Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
25.07.2011. War es die Tat eines Wahnsinnigen oder gerade nicht? SZ und FAZ sind sich in ihren ersten Kommentaren uneins. In der Welt bekennt der norwegische Dramatiker Jon Fosse seine Fassungslosigkeit. Berliner Zeitung und Spiegel Online haben das 1500-seitige Manifest Anders Breiviks gelesen. Alle Zeitungen bringen Nachrufe auf Amy Winehouse, die im Alter von 27 Jahren gestorben ist.
23.07.2011. Über neunzig Tote: Die schockierenden Meldungen aus Norwegen überschatten alles. Wir bringen einige aktuelle Links zu Twitter und norwegischen Medien. Woran liegt es, dass die Deutschen noch keine Ebooks lesen, fragt die Welt: am geliebten Buch? Oder am ungeliebten Ebook? Die Berliner Zeitung schickt eine Reportage aus der stillen und höchst bizarren Diktatur Turkmenistan. Alle bringen Nachrufe auf Lucian Freud und feiern seine mystische Identifikation von Farbe und Fleisch.
22.07.2011. Die NZZ diagnostiziert grundsätzliche Lesebereitschaft des Publikums trotz deutschsprachiger Avantgardelyrik. In der Berliner Zeitung wehrt sich der osteuropäische Schriftsteller Oleg Jurjew gegen falsche Verallgemeinerungen. Keine Experimente mehr: Google schließt Google Labs, meldet Slate. In der Welt dankt Sebastian Baumgarten den Bayreuther Möglichmachern. Die NYRB bringt eine lyrische Hommage John Updikes auf Lucian Freud.
21.07.2011. Verbesserte der Hechtsprung von Murdochs Ehefrau Wendi Deng das Bild der chinesischen Frau?, fragen Medien und Leser in England und China. In der Schweiz bekommen Altersresidenzen ein Gesicht, berichtet die NZZ. Im Freitag unterbreitet Jean-Luc Godard einen Lösungsvorschlag für die Eurokrise. Aber auch er kommt nicht ohne Google aus. Alle widersprechen Frank Schirrmacher. Im Guardian gedenkt Douglas Coupland Marshall McLuhans. Und wie immer hip, hot and holy: Die Zeit.
20.07.2011. In der Berliner Zeitung urteilt der Historiker Fritz Stern äußerst streng über die mangelnden Führungsqualitäten Merkels und Sarkozys im Moment der Euro-Krise. Ebenfalls in der Berliner Zeitung beklagt der Urbanist Klaus Brake die architektonische Fantasielosigkeit des Entwurfs für das Humboldt-Forum. In Frankreich schlägt die grüne Präsidentschaftskandidatin Eva Joly die Abschaffung der Militärparade zum 14. Juli vor. Frankreich echauffiert sich, aber zu Unrecht, findet rue89. Die Welt ist entsetzt über eine Jugend, die sich Casper zum Idol kürt. Die FAZ warnt vor der automatischen Gesichtserkennung.
19.07.2011. Die SZ durchschreitet die drei Schluchten des Liao Yiwu und chilled out im Low Theory Club. Die taz interviewt den Historiker Christian Gerlach zu seinen Untersuchungen extrem gewalttätiger Gesellschaften. Und wenn wir schon unser Gedächtnis ans Internet ausliefern, so Frank Schirrmacher in der FAZ, dann sollten wir es wenigstens mit staatlich approbierten Maschinen durchsuchen. Peter Glaser ist aber in Spiegel Online ganz beschwingt von den mnemotechnischen Potenzialen des Netzes.
18.07.2011. Der Künstler Nikos Veliotis erklärt in der taz, wie man in Griechenland einen Job im öffentlichen Dienst bekommt. In der NZZ staunt der Iranist Iranist Reza Hajatpour: Wer hätte je gedacht, dass Achmadinedschad antiklerikale Kräfte um sich schart? Netzwertig fragt: Gibt es Leben auf Google Plus? Der Guardian hat schon mal ein paar Fragen für die Anhörung der Murdochs und Rebekah Brooks' vorbereitet. Die FAZ plädiert für Hans Makarts prächtige Salonkunst.
16.07.2011. Kunst in Zeiten der Globalisierung - alles ein Einheitsbrei? In der FAZ untersucht das Tim Parks für die Literatur, die NZZ wirft einen Blick auf die Kunst- und Theaterszene. In der FR erklärt Liao Yiwu die Spielregeln im Gefängnis China. Die SZ staunt über die vorindustrielle Stadt, in der der Pharmakonzern Novartis künftig forschen will.
15.07.2011. In einem Punkt ist sich Henryk Broder in der Welt mit Egon Flaig einig: Der Holocaust war nicht singulär. Rupert Mudoch wendet sich in seinem Wall Street Journal gegen "Lügen", und der Guardian meldet, dass das FBI wegen der Abhörung von Opfern des 11. September Ermittlungen aufnimmt. Springer-Manager Christoph Keese erklärt dem ZDF-Blogger Markus Hündgen, warum er kein Problem mit Videos bei bild.de hat. Und Mario Sixtus erklärt Christoph Keese, wie Creative Commons funktionieren. In der SZ fürchtet der tunesische Regisseur Fadhel Jaibi nach dem Regen die Traufe. In der taz protestiert Dieter Hoffmann-Axthelm gegen German Angst.
14.07.2011. Der Guardian feiert das Ende einer "revolutionären Woche". In poynter.org scheut Guardian-Redakteur Ian Katz nicht den Vergleich mit der Watergate-Affäre. Auch in Deutschland wird gegen die Boulevardpresse gekämpft: Die Berliner Zeitung meldet, dass die ARD angeblich eine heimliche Equipe zusammenstellt, um auf eine kommende Bild-Serie über die Anstalten zu antworten. Hintergrund: der Streit um die Tagesschau-App. Fast alle Zeitungen feiern Asghar Farhadis Berlinale-Sieger "Nader und Simin" als Meisterwerk - nur die FR findet den Film ein wenig regimefreundlich.