Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Vor einer tiefen Grube

17.08.2011. Der New Yorker porträtiert den Internetpionier und -kritiker Jaron Lanier. In der taz beteuert die Reformmuslimin Amina Wadud, dass Gleichberechtigung von Mann und Frau auch im Islam möglich ist. In FR/Berliner Zeitung erklärt Götz Aly, warum er erst mal nicht mehr für diese Zeitungen schreibt. Die NZZ fragt: Was nützt es der albanischen Volksmusik und der französischen Küche, wenn sie von der Unesco unter Schutz gestellt werden?

Plündern ist Mainstream

16.08.2011. Die SZ bringt ein Plädoyer fürs Cello, das im heutigen Konzertbetrieb geschnitten wird. Außerdem erzählt sie, warum sich der Chaos Computer Club und OpenLeaks streiten. Alice Schwarzer fragt Charlotte Roche, warum die Männer sie nicht zurücklieben. Der Tagesspiegel läutet eine neue Phase im Kopftuchstreit ein. Wo bleibt der New Digital Journalism in Deutschland?, fragt der Medienprofessor Stephan Weichert in der NZZ. Und die FAZ erläutert die chinesische Überzeugung zur Schuldenkrise: Ohne Demokratie würde Kapitalismus viel besser funktionieren.

Seifenblasenhäscher

15.08.2011. Katzenjammer bei den Reichen und Einflussreichen: Kann es sein, dass die Linke recht hatte?, fragt in der FAZ am Sonntag Frank Schirrmacher, der aber noch nicht gleich - wie Warren Buffett in der New York Times - nach höheren Steuern für die Besserverdienenden verlangt. Und die Kassandra des Marktgeschehens, Nouriel Robini gibt sich im Auge des Orkans, dem Wall Street Journal, endgültig geschlagen: Karl Marx hatte recht. Die Märkte versagen. Nicht zufrieden sind die Zeitungen auch mit Dimiter Gotscheffs Inszenierung von Peter Handkes Stück "Immer noch Sturm" in Salzburg.

Eiseskälte bis zum heutigen Tag

13.08.2011. In der Welt unterhalten sich Jens Reich und Peter Schneider über die Mauer und ihre Freunde und Feinde unter deutschen Autoren. Und Henryk Broder lernt in Götz Alys neuem Buch: Der Antisemitismus ist "eine Seelenspeise, mit der sich die Verlierer trösten." Auch die taz empfiehlt Alys neues Buch. Die SZ debattiert über Klarnamen im Internet. Die New Republic winkt ab bei  Kanye West und Jay-Z, aber nicht bei Johnny Cash und Louis Armstrong. Außerdem: Videos von Chris Marker und Romuald Karmakar.

Ausweitung der Zone

12.08.2011. Die Welt erzählt, wie Charlotte Roche erzählt, wie die Drücker der Druck ihre Trauer zerstörten. In Project Syndicate gibt Ian Buruma Geert Wilders und den Rechtspopulisten eine Mitschuld am Massaker von Utoeya. In der taz zeigt sich der Sozialanthropologe Ross Holloway entsetzt: Den revoltierenden Jugendlichen von London fehlt zwar nicht der Furor, aber die Fantasie. In der SZ erklärt die Harvard-Historikerin Leila Ahmed, warum es wichtig ist, die Frauenfrage fallen zu lassen: "Es ist tatsächlich nicht mehr als eine Rhetorik ohne Bedeutung und Inhalt, die wir aus imperialistischen Zeiten übernommen haben."

Das alles verringert das Glück

11.08.2011. In der NZZ erzählt die ägyptische Schriftstellerin Mansura Eseddin, wie übel die Frauen bisher für ihre Unterstützung der Revolution belohnt wurden. Die taz eröffnet leaks.taz.de und hofft, dass die Whistleblower nun zu ihr kommen. Die Jungle World streitet über den Begriff der "Islamophobie". Die FAZ fragt: Was hat es zu besagen, dass Ai Weiwei, dem Interviews verboten sind, sein erstes Interview nach der Verschleppung einer Staatszeitung gab? In der Zeit schimpft Apichatpong Weerasethakul auf den buddhistischen Klerus.

Der nette Jochen

10.08.2011. In der Welt schreibt der Jugendkulturforscher Bodo Mrozek eine kleine Kulturgeschichte der Revolten in LondonAi Weiwei gab der Global Times sein erstes Interview nach der Verschleppung. Und alle alle (außer vielleicht den von der Autorin boykottierten Springer-Journalisten) laborieren am Charlotte-Roche-Ich-muss-darüber-berichten-Zwang. Und zwar pünktlich.

Mit Geld und Freibillets bestochen

09.08.2011. Die NZZ erzählt, wie Heinrich von Kleist sich als Theaterkritiker gründlich unbeliebt machte. Der Telegraph erzählt, wie Mao Chruschtschow blamierte. Die Blogs melden: Ai Weiwei twittert wieder. Es geht ihm gut. Er nimmt zu. Die NYRB bringt Norman Mailers furchtbaren (aber leider auch witzigen Verriss) von Mary McCarthys Roman "Die Clique" aus dem Jahr 1963. In der SZ staunt Assaf Gavron über die spontanen Proteste in Israel.

Wir sind nicht unfehlbar

08.08.2011. Die Welt trauert um verschollene Filme. Die NZZ sieht in China anti-konfuzianischen Reformbedarf. Peter Glaser warnt in Futurezone vor dem Hausherrn. In der SZ erklärt Nathan Shachar, wie Gaza überleben kann. Die FAZ feiert Charlotte Roches Wirsing hackende Romanheldin.

Subtextueller Unterleib

06.08.2011. In FR und Berliner Zeitung rauscht Peter Glaser mit wehenden Haaren über die Datenautobahn. Musiker betrachten das Web heute nicht mehr so hoffnungsfroh, schreibt die taz. In der Welt ruft Henryk M. Broder: Hurra, ich habe Wirkung! Die NZZ bringt ein Interview mit Thomas Harlan, das kurz vor seinem Tod geführt wurde. In der SZ erklärt der Shakespeare-Übersetzer Frank Günter, wie auf dem Blankvers ein Gedanke reitet. Die FAZ fragt: Gibt es einen Isländer, der nicht Schriftsteller ist?