Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
13.07.2011. Die FAZ erinnert an den Historikerstreit vor 25 Jahren und bringt eine wilde Polemik des Althistorikers Egon Flaig, der Habermas vorwirft, Zitate manipuliert zu haben, und überhaupt nicht einsieht, warum er den Holocaust "einzigartig" finden soll. Die New York Times bringt eine Verteidigung Rupert Murdochs und eine Verteidigung der Journalisten, die die Machenschaften seiner Medien bloßstellten. In der FR spricht Asghar Farhadi über Zensur im Iran und Wohlwollen im Westen.
12.07.2011. Im Guardian fordert der Kapitalismuskritiker George Monbiot nach der Murdoch-Affäre einen hippokratischen Eid für Journalisten. Tina Brown fürchtet in The Daily Beast, dass der alte Fuchs zu schlau ist, um sich BSkyB noch abnehmen zu lassen. Aber vielleicht gibt er das Zeitungsbusiness auf, überlegt Jeff Jarvis. Die FR erzählt, wie die Banken amerikanische Zeitungen zerstören. In der Welt erzählt Liao Yiwu, wie er aus China herauskam: zu Fuß. Die taz laboriert an Future Fatigue. Die NZZ lauschte berndeutschen Vokalreihen in Leukerbad.
11.07.2011. Der Bachmannpreis für Maja Haderlap löst geteilte Reaktionen aus: Rückwärtsgewandt findet die taz die Erzählung der 50-jährigen Autorin. Die Welt sieht's ähnlich. Die SZ winkt bei den Klagenfurter Texten mehr oder weniger ab, aber sie mag die Veranstaltung. Die FAZ fragt: Ist der New Yorker "Salvator Mundi" tatsächlich von Leonardo da Vinci?
09.07.2011. Die NZZ genießt in den Wohnkugeln des Antti Lovag den Vorteil der Kurve. Die Welt betreibt mit Martin Walser Reliquienkult. Die FR stellt Günter Grass die Gegensystemfrage. In der taz erklärt Marina Abramovic, warum die Performance-Kunst blüht. In der FAZ erzählt Walter Kappacher, wie Samuel Beckett 1925 von einer Motorradwettfahrt mit seiner A.J.S. träumt.
08.07.2011. Der chinesische Autor Liao Yiwu emigriert nach Deutschland. In Spiegel Online ruft er die deutschen Intellektuellen auf, sich für chinesische Dissidenten einzusetzen. Der Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger benennt den Helden der Stunde: Nick Davies, der in einem Buch zuerst die Abhörskandale in der britischen Presse aufdeckte. Jeff Jarvis notiert: Nicht ein Internet-, sondern ein Presseunternehmen ist verantwortlich für eine der übelsten Datenschutzverletzungen der Geschichte. In der FR kritisiert Richard J. Evans die Studie "Das Amt". In der FAZ feiert Clemens J. Setz "The Pale King", David Foster Wallaces nachgelassenen Roman.
07.07.2011. Verzettelt und verlinkt: Der Freitag feiert die Internetausgabe der Tagebücher von Erich Mühsam. In leistungsschutzrecht.info fragt der FDP-Politiker Jimmy Schulz: Wer soll noch Zeitung lesen, wenn man für Zitate zahlen muss? In der Welt fragen die Feministin Naomi Wolf und Henryk Broder : Schadet Pornografie dem männlichen Hirn? Die Zeit verordnet subventionierte Hochkultur. Dramaturg Bernd Stegemann verordnet in der Berliner Zeitung subventioniertes Stadttheater.
06.07.2011. Der Bachmann-Wettbewerb wirft seine Schatten voraus: In der taz erfahren wir einiges über den Ablauf, in der Welt über das spaßige Drumherum. Meedia weiß, warum Auflagen und Werbeerlöse der Zeitungen sinken, aber die Einnahmen nicht. Die FAZ fragt: Hat sich der berühmte Historiker Karl Bosl die Taten eines Widerstandkämpfers zugeschrieben? Die NZZ erzählt die Kulturgeschichte des Kusses. Die SZ gründet eine neues Ressort der Human Studies: die Animal Studies. Zum Tod Cy Twomblys bringen wir einen Film der Tate Gallery.
05.07.2011. Die Welt ist nicht froh über das Phänomen der Ebooks, die einfach ohne die Approbation der Verlage entstehen. Außerdem ist der Sammler Heiner Bastian entsetzt über die Berliner Kunstleistungsschau "Based in Berlin". Die NZZ berichtet über eine Initiative aus dem Umkreis des "Heidelberger Appells" gegen die DFG. In der taz fragt Micha Brumlik: Gibt es unter Christen mehr Rechtsextreme als unter Konfessionslosen? Die FAZ will ihr Haus nicht vermummen.
04.07.2011. Die NZZ schlendert durch die Welthauptstadt des Designs und stellt Paola Ivana Suhonen und andere Newcomer vor. Die Welt fragt: sollen Amerikaner beschnitten werden? Die FAZ ist höchst beeindruckt von Messiaens Mysterienspiel "Saint Fracois d'Assise" in der Münchner Inszenierung Hermann Nitschs. In der taz schimpft Richard Stallman auf die Verwerterindustrien. Außerdem: Hoffnung für Eichborn.
02.07.2011. In der NZZ bewundert Abdelwahab Meddeb, die tunesischen Revolutionäre. Und Jürgen Habermas erinnert sich dankbar der jüdischen Heimkehrer, die Deutschland aus der drückenden Stimmung der Nachkriegszeit befreiten. In der Berliner Zeitung ärgert sich Petros Markaris über seine Landsleute und ihre Sympathie zu den Deutschen. Die FR zweifelt an den Perspektiven des Islams. Die FAZ berichtet über eine neue Protestform in Weißrussland: Man geht schweigend durch die Städte und applaudiert. In der Welt erklärt die Lyrikerin Nora Gomringer den Unterschied zwischen "luschtig" und"interessant".