph Robert Spaemann auf die Freiheit der Eltern zur Beschneidung der Kinder. In der FR will der Grüne Omid Nouripour Aufklärung statt Verbot. Ach ja, und mit Leistungsschutzrecht wird das wohl nix mehr vor dem Sommer.

Künftig wird erst diskutiert

04.07.2012. In der taz erinnert sich Najem Wali an die erste Begegnung mit der Folter: Das war, als der Arzt ihm die Vorhaut abschnippelte. Es gibt keine empirischen Beweise für eine Traumatisierung durch Beschneidung, versichert der Theologe Thomas Lentes in der FR. In Wired erinnert Clay Shirky an das Versagen der Medienindustrie nach dem Internetcrash vor zehn Jahren. In der FAZ spricht Karl Heinz Bohrer über seine Jugend in den Dreißigern. Die SZ macht sich Sorgen um die Berliner Gemäldegalerie. Und in der NYRB beschwört Tim Parks den Geist Hamlets in der Literatur des letzten Jahrhunderts. 

Und die Ukrainer lächeln selten

03.07.2012. Die Welt stellt ein Videospiel vor, das seine Teilnehmer dazu bringt, sich für ihre Gräueltaten zu schämen. In der FR warnt Micha Brumlik: Wenn der deutsche Staat nicht einen rechtlichen Rahmen für die Beschneidung schafft, muss er zur Strafe laizistisch werden. In der SZ lehnt der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer Beschneidung dagegen ab. Die taz freut sich über die Wiederentdeckung Jean Gremillons. Und die FAZ zweifelt: Wie fest ist Martin Mosebachs Glaube?

Die armen Wagner-Regisseure

02.07.2012. In der NZZ meldet György Dalos: In Ungarn werden Freiheitsplätze jetzt nach Reichsverweser Horthy umbenannt. In der Welt führt Dalos seine Vorwürfe weiter aus. In der FR nennt Claus Leggewie die Forderung Martin Mosebachs nach Wiedereinführung einer religiösen Zensur frivol und schlägt statt dessen einen freiwilligen Verzicht auf böse Gedanken vor. Die FAZ hat einen Piraten gefunden, der in der Gema ist. Und der vierte Teil der "Ice Age"-Serie mit der Oma von Faultier Sid kommt besser an als der vierte Teil des Münchner "Rings" mit Hagens Callgirls.

Daherscheppernder Dorfdiscoquark

30.06.2012. Business Week erklärt, mit welchen Mitteln Neal Stephenson die wahre Kunst des Schwertkampfs propagieren will. In der SZ verteidigt Navid Kermani den "hochheiligen" Akt der Beschneidung und Martin Mosebachs Kokettieren mit den Morddrohungen islamischer Fanatiker. Die Abenzeitung sagt für heute Abend eine starke Senkung des Saturday Night Fevers an: Diskotheken protestieren gegen die Gema. In der Welt schreibt Michael Kleeberg eine Hommage auf William Faulkner. In der taz ist Georg Seeßlen ganz ergriffen von Mario Balotellis "Geste des stolzen Sklaven".

Depression, Burnout und früher Tod

29.06.2012. In der NZZ macht sich der malische Schriftsteller Mohomodou Houssouba Sorgen um das kulturelle Erbe von Timbuktu. In der FAZ warnt Abdelwahab Meddeb vor dem gefährlichen Schulterschluss von gemäßigten und radikalen Islamisten in Tunesien. In der Welt schildert Necla Kelek die Beschneidung von Jungen im Islam als demütigendes Ritual. Und Henryk Broder schreibt über jüdischen Antisemitismus. FAZ und NZZ machen sich Sorgen um die Berliner Gemäldegalerie. Am schlimmsten geht's aber in Kalifornien zu: Da ist ab übermorgen foie gras verboten, warnt Gawker.

Dieser billige Gutenberg-Druck!

28.06.2012. Das Kölner Urteil zur Beschneidung von Jungen sorgt in fast allen Zeitungen für Diskussionen. Michel Friedman kritisiert das Urteil in der Welt und fordert eine breite Debatte. Die FAZ stimmt den Richtern dagegen zu. Die taz wundert sich nicht, dass die Religionsgemeinschaften "aufheulen". Achgut erzählt die Geschichte der nicht-jüdischen "jüdischen Israelkritikerin" Irena Wachendorff. Die SZ erklärt, warum Jean-Jacques Rousseau gegen Twitter wäre. Und in der Zeit erklärt Paulo Coelho, warum er für Twitter ist.

Rückerinnerung an das Menschenopfer

27.06.2012. In der NZZ erklärt der ukrainische Autor Mykola Rjabtschuk, wie er die Spaltung zwischen den russischen und nicht-russischen Ukrainern überwinden will. In der Paris Review träumt Umberto Eco von dem Buch, das er gern geschrieben hätte. Der Buchreport berichtet über eine Erklärung von Verlegern zu E-Books, die den europäischen Markt harmonieren soll. Netzpolitik und taz erklären, warum der Ökonom Justus Haucap gegen ein Leistungsschutzrecht im Pressewesen ist. Die SZ möchte den magisch-religiösen Kern der Beschneidung von Jungen nicht missen. Auch Kater Henry gibt seinem mal de vivre Ausdruck.

Umstellt von Informanten

26.06.2012. In der FR kritisiert der Musiker Guido Möbius die Gema, die 65 Prozent aller Ausschüttungen an 5 Prozent aller Mitglieder auszahle. Auf worldpolicy.com fragt Neal Stephenson, ob sich ein Zeitalter, das nicht mal mehr Menschen zum Mond schießen kann, noch als innovativ bezeichnen kann. Im Blog ihrer Partei erklären Brigitte Zypries und Lars Klingbeil, warum die SPD ein Leistungsschutzrecht ablehnt. Das Wall Street Journal meldet, dass Rupert Murdoch die wenig profitablen Printmedien aus seinem Konzern abspaltet.

Das angeblich so geistfördernde Schlachten

25.06.2012. In der Welt freut sich Ai Weiwei auf den China-Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Ich würde sie sehr gern treffen." Die Jungle World ist enttäuscht von Martin Mosebach, der Gotteslästerer gern von anderen verfolgen lässt. Auch die Presse wundert sich über Mosebachs Kokettieren mit der Infamie. Ingo Schulze kann Mosebach in der FR dagegen nicht ganz ernst nehmen. Die NZZ bewundert die glückliche Führungslosigkeit des Orchesters Spira mirabilis. Die SZ macht sich Sorgen über Antisemitismus in Ungarn. Die FAZ blickt zurück auf Elfriede Jelineks Eurydike.