Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
21.09.2011. Die Welt erkennt in den Piraten die Partei der Nochnichtbesserverdienenden. Die taz fürchtet sich vor dem neuen islamistischen Machtkartell in der Türkei. Vor dem Papstbesuch geißelt die FR Benedikt für seinen unseligen Vorgänger Pius XII. In der NZZ erinnert Timothy Snyder an die multikulturellen Heere, die bei Wien auf beiden Seiten gekämpft haben. Und in der FAZ beklagt Martin Mosebach die Opfer der Gruppe 47.
20.09.2011. In der Welt plädiert Zygmunt Bauman für die Anerkennung des palästinensischen Staates. Die FAZ grübelt, wie die Berliner Piraten jetzt die Server ihrer Wähler werden können. In der NZZ warnt Miriam Meckel: Die Algorithmen von Amazon und Google können tödlich sein. In der taz graust es Kurt Scheel vor Legoland-Denken, Luis Sepulveda spricht über die Studentenproteste in Chile. Die SZ feiert Josef Bierbichlers saftigen Debütroman "Mittelreich". Und in der arte-Mediathek kann man das Philip-Roth-Porträt sehen.
19.09.2011. Die SZ stürzt mit Schostakowitsch in Zürich in eine grelle Depression - und ist begeistert. Welt und taz begrüßen Leander Haußmanns Rückkehr ans Theater. In der FR gibt Rafik Schami nicht mehr viel auf Syriens Despoten Bashar al-Assad. Die FAZ hält fest, dass Erwin Rommel ein Günstling und Emporkömmling der Nazis, kein Mann des Widerstands war. Und die NZZ trauert um die bröckelnde Schönheit Rügens.
17.09.2011. In der Welt prangert György Dalos Ungarns Hasskultur an. Oskar Roehler spottet in derselben Zeitung über die Provinzialität der Gruppe 47. Die FAZ bereitet uns auf die Zukunft vor, in der Fortschritt nicht mehr individueller Erkenntnis entspringt. Außerdem fragt sie: Wenn die Tagesschau-App unzulässig ist, warum sollte die ARD dann damit Geld verdienen müssen? Die NZZ sichtet bunte Hühner auf der Kunstbiennale von Lyon. Und die taz geht vor Crazy Bitch in a Cave in die Knie.
16.09.2011. Was ist mit Google Plus? Die Statistiken weisen nach unten, meldet TechCrunch, während Slate Mark Zuckerbergs Kopiertalente preist. In The Daily Beast klagt Benny Morris: Israel geht's schlecht - und wer profitiert? Berlin! Laut turi2 muss Gruner und Jahr seine freien Journalisten frei lassen. Die Welt betrachtet die Zürcher Hochhausausstellung und hat keine guten Nachrichten aus New York. Die NZZ schildert den vom chinesischen Regime veranstalteten Erinnerungskult um die japanische Besatzung. Und FR/Berliner Zeitung murren: Die linken Parteien in Berlin sind die Avantgarde des Stillstands.
15.09.2011. In der New York Review of Books verrät George Soros, was geschehen muss, damit der Euro eine Zukunft hat. Techcrunch bringt empörte Stimmen über die Entlassung des Chefs von... Techcrunch. Der Freitag berichtet über geheimnisvolle Zwangshandlungen in der Gattung der Kulturjournalisten. Die FAZ bringt eine Hymne auf Alice Schwarzer und einen deprimierten Artikel Gil Yarons über die Lage Israels. Die linke Zeit findet: Berlin ist bürgerlich geworden. Und wo ist Michel Houellebecq?
14.09.2011. Kann Crowdsourcing auch die Erzählweisen fiktionaler Geschichten verändern?, fragt Mashable. Die taz macht sich Gedanken über die Zukunft des Theaters. Die NZZ verliebt sich in den morbiden Charme Palermos. In der SZ meint der FDP-Politiker Helmut Schäfer, dass man sich nicht mit Vorwänden wie einem Friedensvertrag mit Israel von der Gründung eines Palästinenserstaates abhalten lassen soll. Und Ferran Adria erklärt, warum er sein Restaurant El Bulli aufgab: Der Erfolg wurde einfach unerträglich.
13.09.2011. Die NZZ betrachtet besorgt unser Krankheitsbild, das Axel Honneth vorgelegt hat. In der FAZ beklagt Frank Rieger die deutsche Sicherheitsmanie. Die taz kratzt sich den Kopf vor einem RAF-Roman-Rhizom. Die SZ gähnt. Nur ein Iraner freut sich: Die Grüne Bewegung lebt, ruft Dawud Gholamasad in der FR.
12.09.2011. Die NZZ untersucht die Rolle von Blogs in China. Und Wilhelm Genazino nimmt sich Zeit und denkt nach über Langeweile. Die Welt staunt über Roger Willemsens tiefe Einsichten zum 11. September. Laut Buchreport plant Amazon eine Flatrate für E-Books. Die Kritiker sind zufrieden mit dem Filmjahrgang in Venedig, aber sie fragen auch: Was wird aus dem Festival? Und Spiegel Online fragt mit Günther Jauch, ob die Amerikaner den 11. September überhaupt verstehen können.
10.09.2011. Die NZZ porträtiert zwei wenig bekannte Künstler: den französischen Dichter Valery Larbaud und den italienischen Komponisten Giacinto Scelsi. Die FR sieht in Sibylle Lewitscharoffs neuem Roman "Blumenberg" Löwe neben Rebhuhn liegen. Die SZ bewundert in Venedig einen "Faust" in russischem Rhythmus. Die FAZ schwebt und fliegt mit Anne-Sophie Mutter durch Wolfgang Rihms "Lichtes Spiel". In der Welt erklärt Tom Segev, warum er sich immer noch über Günter Grass ärgert.