Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Von unserer Überraschtheit überrascht

04.10.2011. Die FR hat "das Äußerste an visueller und philosophischer Dichte" gesehen, das Film heute zu bieten hat. Der Nachteil: Man mag danach nie mehr ins Kino gehen. The Daily Beast staunt über die neue Kollektion von Rei Kawakubo: lauter Hochzeitskleider - aber nicht nur für glückliche Bräute. Die Welt lauschte in Frankfurt einem schalkhaften Buddhisten. Ein großer Konzern stellt heute ein neues Smartphone vor. Mashable ist aufgeregt. Und die New York Times ist aufgeregt über Mashable. Die FAZ hat einen neuen Internetauftritt. Aber wo ist die Zeitung geblieben?

Wundermaschine des Untergangs

01.10.2011. Die Welt erlebte mit Karin Beier "Demokratie in Abendstunden" und ein Höchstmaß an kakofonischer Perfektion. In der FR spricht Patrice Chereau über die Last des langen Vorlaufs. Die SZ vermisst die Piratenmutter. Die FAZ unterhält sich mit Umberto Eco über Verschwörungstheorie, vielleicht hat es sich aber auch ganz anders zugetragen. In der taz erklärt der regimekritische chinesische Blogger Michael Anti seine Strategie, Konflikte mit dem Staat zu vermeiden. Und die NZZ erlebt in China grenzenloses historisches Desinteresse.

Der Straßenstaub der Wirklichkeit

30.09.2011. Die Welt erklärt die Zunahme schlechter Schauspieler auf den Theaterbühnen. Die FAZ beendet die Ära der Connaisseure. In der FR versichert Dirigent Henrik Nanasi, dass er es auch krachen lassen kann. Die taz sieht das Ende des Eichborn Verlags näherrücken. Die NZZ erzählt vom Leben und Sterben eines roten Blutkörperchens. Und Open Culture kommt dem surrealistischen Genie auf die Spur.

Romane wie Reihenhäuser

29.09.2011. In der NZZ wirft der Friedenspreisträger Boualem Sansal Europa vor, seine demokratischen Ideale verraten zu haben. Im Freitag spottet Oskar Röhler über die Prüderie deutscher Erzähler und George Monbiot geißelt die Geschäftspraktiken der Wissenschaftsjournale. In der Zeit erklärt Umberto Eco den Unterschied zwischen Revolution und Verschwörung. Die taz entdeckt Madame Bovary in einer mexikanischen Mietskaserne. Die SZ erkennt: Der aktuelle Radical Chic will nicht provozieren, nur profitieren. Und die Welt errinert an das große Verbrechen von Babi Jar vor siebzig Jahren.

Härte, Kälte und Gemeinheit

28.09.2011. Der Tagesspiegel trifft den algerischen Friedenspreisträger Boualem Sansal. Die taz vermisst in der großen Ausstellung zu Polen und Deutschland die Putzfrauen und Händler vom Polenmarkt. In der NZZ setzt Island jetzt wieder auf echte Werte. Die FAZ berichtet von Komplikationen bei der Wiedergeburt des Dalai Lama. Und in der FR beschreibt Joseph Vogl die Fähigkeit des Kapitalismus, sich an seinen Krisen zu optimieren.

Das Aufsetzen der Nadel

27.09.2011. In der FR lehrt Navid Kermani: Nackte Realpolitik ist realpolitisch selbstmörderisch. Mit Blick auf Pakistan kann Christopher Hitchens dies in Slate auf jeden Fall bestätigen. Die NZZ spürt den modernen Wurzeln des amerikanischen Fundamentalismus nach. In der Welt bemisst Catherine Hakim das erotische Kapital von Christine Lagarde. Und die FAZ bewundert die Porträts der amerikanischen Künstlerin Taryn Simon

Alles im eigenen Haus

26.09.2011. Die Welt berichtet von einem chinesischen Traum in 385 Marmorquadern. Die SZ feiert die einigende Kraft des global vernetzten Kulturkonsums. Die FAZ warnt vor Facebooks totalitärer Alltagsdatensammelwut. Gabriele Goettle besucht für die taz einen Fachmann für Organtransplantationen. Und in Slate stellt Peter Aspden klar: Wer kulturell auf sich hält, muss fernsehen.

Wir werden bankrottgehen

24.09.2011. Die Welt erklärt, was der Papst meint, wenn er von der "Natur des Menschen" spricht. Nichts Gutes! In der taz hofft der griechische Schriftsteller Giannis Makridakis, dass Gutes aus der Krise seines Landes erwächst. Ohne die EU. In der NZZ erklärt der Zürcher Neurochirurg Arnaldo Benini, wie Krankheit zu Präzision zwingen kann. Die SZ fürchtet, dass Santiago de Compostela jenseits der jährlichen Pilgerscharen und trotz eines kaum fertig zu stellenden neuen Kulturzentrums nicht auf einen Bilbao-Effekt zählen kann.

Es ist keine glückliche Liebe, vorerst nicht

23.09.2011. Die SZ meldet wachsende Verzweiflung bei den Intellektuellen in Ungarn. Die NZZ deutet den Arabischen Frühling als Fortsetzung des antikolonialen Befreiungskampfes. Wie antiisraelisch dieser auch ist, erfährt die FAZ vom algerischen Schriftsteller Boualem Sansal. Die FR erzählt von den Liebesbekundungen deutscher Dichter.

Du bist nicht die einzige Crackhure im Laden

22.09.2011. In der FR  intoniert Baby Dee ihre Lieblingsliturgien. In der Zeit kann  Daniel Richter mit den Inneneinrichtungstendenzen der Malerei gut leben. In der Jüdischen Allgemeinen warnt Gary Shteyngart: Für das moderne Nomadentum braucht es Humor. Im Freitag erinnert Lukas Bärfuss die Ökonomen an das zweite Gesetz der Thermodynamik. Die Welt stößt auf verzerrte Geschichtsbilder in deutschen Schulbüchern. Und die FAZ berichtet vom Tod des Bloggers, Carta-Gründers und Perlentaucher-Autors Robin Meyer Lucht.