Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
01.07.2011. SZ, FR und Welt verfolgten auf Schloss Elmau eine unter anderem mit Daniel Cohn-Bendit und Jürgen Habermas besetzte Tagung zur Frage des Antisemitismus in der deutschen 68er-Bewegung. Die NZZ hat einen Dokumentarfilm von Nicolae Margineanu über die rumänischen Foltergefängnisse nach dem Krieg gesehen. Die taz glaubt nicht an Google Plus. Und die neueste Sensation: Der Prozess gegen Dominique Strauss-Kahn dürfte in sich zusammenbrechen, das Zimmermädchen hat gelogen, meldet die New York Times.
30.06.2011. Bauarbeiten bei Jungle World! Saskia Sassen tauscht das historische Subjekt aus. Der Freitag mag dem Gejammer der Zeitungsverleger über die Apps der Tagesschau nicht glauben. Rupert Murdoch verkauft MySpace, dessen Wert laut Engagdet von 580 auf 35 Millionen Dollar gesunken ist. Für die Welt ist Neo Rauch der Meister der deutschen Verzagtheit. Unterdessen wandelt Öffentlichkeit Struktur. Die Zeit steht am Rand und staunt. Und Hilfe! Das SZ-Feuilleton schrumpft. Wegen eines zähen Streiks, über den die Zeitungen ebenso zäh schweigen.
29.06.2011. Lange Zeit bereitete die Steuererklärung Andreas Maier ein großes Grauen, bis ihm auf einem Gymnastikball ein Engel erschien, so erzählt er in der Welt. Die FR begegnet in den "Transformers" Maschinen von hinreißender Zickigkeit. Netzwertig fragt: Was ergibt Google Plus? Die SZ findet: Selbst Paul Kirchhof reicht an die Klarheit des Code civil nicht heran. Und Horst Bredekamp feiert Imi Knoebels Fenster in der Kathedrale von Reims.
28.06.2011. Nein, ruft Ulrich Schacht dem Ökovisionär Ulrich Beck in der FAZ zu, die Sonne ist nicht demokratisch. Die SZ referiert die Thesen des Internetaktivisten Eli Pariser, der fürchtet, dass uns Google und Facebook in einer Filter Bubble gefangen halten. Die Presse hat sich in Tunesien bisher kaum geändert, berichtet die Berliner Zeitung. Rupert Murdoch hat sich am Internet die Zähne ausgebissen, meldet Techcrunch. Die alten Kader sitzen auf ihren Stühlen und singen das Loblied der Regierung Spiegel Online begrüßt Wen Jiabao mit den Geschichten einiger unbekannter Dissidenten.
27.06.2011. Die taz fragt: Warum weigern sich Kroaten und Serben (und die Friedensbewegung im Westen), ihre Vergangenheit aufzuarbeiten? Außerdem spricht Christina von Braun mit Gabriele Goettle über die Kulturgeschichte des Geldes. Die NZZ plädiert für die Institution des Lesekreises, die in den USA und Großbritannien weit erfolgreicher ist als hier. Keiner ist unschuldig in Griechenland, sagt Petros Markaris in der Welt. Thomas Knüwer wundert sich in seinem Blog über die Zitierpraxis der FAZ.
25.06.2011. In der FAZ erzählt Marie-Luise Scherer von ihrer Familie. "Was jetzt in Syrien passiert, ist nicht Chaos, sondern eine echte Revolution", schreibt der im Exil lebende syrische Autor Nihad Siris in der NZZ. Nicht das Eindringen in die Männerdomäne ist der eigentliche Affront am Frauenfußball, meint Hannelore Schlaffer in der Welt. In der taz findet Ulf Erdmann Ziegler ein eindringliches Bild für die Tätigkeit des Kritikers. Zum Tod von Peter Falk bringen wir eine Szene mit John Cassavetes: "I'm not gonna die."
24.06.2011. Wie frei ist Ai Weiwei?, fragt die Welt und kommt zu der Antwort: nicht besonders. Ein Jahr lang muss er stillhalten, um die Bedingungen der Freilassung auf Kaution zu erfüllen. Im Deutschlandradio freut sich Tilman Spengler über die Fortschritte in der chinesischen Rechtspraxis: Verglichen mit dem Massaker am Tien an Men Platz geht's heutzutage doch gesittet zu! Und in der SZ macht Spengler seiner Wut über die westlichen Proteste gegen Ais Verschleppung Luft. In der FAZ regt Herta Müller die Gründung eines "Museums des Exils" an. Die NZZ informiert: In diesen Tagen um Johanni ist Paarungszeit bei den Glühwürmchen.
23.06.2011. Den meisten Zeitungen wünschen wir heute einen Fronleichnam. Aber immerhin: Welt und Wall Street Journal bringen Neuestes zu Ai Weiwei. Die Berliner Zeitung annonciert einen Tsunami von Neuerscheinungen zum Kachelmann-Prozess. Die NZZ besucht den 102-jährigen Kinoveteran Manoel de Oliveira, der seit der Einführung des Tonfilms neue Impulse für das Kino vermisst. Verleger und Anstalten führen eine Schlacht von gestern, meinen taz und Perlentaucher. Endlich deutet sich auch eine Friedenslösung für Nahost an. Die Jüdische Allgemeine hat sie von Titanic erarbeiten lassen.
22.06.2011. Die SZ beschreibt die Tücken der literarischen Globalisierung, die dazu führt, dass Übersetzungen ins Englische eine sonst nicht existente Mittelsprache zwischen Englisch und Amerikanisch wählen. Im Freitag beschreibt dagegen Michael Schischkin die Gefahren einer literarischen Provinzialisierung am Beispiel der russischen Literatur. Meedia spottet: Eine Studie hat herausgefunden, dass die Tagesschau-App, gegen die die Zeitungsverleger jetzt klagen, besser ist als alles, was die Presse so fürs Iphone präsentiert. In der NZZ feiert Georg Klein die Windräder seiner Heimat.
21.06.2011. In der Welt spricht der Sozialphilosoph Kenichi Mishima über die politische Blockade in Japan nach dem Tsunami. 3Quarksdaily verleiht Top Quarks und Strange Quarks an Wissenschaftsblogs. Die SZ findet Tilman Jens' Buch über die Odenwaldschule apologetisch. Die taz interviewt den Soziologen Cesar Rendueles über die Proteste in Spanien. Boingboing kompiliert die herzlichsten Schmähungen von Autoren für Autoren.