Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
09.09.2011. Fast alle Feuilletons bringen Texte zum 11. September. In der Welt beklagen Paul Theroux und Mark Lilla, dass sich die Amerikaner seitdem aus ihrer Depression nicht lösen konnten. Marcia Pally freut sich im Tagesspiegel, dass es auch Evangelikale gibt, die sich gegen Islamophopbie wenden. Die FAZ besucht Ground Zero. In der SZ bespricht Hanns Zischler Corinna Belz' Filmporträt über Gerhard Richter. Boingboing erzählt die Geschichte des Erfinders von Ebook und Project Gutenberg, Michael Stern Hart, der im Alter von 64 Jahren gestorben ist.
08.09.2011. taz und Welt (und eigentlich auch alle anderen) erliegen dem traurigen Charme Aki Kaurismäkis. Der Tagesspiegel hat den Venedig-Sieger schon gekürt. Der Freitag bringt eine Sonderausgabe zum 11. September: Hamed Abdel-Samad beleuchtet darin die Rolle der Medien im Arabischen Frühling. Michael Arrington twittert: "My life feels very strange to me." Und die Zeit beklagt 1. den Kapitalismus, 2. den Totalitarismus der Mittelklasse, 3. das Ende der Kindheit und 4. alles bloß Materielle für nur 4 Euro an führenden Bahnhofskiosken.
07.09.2011. Al Qaida hat verloren - und zwar in Tripolis, meint Bernard-Henri Levy in La regle du jeu. Urheberrechte werden in Brüssel weiter verschärft, Schutzfristen auf Musik sollen auf siebzig Jahre ausgedehnt werden, und niemand merkt's, außer irights.info. Wo bleibt die Trennung von Staat und Kirche in der Madonnenausstellung von Dresden?, fragt die FR. Egal, seufzt die FAZ im Farbenrausch. im Tagesspiegel spricht Tahar Ben Jelloun über den arabischen Frühling.
06.09.2011. Christopher Hitchens rät in Slate gegen allzu viel Differenzierung im Falle Al Qaidas. In der FR erteilt Björk musikpädagogische Ratschläge: Nimm ein Sharpsichord und fang an. Die Welt hat herausgefunden: Die beiden gerade in Dresden ausgestellten Raffael-Madonnen waren nie ein Paar. Die Schuldenkrise konfrontiert uns unausweichlich mit unserem Niedergang, meint die SZ. Die NZZ guckt südkoreanische Fernsehserien.
05.09.2011. Laut Spiegel Online entschuldigt sich Tom Segev bei Günter Grass für eine falsche Zahl in seinem Haaretz-Interview, die auch Segev nicht erkannte und korrigierte. In Slate fragt Anne Applebaum zehn Jahre nach dem 11. September: War der Aufstieg Chinas und Russlands der Preis für den Krieg gegen den Terror? In der Welt wehrt sich der britische Kolumnist Charles Moore gegen die Umarmung Frank Schirrmachers. Die SZ bringt einen Vortrag Elias Khourys, der die Rolle der Islamisten in den demokratisierten Ländern Arabiens nicht so dramatisch sieht.
03.09.2011. In der NZZ erklärt Oleg Jurjew, warum die Blockade Leningrads nur in der Sprache der Leningrader Avantgarde beschrieben werden konnte. Die taz lernt in Montreal, dass nichts so elitär ist wie die Ökostadt. In der Welt liest Ralph Giordano Arno Lustigers Buch über den "Rettungswiderstand" in den von den Nazis besetzten Ländern. In der SZ bekundet Khaled al-Khamissi seine Freude darüber, dass die Ägypter nun endlich gegen Israel protestieren. Die Jerusalem Post meldet, dass Deutschland die Durban 3-Konferenz boykottiert. Die FAZ berichtet über Todesdrohungen gegen französische Journalisten, die in der Affäre Bettencourt recherchierten.
02.09.2011. Die Welt erklärt Günter Grass: Deutsche Kriegsgefangene wurden in der Sowjetunion nicht liquidiert. In der taz prophezeit "The Wire"-Autor David Simon: Ein Aufstand naht. Die NZZ analysiert Damenhandtaschen. Netzpolitik hält fest, dass nicht Wikileaks, sondern Journalisten vom Guardian und Freitag das Passwort für die unredigierten Depeschen öffentlich gemacht haben. Die FAZ verabschiedet sich vom deutschen Alleinrichtigmachungsanspruch.
01.09.2011. Der Freitag beobachtet die Dreharbeiten zu David Cronenbergs Film über Freud, Jung und Spielrein im Wiener Cafe Sperl. Die Sparlampe lügt und ihre Propagandisten auch, stellt die taz fest. Brillant findet die FAZ Ai Weiweis Analyse von Peking als "Stadt der Gewalt". In der SZ kritisiert der Historiker Peter Jahn Günter Grass, der in Haaretz behauptet hat, sechs Millionen deutsche Kriegsgefangene seien von den Sowjets liquidiert worden. Die Zeit sieht unsere Demokratie abgeschafft.
31.08.2011. In der FAZ fragt Necla Kelek, wozu deutsche Intellektuelle eigentlich Stellung, Amt und Privilegien haben. Rassistisch findet in der NZZ die französische Feministin Christine Delphy den Jubel der französischen Sozialisten über die Nichtanklage von DSK. In FR und Berliner Zeitung empfiehlt George Michael seinen schwulen Fans, sich nicht alle Konzertkarten von Frauen wegschnappen zu lassen. Die Welt möchte Luft aus der Datenkrake GEZ ablassen. Spiegel Online erklärt der Buch- und Musikindustrie, warum kostenlos nicht gleich illegal ist.
30.08.2011. Newsweek bringt die erste deutliche politische Äußerung Ai Weiweis nach seiner Verschleppung - eine bittere Kritik an Peking. The Atlantic fragt, ob die Stimmung in China brenzliger ist als hier bekannt. In Slate sieht Christopher Hitchens die immer bizarreren religiösen Bekenntnisse republikanischer Politiker als reines Kalkül. Die taz kann Sarrazin doch noch was Gutes abgewinnen. Die Welt erklärt, warum die Cherokee die Nachfahren ihrer schwarzen Sklaven nicht an den Casino-Einnahmen beteiligen. Ringier kauft Literaturen, meldet Meedia.