Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
20.06.2011. In der NZZ erklärt die argentinische Autorin Maria Sonia Cristoff ihre Techniken des Reisens. Das Blog Mashable erzählt, wie das Netz die Mode verändert. Die FAZ fürchtet, dass das Internet der Liberalisierung der Märkte Vorschub leistet. Die FAZ berichtet auch über den Iran, der das Netz abschaffen will. Die SZ begutachtet die digitale Währung der Bitcoins und stellt fest, dass sie den Gesetzen des Marktes unterliegt.
18.06.2011. Jürgen Habermas beantwortet fast alle Fragen, aber keine zum Weltuntergang, notiert die FR. Die NZZ analysiert eine Email von Mutters Teekessel. In der taz erzählt Filmregisseur Ulrich Köhler von einem Krankenhausleiter, der sich in ein Nilpferd verwandelte, um die Konkurrentin zu töten. In der Welt erinnert sich Fritz J. Raddatz an sein Treffen mit Czeslaw Milosz. Die FAZ schildert die trostlose Gegenwart der kubanischen Jugend. Im Iran werden Männer mit Halsketten verhaftet, berichtet die SZ.
17.06.2011. In der FR spricht die mexikanische Journalistin Anabel Hernandez über den Drogenkrieg in ihrem Land. In den amerikanischen Blogs geht die von Jeff Jarvis angestoßene Debatte um die Zukunft des Artikels als journalistischer Form weiter. Die FAZ beobachtet Klaus Lemke bei Dreharbeiten in Berlin. Die SZ stellt den 94-jährigen spanischen Autor Jose Luis Sampedro vor, der jetzt ein Vorwort zu Stephane Hessels Flugblatt "Empört Euch" geschrieben hat. Und der Guardian erklärt sich zur digital first organisation.
16.06.2011. Im Freitag spricht Saskia Sassen über ihren Vater, den Nazi Willem Sassen. In der Welt warnt Ralph Giordano vor einer "gespenstischen Drohkulisse", die sich vor Israel aufbaut. Die FR staunt: Noch das letzte leerstehende Postgebäude in Neukölln wird heutzutage von Künstlern zwischengenutzt. Die Zeit wendet sich auf ihren Kultusseiten gegen die Softpornografisierung beinahe aller Gesellschaftschichten. Die SZ ist entsetzt über die Eliminierung des Kurators im italienischen Biennale-Pavillon, ohne den auch die ganze Kunst nichts taugt.
15.06.2011. Michail Chodorkowski kritisiert in der FAZ den Westen und zitiert einen Klassiker des Marxismus-Leninismus: "Die Kapitalisten verkaufen uns selbst den Strick, an dem wir sie aufhängen." In der Welt setzt sich Henryk Broder mit dem Glauben auseinander, aber auch mit Matthias Matussek. Die SZ ist ganz durcheinander: Matussek hat seinen Chef kritisiert. Nur halb bekehrt verlässt Diedrich Diederichsen in der taz Terrence Malicks Kinokathedrale "Tree of Life".
14.06.2011. In der SZ protestiert der Islamexperte Stefan Weidner gegen die Friedenspreisentscheidung für den allzu kritischen Autor Boualem Sansal. Die SZ bringt auch einen Hintergrund zur Demokratisierung in Tunesien. In der FAZ verteidigt Ulrich Beck den Abschied von der Atomkraft. Sehr streng verurteilt der New Yorker den Amerikaner Tom MacMaster, der das Blog einer angeblichen lesbischen Syrerin von vorn bis hinten erfunden hat. Überhaupt stellt sich inzwischen heraus, dass viele lesbische Bloggerinnen ein Mann sind. Die taz erinnert daran, dass es tatsächlich syrische Blogger gibt, die ihr Leben riskieren.
11.06.2011. In der Welt sucht Krisztina Koenen eine ungarische Partei, die nicht antiaufklärerisch oder korrupt ist. Die taz denkt sich das Personal für die große deutsche Fernsehserie über die Ökobewegung aus. In der NZZ erinnert Urs Widmer an den Aufstand der Lektoren im Suhrkamp Verlag. Die SZ erinnert an dem Umgang mit Hiphop und diesem "Brech-Tanz" in der DDR. Und alle schreiben zum Tod des Malers Bernhard Heisig.
10.06.2011. Dance, baby! Die taz feiert Tecnobrega, Durban Kwaito und Moombahton. Herta Müller erzählt in der FAZ, wie Jorge Semprun sie auf den Bumerang des Glücks vorbereitete. Die FR erzählt, wie Hilmar Hoffmann und Iring Fetscher auf die Enthüllung ihrer NSDAP-Mitgliedschaft reagierten. Alle freuen sich über den Friedenspreis für Boualem Sansal.
09.06.2011. Nachdem der Stern herausgefunden hat, dass Hilmar Hoffmann, Kurt Rebmann und Iring Fetscher jugendliche Mitglieder der NSDAP waren, lässt sich die Mär von den "Karteileichen" nicht mehr aufrechterhalten, meint die Welt. Spiegel online sucht die syrische Bloggerin Amina Abdallah Arraf und findet sie nicht. Der Freitag sah Marx erblassen. Die NZZ unterhält sich mit Oksana Sabuschko. Die Zeit beklagt die schwachen deutschen Nerven. Alle trauern um Jorge Semprun.
08.06.2011. In der FR spricht Abdelwahab Meddeb über Chancen und Risiken der tunesischen Revolution. Die Shopping Mall ist tot, es lebe die Kaufstadt, meldet die Welt. In der NZZ spricht der ägyptische Autor Ibrahim Farghali über die Verfolgung von Christen in seinem Land. Die FAZ denkt über die Lage der Lyrik in Deutschland nach. Zum Tod des großen Jorge Semprun haben wir einige Links zu Interviews und Fernsehdokumenten gesucht.